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8 d)lüd) lernet Rrei8dlall..- Schlkchlerner Tageblatt.

»«»«gSpreis vorauszahlbar viertelj. durch die Post Mk. 12., durch unsere Träger Mk, 10.80, bei unS ab geholt Mk. 10.. Grschrist an Wochentagen nachmittags. Druck u. Verlag $. Hohmeister, verantwortlich H.-L. Hohmeister, Schlächtern, Fernruf 66. Erfüllungsort für den gesamten GeschöstS- verkehr mit der Firma Schlächtern.__

M 81

Gegründet im Jahre 1849 unter dem Titel

Des VeziVkSdste

Arettag, den 8. April 1921

Anzeige«: it Zeile oder bereu Hau« 70 Mg., Reklame- zetle Mk. 2. sämtl. ohne besonderen Zuschlag. Bei BetriebSstSrungen kein Schadenersatz oder Mindergebühr rtnschl. BezugS. Seine BemSSr für Platz, Lufnahmezett und Beleglieferung. Sein Nachlatz bei gerichtlichen Zwischeu- k-ften. Zählkarte Frankfurt a. M. Nummer 11408,

73. Iaßrg.

Aus der Heimat.

* (Kommt ein heißer Sommer?) Nach Ansätze ver­schiedener Gelehrten, die sich mit Wetterkunde befassen, soll der Sommer von 1921 viele heiße Tage mit Gewitterregen bringen. Begründet wird diese Voraussicht damit, daß der Winter eine zu hohe Temperaturbasis für den kommenden Sommer geschaffen hat. Ob's stimmt?

(Lehrlingsklageu.) Zum 1. Avrtl hat eine größere Zahl Angehöriger unserer schulentlassenen Jugend sich bei diesem oder jenem Handwerker in die Lehre gegeben. Und ebenso alt, wie die Einrichtung der Lehrjahre überhaupt, sind auch die Klagen der Lehrlinge in den ersten 4 Wochen ihrer neuen Existenz. Denn das bis dahin ängstlich behütete Muttersöhnchen fühlt jetzt den rauhen Ernst des Lebens um die Nase wehen. Lehrjahre sind eben keine Herrenjahre, und der junge Dachs früher in der Familie der Punkt, um den sich alles drehte bekommt jrtzt erst einmal einen Begriff davon, daß er noch ein Menschenkind ist, daserst was werden will". Nichts aber ist so verkehrt, als wenn eine besorgteMutter auf jedes Klagelied Jeremiä hin, das ihr Sprößling an- stimmt, sofort zum Lehrherrn rennt. Selbstverständlich soll Mißbrauch der Lehrgewalt nicht entschuldigt werden. Im übrigen jedoch ist ein strenger aber gerechter Meister die beste Bürgschaft dafür, daß der junge Lehrling das Leben, in dem später nun mal nicht immer Bonbons gelüscht wer­den, mit dem nötigen Ernste anfassen lernt.

* (Steuerpflicht der durch KUegswucher erworbenen Vermögen.) Für dir Besteuerung des Einkommens nach dem alten preußischen Einkommen-Steuergesetze gilt bekanntlich der Grundsatz, daß Einkünfte aus einem verbotenen oder strafbaren Gewerbe nicht steuerpflichtig sind. Es würde den Zielen eines geordneten Staatswesens zurviderlaufen, wenn der Staat von den Erträgen gewerbsmäßiger Berübung von Verbrechen oder Vergeheneinest, Ant-il iz. .ßM&Ä der Einkommensteuer für sich in Anspruch nähme. Solche Erwägungen sind, vom sittlichen Standpunkt aus betrachtet, gewiß beachtenswert. Aber die Not der Zeit zwingt den Staat, sich von solchen Vorstellungen freiznmachen und zur Aufbesserung seiner Geld- verhältniffe auf den alten römischen Grundsatzpecunia nou ölet" zurückzukommen. Dieser Erkenntnis hat sich auch das Reichsgericht in einem von der bekannten Zeitschrift für all­gemeine Rechts- und SraatskundeGesetz und Recht" veröffent­lichten Urteile nicht verschlossen. Es gelangt bei der Aus­legung des Kriegssteuergesetzes zu dem Ergebnisse, daß es für die Steuerpflicht eines BermögenSzuwachses keinen Unter­schied mache, ob der Besitzer die Bermögungswerte auf ehren­hafte Weise oder durch ein sittenwidriges oder strafbares Verhalten erworben habe. Das Bedenken, daß niemand gezwungen werden könne, sich selbst einer strafbaren Handlung zu bezichtigen, treffe nicht zu, weil der Kriegswucherer nicht gezwungen sei, in seiner Steuererklärung den Eutsiehungs- gruvd des Vermögemzuwachses zu offenbarem

