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»eruaSpreiS vorauSzahlbar viertelt. durch die Post Mk. 12.—, durch unsere Träger Mk, 10.80, bei uns abgeholt Mk. 10.-. Erscheint an Wochentagen nachmittags. Druck u. Verlag ». Hohmeister, verantwortlich H " “-^—"^ «^»«^— Krrnruf 65. Erfüllungsort fw

verkehr mit der Firma Schlüchtern.__________

>.-L. Hohmeister, Schlüchtern. ir den gesamten GeschSstS«

Gegründet im Jahre 1849

unter dem Titel

8chlüchterner Tageblatt

Anzeige«: kl. Zelle oder bereu Raum 70 Pfa., Reklame- &Mk. 2.— sämtl. ohne besonderen Zuschlag. ^ Bei ebSstörungen kein Schadenersatz oder Mindergebühr einschl. BezugS. Seine Gewähr für Platz, Aufnahmezeti und Beleglief-rung. Sein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischen- kosten. Zählkarte Frankfurt a. M. Nummer 11402.

M 67

Montag, den 21. März 1921

73. Iayrg.

Aus der Hei«at.

—* Vom Finanzamt wird uns geschrieben: Es wird Wiederholt daraus hingewieseu, daß die infolge von Hingabe von Wer^apiereu zur Entrichtung der außerordentlichen Kriegsabgabe 1919, der Kriegsabgabe vom Vermögeuszu- «achS und des Reichsnotopfers von den Annahmestellen den Einzahlern zugegangenenIAnnahmebefcheiuiguugen der Finanz- kasse unvtrzüglich vorgelegt werden müssen. Sonst erhält die Kasse von der Einzahlung keine Kenntnis, kann eine Abrechnung nicht vornehmen und die Abgabepflichtigen er­halten nach Ablauf der Zahlungsftist sicht nur Mahuzettel zugesandt, deren Kosten sie tragen müssen, sondern haben unter Umständen auch zwangsweise Beitreibung zu befürchten.

Hk. (Musterpässe für Spanien.) Firmen, welche Reisende mit Musterkopteen «ach Spanien schicken wollen, erhalten nähere Mitteilung von der Geschäftsstelle Hanau, den Ver­einigten Handelskammern Fraukfurt a. M.—Hanau.

—* Vom 1. April d. Js. au tritt im Bereich der Reichseisenbahnen eiu neuer Gepäcktarif in Kraft, durch den die Gepäckfrachtsätze um durchschnittlich 90—100 v. H. erhöht werden. Gleichzeitig^ wird die verbilligte Vorstufe (1—30 kg) durch 3 GewichtSstufen von je 10 kg ersetzt. Die Zahl der vorgelegten Fahikarteu hat daher aus die Frachtberechnung in Zukunft keinen Einfluß mehr. Die Wirkung ist an nachstehenden Beispielen ersichtlich.

20

kg

50

kg

100 kg

Von Frankfurt nach

seither

künftig

seither

künftig

seither

künftig

Bas«! Bad

9,00

17.00

19.80

40.00

39.60

79.00

Berlin

9.00

27.00

34.00

67.00

67.60

133.00

Breslan

9.00

37.00

45.00

91.00

90.00

181.00

Köln

4.00'

12.00

14.4:0

28.00

28.6u

öü.M

Hamburg

9.00

27.00

34.00

67.00

67.60

133.00

Leipzig

9 00

19.00

22.60

46.00

45.00

91.00

München

9 00

21.00

25.80

52.00

51.00

103.00

Recht der letzten Ruhestätte behandelt das

—* Das

Reichsgericht in einer interessanten Entscheidung, die wir der bekannten volkstümlichen Zeitschrift „Gesetz und Recht" (Berlin-Lichterfelde) entnehmen. Zwischen zwei Geschwister» entstand Streit darüber, wo die soeben verstorbene Mutter zu beerdigen sei. Der Sohn wollte sie in einem für seine Familie gekauften Erbbegräbnisse beisetzen, während die Tochter ihr eine besondere Ruhestätte zu geben wünschte. Die Leiche wurde zunächst „vorläufig" in einem von der Friedhofsverwaltung angewiesenen Grabe bestattet. In dem Rechtsstreite entschied das Reichsgericht - die Frage dahin : Die Verstorbene habe eine formgerechte letztwillige Anord­nung über die Art ihrer Bestattung nicht getroffen. Aus­schlaggebend feien daher die sittlichen Anschauungen und das allgemeine Herkommen, bis im Volke berrfde D^sem

SSM^

Stmmöewegle Schicksale.

Roman von Max Esch.

