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Eez»aSV«eiS vorauSzahlbar uiertelL durch die Post Mk. 12., durch unsere Träger Mk, 10.80, bei uns abgeholt Mk. 10.. Erscheint an Wochentagen nachmittags. Druck u. Verlag k. Altmeister, verantwortlich H.-L. Hotzmeifter, Schlüchtern. «ernrnf 65. Erfüllungsort für den gesamten SeschSftS- Verkehr mit der Firma Schlüchtern.

Schlüchterner K r e i 8 M n 11. - - Schlüchterner Tageßsatt

Gegründet im Jahre 1849

unter dem Titel

>et VeziVksbste

^73 Mittwoch, dm 30. März 1921 73. AaHrg.

Aus der Heimat.

-* Der Provinzialla»dtag der Provinz Hessen-Nassau nahm einen Antrag der sozialdemokratischen Partei an, den ProvinzialauSsäuß zu beauftragen die Wahl einer Kommis­sion zu beschließen und diese Kommission mit der Bildung einer provinziellen WohnungS- und Siedelunaszentrale zu ieauftragen. Bei Verteilung der diesjährigen Beihilfen für WohnungS- und GiedelungSzwecke sollen nur Selbsthilfe- Häuten berücksichtigt werden.

* Mit der Entrichtung der Umsatzsteuer wird es häufig nicht ernst genommen. Was das für Folgen haben kann, zeigt ein vor der Wiesbadener Strafkammer verhan­delter Fall. Ein Käufer von Möbelstücken, die er billig erworben hatte, hatte dem Verkäufer ausdrücklich versichert, daß er bei diesem Preis die Umsatzsteuer zahlen werde, ßr tat dies aber nicht, und die Strafkammer verurteilte ihr deshalb wegen Betrugs zu 6 Monaten Gefängnis.

* Schlüchtern. Am Mittwoch, den 30. März 1921, adeuds 8 Uhr findet eine Sitzung der Stadtverordnetenver­sammlung mit nachstehender Tagesordnung statt: 1) Erhs. buug einer Nachvagsumlage für 1920 in Höhe von 160®/, der Realsteuern, zur Deckung der nachgeforderten Kreissteuern.

* Schlüchtern. Die Sammlung für die Oberschlesien- spende hat in unserer Stadt 4660 Mark gebracht.

* Heubach v. d. R., 29. März. (Falschmünzer). Am 2. Osterfeiertage wurden auf dem benachbarten Sparhof zwei Falschmünzer, ein männliches und ein weibliches Wesen, ioo der Gendarmerie festgenomme«. Das saubere Paar wurde in das AmtSgerichtSgefängnis in Schlüchtern elnge- liefert, von wo es heute mittag im Auto »ach Frankfurt a. Main abgeschoben wurde.

* Flieden. Der Eisenbahuaspirant Schoof dahier ist nach Fulda versetzt. Wegen Wohnungsmangel bleibt er hier wohnen und begibt sich alltäglich nach seiner DisnMK«. Anläßlich des bevorstehenden UebertritLS des HäuptlehrerS Mohl in den Ruhestand verunstaltete die hiesige Schulbehörde bei der letzten Schulentlassung eine größere Feierlichkeit. Herr Kaplan Mähler verläßt nach 6jähr. Tätigkeit den hiesigen Ort. Es begleiten ihn in feinen neuen Wirkungs­kreis die heißesten Segenswünsche der hiesigen Bevölkerung. Am Ostermontag spielte auf dem Sportplatz Leite in Fiiedea die I b Mannschaft Germania 1909 Fulda gegen 1. Mannschaft des SportklubsBuchonia" Flieden 1:0 (Halbzeit 0:0).

Wirtschaftliche Wundschau.

(Nach dem Stande vom 26. März 1921.)

(Nachdruck verboten.)

W.K.S. Allgemeine Lage. Die feindlichen Sanktionen zeitigen vorerst große Unsicherheit im deutschen Wirtschafts­leben. Di, Folge davon ist die Unterbrechung des normalen wirtschaftlichen Verkehrs, die Annullierung erteilter Aufträge und das Znrückschrkcken vor dem Abschluß neuer Lieferunaen.

Das Zirkuskinö.

Stovellette von 3- gunt

1) (Nachdruck verboten.)

.Dar Mädchen stellt fich nur so steif an, wie ein Stock l Für die .hohe Schule' eignet sie sich: aber Iokey» Aellerin, oder auf dem Panneau dazu ist sie nicht zu »»brauchen l Viel zu ungelenkig, gar nicht deine Tochter!" Madame Lillitet hatte inzwischen ihr Kostüm mit einem dunklen Abendkleid vertauscht.

_ Jetzt nach dem Abschminken, sah man die Spuren des Alters recht deutlich.

