Schlüchterner Nreisdlatl
»««aH»eeiS vorauSzahlbar viertelt. durch die Post Mk. 13.—, durch unsere Träger Mk, 10.80, bei unS abgeholt Mk. 10.—. «rWeist an Wochentagen nachmittags. Druck u. Verlag c Hohmeister, verantwortlich H.-E. Hohmeister, Schlüchtern. Aemrus 65. SrfSllungSort für den gesamten Geschäfts- 6 verkehr mit der Firma Schlüchtern.
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Aus der Heimat.
—* Wer «ach Ostern in die Fremde geht, wie es Manchem unserer schulentlassenen jungen Leute beschieden sein wird, der sollte nicht vergessen, sich vom ersten Tage seiner Abwesenheit ab durch ein Abonnement auf die Echlüchterner Zeitung" die engere Verbtndvng mit der ebgewordeuen Heimat nach wie vor zu fichern. Man wird -« ju leicht ftemd draußen unter lauter Fremden, und nanch einer, der nach verhältnismäßig kurzer Abwesenheit die Heimat zvrückkehrte, fühlte fich ihr nicht mehr wesevs- «wandt, weil er es unterlassen hatte, die alte Anhänglichst auch draußen am fremden Orte weiterzupflegen. Nichts lber ist dem Menschen qualvoller als Heimatlosigkeit. Versäume deshalb keine Mutter, die zum 1. April ein Kind in le Fremde ziehen lassen muß, ihm durch ein Postabonue- eni auf die heimatliche Zeitung, die „Schlüchterner Zei- ng" einen letzten Rest von Zugehörigkeit an die Scholle Iner Kindheit zu stcheru.
—* Die zur Entrichtung der Luxus- und erhöhten Um? steuer verpflichteten Personen, die eine selbständige gewerb- e oder berufliche Tätigkeit auSüben, die Gesellschaften und fügen Persouenvereinigungen im Bezirk des Finanzamtes lüchteru weisen wir darauf hiu, daß die vorgeschriebenen klürunge« über den Gesamtbetrag der steuerpflichtigen igelte im 1. Vierteljahr 1921 bis spätestens Ende April . 38. dem Finanzamt in Schlüchtern einzureichen find, tehe Bekanntgabe im amtl. Teil der vorliegenden Nnmmer.) B —* (Hafeuanlage am Fulda—Kinzig—Kanal.) In Vollversammlung der Hanauer Handelskammer wurde geteilt, daß in kürzester Zeit die Anlage eines Sicher- afens bei Hanau mit Möglichkeit der Erweiterung zum Mdustrie und Handelshafen in Angriff genommen werde, für aus Reichsmitteln bereit» mehrere Millionen in Aus- 4 gestellt feist. DÄ Lage des Hafens wird 6dm fuge* roten Roten Stein zwischen Hanau und Großauheim set«. * Schlüchtern. (Union-Theater.) Freitag und Sonntag Ist der 1. Teil des großen zweiteiliges Films „Der eerensträfliug" mit Paul Wegener in der Hauptrolle. — ques Lolin, von seinen Kameraden „Betrüg den Tod" Dannt, ist der König der Verbrecherwelt. Durch herkulische und rückfichtslose Kühnheit ist es ihm immer wieder gen, zv entkomme». Mit der AuSficht auf das Schaffst eßt der erste Teil.
* Aus Unterstandn. (Ein Ort der keine Briefe schreibt.) Postverwaltung hatte in den beiden Ortschaften Klein- esbach und Ekjenbach je einen Briefkasten anbringen tu- Die Kästen wurden jetzt wegen „Nichtbenutzung" wie. «montiert und nach Würzburg zurückgeschickt. Die glück- Kleinblankenbacher und Erjenbocher!
Obersuhl. Eine große Osteifreude ist einer Anzahl ger bedürftiger Familien bereitet worden. Sie haben l, Speck, Reis, Zucker, Kakao und Milch erhalten, r Gebhard Bshn, ein geborever Iwshöuler, aus St.
Das Airtuskinö.
Novellette von J. Zunk.
(Nachdruck verbot««.)
6eln hübsche», von der Sonne gebräunte« Gesicht, mit
oen blauen Augen, der hohen Stirn und dem hellblonden aar, welches, ganz kurz geschnitten, die hohe Stirn frei= erinnerte an den pensionierten Offizier.
«r sah bekümmert und traurig aus.
«Lebe wohl, Mutter, lebe wohl I*
^K6” iunge Mann neigte sich zu der alten Dame rußte sie.