64

Ladewig fühlte einen heftigen Stoß auf bei Brust und wankte taumelnd zurück, im selben Augenblicke aber sah er auch seinen Gegner lautlos zu Boden sinken.

16. Kapitel.

Der Spätnachmittag deS WeihuachtSheiligenabendS war hereingebrochen, und schon machte sich leichte Dämmerung bemerkbar, als es vor dem Häuschen der Witwe Rohleder sich geheimnisvoll regte.

Ein GutSschlitte» ohne Schellengeläut, in dem zwei völlig vermummte Gestalten saßen, die eine Anzahl Paket« zwischen sich liegen hatten, war vorgefahren. Schnell hatten die bei­den ihre Hüllen abgestreift und waren dem Schlitten entstie­gen, Komteß Mizzi mit dem Stubeuuiädchen Anna. Letztere eilte sofort nach der Tür und suchte nach dem Schlüssel, der dort unter dem niedrigen Dache an einem Nagel hing. 9la& dem das Mädchen die Tür geöffnet, verschwand die Komteß mit den Armen voller Paket« darin. Das Mädchen folgte mit einer kleinen Laterne und einem bepackten Korbe ihrer jugendlichen Herrin, welch letztere inzwischen die niedrige 6tn6e betreten und sich dort ihrer Bürde entledigt hatte. „Wie sauber hier alles ist," dachte die Komteß, während da« Mäd- ch°n Korb und Laterne niedersetzte, um sofort wieder hinaus- suhnsche», denn eS galt ja noch, den geputzten Weihnachts- baum Hereinzubringen.

„Run sieht es mich hier weihnachtlich »uS, gnädiges Fräu« hin!“ rief blitzenden Auges das Mädchen aus, als der Baum »uf dem Tische stand. „Werden die beiden aber Augen ma- chep. wenn sie das alles sehen."

Wir wollen nun auSpacken, Anna," unterbrach die Kom- den Freudenauübruch des MädErus, „denn wir haben vicht lange Zeit zur Verfügung. Frau Rohleder soll mit eine n Schlitten vom Gute gefaßten werben und ihr Kind aus

Schule abholen."

?i'.mWefnffenbepad sich das Machen an ba$Clanen ver Palet«, während »ie Kvmtetz die w^m Gruechlimde

entspreche es, daß bei der Auswahl der letzten Ruhestätte der Wille der Verstorbenen gewahrt werde, mag er formge- recht erklärt oder sonstwie zu ermitteln sein. Die verstor­bene Mutter habe wiederholt den Wunsch geäußert, im eigenen Grabe bestattet zu werden. Dieser Wille sei ent­scheidend ; ihm gegenüber müssen die persönlichen Interessen eines Hinterbliebenen, sogar der MehrheitSwunsch der Erben, zurücktreten. , ,

* Schlüchtern. Am 19. März bestanden vor der Prü­fungskommission in Hanau die Herren Schuhmacher Heinr. Friedrich, Eduard Weber und Oskar Schimonski von hier die Meisterprüfung mit gut.

* Schwarzenfels. In einer der letzten Nächte wurden in dem von Votthchen Anwesen in Schwarzenfels sämtliche Enten und 2 Gänse gestohlen. Nach den aufgefundenen Blutfpuren sind die Tiere an Ort und Stelle abgeschlachtet worden. Von den Tätern hat man keine Spur. Da der­artige Diebstähle in letzter Zeit hier in unserem Orte oft vorgefallen find, wäre es wohl wünschenswert, daß den Dieben das Handwerk recht bald gelegt würde.

* Fulda. Gegen den „Wunderdoktor" MMer-Lzeruy, der bekanntlich auch im Fuldaer Land manchen von denen gefunden hat, die nicht alle werden, ist jetzt ein Verfahren wegen Betrugs eingeleitet. In der Anklage wird darauf hingewiesen, daß Müller Dankschretben von angeblich geheil­ten Personen veröffentlicht hat, während die Leute behaupten, sie seien nicht geheilt und mit ihrem Namen sei Mißbrauch getrieben worden. Die Klagesachen kommt vor der Frank­furter Strafkammer zum Austrag.

* Gera (R). (Eine teure Jagd.) Bei der. Verpachtung der Felbjagd im benachbarten Lonztg wurde ein jährlicher Pachtpreis von 21250 Mark erzielt, der vom Pächter auf drei Jahre im voraus zu erlegen ist. Dabei fiad auf der V^ten dopt abgehalteueu Treibjagd nur 13 Stück Hasen erregt worden.

Die Internationale gegen die Sanktionen".