Der ihr Gegenübersitzende musterte sie scharf.

.E» ist gut, daß die Kleine schon vor das Publikum tritt; in einigen Jahren ist's mit deiner Anziehungskraft »orbei! Also, immer vorsorgen I*

.Sei nicht so taktlos, Alfred! Dir zuliebe habe ich doch mein gesicherte» Leben apfgegeben; du hast also am wenigsten Ursache, mir meine schwindende Schönheit vor- Luhaltenl 3m übrigen ist es Zeit, daß ich mich um Mia tummere, ihre Piere kommt!*

Geh nur; ich lege mich ein Weilchen auf deinen Siegeftubl I Es wird der Kleinen ja nichts passieren I*

Hätte er geahnt, was der Abend noch bringen würde, sein Schlaf wäre sicherlich weniger friedlich gewesen.

Madame Lillitet ging in die Garderobe ihrer kleinen, etwa achtjährigen Tochter.

Sie fand das Mädchen in Tränen vor dem Spiegel. Die Friseurin bemühte sich vergeblich, das lange blonde Haar zu kräuseln.

_Ich will nicht vor das Publikum! Ich tue es nicht! Mein Papa hat gesagt, Gaukler und Zirkusreiter sind ge­meine Leute! Ich will nicht gemein sein!"

Was fällt dir ein?" herrschte Madame Lillitet das Kind an.

Willst du den Abend verderben? Willst du die Straj« zahlen, wenn du versagst? Was denkst du dir

Bri längerem Bestehen dieses Zustandes wird zweifellos derselbe stark schädigend auf das deutsche Wirtschaftsleben einwirken.

Geldmarkt. Die deutsche Mark Hai deu Ereignissen der letzten Zeit gut standgehalten. Die erste Wirkung der Sanktionen auf die Finanzleute des Ja- und Auslandes war, daß der französische Franken stärker gefallen ist, als die deutsche Mark. Vor den Feiertagen schrumpfte das GesLäft an den Börsen stark zusammen.

Handel und Industrie. Die deutsch-russische» Handels­beziehungen sind durch neue wirtschaftliche Abmachungen mit der Sowetregierung der Wiederanknüpfung näher gebracht worden. Auch unsere Industrie wird in dem Handel mit Rußland einen Ersatz für den mit England finden. Die Absatzstockung in der Uhrenindustrie hat eine bedeutende Verschärfung erfahren.

Kohlen und Metall. Die Ruhrzechen-Bestände sind in diesem Monat wesentlich w'üdgegangen Im Fichtel- gebirge sind wichtige Erzfunde gemacht worden. Die Erze haben 38 Prozent Schwefel, ferner Kupfer, Gold u. Silber.

Warenmarkt. Bei der letzten Wollversteigeruug in Halle wurde Merinowolle mit 1200 Mk., geringe mit 700 bis 800 Mk. bezahlt. (Vorletzte Preise 13-1500 Mk.) Die Zwangsbewirtschaftung von Mineralölerzevguiffe», Wachs und Kerzen ist aufgehoben worden.

Landwirtschaft. Die Retchtzregierung will von der kommenden Ernte ab den Kartoffelhandel im Inlands völl g freigeben. 1920 waren nach einer Statistik in Deutsch­land 72661,4 Hektar mit Weinreben bepflanzt (1919: 69163,1 H-kigr). Der Mostertrag war 1920 : 2 440 148 Hektoliter, 1919: 1 741 244 Hektoliter; der Geldwert desselben war 1920 : 2 349 274 480 Mark, 1919: 1 114 894 079 Mark. Der Durchschnittspreis stellte sich pro H-kioliter auf 962,8 Mark, 1919 auf 640,3 Mark. Im Betriebsjahr 1919/20 wurden 615 851 ^ Zolltet Weingeist in Deutschland erzeugt.

Produktenmarkt. Die Märkte stehen noch unter dem Einfluß der unsicheren politischen Verhältnisse. Die Abschlüsse werde» auf Deckungen des notwendigsten Bedarfs beschränkt. Für Heu und Stroh hat flch die Tendenz befestigt. In Mais ist das Geschäft fast zum Stillstand gekommen.

Viehverwertung. Der starke Zutrieb zu den Märkten hält an. Die Preise sind im allgemeinen festgebliebe». An den Rohhäutemärkten setzte der Preisrückgang sich fort. Die letzte! größere Versteigerung in Göppingen (Württ.) ergab kleine Schwankungen auf- und abwärts. Im ganzen Lande ist ein erfreuliches Aufblühen der Viehzucht erkennbar.

Lebensmittel. Die Zwangswirtschaft für Zucker bleibt für 1921/22 bestehen. Ein Rückgang der Preise steht nicht zu erwarten. Berichterstatter melden, daß verschiedenenorts mit einer baldigen Milchpreiserhöhung zu rechnen ist.