* (Was kostet eine Banknote?) Als Ersatz für un­

brauchbar gewordene Reichsbanknoten berechnet die Reichs- bans die Herstellungskosten, die sie neben anderen Gebühren in Abzug bringt, wie folgt: eine Reichsbanknote zu 1000 Mk. 1,50 Mk., eine solche zu 100 Mark 1,20 Mark, zu 50 Mk.

1 Mark, zu 20 Mark 90 Pfennig, zu 10 Mark 20 Pfg. Wenn man berücksichtigt, in welchen Massen die ".Banknoten hergestellt werden, ist das nicht gerade billig zu nennen.

* Dos Ueberlandwerk FuldaHünfeldSchlächtern hat vor einigen Tagen die Hochspannungsleitung von Maus- bach im Kreise Hünfeld über Großentaft, Hünfeld, Marbach, Petersberg, Fliedeu, Elm, Sterbfritz, Ahlersbach in Betrieb genommen. Nachdem die Ortschaft Treischfeld im Kreise Hünfeld bereits feit dem 21. v. Mts. mit elektrischem Strom beliefert wird, sind nunmehr die Orte Petersberg, Herolz, Sterbfritz und Ahlersbach ebenfalls eingeschaltet worden. Im Laufe der nächsten Tage steht die Inbetriebsetzung weiterer Gemeinden im VersorgungSgebiet des Ueberland- Werks bevor. Der Verbandsausschuß hat in seiner letzten Sitzung die Aufnahme einer neuen größeren Anleihe zum weiteren Aus­bau der elektrischen Anlagen in den drei Kreisen bewilligt und zwar würden diese umfassen:

Im Kreise Schlächtern:

Die Strecke SchlächternSteiuauSalmünster,

die Verlängerung von Nlmbach Über Kerbersdorf, Romschal nach Salmünster;

SchlächternElmHütten;

SterbfritzWeiperzMittelkalbachOber­kalbachHeubachUttrichshausen u. Sterb- fritzZüntersbach.

Im Kreise Fulda:

Die Strecke Kühlhaus MittelrodeGroßenlüderHainzell HosenfeldHauswurz;

KohlhausNeuenbergMrberzellTrätzhos;

MnbachDietershauMatzerzell;

AlmtnbvrfWtrseüHof^rberWi«g«S;

MelsdorfMargrethenhauuAcmenhof;

EdelzellPilgerzellRönshausen mit Abzweig nach Rotheman» und Hattenhof;

SchwebenNieder- und Mittelkalbach

Im Kreise Hünfeld:

Die Strecke Großentaft Rasdorf G'üffelöa-H Wüst MichelsrombachLangeaschwarzNeukirchen;

RüstMorlesOberascheabachSchwarzbach u.

SoisdorfOberuffhauseu.

Das vorliegende Projekt umfaßt zunächst etwa 120 Ge­meinden. Die Stromversorgung erfolgt, wie bekannt, vor­läufig vom Kaliwerk Hattorf aus, das die elektrische Energie durch Kohle erzeugen muß; infolgedessen ist der Strompreis zunächst etwas höher als bei der endgültigen Beliefeunz durch die staatlichen Mainkraftwerke.

* Schlächtern. (Union Theater). Mit dem Abenteuer- FilmDer Fluch der Menschheit" haben unsere Lichtspiele wiederum einen großen Schlager erworben. Das Stück zerfällt in zwei Teile, von denen der erste heute und

Sonntag abend zur Vorführung gelangt. Außer diesem svannenden Abenteuer-Film roll» das schöne Lastspi-lMit 300 PS. zum Standesamt" mit der reizenden Filmdiva Thea Steinbrecher" in der Hauptrolle über die Leinwand.