„ße Peuple" meldet, daß der internationale Gewerk­schaftsverband in Amsterdam eine Versammlung abhielt. in der eine Entschließung angenommen wurde, in der sich der internationale gewerkschaftliche Verband von der Berechtigung - der Reparationen und der Notwendigkeit des Wiederaufbaues der zerstörten Gebiete überzeugt erklärt. Aber er erklät auch, daß diese Erfolge nur durch ein Zusammenwirken der Arbei­ter aller beteiligten Länder errungen werden könnten. Weiter wird in der Entschließung gegen die Zwangsmaßnahmen, namentlich.gegen die Anwendung militärischer Gewalt Ein­spruch erhoben und versichert, daß ein Einverständnis zwischen den verschiedenen Ländern zum Aufbau der Ruinen ernelt werden könne. Denn der Wille der Deutschen zur Reparation sei vorhanden. Schließlich wurde eine unparteiische tlnter- sr chung vorgeschlagen. Wenn nötig, solle man eine schieds­gerichtlich^ Entscheidung herbeiführen.

in Empfang nahm und sie auf den Stühlen und den Bänken aitSbreitete. Die Eßwaren aber «hielten auf dem Tische un­ter dem Christbaume ihren Platz.

Die Komteß sah nach ihrer Uhr. „Weihnachtsengel Rum- mer Zwei verspätet sich," murmelte die Komteß, auf den Ofen zugehend, der nur eine mäßige Wärme ausstrahlte.

„Anna, wissen ®ie, ob der Schlitten voll Torf und Holz- den Papa schicken wollte, abgegangen ist?" fragte dir Komteß.

^Jaivohl, gnädiges Fräulein," gab die Befragte zur Ant­wort. „Auch einen Schlitten für die Anna hat der gnädige Herr anfertigen lassen und mit bet Feuerung zugleich ge­sandt."

Dom Flur aus ließen sich jetzt Schritte vernehmen, hastig trat die Frau des Lehrers, zwei Pakete tragend, in die Stube.

„Guten Abend, gnädiges Fräulein," sprudelte sie hervor, „entschuldigen Sie, daß ich Sie warten ließ, aber mein Mann kam erst jetzt von seiner Rundfahrt als Ruprecht, die er für Sie unternommen, zurück. Und da erzählte er mir schnell noch, welcher Jubel überall herrschte, wo er erschien. Er hätte nur gewünscht, daß Sie, gnädiges Fräulein, hätten dabei sein können, um an all der Freude teilzunehmen.'

„Ich bin Ihrem Gatieu vielen Dank schuldig, daß er auch heute wieder den Weihnachtsmann für mich machte," eutgeg- nete die Komteß mit Wärme im Tone, indes Frau Bergedvrf einen 9JEintel und ein Paar Schuhe ihren Pakete»» entnommen hatte und beides anf die Ofenbank legte.

„Das hat mein Mann gerne getan, gnädiges Fräulein," erwiderte die Frau. „Sie hätten nur sehen sollen, wie be- wegt und glücklich er ist, daß er an seinem Teil dazu beitragen kouute, Freude und GUick zu Derbreiten!“

„Darf ich die Lichter aiizünden, gnädiges Fräulein," wandte sich daS Mädchen an die Komteß,., die einen Blick auf die Uhr warf, ehe sie zn'inumeiid antwenete. Frau Rohleder nullte jetzt vom Gute avsahreu, sodaß sie hier alles im FesteS- glauze aniraf.

AlS der Baum im G ’e der brennenden Kerzen «- straylie, mo^.u'e Sie st ;; a schleimigen A oruche. | Sop -ästig pd . ... i'i Tür, hä -gte den Schlüssel j wieder auf ben allen 'j. .seitab »k: j-'jte sich, daß durch oie

Die Gniw Äuna der Ereignisse im Offen.

Die Einnahme von Kronstadt durch chinesische Söldner.

Ueber die Kämpfe, die zur Einnahme von Kronstad. führten, wird berichtet: In der Nacht zum Donnerstag be­gann ein gewaltiger Aufmarsch der Bolschewistenftreitkräft» gegen Kronstadt. Btorgens gingen die Sowjet-Truppen, du an der Hauptsache aus chinesischen Söldlingen bestanden, unter dem Schutze des Nebels und grauer Kleidung zum An­griff über, und es gelang ihnen, in die Festung einzudringew Es wurden zunächst die Forts 5 und 6 besetzt. Die Besatzun« flüchtete über das Eis nadi Finnland. Die eingetroffener Flüchtlinge erzählten, daß die Sowjet-Truppen mit Maschinengewehren hinter ihnen hergeschoffen, so daß Tau­sende von ihnen das Eis bedecken. Die Verteidigung vor Rronftabt hielt sich hartnäckig; die Angreifer wurden mehr- mals zurückgeworfen. Am Nachmittag war es den. Bolsche- Wisten gelungen, in die Stadt einzudringen. Einige Kom­munisten schlössen sich den Bolschewisten an; sie wurden aber sofort erschossen. Die Forts Obokeschewk, Richow uni Schwankow wurden von den Forts 5 und 6 aus eingenom­men. Am Donnerstag abend war Kronstadt gefallen. Dal Revolutionäre Komitee und die Truppen flohen wirr durA- einander über das Meer nach Finnland. * Die Bolschewifte» sind Herr der Situation.

