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Nüchterner Rrei8blaIt. - - - Gegründet im Jahre 1849

^5Sd8 oorsnSzahlbar Viertels, durch die Post Mk. 12., S^W1 Mk 10.80, bei m,S abgeholt Mk. 10.-. Lot m Wochentage« nachmittag» Druck u. Verlag »obwrtfier »erontwartlich H.-L. Hohmeister, Schlüchtern.

@5. MrfüllungSort für den gesamten BeschSftS. r 1 serkehr mit der Firma Schlichtern.

Aus der Heimat.

(Nauersregeln für April.) Die Unsicherheit, mit der April die Witterung einstellt, färbt auch auf die vom Sun für den Monat April geprägten Wetterregeln ab keine Einheitlichkeit in ihnen enthalten. Während e(11 von Kühle und Räfle sich Erfolg für die Ernte «Im, sprechen die anderen von warmer Witterung, on Gewittern. Es scheint demnach, daß die Unstcher-

Wetters, wie sie für den Ahril typisch ist, eine Vorbedingung für einen normalen Eruteverlauf fein Wie dem auch sei, jedenfalls feien die einzelnen Arten regeln, die auf den April gemünzt worden find, nach- angegeben. Jeder möge sich daraus diejenige , die ihm am geeignetsten erscheint. Sie lauten: Wprlls Lachen verdirbt des Landmanns Sachen", b aber zugleichBauen im April schon Schwalben Uk viel Futter, Korn und Kalben" und umgekehrt »Dounert's im April so hat der Reis sein Ziel." I lauten:Wenn der April bläst in sein Horn so hs gut um Heu und Korn", dagegen wiederIm Muß der Hollunder sprossen sonst wird des Land- D Mieu' verdrossen", bezw.Je früher im April der vorn blüht je früher der Schnitter zur Ernte zieht." »nan aber keinesfalls' dem April trauen kann, das, die beiden wohl immer unbedingt zutreffenden «regeln:Sei der April 'auch noch so gut er gibt lau» eins auf den Hut" undApril tut was er r Uederlautcr Ton beim Wortwechsel ist auch dann straf- Wm der Täter zur Wahrnehmung berechtigter Interessen »Ü hat. Zur Erläuterung dieses Rechtsgrundsatzes be- k die bekannte volkstümliche ZeitschriftGesetz und Recht" »«« vom Reichsgericht kürzlich eutschiedeuen Fall: In kchöffengerichtsfitzung lehnte ein Angeklagter den V»r- «r ab, indem er in überlautem Tone erklärte, der Rich- We Dmchsteckereien mit Eiern getrieben. Der Bbleh- ittmb war unwahr und auf böswilligen Stadtklatsch »führen. Der Angeklagte wurde wegen öffentlicher «uug des Amtsrichters zu Strafe verurteilt. Zwar pro an, daß er die Aeußerung zur Wahrnehmung seiner «te« Jntereffen getan habe. Er habe jedoch nicht in h, sachlicher Wriss^on seinem Ablehuungsrechte Gebrauch k sondern den Richter geradezu angeschrieu und hiermit

seines Rechts überschritten. DaS Reichsgericht d die Verurteilung. Es führte aus, daß der Ton «rm der Aeußerung bilde, wie bei Schriftstücken die k oder Farbe der Buchstaben. Wenn daher aus dem Pte« »Tone der Rede die Abstcht der Beleidigung Freen worden sei, so schließe diese Feststellung es aus, ^geklagten den Schutz der § 193 Reichsstrafgesetzbuchs tukhvung berechtigter Jntereffen) zu gewähren. Dchlüchtern. (Theater in der Turnhalle.) Gestern faelauate die Operett-De?fidele Bauer" zur Auf­

unter dem Titel

Set VeztUksbste

Ireitag, den 1. April 1921

führung und erzielte einen glänzenden Erfolg. Wie aus dem Inseratenteil der heutigen Nummer ersichtlich ist, wird am kommenden Sonntag das SchauspielDas Geheimnis der alten Mamsell oder Haß und Liebe" zur Aufführung ge« laugen. Wir empfehlen jedem Kunstfreund den Besuch des Theaters.

* Schlüchtern. Der Heimatbund veranstaltet in der Aula des hiesigen Seminars am kommenden Sonntag Abend ein Konzert, in dem zwei junge Künstler, die Herren Bern­hard Kaun aus Berlin (Violine) und Heinz Römheld aus Milwaukee in Nordamerika (Klavier) auftreten werden. Da das Programm vorwiegend klassische Musik aufweist, kann ein genußreicher Abend kunstsinnigen und kunstverstän­digen Besuchern in Aussicht gestellt werden.