"^Wf dich Gott, mein lieber Hans I Behüt' dich jauchzte die Frau auf, als sie dem Sohne di« and reichte.
Noch ein letztes Umarmen — dann schwang sich der E ,n "kn Wagen, die Pferde zogen an; ein letztes ' ^" ""4 der Hand, und der Wagen hatte das Tor ühnk -b°,es passiert und rollte in raschem Trab, dem aynhose zu.
ief™aUt 8 schweiften des Grafen Blicke über Felder und J - ai* seinem geistigen Auge zogen die Bilder der uaenh^k ^ei! ’n schnellem Wechsel vorüber, die sonnigen 'Ute hi^^. ^L ^ ""en, von den Vorfahren ererbten is s^"che Kadettenzeit in Potsdam und endlich b L° , Leutnantsleben mit feinen lustigen Streichen b«», "teuetn- Herrlich, wonnig war es gewesen bis Ä,W' da er den bunten Rock ausziehen und 'd Cb» ^ muBte auf eine Laufbahn von Glanz ich iu ®- ^.2en-r verhängnisvolle Abend, wie deutlich grnd?? die Erinnerung jetzt vor feinen Blick! In an= 'Mtli. ^!erer Gesellschaft, bei einer befreundeten iinm»lm Tiergartenviertel war e» gewesen! Aus dem - — einige Damen und Herren gingen vor. !. wan hatte —'-^ -
man hatte gelacht und gescherzt, als — beim Ein- " au» der Bellevuestraße in Die Potsdamer — dicht .
Gegründet im Jahre 1849 unter dem Titel
Donnerstag, den 31. März 1921
Paul Minnesota in Nordamerika hat der Freifrau Johauua von Trott zu Solz tu Schlüchtern zur Verteilung an verschiedene Gemeinden des Kreises Rotenburg Pakete mit Le- bensmitteln überwiesen. Unsere Gemeinde ist mit zwei solcher Pakete bedacht worden. Herzlichen "Dank der edelen Frau unb dem fernen Spender. Hoffentlich folgen noch mehr solcher hochwillkommenen Sendungen.
I Leitung für eilige Leser,
«m^.^»^ und König Karl erfchie« am Ostersonnta. plvtzllch in Budapest und hatte dort eine Besprechung mi Horthy. Er hat inzwischen Budapest wieder verlasse«. "
. Rußland sind neue Revolte« ausgehroche«. Bei Sie« wtro heftig gesümpft.
r»D'1a«t§sche ^^ustve gegen die türkischen Nationalistei nr nach Athener Meldnnge« in stetem Fortsckreite«. Die R» gierung Kemal Paschas ist von Angara nach Sioar über, gefiedelt.
., ^ae? den Verkauf »on Reparationskohlen legt die denti Mje Regierung in einer Rote an die Ente«te-Regiernnaev Protest ein.
Die Regierung der Vereinigten Staate« hat a« all« Staate« der Wett, besonders aber an die Alliierten, eine Note gerichtet, in der erklärt wird, daß die Vereinigten Staate« ihre« Anteil au der Festsetzung aller Bestimmungen Vorbehalte«, die sich auf die Beendigung des Kriegs- luhaudes beziehe«.
Ferner wird gesagt, daß die Bereinigte« Staate« keinerlei Aenderu«g anerkenne« könne«, an der sie nicht selbst be- ieiligt sind.
Die Vereinigten Staate« nehmen bei de« Alliierren Staa- £« die Neigung wahr, sie bei der Festlegung gewisser Frage« »nsznschglte«. Hie Miiextez, setze« KeftMM«nae« zur c«d- ittfügen Regelung vo« Angelegenheiten, die mit dem Kriege m Zusammenhang stehen, in einer Weise fest, als ob bie Bereinigten Staate« nicht dazu beigetragen hätten, daß der ikrieg eine glückliche Wendung genommen habe. Die Alliieren sind zweifellos von einem Mißverständnis besan en, ven« sie annehmen, sie dürfe« internationale Angelegenheiten «ach eigenem Gutdünken regle«, ohne die Vereinigte« klaate« z« befragen. Die Vereinigten Staate« behalte« sich msdrncklich dieses Recht vor. und sie könne» endgültige Ab- »rachnnge« nicht anertennen, bevor nicht ihre Zustimmung si«geholt worden ist.
