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BernaSpreiS vorauszahlbar viertel) durch die Post Mk. 12., durch unsere Träger Mk. 10.80, bei unS abgeholt Mk. 10.-. Erscheint an Wochentagen nachmittags. Druck u. Verlag 6, Hohmeister, verantwortlich H.-L. Hohmeister, Schlüchtern. Fernruf 65. GrfüllungSort für den gesamten GeschSftS- __________verkehr mit der Firma Schlüchtern.

Gegründet im Jahre 1849

unter dem Titel

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zeile Mk. 2. sämtl. ohne besonderen Betriebsstörungen kein Schadenersatz oder einschl. Bezugs ' ' ~ - *

und Beleglies-

gen kein Schadenersatz oder Mmdergebühr |8. Keine Gewähr für Platz, Aufnahmezeit jerung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischen- kosten. Zählkarte Frankfurt a. M. Nummer 11402.___

Samstag, dm 12. März 1921

SB.

73. Aayrg.

Aus der Heimat.

* (Nicht nach dem Kohlenrevier überstedeln.) Von der Zureise Arbeitsloser in das rheinisch-westfälische Kohlen­revier muß dringend abgeraten werden, da die dortige Ar­beitsmarktlage und die Wohnungsnot die Unterbringung Auswärtiger aussichtslos erscheinen lasten Zureisenden «wachsen nur unnötige Geldausgaben.

* (Das Handwerk und die Berufswahl.) Der Reichs- verband deS deutschen Handwerks schreibt: Zu Ostern tritt eine große Anzahl fschulentlaffmer Knaben und Mädchen in das Handwerk als Lehrlinge ein. Die Eltern dieser Kinder sind oft froh, nach gangem Suchen eine Lehrstelle gefunden zu haben. Sie^ fragen nicht lange nach den Bedingungen, sondern gehen ohne weiteres auf jeden Vorschlag ein. Gar zu oft wird hierbei übersehen, sich mach dem Vorhandensein der Berechtigung zur Anleitung von Lehrlingen zu erkun­digen. Alle Eltern,ideren^Söhne und Töchter ein Handwerk erlernen wollen, werden davor gewarnt, sie in solche Werk stätten zu'' geben,Uoeren" Inhaber zur Beschäftigung von Lehrliugen.nach den gesetzlichen Bestimmungen nicht berechtigt sind. Der Nachteil, der den Jugendlichen daraus erwachsen kann, besieht darin, daß die in solchen Werkstätten zurückge» legte Lehrzeit nicht »anertannt wird, den jungen Leuten damit also insbesondere die Möglichkeit der Gesellenprüfung verschlösse^ist. Unachtsamkeit kaun also schwere Schädig- uvgenßder jungens Leute, nach sich ziehen.

* (Die Viehseuche im Regierungsbezirk Eaffel.) Die Maul- und Klauenseuche IZstZ nach einer tabellarischen Auf­stellung im ReichSanzeiger über insgesamt 18 Kreise (80 Gemetnd«»>undi270 Gehöfte) verbreitet, davon neu 7 Ge­meinden und 19 Gehöfte. Von der Räude der Einhufer sind 8 Kreise (10 Gemeinden und 10 Gehöfte) betroffen worden, bauen neu 3 Gemeinden und 3 Geh-che. Die Schweinesuche und Schweinepest hat 2 Kreise (3 Gemeinde« und 5 Gehöfte) befallen, davon neu 1 Gemeinde und 2 Gehöfte.

* (Die Berufswahl unserer Jugend) Das Frank­furter Berufsamt veröffentlicht eine interessante Statistik. Bon 6000 in diesen Tagen aus der Schule zur Entlastung kommenden Knaben und Mädchen haben 5570 Kinder erklärt, was sie werden wollen. Von den Knaben haben sich vormerken lasten für Schlosser 398, Mechaniker 235, Kontorist 214, Elektromonteur 179, Schreiner 92, Schuh­macher 63, Bankbeamter 63, Bäcker 62, Dreher 55, Werk­zeugmacher 48, Schneider 35, S-Hner 32 Metzger 31, Konditor 29, Friseure^27, Spengler 20. Alle anderen Be- rufsgruppen blieben unter 20 Bewerbern. Von den Mädchen wollen werden Schneiderin 909, Kontoristin 565, Verkäuferin 366, Hausmädchen 113, Putzmacherin 12, Kin­dermädchen 65, Näherin 41, Weißzeugnäherin 51, Friseuse 31, Lagertstin 29, Stickerin 15, Büglerin 13 und Blumen^ dinderin 12. Diese Zahlen sind äußerst lehrreich, offenbares sie doch bei den Knaben den starken Dräng zu den hans- arbeitenden Berufen, insbesondere der Metallindustrie, während von den Mädchen der größte Teil sich als Schnei­derin durchs Leben schlagen möchte. Auch die Kontoristin wird bevorzugt.