* Alsfeld, 31. März. (Die Not der deutschen Presse wieder ein Opfer des Krieges). Der hier im Verlage der Firma Hermann Post im 73. Jahrgang erscheinendeAlsfelder Anzeiger" mußte wegen Unrentabilität mit dem heutige« Tage sei« Erscheinen einstellen.

Die deutsche Note zur Entwaffnuugssrage.

Der 3L März ist für unsere auswärtige« Beziehung«« ein kritischer Tag erster Ordnung, da «t diesem Tage aller­lei Ententenote« ei «gegangen oder b«n«tw»rtet werden sollte« Die deutsche Regierung hat am Mittwoch bereits auf die bei ihr am 18. März eingetroffeue Enreuteuote über unsere Ent­waffnung nach Paris eine Antwortnote gerichtet, worin die von der Entente aufgestellten Behanptunge», daß wir »n- seren Verpflichtungen über die Entwaffnung gemäß den Bestimmnngen des Versailler Vertrages nicht nachgekommen seien, widerlegt wird. Die deutsche Regierung erklärt darin ausdrücklich, daß sie in der Frage der Entwaffnung ihre ^^ Pflicht und Schuldigkeit getan habe.,und macht schließ­lich den Vorschlag, die ganz« Entwassnnngsfrage einem »n- parteiischen Schiedsgericht z« unterbreiten. Der genaue Wortlaut der Note wird im Laufe des Tages veröffentlicht werde».

Hierzu erfahre« wir noch von unterrichteter Seite: In unserer Entwaffnung noch weiter zu gehen, als wir ge, gangen find, ist uns unmöglich. Erstens einmal haben wir unsere Verpflichtungen nach dem Vertrage von Versailles vollauf erfüllt. Zweitens aber ist die politische Lage im Osten nicht derart, daß wir uns noch weiter von Wast-m entblößen könnten, als wir es schon getan habe». Der Konflikt zwischen Rußland und Polen scheint durchaus »och »icht hejgrlegt und ein Wisdersinfetze« der Feind-eligkeite» zwischen diesen bei­den Staaten wodurch notwendigerweise die deutsche Bevölke- rrmg der Ostprovinze» in Mitleidenickaft gezogen werde« muß, gehört durchaus in den Bereich der Möglichkeiten. Unsere Lage Polen gegenüber ist sogar noch ernster, als ' 9L bei Ansbruch des rufsisch-poluifche» Krieges im vorige« Fahre. Vor allen- darum, weil die Polen an unseren Gren­zen militärische Maßnahmen getroffen habe«, die gleich- bedeutend den Vorbereitungen eines Angriffskrieges gegen Deutschland find, eine Tatsache, die die deutsche V:''c-n -a bereits in ihrer Denkschrift vom 8. Febrna-' an die Entente niedergelegt hat.

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73. Aayrg.

Drohungen der Entente.

Der PariserTemps" meldet, daß die Ausdehnung des deutschen Kommnnsstenaufstandes auf das Ruhrrevier die Einbeziehung des Ruhrreviers in die Beietmngszone zur unmittelbare» Folge haben werde. Die Alliierte» feien ent­schlossen, der deutsche» Regierung jd>ea Borwaud fftr eine Nichterfüllung der Kohlenlicferunge« au die Entente zu nehmen.

Im besetzten Gebiet würbe die Verbreitung kommunisti­scher Streikansrufe verboten; aus dem besetzten Gebiet find i« den letzten Tage», demMainzer Tagebtatt" znsolge, über 20 Kommunisten ausgewiesen worden.

In einer Entschließung der bayrischen Staatsregierung anf eine Anfrage des Verbandes der bayrischen Einwohner­wehren heißt es: Die kommunistischen Vorgänge im Reiche beweise« die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung der bayri­sche« Einwohnerwehre«. Kein Reichsgesetz faxn diese Sach­lage ändern. Lieber soll der Entente das neue Nnrech« der Besetzungen nberlagen werden, als daß Bayer« jemals entwaffnet.

Eulwaffuvvgskommiffar Peters für sKärsstes Vorgehen gegen die Kommunisten.