Kristsche Lage in Moska«.

Aus Helsingfors wird aemeldet: Aufgefangen. Funksprüche der Moskauer Regierung besagen, daß der all­gemein? Aufftand im Moskau fortdauert und daß der Ausruh, täglich wieder in neuen Quartieren aufflammt. Die ErniLh- rungslage wird täglich kritischer. Die Bevölkerung leidet entsetzlich. Der Mangel an Lebensmitteln und Kohle ist in Moskau ebenso groß wie in Petersburg. Besonders ernst gestaltet sich die Lage für die Sowjetregierung dadurch, daß viele von der nach Petersburg entsandten Roten Truppen- abteilung unterwegs gegen die Offiziere meutern und in Scharen zu den Aufständischen übergehe«. . j

Die Kosaken auf dem Marsch gegen Moska«.

„Daily Mail" meldet aus Helsingfors: Ueber 20000 gM bewaffnete Kosaken aus Sibirien und dem Ural haben eine Einheitsfront gebildet und marschieren geschlossen auf Mos­kau. Die Sowjetregierung erläßt einen neuen Aufruf, in t>em sie zur Bekämpfung der neuerdings drohenden gegen- revolutionären Gefahren aufforbert /

Harding gegen bie Sowjekregierang.

. Die „Chicago Tribune" berichtet: Die Regierung bei Präsidenten Harding hat beschlossen, von einer Aufnahme - politischer ober wirtschaftlicher Beziehungen mit der russischen »«wjeiregierung Abstand zu nehmen, dagegen ist Hardsilg geneigt, mit einer gemäßigten sozialistischen Regrer«ag die Beziehungen alsbald wieder aufzunehmen. ;

S«schlössen«, Fensterläder kein Lichtschiinmer auf bie Straf« el, dann nahm sie ebenfalls im Schlitten Platz, der daran lautlos davonhuschte. Auf der Dorfstraße kam ihnen bereist ber GuiSschlitt«! mit Frau Rohleder und beten Tochter tat gegen.

Anna Rohleder war die erste, die durch die dunkle KSch, in bie Stube trat, während die Mutter in der Küche zuerst bü Pakete ablegte, die sie von der Wirtschafterin erhalten hattg um dann die Lampe anzuzünden. Sie hatte der Stubentik den Rücken zugekehrt und nahm deshalb den Lichtschein nicht sofort wahr, ber aus ber geöffneten Tür in bie dunkle Such« flutete.

Die Tocht« aber stand völlig verblüfft auf der Schwell« und starrte, keines Wortes mächtig, unverwandt auf den strah­lenden WeihnachtSbaum, ihre Blicke darauf inechanisch im ZinlM'r umhergleiten lassend. Noch immer sonnte sich bat Kind »licht erklären, was daS alles zu bedeuten bobt. Erst ein Geräusch, das die Mutter beim Anzünden ber Lainpe ver­ursacht hatte, brächte eS zu sich und ließ eS erkennen, daß bat kein Traum, sondern Wirklichkeit war, was bie Augm w schauten,

„Mutter, daS Cbristkiudlem war hier k" Jubelnd schallt» eS durch das fieuie Hüttchen, und im nächsten Augenblicke be­fand sich Allila auch scho», unter dein bre»»uenden WeihnachtL- baume.

Auf den Ruf ihres Kinde« eilte auch bie Mutter in bie Stube. Ueberwältigt von ihren Gefühle», blickte die Frau nach oben unb faltete die Hände zu inbrünstigem Gebet. „Vater im Hinunel, hab' Di» Dank für die große Gnad« und Barmherzigkeit, die Du mir und meinem Kinde erwiesen hast!" Aufrichtiger konnte kein Dallkgebei gen Himmel ge­sandt werden, als daS der Witwe in dieser Stunde. Freuden- tränen liefen ihr in reichlicher Menge die Wangen hinab. Erst nach geraumer Zeit hatte sie daS Gefübl der Rührung soweit gebannt, daß sie die ihr und ihrem Kinde gespendete» Gaben in Aligeilschein richmen konnte.

Dank im Her;en für die edlen Geber, saß die Frau dann still auf ihrem Plave, ihre Sippen aber murmelten heiße Lankgevete, während die Hände gefaltet waren. 255,20