Holzmarkt. Durch die Maßnahmen der Entente wurde besonders der Holzmarkt schwer betroffen. Nicht nur der rheinische Holzmarkt, sondern auch das Auslandsgeschäft wurde vollständig zum Stocken gebracht.

denn? Meinst du, wir haben das Geld scheffelweise, um uns solche Torheiten gestatten zu können?*

Die Augen funkelten unruhig zu Mia hin; ihr war bange, daß die Kleine im letzten Augenblick den sorgsam vorbereiteten Abend verderben könne. Aergerlich trat sie nahe an Mia heran.

Wenn du jetzt nicht Vernunft «»nimmst, dann hüte dich! Du weißt, Monsieur Rose» versteht es, dich zu bändigen", raunte sie ihrer Tochter in deutscher Sprache zu.

Mia zitterte, sie kannte die Strenge des Freundes ihrer Mutter genau und empfand unsagbare Furcht vor bem eleganten Manne, der ihr schon gedroht hatte, sie dem durch seine Roheit berüchtigte» Dresseur Wiusky zu übergeben. Ja, der hatte schon einmal, nach der Probe, den Versuch gewagt sie auf seinem Arm wegzutragen.

Da wird das Glockenzeichen gegeben. Die Musik spielt eine flotte Weise. Mia reitet in die Bahn. Madame Lillitet steht an der Eingangstür und mustert die Zu­schauer. Sie sieht erwartungsvolle Mienen, und Händ^ die sich zum Beifallsklatschen formen.

Aber sie gewahrt nicht die blauen Augen eines Herrn, der mit verzerrtem Gesicht auf Mia sieht; sie entdeckt die in den dunklen Mantel gehüllte Gestalt nicht, die sich in eine Nische drückt, ohne den Blick von Mia zu lassen. Diese führt ihr Pferd sicher; ihr Sitz ist so korrekt, wie der eines Edelsräuleins aus dem Mittelalter; wie ein Gainsborough'fches Kinderbildnis wirkt sie. Die Gang­arten der hohen Schule gelingen ihr tadellos; zum Schlüsse erhebt sich ihr Pferd auf die Hinterfüße, (und unter dem Jubel der Menge verläßt Mia die Manege. Madame Lillitet nimmt die Glückwünsche ihrer Kollegen und Kolleginnen in Empfang. Sie ist entzückt über die vollendete Leistung, die ihr bis zuletzt Sorgen gemacht hat Sie muß schnell. ehe sie zur Kleinen eilt, einen Schluck Portwein zur ": uhlgung nehmen.

Mia wird indessen vom Stallmeister vom Pferde ge­hoben ; schon will sie in ihre Garderobe, da ist lang- säm der Herr aus der Nische an sie ber<sngetrrten, zögernd; er ruft ihr leise ein Wort zu: das Kind er­bleicht, schreit auf, droht umzusinken, da hat der Fremde sie

Verkehr. Der Wasserstaus her Flüsse, besonders auch der des Rheins hat sich weiter verschlechtert, so daß die großen Schiffe ihren Betrieb wieder ganz einReUen mußten. Die erste deutsche Pelzmodruschau findet am 4. und 5. April in Leipzig statt. Der Luftdienst LondonParte ist wieder ausgenommen worden.

Ausland. Newysrk meldet: aus dem Rohseideumarkt hat seit mehreren Tage» lebhaftere Kauflust eillgefetzt. Die Preise für italienische Selben steige». England wird weder deutsches Eigentum auf englischem Gebiete, noch Gut­haben aus Bankea beschlagnahme».

Am «eümdnmg des «rdrlVmW.

Der Aus schütz für die Neuorbmar« d«O WOeE»r«H»» Ech vom 7. bis 12. März im ReichsarbeitsMiMiEerttme getagt. W» den beiden ersten Tagen haben sich «Ut feiner Untergrub .Müsse mit den Fragen des AngestelltM^tk^ fc) ^ «reinen Arbeitsverrragsrechts beschäftigt. ES lasen mehren Entwürfe vor. Die Besprechung ergab, daß fast alle wichtige, 9 Tagen des Angestellten rechts zugleich solche deS allgemeine* Urbeitsvertragsrcchls sind und einer Sonderregelung in ge» «ngerem Matze bedürfen, als vielfach vorausgesetzt war. SS All daher Mnächst unter Benutzung der bereits vorhandenen Borentwürfe der Entwurf eines Gesetzes Wer daS «Cge> «reine Arbeitsvertragsrecht auSgearbeitet werben, defsen Le» erbet hing Dr. Heinz Potthoff (München) Wernonruren *<< arte Arbeit fall so gefördert werden, bat bereits im He-üE «e endgültige Beschlußfassung des ÄrSettSrechtÄ»uSschuffeS «folgen kann. An drei Tagen Hat sodann her Gesamtaus« Wut über den von Prof. Sinzhettner aufgesiellten Enrwni- «nes Tarifvertragsgesetzes beraten.