Die amerikanische Politik ist undurchsichtiger als je. Nach ien Reden, die Präsident Harding vor seiner Wahl gehalten hat, mußte jedermann schließen, daß er gewillt sei, die Politik »er Bündnisse, wie sie von Wilson entgegen der amerikanischen Lradition begonnen worden war, endgültig aufzugeben und sie amerikanische Selbständigkeit mit der größten Schärfe zu -etonen. Die Ernennung Hughes zum Staatssekretär erweckte dp ersten Zweifel, ob sich Harding den starken Einflüssen der nit der Entente vertrusteten Hochfinanz gegenüber stark a?nuj »rweilen ^rürd?. Nicht aanz obne Grund vermutete man i" bei dem bekannten Cafe Iosty — da» unselige Ereignis eintrat. Er und feine Freunde hörten einen Aufschrei, und schnell hinzueilend sahen sie, wie ein elegant gekleideter Herr eben Hans Joachim» Schwester küssen wollte. Blitzesschnell stürzte er auf den Fremden zu, ein kurzes Ringen entstand. Aber wer beschreibt sein Entsetzen, als er in dem von ihm Gezüchtigten ben als Don Juan berüchtigten Grafen Rosse, feinen Vorgesetzten, seinen Hauptmann erkannte! —
Ein Duell war natürlich di« Folge, und di« weitere Konsequenz, daß er, sowie der Graf, der leicht verwundet worden war, den Abschied nehmen mußten; die» Vorkommnis war durch die Zeitungen schnell bekannt geworden.
Hans Joachim fühlte sich noch zu jung, um die Bewirtschaftung des väterlichen Gutes zu übernehmen, obgleich feine verwitwete Mutter ihn gern bei sich bemalten hätte.
„Du hast ja in deinem alten Inspektor Mariens die beste Stütze," sagte er zu ihr, „und ich bin noch nicht alt genug, um mich hier festzufetztn! Erst will ich mich noch einige Jahre in der Welt umsehen, mir Kenntnisse aneignen, um sie praktisch zu Nutz und Frommen unseres Gutes zu verwerten I*
Und die Gräfin, die da wußte, wie sehr ihr Sohn an seinem Berufe gehangen, und die auch fühlte, wie schwer ihm der Anblick der alten Kameraden — das Gut lag in der Nähe Berlins - fein mühte, gab nach.
Zunächst ging Hans Joachim nach England, wohin er Empfehlungen bekommen, um dann eine größere Fahrt in unbekannte Fernen anzutreten.
Fröhlich sprang er auf der Bahnstation aus dem Wagen, löste eine Fahrkarte, drückte dem alten Diener noch einmal die Hand, bestellte noch Grüße an die Mutter und sagte im fügen der Heimat Lebewohl.
Es war einige Zeit später in London. Lady Hans- dale hatte ihren Empfangsabend. Alles, was sich zur vornehmen Well rechnete, fand sich in dem gastlichen
oder
Bei
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Anzeigen: st Zeile oder bereu Raum 70 Pfg., Rkklame- zeile Mk. 2.— sämtl. ohne besonderen Zuschlag. Betriebsstörungen kein Schadenersatz oder wmw< einschl. BezugS. Keine Gewähr für Platz, Aujn und Beleglieferung. «ein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischi kosten. Zählkarte Frankfurt s. M. Nummer 11463.
73. Aaörg,
Leutschland bereits einen Umfall ber Amerikaner, und es fehlte nicht an scharfen Stimmen, die den Präsidenten Har- HnS mit, , feinem Amtsvorgänger verglichen, der vor vier Jahren seine Wiederwahl dadurch gesichert hatte, daß er sich »ls den Mann ausgab, der das amerikanische Volk dem Kriege fern gehalten hatte, um wenige Woch« später offen anf die Seite der Alliierten zu treten.
Vor einigen Tagen tauchte das Gerücht auf, daß HngheZ sein neues Amt bereits niedergelegt habe. Die Meldung purde freilich widerrufen, aber es scheint doch festzustchen, kaß Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Präsidenten, fezw. seiner Partei und dem Staatssekretär entstauben waren, ruf den zweifellos jene merkwürdigen Wendungen der letzten Bett zurückzuführen sind. Die oben wiedergegebene Ni scheint diese Auffassung zu bestätigen.
Jose
Exkönig Kar! in Vudapest.
Aus Budapest wird gemeldet: Ofterso««tag «achmittag Midien König Karl unerwartet iu Budapest und suchte de« Steichsverweser Nikolaus von Horth« auf. Nach kurzer Be- prechnng hat der König auf Wunsch des Reichsverwesers und der iu Budapest weilende« Parteiführer nud Regie- kungsmitglieder die Hauptstadt verlasse«. Die ««garische Regierung hat Verfügungen getroffen, damit die Rückkehr »es Königs nach einem neutralen Staat ermöglicht werde An der Hauptstadt nud im Lande herrscht völlige Ruhe.