Wie aus gutinformierter Quelle mitgeteilt wird, hat Rein agsabg. Brüuinghaus als Borfitzender des pari amen, tarischen Beirats des Eniivassnnngs - Kommiffars schärsste« Wiseripruch gegen die Straffreiheit erhoben, die den komm», ntstischen Bandileu in Eisleben gegen Ablieferung der Was- fen von feiten des Qoerpräsidenten Hörsmg zugesichert ivor- den ist. Der Entnurfsunngstourmissar Dr. Peters hat da­raufhin dem Abg. Brüuinghaus ein Äntworrschreiben zu. gesandt, in dem es heißt:

Die Reichsregierung hat schärfstes Borge hm, gegen die Aufrühr« in der Provinz Sachsen für geinten gehalten. Der Oberpräsiden! in Magdeburg ist mit enifprechenben Weisungen versehen und er ist auch benachrichtigt n-ordeu, daß die Reichsregierung und die preußische Regierung seine Znsicherung von Straffreiheit für die Ablieferung von Waffen für unzulässig erachtet.^

Das Eingreien des Abg Bri-ninghauS hat also volle«, sachlichen Erfvla gehabt. Die Anruestie, die Hert Verfing »ugesühert hat, bleibt wirkungslos.

Sie Erwerbslose» im Februar.

«»§ Berlin wird gemeldet: Am 1. S. 21 stellt« sich die Zahl der HauptuuierstüPnngsempfänser auf 438 »0, ita« runter 848 000 männliche und 80 000 weibliche, die Zahl her Zllfchlagsempsänger (unterstützte FarurlieuangehSriget auf 495 000. Die mit Ende bee Winters so» viele» erhoffte Milderung der Erwerbslosigkeit« berott leider auSgebkte- ben, denn die Zahl der unterstützten Ernxrüstsse« ist au- nähernd die gleiche wie zu Anfang Kebrnar (438 ü08l. Ande­rerseits ist es durch den Äufvan bar paohnttine« Erwerbs- lv-enfürsorge, die gegen 300 000 Ecwe chslose» Beshäfiiguny verfasst hat, gelungen, wenigstens ein Anf-tz-veL^n der unterstützten Erwerbslose« zo vermeide», trordern die ratet- schaftliche Krisis die Lage des Arbeirsurarktez arrsteroc-ear- lich erschwert. Allerdings bleibt bei all diese« Zahlen z» berücksichtigen, daß die unterstützte« Erwerbslosen mir eins» Ausschnitt aus dem Kreise der arbeitslose« Bevölkerung darstellen, un> daß nach une »er ein ganz erhechkicher Be. völkeruRgsanteil das gewohnte ArbeitsetnkosM« entweder

-nz oder zum Teil entbehrt.

Dar Firtuskinö.

Ikodellette von J. Zunk. '

(Nachdruck berbokm.)

! Sanges blondes Haar umgab in dicken Flechten auf Ds'-.-gger-Bildern ganz der herrschenden Mode Mgen, den feingeiormten Kopf der etwa Zwanzig- lvngen. Dunkle Augen leuchteten unter dichten Brauen, i L an®e Wimpern umfäumt, aus einem zarten Gesicht, ^ches mit seinem lieblichen Ausdruck an eine Madonna Gabriel Max erinnerte.

mußte sivpwohl ziemlich auffällig bewundert haben; h iurt ^ ßr"kte sie den Kopf und zog die Kinder mit Von diesem Tage an vergaß Hans Joachim die Fremde mehr.

i Unb Mademoiselle Elisabeth Weißmanns

, le Ungarin mit dem deutschen Bornamen, den i'" «2iUi" abkürzte, weil sie bisher keine

.ber Deutschen gewesen war, hatte ebenfalls für "^^ au5febt«ben Mann tiefe» Interesse gewonnen. l6.,,°n Kindheit an in den engsten Verhältnissen auf- ein.n_.T bie Eltern lebten sparsam und dürftig als i, ih '8l"^äftsleute und hatten nur mühsam die Kosten m ?", Ausbildung erschwungen kannte sie nur einen u h. «»^/raus aus der dienenden Stellung, heraus Misere der Saraenleben»! Ihr Streben ging ba- is m "n eigenes ^heim zu haben, eins, in dem im.h» , "^ immer als Lockruf ber Zukunft vor ihr ^!> dient d^r" '" 6em ^* bedient mürbe, wie sie setzt st ",^^^*^Enen Stellungen hatte man ihrer Schön» l getinloigt; vor allem bie tooljue des Hauses. Aber fo- URt "'Erkten, daß der Weg zu ihrem Besitz nur über Ortu3 bmt sührle, hatten sie sich sofort zurückgezogen. l>».^! '". th war schon ganz entmutigt, als Hans ^.<!^? Aleg trtugte.

