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Gegründet im Jchre 1849 unter dem Titel

Sdjlüsterner Tageblatt

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Montag, des 11. Aprit 1921

73. Arörg.

Aus der Heimat.

* Schlüchteru, 9. April. (Ein Veteran der Arbeit ' n 1. April d. Js. ist Herr Forstmeister Hebel in Söl

Master aus seinem Amte geschieden und hat seimn Wohn­sitz in Johannesberg bei Fulda genommen. Die Bedeutung seiner Persönlichkeit i8 von allen denen gebührend gewürdigt Worden, die ihm näher zu treten Gelegenheit hatten. Nicht I nur seine siaatSdienRichrn Aufgaben umfaßte seine «ae | Arbeitskraft, vielmehr führten ihn Verständnis und Jntereffe | für alle sozialen und wirtschaftlichen Fragen des Lebens, und I insbesondere seine langjährige B-tätizuug an der kommu- | aalen Selbstverwaltung des BezirksverbaudeL Caffel und I des Kreises Schlüchteru, weit über die Grenzen seines fotfb »tzea B««fK Knans. Von gträder vornehme« Art, |e« rechtem, aber »oNWollmdM Empfinden, offen und korAkt ia der ÄüffWng feiner aMÜchie«' Stelluüg und bei aller I Zurückhaltung feines Wesens beftiNMt, liebenswürdig und I gtfäilljz, übte er den unmittelbarsten Einfluß aus seine Üm- I gebung aus. Die Stadt Salinünster hat ihm das Ehren- k bürgetrecht verlicheu und der Weite Kreis seiner vorlijm I Freunde und Verehrer bereitete ihm eine herzliche, durch die I Würze echt bayerischen Bieres hochgeRmmte Abichtedsschr. k Aber auch Herr Landrat von Trott zu Solz versammelte | zur Ehrung des Scheidenden die Mitglieder des Kreistages I und des KreiSauSschuffes im Anschluß an Me Sitzung vom I 7. 4. zu einer festliche« Tafelrunde, die durch die Beamten k der Kreisverwaltung sowie zahlreicher Herren, die sich mit | Herrn Hebel durch ihre frühere ehrenamtliche Tätigkeit im M Kreise verbunden fühlen, eine stattliche Verstärkung fand. | Mit Worte« des Dankes für seine fruchtbare verdienstvolle | Wttksswkett überreichte ihm Herr v. Trott zu Solz eine das 1 : KrMaO darstellende, künstlerifch auSgefüHri" Federzeichnung | mit dem Ausdruck der Hoffnung, saß »t^ feilg .^. .;> j | Me« die ihn durch einen ZA.jährigeu Aufenthalt an das I Kinzigtal knüpfen, auch durch die Entfernung seines neue« I Wohnsitzes nicht gelockert werde«.

* Schlüchteru. (Theater in der Turnhalle.) Mit glän­zendem Erfolg ging gestern abend das GesamtstückWald- , »eschen" über die Bretter. Fräulein Elisabeth Breihylz spielte und fang die Titelrolle und erzielte wahre Beifalls­stürme. Es würde zu weit führe«, alle guten LeistuuKn einzeln anzuführen ; aber. sämtliche Darsteller boten Pr Bestes, und der schöne Theaterabend wird den Besuchern -in angenehmer Eriuuernug bleiben. Am Donnerstag abend gelangt als letzte WochentagsvorstellungAlt-Heidelberg" von Mayer-Förster zu^ Aufführung. Den Erbprinzen st Herr Haus Könner. Stuttgart.

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lpietzs dem thearerliedenden Publikum einen besonder.su Genuß.

* Schlächtern. (Spott.) Die Ecgebuiffe der außge- teagenen Spiele des Fußballvereins Schlüchteru 1910 am gtsjriaen Sonntag sind solornd?:

2. Ranusch. 1910 gegen 3. Turngemeinde Fulda 5:5,

1. Jugendmannsch. 1910 gegen 1. Jugendmannsch. Ger­mania Fulda 1:0.

2. Jugendmannsch. 1910 gegen 2. Jugendmannsch. Sal-

Münster 2:0.

* Salmünster. Wegen Uebertretung des Feld- und FsrstvoUzriLesetzss war der Landwirt Hieronymus Korn zu 14 Tagen Haft verurteilt worden. Er hatte im Herbst 1920 dem Landwirt Heinrich Eichenhauer von deffen Grund- stück einen Sack Aepfel entwendet, wobei er von E. erwischt wurde. Vor der Strafkammer in Hanau behauptete K.,

die Aepfel wären nicht von dem T'schen Grundstück, sonder« von einem wild wachsenden Baumgeeinte!" worden Die eingelegte Berufung hatte jedenfalls den nicht gewodten Erfolg, da der Angeklagte wegen Rückfallsdiebstahl zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt wurde.