* Schlüchtern. Wie aus dem Inseratenteil der gestrigen Schlüchterner Zeitung ersichtlich, findet am morgigen Sonntag in der Turnhalle ein bunter Abend statt. Herr Bauchredner Grimm nebst einem erstklassigen Humoristen von Groß- §ran!furt und guten Musikeinlagen werden zu gemütlichen Stunden des Abends beitragen. Man darf wohl mit Ge­wißheit sagen, daß ein jeder auf seine Kosten kommen wird und mit dem Bewußtsein nach Hause geht, einen recht gemütlichen Abend verlebt zu haben.

* Frankfurt a. M. Bet derDarmstädter Bank' wur­den 125 000 Mark unterschlagen, doch konnten Mk. 85 000 wieder herbeigeschafft werden.

* Fulda. (Frankfurt und der Fulda-Main-Kanal.) Der Magistrat der Stadt Frankfurt beschloß den Leitritt der Stadt Frankfurt a. M. zum See-Main Kanal-Vrreiv, der m Fulda ins Leben gerufen und insbesondere das Fulda- Kinzig-Kanal-Projekt betreiben soll. Mit Rücksicht auf die außerordentliche Bedeutung des Planes für das Frankfurter Wirtschaftsleben soll stadtseitig ein Beitrag zu den Vor­arbeiten geleistet werden Die Gründungsversammlung $ auf den 19. März anberaumt.

* Homberg. (Grippeepidemie.) Am hiesigen Lehrer- stmtnar sind 4050 Seminaristen und Präparanden an Grippe erkrankt. Auf das Gutachten des AnstaltsarzteS hin wußte der Unterricht eingestellt werden, auch die UebuagS- Ichule wurde geschlossen. ,

Melsungen. (Wie gewonnen so zerronnen!) Pech hatte hier eine ältere Witwe mit jugendlichem Herzen, we des Alleinseins müde, endlich ihren Ruserwählten so weit hatte, daß er mit ihr den Gang zum Standesamt "»trat, um das Aufgebot zu bestellen. Die Formalitäten nahmen den üblichen Verlauf und der Beamte schloß die ^«n schmunzelnd mit dem Gedanken, wieder einmal für

die Sicherung der Zukunft Deutschlands tätig gewesen zu sein. Wer beschreibt aber sein Erstaunen, als nach kurzer Zeit der Herr Bräutigam eilends zurückkehrt und die Bitte vorträgt, das Aufgebot wieder rückgängig zu machen. Er habe es sich anders überlegt. Der Sprung ins Ungewisse fei ihm zu gewagt. Sehr rasch kommt oft die Reue 1

Gesundheitspflege.

Bon Emil Anacker in Schlüchtern.

(Nachdruck verboten).

(Fortsetzung Kleidung.

Alle tierischen Organismen sind an Uns gewisse Tempe­ratur gebunden, deren Erhaltung auf natürlichem oder künstlichem Wege erfolgt. Die in dem menschlichen Körper durch seinen Stoffwechsel (Verbrensungsprozeß) erzeugte Eigenwärme beträgt 36 38° 6. und die Erhaltung der Gleichmäßigkeit dieser Temperatur ist die allerwichtigste Lebensbedingung. Der menschliche Körper gibt fortgesetzt Wärme an die ihn umgebende Luft ab; je niedriger die letztere ist, desto größer der Wärmeverlust. Gegen diesen Wärmeverlust sowohl, wie auch gegen Ueberhitzung sollen uns Kleidung und Wohnung schützen. Es ist hieraus erklärlich, daß die Lebeusmöglichkeit des Menschen durch eine allzu hohe und eine allzu niedrige Temperatur begrenzt ist, deren Spielraum ea 80°C. beträgt.