»hm fanb sie nicht allein den hübschen, jungen, un­

abhängigen Mann für ihr« Zukunft, sondern es schien auch einer jener Deutschen zu fein, die dem anständigen Mäd­chen, welcher ihnen begegnet, die gleiche Hochachtung wie einer Schwester entgegenbringen, in ihr das zukünftige Weib, die Kameradin und Gefährttn eines Mannes erblicken.

Hier galt es also, klug zu handeln, um ihn zu fesseln. Und es gelang ihk Durch ihre berechnet« Zurückhaltung immer mehr zur Liebe entflammt; gestand ihr Hans . Joachim eines Tages seine Neigung.

An einem linden Frühlingsabend war es; ein Abend, weich und duftig, mit Nachtigallenschlag und silbernem Mondesglanz. Lord und Lady Hausdale waren für einige Tage über Land gefahren; Hans Joachim allein auf der Veranda. Elisabeth ging unten durch den Garten, ein Lied auf den Lippen, ein kleines, deutsches Volkslied.

Der junge Graf, hingerissen von der reizenden, in Weiß gekleideten Gestalt des schönen Mädchei»», war mit schnellen i Schritten bei ihr.

Er ergriff ihre Hand.

Elisabeth, ich ringe feit Wochen mit meiner Lied«, sie ist stärker als ich! Ich bin am Ende meiner KraftI Sie j halten mein Glück, meine Ruhe in Ihren Händen! Haben Sie Mitleid mit mir, und werde» Sie mein Weib!"

Elisabeth war an eine Bank getreten. Sie sank dar­auf nieder; sie brauchte eine Stütze; denn jetzt, jetzl hörte sie die Motte, auf die sie gehofft viele Jahre lang. Einen Augenblick verließ sie die geübte Schauspielkunst; sie wäre am liebsten Hans Joachim aus Dankbarkeit in bie Attne gesunken. Ein wahre», ehrlicher Gefühl durchflutete sie.

Aber ob sie auch ganz klar sah, ob er sich nicht am Ende eine Hintertür bei feiner Bewerbung essen gelassen haben mochte?--

Sie überrasche« mich, Herr Graf", sagte sie leise. ^Ich bin nur ein armes Mädchen und weiß nicht, wie ich Ihre Werbung auffaffen soll! Ich nenne nichts mein eigen, als meinen guten Ruf, und den opfere ich keiner stüchtigen Männerlaune

Elisabeth! Wie können Sie mich so verstehen! Ich habe eie aufrichtig, von Herzen liebt Haben etc denn keine, gar keine Neigung für mich?"

Täuschen Sie sich nicht, Herr Graf? Haben Sie die Tragweite Ihrer Worte auch überlegt ? Sie, ein reicher, vornehmer Mann, und ich, eine Erzieherin i Was wird Ihre Familie, Ihre Gesellschaft dazu sagen?"

Fürchten Sie nichts, Elisabeth! Der Adel der Ge­sinnung steht hoch über bem Adel der Geburt, und meine Mutter hat mich viel zu lieb, um mein Lebensgiück zu zerstören l Wenn Sie, wenn du nur willst!"

Er war vor ihr niedergekniet und breitete ihr seine Arme entgegen.

Da hielt sich Elisabeth auch nicht länger. Mit leisem Aufschrei:Du, du!" warf sie sich in feine Arme.

Mein Glück, mein alles, du!"

Elisabeth schmiegte sich fest an ihn. Jetzt, jetzt liebte sie ihn wirklich; alles, was gut und edel in ihrem Gemüt schlummerte, hatte Hans Joachim wachgerufen mit seiner Liebe.

Und sie fühlte, solange sie unter feinem persöulirben Einflüsse stand, da wurde diese Liebe niemals maulen, nimmer aushöreu, . M- ... iS

* * *

Die Zeit oerrann. Elijaorch von Harrach entsann sich nur noch wie im Traum der Tage, a!» sie noch nicht Frau Gräfin gewesen war. Z

In der Nähe Lonvuns hatte Mür Jöächiui ein kleine« Landhaus getauft, und hier oerfwffkn Den beiden die Woche« in ungetrübter Seligfeit. ;

Nach der Heimnr mochte er noch nicht; die Gemüter sollten sich erst beruhigen, daß er nicht seinem Stand«, son­dern seinem Herzen gefolgt war.

Hier im fremden Lande wurde ihnen auch ihr erstes Kind, ein kleines Mädchen, geboren. Nach feiner Mutier nannte er sie Maria. - --

Hans Joachim war giückiich: Elisabeth hatte lieber einen So m, einest Croen umi iM ven; sie meinte da­durch am ehesten oje Sorurteife ^s?« sich besiegen zu sonnen.

^ortfeyung folgt)