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SchüchternerMung

Schlüchterner Arei 8 8 latl. - Schlüchterner Tageblatt.

Gegründet im Jahre 1849

unter dem Titel

M 79 Mittwoch, den 6. April 1921 73. Acchrg.

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Aus der Heimat.

* Die Arbektgeberkreise werden nochmals darauf hin. gewiesen, daß die Einreichung der Sohn- und Gehaltslisten, die für die Veranlagung der Einkommensteuer unbedingt erforderlich find, an das zuständige Finanzamt bis spätestens 15. April erfolgen muß. Die Lohnsteuer, deren Etuführug gegenwärtig erwogen wird, erübrigt die Erreichung der Lohnlisten nicht, da die Lohnsteuer fich ihrer Natur nach nur auf die künftig zufließenden ArbeitSeinkünfte erstrecken kann, während die Lohnlisten, die in der Vergangenheit d. h. im Laufe des Kalenderjahres 1920 erzielten Einnahmen aus Arbeitstätigkeit umfassen.

* Echlüchtern.Ostern" von Strindberg, das das Frankfurter Künstlertheater für Rhein und Main als 5. Werk in feiner ersten Spielzeit am Donnerstag, den 7. April zur Aufführung bringt, gehört zu den Jahresfestspielen des Dichters. Es ist der Versuch den Gehalt der Charwoche und des folgenden Ostern aus dem Gefühl unserer Zeit zur Darstellung zu bringen. In dem Schicksal einer Familie bildet sich die Passion und die Auferstehung ab, zugleich der scheidende Winter und die Auferstehung der Erde, der Früh­ling, der für die nordische Heimat des Dichters noch größere Bedeutung hat als für uns.Ostern" ist eine jener Spät- dichtungen StrindbergS, in den aus dem Grauen einer gequälten Welt milde Versöhnung heraufdämmert. Es ist bei allem Ernst kein Trauerspiel, sondern ein Festspiel der Erlösung. Umrahmt wird die Aufführung von der Hap^n- schen Musik dersieben Worte" die vom Dichter selbst vor- geschrieben ist. Der Charakter des Werkes duldet keine Störung. Die Saaltüren werden deshalb bei Beginn des Spieles geschloffen und nur zu den Aktschlüssen wieder ge­öffnet. Pünktliches Erscheinen ist deshalb erforderlich.

* Schlüchtem- (Union-Theater.) Das Lichtspielhaus brächte gestern und bringt heute zwei sehr gute Stücke auf bir Leinwand, wekche unter den ständtgru Kinobesuchern und über deren Kreis hinaus sicherlich Interesse begegnen. In dem zweiten Teil der großen Verbrecher-FilmsDer Ga- leereu-Sträfling" nach Balzac hat der weltberühmte Schau­spieler Paul Wegener die Hauptrolle. Handelt es sich in diesem Falle um die Wiedergabe einer spannenden Detektiv- geschichte, so ist das zweiaktige LustspielDie Geliebte des BerbrecherkönigS" geeignet, die LachmuSkeln der Besucher vom ersten bis letzten Bild in rege Tätigkeit zu setzen. Und das ist jetzt, wo das Leben uns manchmal gar zu öde an- blickt, auch nicht zu unterschätzen.

* Echlüchtern. Vom Finanzamt wird uns geschrieben: Wie bereits bekannt gegeben, läuft die Frist zur Abgabe der Einkommensteuer- und Kapitalertragssteuererklärung am 30. April d. JS. ab. Um großen Andrang zu vermeiden und den Wünschen des Publikums entgegenzukommen, werden einerseits bis Ende April 3 Sprechtage und zwar Dienstag, Mittwoch und Freitag jeder Woche ab gehalten, anderseits sind bestimmte Tage sestgelest, an denen die Steuerpflichtigen

I aus den einzelnen Ortschaften, die ihre Steuererklärungen mündlich beim Finanzamt zu Protokoll geben wollen, erscheine« können. Die nachfolgende Uebersicht wird daher allen Personen, die ihre Erklärung noch nicht abgegeben haben, zur genauesten Beachtung empfohlen. Wer an einem anderen, als dem für seinen Wohnort bestimmten Tage er­scheint, müßte zuletzt abgefertigt werden und deshalb bei dem immerhin «och zu erwartenden Andrang gewärtig sein, daß er den Weg vergeblich macht. Die Aufnahme der mündlichen Erklärungen erfolgt in der nachstehenden Reihe, wobei da­rauf hingewiefe« wird, daß die Teilung in den Städten nach den Anfangsbuchstaben der Steuerpflichtigen vorge­sehen ist:

Freitag, *. April Zimmer 10: Schlächtern AF, Ah. lersbach, Klosterhöfe.