* Schlüchteru. (Theater in der Tarnhalle.) Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich ist, kündet Herr Dir. Bretholz die letzte Spielwoche an. Wir machen daher alle Kaastftmndr aus die wenigen noch statifirdenden Vorstellungen der Gesellschaft ganz besonders aufmerksam. Die Direktion hat es verstanden, durch einen gut gewählten Spielplan, unter­stützt durch vornehme Ausstattungen, sich die Gunst der Theaterbesucher zu sichern. Am Sonntag abend gelangt da« reizende GesangstückWaldlieschm", in welchem die beliebte Schauspielerin Fräulein Elisabeth Breiholz die Hauptrolle spielen wird, zur Aufführung. Der Nachmittag mit dem MärchenspielHäusel und Gretel" ist für die Jugend bestimmt. Am Schluß der Nachmittagsvorstellung wird das Kachenhäuschen verteilt und den Kindern dadurch eine besondere Freude bereitet.

* Salmünster. Der Provinzialausschuß hat in seiner Sitzung vom 23. März d. Js. Herrn Hauptmann Berta in Soden zum Mitglied des Bezirksausschusses des Regiernngs- bezirks Cassel gewählt.

Die griechWe Armee zieht sich zurück.

Reuter meldet aus Smyrna, daß der b»ri ausgegebene griechische Bericht den Rückzug der griechischen Armee in Rich­tung auf die ursprünglichen Stellungen bestätigt. Einer früheren Reutermeldung zufolge sind in amtlichen Kreisen in London Telegramme eingetroffen, nach denen die Griechen mehrere tausend Mann -verloren und sich in einer Tiefe von 7080 Meilen zurückgezogen haben. Man glaubt, daß die griechischen Streitkräfte auSteidfen, um den Türken, die ihnen nicht gefolgt sind, in den neuen Stellungen die Stirn zu bieten, sodaß keine Gefahr für die alliierten Sireitträfte an den Meerengen bestehe.

Daily Erpreß" meldet auS Konstantinopel: Die krmalisii« schen Berichte behaupten, daß der Feind endgültig g e * schlagen sei. Die griechischen Verluste, die Gefangenen nicht einbegriffen, wurden auf 4000 Mann geschätzt. 150 griechische Offiziere find gefallen. In den maßgebenden Krei­sen von Konstantinopel herrscht bie Ansicht, daß die voll­ständig^ Vernichtung des griechischen Heeres nur durch das Eingreifen der Alliierten und die Auferlegung eines W af / fenstillstandes verhindert werden könne.

Ein griechischer Hilferuf.

Die griechische Regierung sortiert sämtliche griechischen Offiziere und Mannschafien. die sich in Deutschland an »hal­ten, zur Annabme des Dienstes in der Armee aus. Damit wird die schwere Niederlage der Griechen in Kleinasien deut­lich bestätigt.

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Das Airkuskinö.

Novellette von J. Zunk.

1 Nachdruck verboten.)

Hans Joachim, du mußt den Kopf oben behalten und vor allen Dingen überlegen, was noch zu retten ist!" Ja, ja, Irma, aber mich beunruhigt, daß Elisabeth mir keine Nachricht zukommen lägt!"

Die wird schon kommen; wer weiß, was sie noch zurückhültl*

Die Wochen vergingen; Hans Joachim war außer fich vor Bestürzung, als er auf feinen letzten Brief noch immer keine Antwort erhielt. Kurz entschlossen, bat er seine Schwester, noch eine Woche zu bleiben, und fuhr nach Bu­dapest.

Je näher er seinem Ziele kam, desto lauter klopfte sein herz vor Aufregung. Wie wurde er Elisabeth finden? Wie würde sie sich in die veränderten Verhältnisse schicken?

Der Zug hielt, und in raschem Trabe brächte ihn «in Fuhrwerk nach der von ihm gemieteten Villa. Wie erstaunte er, als er trotz der vorgerückten Stunde oben alles erleuchtet fand! Mit einem kleinen Schlüssel, den er bei sich trug, öffnete er geräuschlos die Tür und trat ein. Gesang und Stimmengewirr tönte ihm entgegen. Außer sich vor Erstaunen, scklug er die Portiere zu dem Zimmer seiner Frau zurück. War's denn möglich, äffte ihn ein toller Spuk, oder war er nicht mehr Herr seiner Sinne?

Einen Augenblick stand er wie gelähmt, und da hörte er, wie eine Stimme sagte:Frau Gräfin, Sie haben ja heute wieder so köstlich gesungen, und Ihr Partner hat sich auch selbst übertroffen! Unser herrliches büngerpaar, Gräfin Harrach und Hauptmann Rosee, sie sollen hoch leben!"

Beifallsklatschen und Hochrufe rauschten durch den Raun,.

Ab«r da kam auch schon Leben in den Lauschen­

den. Mit einem einzigen Satze stand er inmitten der Gesellschaft.