* Aus dem Landkreise Hanru. (Auch die jungen Gänschen sind billiger geworden.) Noch mehr ha Verhält Ais zu den jungen ZiegeslämmHeu sind die Preise der jungen Gänschen gesunken. Während im Vorjahr ein junges Gänschen mit 15 bis 20 Mark bezahlt wurde, kostet ein solches jetzt 5 Mark. Im vergangenen Herbst mußte man für eine Gans zum Schlachten 100 Mark bezahlen; hoffent lich find die Gänse im kommenden Herbst dem entsprechrud auch viel billiger.

Eine Ktuanzkonserenz ir Washington?

Das Journal" sagt, in offiziellen Kreisen glaube man, daß Harding -daran denke, eine Finanzkouferenz einzube- rufen. Sie sei die Wiederaufnahme des Gedankens, der zu der Brüsseler Konferenz geführt habe. Die französische Re­gierung aber könne die Reparationsfrage nicht mit einer Mnonzdebatte verquicken, denn die Reparationsfrage könne nur durch Anwendung des Vertrages von Versailles gelöst werden und um sie zu erreichen, brauche man nicht nut die nee Konferenz zu gehen. '

Pertinax bespricht imEcho de Paris" die gestern ver­öffentlichte Meldung derWashington Post", es solle in die­sem Sommer eine internationale Konferenz nach Washing­ton ernberufen werden, um die Reparationsfrage zu lös«. Er will nicht glauben, dass diese Nachricht begründet sei, sonst würden die Amerikaner, ohne es zu wollen, den deutschen Widerstand verstärken und Europa zu neuen Störungen ver­urteilen. Bei dem Essen, das Senator Mac Cornick zu Ehren Vivianis gegeben habe, habe dieser offiziell verlangt, daß die Resolution 5knox ausdrücklich den Willen der Vereinigten Staaten kundgebe, einzugreisen gegen jeden bewaffneten Wteherangriff des deutschen Imperialismus und ausserdem die Wirksamkeit der europäischen Verträge bestätige.

Me Resolulion Knox.

Senator Knox hat seine bekannte Resolution mit einem Zusatz versehen, der bestimmt: ,Menn der europäische Friede von einer Macht bedroht wird, wird von den Vei^tnigten Staaten darin eine Gefährdung ihres eigenen Friedens ge­sehen und sie werden sich nötigenfalls mit den bedrohten Mächten verbinden, um die Sulhit zur retten."

Die Ersatzpfricht für Seeschäden.

Aus Paris wird gemeldet; Die Reparatiouskommifiivn hat die müdlichen Erklärungen der deutschen Regierung über die Festsetzung der Seeschäden entgegengenommeu. Die deutschen Delegierten haben folgenden Standpunkt vertreten:

1. TcutschtanH ist -licht verpflichtet, Entschädigungen für versenkte Haudersichiffe zu leisten, wenn sie für militärische und Mariuezwecke den Dienststellen des Heeres oder der Marine einer alliierten oder assoziierten Macht zur Ver­fügung oder unter deren Befehl gestellt waren.

2. De Wert der unter folgende vier Kategorien falleudeu Schiffsladungen darf Tentschland nicht in Rechnung gestellt werden: a) für Ladungen, die nach ihrer Beschafsenheit auS- schlietzl. für Kriegszwecke bestimmt waren, b) für Labungen, die der Armee oder der Kriegsmarine angehörten, c) für Ladungen, die mit der Verproviantiern»» der Armee oder Marine beauftragt waren, 1) des Teiles der Ladunge», die für eine der alliierter' oder assoziierten Acächte bestimmt und von einer Eskorte überwacht wurde», die für die mili­tärische Berproviautieruua vorgesehen war.

3. Deutschland kann aus Gründen der Billigkeit und des internationalen Rechts nicht verpflichtet werden, Entschädi­gungen für Schifte zu leisten, die zu Aufang des Krieges in den Häfen der Alliierten öeidMaanabmt oder aus offener See gechartert oder durch Priseuurtsile eingezogen waren, wenn diese -Schiffe, nachdem sie in den Dienst der die Beschlag­nahme ausfprechcuden Regierungen gestellt worden waren, von Deutschland im Laufe des Krieges versenkt wordeu sind

4. a) Deutschland ist nicht ersuNpflichtig für irgendein alliiertes Schiff, das wehreich des Krieges durch normale Seeqefahren verloren gegangen ist; b) es ist für ein ver­schollenes Schiff nur dann ersatzpflichtig, wenn ihn: h-wtefe» werden kann, daß es für seinen Verlust verantwortlich ist.