Freitag. 8. April Z immer K: Steinau AN, Eckardroth. Dienstag, 12. April Zimmer 10; Schlächtern GN, Breitenbach, Wüchersbach.

Dienstag, 12. April Zimmer 6: Steiuau OZ, Ahl, Bresnings.

Mittwoch, 13. April Zimmer 10: Schlächtern OS, Bellings, Hintersteluau.

Mittwoch, 13. April Zimmer 6: Salmünster AO, Heubach, Hundsrück (Gutsb.)

Freitag, 15. April Zimmer 10: Schlächtern R -Z, Gundhelm, Neustall.

Freitag, 15. April Zimmer 6; Salmünster PZ, Joffa, Oberkalbach.

Dienstag, 19. April Zimmer 10: Elm, Weiperz, Kreffen- bach, Lindenberg (Gutsb), Sarrod.

Dienstag, 19. April Zimmer 6: Sode« AO, Wahlert, Neuenaronau, Marborv.

Mittwoch, 20. April Zm. 10: Herolz, Wallrath, Aerzril. Mittwoch, 20. April Am. 6: Soden PZ, Zünters- bach, Seidenroch.

Freitag, 22. April Zimmer 10. HoheazeL, Nötiger!, Schwarienfels, Ramüolz.

Freitag, 22. April Zimmer 6: Marjoß, KerberSdorf, Altengronau.

Dienstag, 26. April Zimmer 10: Ulmbach, Hütten.

Dienstag, 26. April Zimmer 6: Sterbfritz, Oberzell, Sannerz.

Mittwoch, 27. April Zimmer 10: Vollmerz, Riederzell. Mittwoch, 27. April Zim. 6: Uttrichshausen, Romsthal. Freitag, 29. April Zimmer 10: Reinhards.

Es wird dringend gebeten, die Erklärungen, soweit die Steuerpflichtigen zur Ausfüllung selbst in der Lage sind, bis zum 30. d. Mts. schriftlich einzureichen, falls aber von der mündlichen Abgabe Gebrauch gemacht wird, sich genau an die obige Reihenfolge zu halten. Um den Steuerpflich­tigen unnötige Zuschläge und sonstige Weiterungen zu er­sparen, wird darauf aufmerksam gemacht, daß eine weitere Frist nicht zu erwarten ist.

* Steinau (Kr. Schlächtern.) He^rn Förster Krüger,

Änzetge«: tt Zeile ober beten »«am 70 Pfa., Riklame- -eile Mk. 2. sämtl. ohne besonderen Zuschlag. Bei Betriebsstörungen kein Schadenersatz oder Mindergebichr rinschl. BezugS, »eine Bewähr für Platz, Aufnahmezeit und Beleglieferung. Kein Nachlatz bet gerichtlichen Zwischen- kosten. Zahlkarle Frankfurt a. M. Nummer 11403.

hier wurde ab 1. April d. 35. zunächst auftragSweise die Forstschreiberstelle i« Salmünster, gl. Oberförsteret, über­tragen.

* Soden (Kr. Echlüchtern.) Der vom S j würg nicht Hava« wegen Ermordung des Mechanikers Ludwig Schwarz aus Rüffelsheim zum Tode verurteilte Philipp Wolf von hier hat durch feinen Verteidiger gegen das Urteil Revision beim Reichsgericht einlegen lassen.

* Salmünster. Herr Gerichtsaktuar Degenhardt, hin wurde zum Justiz-Oberfekretär ernannt.____________________ vnpreiw

unUleUtes OberMfie«.

Aus Königsberg wird gemeldet: AM beut HrrgjNgssMtzi fand eine große vaterländische KunbgÄ««g für C^ettotefiee statt, wobei der ehemalige Reichs komunssnr Mr das »Upr«» bische AbüimMungsgebiet, Freiherr von Gaöl, gegen die mieden Gewalttaten an unseren oberfchlestitchc» Brüdern tat ich-edensre Verwahrung einigte, sich schacs gegen jede .He»- . Winterling Oberschlesiens ivandte und gemäß beat C-rgeHrriS ber Abstimmung dessen ungeteiltes LterbleiHe« beim deutschen Vaterland forderte. Eine entsprechende Eudsthliebung fand die Mimische Zustimmung der tauseudSchsigen Boltsmenge Auch aus einer Reihe anderer chtpreuhischer Städte werden abnuche Kundgebungen berichtet, bei denen der entschlossene .Wille jiim Ausdruck kam, sich von dem in Oberschlesieu unter Einsatz von Gut und Blut errungene» Siege kein Tüpfelchen rauben zu lassen.