Am Sonntag Nachmittag, so wird aus Budapest geschrie- ?eu, fuhr hier ein Automobil mit vier Insasse« in den Hof »es Ministerratsprüsidiums ein. Zwei Personen sprachen bei dem Flügeladjutanteu des Reichsverwefers Horthy vor und meldeten, Seine Majestät König Karl warte im Hofe. Der Klügeladjutant glaubte zunächst an eine« Scherz, sah aber dann tatsächlich König Kar! stehen. König Karl, der sich in Begleitung eines Obersthofmeisters sowie mehrerer Grafen befand, wurde im Salon Horthus empfangen, wo er 2% Stunden im lebhaften Gespräch verblieb. Hierauf bestieg er wieder das Automobil und fuhr in der Richtung Steinam- anger ab. Der Versuch König Karls wirb als gescheitert erklärt. Auf Intervention der ungarischen Regierung wurde König Karl unter spanische« Schutz gestellt, und gebeten, Ungarn zu verlassen.
Dem Wiener Auswärtige« Amt ging nachmittags eine Chiffre-Depepsche folgenden Inhalts zu: Am SamStag traf plötzlich König Karl im Auto in Sreinamanger ein, wo er lm Palais des Bischofs abstieg. Ministerpräsident Graf Teleti wurde aus Budapest zu König Karl nach Steinmaanger berufen. Er und Oberst Lehar rieten König Karl bringend ab, nach Budapest zu gehen. Trotzdem fuhr König Karl im Kraft- wage« nach Budapest. In einem zweiten Wagen folgte Telekt, traf aber mit zweistündiger Verspätung in Budapest ein. Horthy war vollständig überrascht, es gelang ihm, König Karl zur Abreise in die Schweiz zu bewegen. König Karl entschloß sich aber, Ungarn nicht zu verlassen, sonder« erklärte, im Lande bleiben zu wollen. Der französische Gesandte Foucher in Budapest fertigte eine offizielle Note aus, in der er erklärte, daß sämtliche Westmächte sich der Wiederkehr Karls widersetzten. Graf Andrassp mrd Graf Bethle« reisten mit dem Dokument nach Steinamanger, um den König zum Verlassen Ungarns zu bewegen. Die österreichische Regierung traf Vorkehrungen, ein Uebergretfen der Bewegung nach Oestereich zu verhindern.
Hause beisammen. Der Lord war zum zweiten Male heiratet, und seine junge Gattin beschenkte ihn mit hübschen Kindern, die das Haus mit fröhlichem tümmel erfüllten. Da der Lord ein Jugendfreund Hans Joachims verstorbenem Vater gewesen, so war früheren Offizier dieses Haus besonders lieb.
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Herzlich war er ausgenommen und auch bald Freund der Kleinen geworden. Er fühlte sich in harmonischen Familienkreise besonder» wohl, und Briefe in die Heimat sprachen Zufriedenheit und glückliche Seelensttmmung aus. Auch für fein Gut vermochte er die Zeit gut ausgunüßen; denn der Lord hatte schon einige Medaillen für seine vorzügliche Viehzüchtung erhallen, und so konnte sich Hans Joachim manch prattischea Wink für seine spätere Zukunft einholen, bis eines Tage» eine Wendung in seinem Leben eintraL die feine Ge-
danken völlig adlenkte.
Einsam durchstreifte er früh am Morgen den Park, als er sich einem jungen, ihm völlig unbekannten Mädchen gegenübersah. 8s war die neue, stanzösische Gouvernante, die ihm mit den Kindern begegnete. Freudig liefen di« Kleinen auf ihn zu, während die Fremd« sich diskret zurückziehen wollte.
„Sieh nur, Onkel Hans Achim, das ist Mademoiselle Elisabeth, unser neues Fräulein! wie ist so lieb zu un* wie noch keine, und wir sind ihr von Herzen gut!" —
Hans Joachim blickte prüfend auf das Mädchen. Um* unwillkürlich verbeugte er sich vor ihr.
Es war ihm bis dahin nie in den Sinn gekommen, sich um eine Angestellte des Hauses zu kümmern, aber hier trat ihm so viel Anmut und Grazie entgegen, daß er unwillkürlich angezogen wurde. Wie machte eine einfache Gouvernante zu solch einer Vornehmheit des Wesens, zu solch einer Sicherheit kommen, wie die vor ihm Vtehead« k
(Fvil,rtzurig folgt)