Damlt ist einer der wichtigsten Abschnitte der neuen «w ?mrm«hr im Ausschutz im wesentlichen fertige Stell.. Allerdings mußte die AuSgeftalmng der vorgesehenoh Tarifbehörden noch offen gelassen werden, weil es öeu AL» sichren des ArbeitSrechtsausschuffes entspricht, daß enchei» ttche Arbeitsbetzörden geschaffen werden. Der Entwurf be* Tartfvertragsgesetzes wird nach seiner endgültigen Rebigie» rurrg voraussichtlich der Oeffentlichtett Übergabe« werden.

Der Gesamtausschuß hat sich ferner mit den Plänen fern seine weiteren Arbeiten beschäftigt. Es wurde die EiusehunG von Unterausschnffen für das Berufsvereinsrechi. das Berg» arbeitsrecht und das Landarbeitsrecht beschlosien. SchließN^ haben sich die Mitglieder des Arbeitsrechtsaustchuffes nochs an einer Besprechung über den Entwurf eines HauSgehilfen* gesetzes beteiligt, der ebenfalls auf Grund der Sorarbetten des Arbeitsrechtsausschuises ausgestellt worden Ä,

Ger- wl ^L r der engüschen Zergarbetter.

Nach einer Privatmeldung desPetit Parisren" anS 2«^ don sinlet wiederum eine Konferenz der BergaLbetterfüHrsU statt in der darüber beraten werden soll, ob am 31. Stör* der allgemeine AusstanH erklärt wird. Es handelt sich HÄ8 bei um eine Lohnfrage. Die Bergwerksbesitzer habe» ane* neuen Kontrakt vorgeschlagen, den jeder einzelne B««» werkSbezirk abschließen soll. Der Vertrag ist, wie es Hoiß8 bereits abgelehnt morden von den Bergarbeitern in Wal«^ Lancshire, Schottlarrd uns Durban. Nur die Bergarbe^^ von Norkshire und Nvrthumberlaud scheinen geneigt zu ftjm ihn anzunebmen.

schon auf den Arm genommen, an dem verdutzten Stall­meister vorbei, aus dem Zirku» heraus getragen. Draußen steht den ganzen Abend ein graues Automobil; der Chauffeur hält die Augen fest auf den Eingang gerichtet. Ein Pfiff, der ihm bekannt, dringt zu ihm hinüber, im gleichen Augenblick ist der Wagen vor dem Zirkus, der Schlag geöffnet, der Fremde steigt mit seiner leichten Last ein. Das Auto rast davon.

Als Madame Lillitet nach einer Viertelstunde ihr Kind sucht, ist es nirgends zu finden. Monsieur Sofie schläft ruhig auf seinem Liegestuhl; die Garderobiere weiß nichts, und der Stallmeister vermag den Herrn nicht zu beschreiben, der das Kind, welches umzusinken gedroht habe, auf den Arm genommen. Er habe geglaubt es sei jemand gewesen, der im Zirkus Bescheid gewußt und Mia in ihre Garderobe getragen habe.

Der Zirkus wird durchsucht; alle Räume nachgesehe», Mia findet sich nicht.

Da meinte Madame Lillitet, das Kind sei nach der Wohnung gefahren; aber als sie daheim ankommt, er» fährt sie, daß Mia das Haus nicht betreten habe. Die Künst­lerin weint und jammert: der Baron Roses schleudert ihr die heftigsten Vorwürfe ins Gesicht, daß sie nicht besser auf die Kleine achtgegeben.

Zehn Jahre vorher, in her Mark Brandenburg, auf dem Rittergute Bernsdorf, an einem milden September­morgen war es. Ein einfacher Kutschwagen hielt vor dem Herrenhause. Die hohen, mächtigen Kastanien ' zu beiden Seiten der Tür warfen, von der Morgensonne vergoldet, riesenhafte Schatten auf den großen englischen Rasenplatz vor dem Hause.

Die Pferde, zwei kräftige Graditzer, begannen schon unruhig zu werden und ungeduldig mit den Füßen zu scharren, so daß Johann, der langjährige Kutscher der Gräfin von Harr ach, sie mehr-aa; durch Zurufe zur Ge­duld mahnen mußte. Endlich .innere sich die Tür, und heraus trat, begleitet von einer Dame, die ihren Arm um feine Schultern geschiungen hatte, ein schlanker junger Mann im Reiseanzuge. (Sortfegung folgt.)