Abgesehen davon, daß uns die Sittlichkeit das Anlegen von Kleider» zur Bedeutung der Körperblöße gebietet, ge­währt uns die Kleidung Schutz" gegen Kälte, Wärme vnd Nässe. Je nachdem die Kleidung dem einen oder anderen Zwecke dienen soll, verwendet man zu derselben Stoffe aus dem Tier- oder Pflanzenreich, also Felle mit Haare», Wolle, Federn, Leder, Seide oder Seinen, Baumwolle und Gummi­stoffe. Wenn die aus vorgenannte» Stoffen hergestrüte Kleidung ihrem Zweck entsprechen soll, so mnß sie besonders frei von Staub, Schweiß und überhaupt rein gehalten sein, damit sie in allen ihren Teilen fähig bleibt, Saft aufzu- nehmen. Dunklere Wollstoffe verwendet man hauptsächlich für die kalte Jahreszeit, hellere baumwollene oder leinene Stoffe mehr für die wärmere Jahreszeit, da dunkele Stoffe mehr die Sonnen-Lichtstrahlen und Wärme leiten als Helle. Zieht man mehrere Kleidungsstücke übereinander, so bildet sich zwischen denselben eine Luftschicht, die die Entweichung der Körperwärme tmmermehr verhindert. Es ist wohl selbstverständlich, .daß die Ernährungsweise, LebeuSgewohu- hr t (Abhärtung), der Gesundheitszustand, Art der Beschäf­tigung in der Bekleidungsfrage einen Faktor abgeben und auch die Form (Art) der einzelnen Kleidungsstücke je nach. ihrem Zweck Berücksichtigung finden mvß. Jeden­falls find enganliegende Kleidungsstücke auch Schuhe und Handschuhe zu vermeiden, denn in engen knappen Schuhen und Handschuhen gibt es kalte Füße unb Hände und Schaftstiefel find evtl. S chuürschuhe» vorzuziehen.

Wohnung.

Außer der Kleidung dient zum. Schutze des Menschen gegen äußere Einflüsse (Angriffe meteorologischer Elemente) die Wohnung, deren Beschaffenheit von größter Bedeutung für den einzelnen Menschen sowohl, wie im besonderen für das Wohlbefinden ganzer Familien ist. Gut gewohnt ist doppelt gelebt! Das wahre Familiengwck ist die Grundlage eines gesunden Gemeinde- und Staatswesens und in erster Linie begründet in gesunden und angenehmen Wohnungen, in welchen fich das ganze Familienleben abspielt.

Wo eine einwandfreie Wafferlettung und eine gute Kanalisation vorhanden ist, da ist jeder gewachsene Boden Kalk, Basalt, Lehm, Sand, Kies, Fels als bebauungs- fähig anzusehen. Wo diese tiefbautechnischen Anlagen fehlen, muß der gewachsene Baugrund trocken fein, denn feu Hte Wohnungen find ungesund und ist daher jeder Boden, wo stch stagnierende Feuchtigkeit zeigt nicht BebauungSfähig. Feuchte Wände schützen weniger gegen Hitze und Kälte, begünstigen Pilzwucherungen aller Art und erhalten mancherlei Krankheitskeime länger am Leben, als trockene. Aber auch die kleinsten Mengen stagnierenden Waffers leisten der Mückenplage Vorschub. Diese kleinen Insekten brauchen zur Ablage ihrer Eier (ca. 300 von einem Weibchen) nicht große Sümpfe und ähnliche Wasserflächen, sondern die aller- kleinsten Wasserlachen, ja wenig Wasser in alten Scherben genügen zur Aufnahme derselben. Es haben gewiß schon viele Menschen die Anwesenheit auch nur eines einzigen Weibchens dieser blutgierigen Stechmücken im Wohn- oder Schlasraum recht unangenehm empfunden, aber auch in gesundheitlicher Hinstcht ist dieselbe von nicht unerheblicher Bedeutung, da gerade durch diese Insekten die Uebertragung von Krankheitskeime» erfolgen kann.

Vor der Bebauung angeschütteten Bodens, Abladestellen usw. muß allgemein gewarnt werden, es sei denn, daß im Laufe einer langen Zeit von mindesten» 1015 Jahren die M »eralifieruag der organischen Abfälle aller Art durch den Verbrennungsprozeß angenommen werben kann.

Kurz gesagt, der Baugrund ist rein und trocken!

Wie unsere Kleidung, so darf auch unsere Wohnung, unser Körper nicht von der Außenluft abschließen, vielmehr ist nur solches Baumaterial bei Fachwerk- oder Massiv­bau zu verwenden, das den Luftaastausch nach innen und außen zuläßt. Es darf also nur vorenreiches Gestein verwandt werden, das M der natürliLen Ventilation und sowohl vor der Sommerhitze als auch W!«terkälte schützt z. B. Kalktuff-. Lehm-, Ziegel- und Sandstrine. Dann sehe man darauf, daß die untere Wohustätte umgebende Luft nicht durch Anhäufen von pflanzlichen und tierischen Stoffe» und durch die sich bet deren Umwandlung bildenden Gase verunreinigt werde. Bei der Anordnung der inneren Ein­richtung des Hauses, bei der Bestimmvng der Wohn- und Schlasränme sehe man daraus, daß diese Räume ihre Lage nach Osten oder Süden haLm, also den Sonnenstrahlen zusänglich und außerdem der Anzahl der darin wohnenden, arbeitenden oder rnhendm Menschen entsprechend geraumZ sind. Man rechnet auf ehe crwaSsene Person ca. 15 16 ebm. Raum. Je mehr Menschen sich in einem Ranme aufhalte», beüo nv"-m-r mir? die Lnft und je mehr und länger Lichte zur @tlc ^tung in dem Raume brenuen, desto mehr Sauerstoff wi? der Luft entzogen, so daß in diesen Fällen abgesehen von der natüd^en Lüftung eine künstliche Luftzufuhr (durch g 'Se erfolgen maß.