Verwunderte Gesichter staunten ihn an.

Meine Herrschaften, Sie werden mich entschuldigen müssen, wenn ich Sie bitte, gleich dieses Haus zu ver­lassen! Ein Bube, ein Ehrloser, der mir vor Jahren meine Laufbahn zerstörte, weilt unter meinem Dache. Er sang ; eben mit meiner Frau meiner Frau, die den Schurken kennt und doch meine Ehre so gut bewahrt hat!Hin­aus! ober ich" er trat dicht an den Grafen heran.

Halt, Graf Harrach!" tönte ihm da Rosees Stimme entgegen,nicht weiter! Ich räche mich für den heu­tigen Schimpf; diesmal aber empfindlicher, als das erste­mal!"

Und an die , Gräfin, die voll Wut ihren Mann an- starrte, dicht herantretend, flüsterte er:Zählen Sie auf i mich, was auch kommen möge!"

Gleich darauf war er verschwunden.

Hans Joachim schloß sich, nachdem die Gesellschaft das Haus verlassen, in sein Zimmer ein. Er mußte erst mit , feinen Gedanken ins reine kommen, ehe er mit Elisabeth ! sprach. Es reute ihn schon, vor allen Leuten so vor- gegangen zu sein, aber der Anblick tRofees neben Elisabeth hatte ihm die Besinnung geraubt. Konnte es denn mög- I lich fein, daß fein Weib, fein fein empfindendes Weib, eine solche seelische Roheit verübte? Ahnte sie denn nicht, wie sehr sie ihn verletzte, wie wehe sie ihm tat? Er in ' all seinen Sorgen, in all seiner Liebe, fand einen solchen Empfang? Und ihre Blicke?

Waren die nicht kalt, ja haßerfüllt gewesen?

Und nachher! Hatte sie ihn nicht gehen lassen, ihm kein Zeichen, kein Wort vergönnt? Aber sie mußte ja einsehen, wie wehe sie ihm getan, mußte ja versuchen, seine ; Verzeihung zu erringen! Sonst! Ja, sonst war ja sein Leben umsonst, wenn fein Vertrauen betrogen, wenn sein Weib ihn getäuscht hätte! Dann bliebe ihm ja nur i der kleine blitzende Revolver in seinem Echreivlischkasten. ; Mechanisch schloß er ihn auf; da lag das Bild seines süßen I Mädchens vor ihm und lächelte ihn an. Da schössen ilnh die Tränen !n bie Auge») um Maria? willen mußte er

seiner Frau verzeihen, mußte sehen, sie für sich zurückzu« gewinnen.

Er sah nach der Uhr, es war fast Morgen; der fahl« Schein der Sonne drang durch die Fenster; da über- mannte auch ihn die Müdigkeit; er sank auf den Liege­stuhl und fiel in einen tiefen Schlaf. Gegen die Mit­tagsstunde erwachte er, nahm ein Bad und ging in das Zimmer seiner Frau. Er fand sie nicht; auch die Kinder­stube war leer. Auf fein Klingeln erschien das Mädchen; die Gnädige fei heute in aller Frühe mit der Komtess« weggefahren, nachdem sie in der Nacht noch hätte bie Sachen packen müssen. Für den Herrn habe sie einen Brief zurückgelaffen.

Hans Joachim gebot, das Schreiben zu holen,

Als er es erbrach, las er:

Hans Joachim!

Ich verlasse Dich heute für immer! Ich will Dir kurz

: erklären, was mich zu diesem Schritte treibt Sckon in

Bernsdorf habe ich eingesehen, daß wir beide gru> doer- i schiedene Charaktere sind. Du ein ernster, stiller Mann,

lebst der Arbeit und der Ruhe. Ich liebe das Leben, b^s

: volle, schäumende! Auf Deinem einsamen Gute, inmitten alter hausbackenen Menschen wäre ich eine Gefangene, müßte verkümmern! Und nun noch in den veränderten l Verhältnissen!

Die Misere des Alltags, die Sorge um das tägliche Brot sollen mich nicht wieder herabziehen. Ich machte Dir das Leben zur Hölle; deshalb ist es besser, unsere Wege gehen heute auseinander. Die Zeit wird Dich vor» ; geffen lassen. Nach gestern abend rechne ich auf keine Schonung; darum will ich Dich auch nicht Wiedersehen Maria bleibt bei mir.

Elisabeth.^

Fortsetzung folgt)