5. Wegen der Schätzung der Schiffe und Ladungen welche Deutschland in Rechnung gestellt werden, sind die deutscher Vertreter der Aussasiung: a) daß die Ladungen nach dem Preise gerechnet werden müssen, die ihr letzter Eigentümer dafür bezahlt bat einschließlich aller Kosten. DerfrackMusS- und Bersicherungspraurien, b) dass der für verloren ge­gangene Schiffe einzasiellende Wert dem Wert am Tage ihres -Verlustes entsprechen nute, bietet Wert aber in feinem Falle den Wiederherstevungspreis iifiersteigen darf

Die Reparationskommission ist in die Pru-nne dieser Frage eingetreten und wird darüber in Kürze i^imtfive Entscheidungen treffen.

Vorkehrungen der Leuna-Verke.

Die Hauptversammlung der Leunamerke hat eine neue Arbeitsordnung erlassen, und die Einstellung von Arbeiter« geschieht nur, wenn diese sich mit den aufae »elften 14 Punkten einverstanden erklären. Das Mitnehmen der kleinsten, schein­bar wertlosesten Sache wird als Dirbstah! betrachtet. Die Ar« Leiter müssen sich beim Verlassen des Werkes edtl. don dem Pförtner untersuchen lassen. Während der Arbeitszeit und innerhalb der Betriebe ist jegliche politische Bekatignng unter- sagt. Die Betriebsräte dürfen nur auerbalb derr Arbeitszeit Sitzungen abbalten. Von der Wiederenfttellung sind ausge-; schloffen alle Arbeiter unter 25 Wahren, alle Mitsli-der de^ Aktionsausschusses und ferner diejenigen, die sich wahrend, der Mtfchzeit liebergriffe zuschulden kommen ließ»«.

Das Zirkuskinö.

Rovellette von I. 3unt

(Nachdruck verboten.)

entzogen werde»; fk mußt« deutsch denken und handeln lernen.

Unverzüglich leitete er, nachdem er den Haushalt in Budapest aufgelöst, in Bernsdorf die Scheidung ein. Die Ehe wurde getrennt und dem Grafen das Kind zuge- prochen. Er reifte mit Maria, die ihm Elisabeth ge« andt, zu seinem Schwager. Dort vermochte er eine größere Summe flüssig zu mache» und sie seiner geschie- denen Frau zu übermitteln. Er glaubte nun für immer mit Dieser Episode seines Lebens fertig zu fein.

Aus dem ehemals so stattlichen, flotten Offizier war ein gebeugter, müder Mann geworden, der nur noch an seinem Kinde hing.

Jetzt war Hans Joachim wie vernichtet. Wohin war die Frqü gegangen? Er wollte zu ihr eilen, sie mit Ee- malt zurückrufen. Da fiel ihm Rosses Ausruf ein:Dies­mal räche ich mich empfindlicher!"

Da wußte er, daß es vergeblich sein würde! Aber konnte sich Denn ein Mensch in wenig Monaten so verwandeln? Und er fing an, das Wesen seines Weibes zu zergliedern. Freilich, da kam mancherlei zum Vorschein, was ihm Lher in seiner^übergroßen Liebe entgangen war. Näm- ' fernte Verwandte teilte sich mit ihm in die Sorge für fein daß « stets der Gebende, sie nur die Empfangende Wobleroeben

oder Gewährende gewesen. Seine ganze, treue, reine " :' . . _ . . .. ... .

Liebe hatte er in ihren Schoß geschüttet; sie hatte ae- ^5" Eli^beth hörte Hans Joachim weiter nichts, als NüMNlep,' ohne zu erwidern. Häufig, ohnt zu danken, als daß sie in Budapest ein ziemlich lockeres Leben führte, ihr Recüt als ^ rivnt der einer schönen Frau aebiihH 1 W einemmal leitete sie, ohne sich vorher um Mane ge- Aas e^fitr Wdch«,hafte Scheu, für keusche Zurückhaltung 'imimert zu haben, einen neuen jrozeß betreffs des Kindes des Weibes 'gehänen, war Gleichgültigkeit, Unbewegtheit 1 in Mft allerlei Kniffen - sie hatte sich indessen mit

des Herzens gewesen Ihr eiaentkckes Geküßt ihr Inneres * einem recht berüchtigte» Rechtsanwalt eng befreundet

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vor feiner Abreise ihren Hang zu Vergnügungen gesehen, W Erlaubnis zu erwirken, das Kmd in Den Serien b«

ihre tolle ß^eiishtft getabett. Aber daß sie so minder- »ch zu sehen. Hans Joachim war.Wle vom Donner gerührt,

wertig, ja treulos sein könnte, das war ihm nie in den Sinn gekommen!