Die vom polnischen Meer umbrauderen Qüpreutzeu wissen die Not der Oberschlester am besten Mt^usuhlen.

Nie Sperre des Vermögens Verstorbener.

Nach dem Erbschaftssteuergesetz dürfen die Bankiers Bankguthaben und sonstiges Vermögen den Beteiligten erst nach einer Woche aushändigen, nachdem sie dasselbe dem Finanzamt angemeldet haben. Die Sperre hat sich als un­durchführbar erwiesen. Der Finanzminister hat sich genötigt gesehen, Abhebungen bis zu 8000 Mk., ferner Abhebungen soweit sie bei Lebzeiten des Erblassers üblich waren, und dse-dttilgen zur %bvfznbung eines Notstandes für zulässig zu erklären. Auch dieses hat nicht genügt. Er hat Heutig rag» gestattet dass beim Tode von Bankiers von dessen Unter­nehme» ebenfalls Abhebungen erfolgen könne«.

In einer Eingabe an den Reichsfinanzminister wendet sich die Handelskammer zu Berlip gegen die Sperre über­haupt. Sie legt dar, daß nicht nur bei Bankiers, sondern bei jedem Geschäftsmann alsbald nach dem Tode Berf«* gungen getroffen werden müssen, auch ohne daß eS sich um einen Notstand oder um laufende Abhebungen handelt. Me stützt sich daranf, dah nach dem bürgerlichen Recht gerade der umgekehrte Grundsatz gilt, daß dem Erben die freie Verfügung auf drei Monate nicht einmal von den Gläu­bigern, deren Ansprüche feststehen, genommen werden kann. Sie erklärt den § 59 damit, M die Rechtsbehelfe, die die Steuerbehörden nach der später erlassenen Reichsabgaben- ordnuna haben, bei Erlast des ErbschaftSsteuergesetzes noch nicht vorhanden gewesen sind. Da die Maßregel zudem völlig zwecklos sei und dein Finanzamt keine praktische Möglichkeit znr Sicherung der Erbschaftssteuer gebe, anderseits wegen weniger Fälle der gesamte Rechtsverkehr der Beteiltgten eine Woche lana lahm gelegt wird, beantragt sie di, Auf- ' etuna der Vesiinrnmna.

Lächelnd hörte ihm Elisabeth zu.

Eigentlich habe ich gar sein Recht, ihm böse zu {ein. Er ist doch die direkte Ursache, daß du nach London in da» Haus des Lord Hausdale kamst!

Und deine Schwester ist ja längst gut verheiratet und hat ihm gewiß vergeben!*

Elisabeth, scherze nicht! Du weißt, da es Singe gibt, die das nicht vertragen! Ich hoffe und wünsche, daß, wo du auch immer jenem Manne begegnest, du als Gattin Hans Joachim von Harrach», fein Wort an ihn verlierst!*

Hu, hu, sei doch nicht gleich so ernst, du deutscher Brummbär! Komm, begleite mich ins Theater! Es wird ein Stück aufgeführt, das man gesehen haben muß!* Der Winter war längst dem Frühling gewichen; i Hans Joachim mahnte zur Heimreise.'

Elisabeth aber bat:Laß mich noch einen einzigen Monat hier; Madame Wilhelm Beer sandte mir heute eine Einladung; sie gibt, ehe der Sommer kommt, ihre letzte Soiree; ich weiß, daß eine Menge Berühmtheiten ; ; erscheinen. Laß mir, bitte, noch dieses eine Vergnügen!*

Das geht nicht: ich muß notwendig heim! Wo willst du bleiben? Und das Gut braucht seinen Herrn!*

Reise allein und laß mich hier! Komtesse Diana von Borsuny nimmt sich meiner an l Ich habe ja nachher noch das ganze Leben in Bernsdorf vor mirl"

Und die schöne Frau bat und flehte, und Hans Jo­achim gab, im Banne der Schönheit stehend, nach.

_ Er fuhr allein ab; Elisabeth war innerlich befriedigt. Sie liebte ihn zwar immer auf ihre Weise, aber ber Gedanke, aus Budapest heraus zu müsse», begann ihr Furcht zu bereiten.

Das Zirkuskinö.

Itovellette Den 2 Zunft

«I (Nachdruck verbot«.)

Wir hub«, ih« gut herumgejagt, vom Theater dmch alle Hauptstraßen der Stadt, um schließlich bei Made­moiselle Jarme de Gouy Jack, den neuen Foxterrier zu bewundern. Und nun, komm einmal an da» Fenster; drüben steht unser Seladon und starrt herauf l*

Elisabeth sprudelte alles in ihrer schnellen, lebhaften Art hervor; Hans Joachim vermochte sie gar nicht zu unterbrechen.

Er trat an da» Fenster und gewahrt« auf der anderen Seite bet Straße einen Herrn, der unverwandt nach ihrer Etage blickte. Etwas in der Haltung des Mannes schien ihm besannt, aber er vermochte sich nicht zu besinnen, wer es wohl sein könnte.

Elisabeth, die hinter ihm, von der Portiere ver­borgen, lehnte, sagte:Nimm doch dein Glas, die Ver­folgung amüsiert mich!"

Aber, Elisabeth, sprich nicht so frivol! Es scheint sonst, ab ub dich die Budapester Luft etwas angesteckt hättet*

Aber er na hin doch das Glas, um schärfer zu sehen. Mit einem zornigen Ausruf stellte er es an seinen Platz zurück.

Er hatte den Fremden ersannt, und ein unangeneh­mes Ge M, welches seine ganze Vergangenheit lebendig »erden i ß, stieg in ihm auf.

.Elisabeth, um Gottes Willen, sieh diesen Menschen ute an! Weißt du, wer er ist? Der, der mir meine Karriere zerschlagen, der mit seinem sträflichen Leichtsinn meine glänzende Laufbahn zerstört hat! Es ist bei Baron Rojöe der nie traurige Rolle an jenem Abend in Berlin (von dem ich dir gesprochen habe) spielt«, als er frech meine Schweuei küßte i*

Und feine Gou^ zu sich niederziehend, erzählte er ihr muh tinmal»« Gefchehntss».

Und an dem gleichen Abend, da Hans Joachim von > Budapest abreifte, fand im Sportklub folgende Unterbau ; tun» statt. I

Sac|eu Sie, Rosse, w» haben Sie denn neulich den ganzen Bormittag gesteckt? Wir alle haben vergeblich im Park gewartet!*

Baron Rosse, der sich behagt!^ im Sessel dehnte, lächelte und blies den Rauch seiner türkischen Zigarette von sich.

Ja, da» möchten Sie wohl wissen, Dietrich? Ich bin auf die Jagd gegangen!

Jetzt? Auf die Jagd? Wo denn, Berehrtefter?*

Hier in Budapest! Und zwar war es das schönste Edelwild, welches ich je gesehen habe.*

Ha, Sie Schwerenöter! Lassen Ihnen denn die Frauen keine Ruhe? Ich meine Sie sollten doch schon von Ihren Erinnerungen zehren können! Aber wer iy sie? Wo wohnt sie?*

Das erstere möchte ich selber wissen: bas letztere kann ich Ihnen sagen: gegenüber dem Palais (IdfteUam, in einer reizenden, kleinen Villa wohnt sie.*

Das kann keine andere sei», als die entzückende Grä­fin von Harrach, eine Budapesterin, mit einem Deutschen verheiratet."

von Harrach? von Harrach?! Der Name klingt mir unangenehm; hatte früher einmal ein unliebsames Ren- kontre mit einem Dieses Namens! Aber es gibt sicherlich mehrere der Art. Warum soll es gerade der mir bekannt« sein? Was ist sie denn für eine Geborene?*

Sie Neugieriger!* entgegnete ihm einer der Herren - der Kreis der Zuhörenden hatte sich allinäyiich erweitert sie gehört zu denjenigen Damen, denen der Adelsbrief in bet Schönheit mit in die Wiege gelegt worden ist, und die keinen anderen gebrauchen!

Ei« ist ebene, kokett wie reizend, aber keiner kann sich ihrer Äp : -üymenl Sie ich eint, geschwackioftc- weise, immer noch m ihren deutschen Bären oerüebt zu sein l"

. (Fortsetzung folgt.)