Und als er hae alles greifbar deutlich vor seinem geb ftigen Auge sah.; als ihr Charakter gleichsam hüllenlos vor ihm lag, da fühlte er, daß er mit Elisabeth fertig war; daß sie ihm sein Bestes im Leben geraubt, und daß er mr nie verzeihen, mürbe.

n« u®r äkhörte zu öen Naturen, die den ganzen Schatz ihrer Liebe an das Weib ihres Herzens abgeben, die es aber bann, wenn sie feine UnwUrdjgkeit einsehen, auch un­barmherzig richten.

Nur sein Kind, seine Maria, die wollte er wisder- baben; die sollte dem verderblichen Einflüsse der Mutter

Das wuchs in allex Freiheit auf. nte Verwandte teilte sich mit ihm in

Eine ältere, ent*

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Hans Ioachiin war wie vom Donner gerührt.

Aber, wenn Das Weib mir mein Kind nun nicht wieder heimschickt k Wer kann wissen, was für eine Teufelei dahintersteckt! So lange hat sie mich in Ruhe gelassen, und jetzt plötzlich diese Sehnsucht nach Maria! Wenn sie doch lieber Geld gefordert hätte! Ich würde es gern geopfert haben. Mit einemmal solch ^unvorhergesehener Älisbruch von Mutterliebe!"

Und richtig, eines Nachmittags, als Hans Joachim gerade wegen eines Viehverkaüfes über Land gefahren war, traf ein Herr aus Budapest ein, der feine Voll­macht vorzeigte und Maria ntit sich zu nehnic» wünschte. Das Kind weinte und jammerte; es half ihm iiidjts; und

lc,, p.lu^^. »Laß ihn; wir schaffen die MerMe gleich nach -er

als Hans Ioachn» des Abends nach Hause fam, fuhr Umstellung weg. Er soll sie stiemn

Maria schon der Heimat der Mutter entgegen. . j lFortjetzu» :

Maria schon der Heimat der Mutter entgegen.

Der Graf raste wie ein Wahnsinniger; er wollte die Wirtschafterin sofort entlasten; feine Schwester tröstete ihn.

In vier Wochen kommt Maria ja wieder; du wirst dich freuen, wie elegant sie geworden sein wird."

Hans Joachim schüttelte den Kopf.

Ich habe das Weib unterschätzt; das plant sicher­lich mit Rosse einen neuen Streich gegen mich; mir ist als ob ich mein Kind nicht wiederhaben würde."

Du siehst am Hellen Tage Gespenster! Das Schick­sal hat sicherlich noch gute Stunden für dich aufgespart! Das Kind wäre doch nur eine Last für die Frau, und für Lasten war sie doch stets zu bequem!" antwortete ihm feine Schwester.

Die Ferienzeit lief ab; ungeduldig wartete Hans Jo­achim auf Marias Rückkehr: es traf kein Gruß von ihr ein. Jetzt beunruhigten sich auch Irma und ihr Gatte. Man depeschierte nach Budapest in die angegebene Woh­nung ; Die Depesche kam als unbestellbar zurück. Sie Adresse erwies sich als falsch; nie hatte eine Gräfin dieses Namens dort gewohnt. Nun machte sich Hans Joachim selbst auf die Reise, das Kind zu suchen. An einem Spätsommerabend stieg er auf dem Budapester Bahn­höfe aus.

Ein paar Tage lang hatte er in der Stadt alle Hebel in Bewegung gesetzt, um der Kleinen und Elisabeths Aufent­halt zu erforschen; da sah er eines Abends ganz zu­fällig, als er spazierenging, in eine Kutsche hinein. Marias blonder Kopf neben Elisabeth tauchte flüchtig vor ihm im Innern auf. Fr starrte wie gebannt auf das Fuhrwerk; es verschwand im Dunkel.

i- Drinnen preßte Elisabeth RosLes Arm.

Du, das war Hans Joachim", flüsterte sie ihm fran-

' Msch zu.

Einen AugeNbsickerschrak auch der: bald aber lächelte er verächtlich.