Die Wände der Wohnräume sind mit einfachen, guten glatten Tapeten zu bekleiden, welche dem Zimmer ein gefälliges Aussehen geben und nicht leicht Staub und Krankheitserreger mancher Art aufurhmeu.

Der Fußboden ist durch eine gute dichte Dielenlage zu bedecken, die am vorteilhafteste« einen Oelanstrich erhält, wodurch eine größere Dauerhaftigkeit und Reinlichkeit erzielt wird. Gaur besondere Ausmerk^mkeit ist der- Dichtigkeit der Dielenlage zwischen den einzelnes Dielen zuzuwende«, da sich in entstehenden Spalten (Ritze») Schmutz aller Art sammelt, der zerstäubt wieder die Zimmerlust uernureinigt und die Gesundheit der Bewohner gefährdet. Dann möge der Fußboden täglich mindestens einmal gereinigt und feucht adgew'scht und stets bedacht werben, daß Reinlichkeit und reine Lust Haupterforderniffe find zum Beben und Gesundbletben. Zum Schutze gegen Sonnenlicht und Sonnenhitze verwende man an den Fester« einfache glatte, Helle Leinenstoffe, die leicht abgenommen unb abgeftaubt werden können. Zur Ergänzung ber Wärme in der kalten Jahreszeit diene« Heizanlagen (Kamin, Kachel-Füllöfe«, Zentral- ober Sammelheizung), bei deren Einrichtung man immer Rücksicht nehmen muß auf das zur Verfügung stehende Brennmaterial. Einerseits muß auch in der Zeit strengster Kälte die Heizanlage soviel Wärme erzeugen als zum Wohlbefinden des Menschen (ca. 1S' R.) nötig ist, anderseits darf aber eine Ueberheizung nicht stattfinden, sodaß eine regulierbare Heizung den Vorzug verdient. Welcher Art nun auch die Heizung-anlage fein mag, eS ist stets daraus zu achten, daß gesundheitsschädigende Verbrennungsgase nicht in die Wohnräume bringen und die Lust in demselben einen gewissen Feuchtigkeitsgehalt hat. Zu letzterem Zweck wird am einfachsten eine Wafferverdampffchale ausgestellt, doch verhüte man ja, daß eine allzu große Verdampfung stattfiude, sodaß fich die Wafferdämpfe auf die Wände, Stoffe und Gegenstände im Wohnräume niederschlagen. Man vermeide unter allen Umständen, daß in ben Wohn-, Schlaf- und Arbeitsräumen Speisen ober gar Futter gekocht werde. Im Uebrtgen find die baupolizeilichen Vorschriften über Heizungs­anlage» derart, daß eine Gefährdung der Gesundheit ausgeschlossen erscheint.

Hat man ein Haus mit gutem Baumaterial auf trockenem Grund und Boden errichtet, so erhalte man es auch trocken dadurch, daß man das Eindringen auch von Feuätigkeit verhindert durch gute Bedachung unb Ableitung des TageS- waffers. Ziegelbedachuug dürste einer Schieferbedachung im allgemeinen vorzuziehen fein. Besondere Aufmerksamkeit möge man noch der Anlage von Abtritt- und Düugergrubeu zuwenden und durch deren Dichtigke't dafür sorgen, daß die darin aufgefangenen oder angehänftim Stoffe ob« d e bei deren Zersetzung entstehende« Sh sich möt dem sie um­gebenden Erdboden mtttetlcn ;-b -rsselöc« verseuchen können. Den untersten Boden des Hans» ': ben Keller­räumen verdichte man durch eine dicke ße^ om Zement- schicht und denke daran, daß auch die E^de atmet unb namentlich nachts Stickstoff ausscheidet.

Es würde dem Zweck nicht entspreche», wo Ute man hie noch die verschiedenen klimatischen Verhältatffe, die meteo­rologischen Einflüsse in den verschiedenen Lagen (auf Bergen, Hochebenen, in Ebenen und Täler«), die Ami -delungen, den geselligen Verkehr, das Berufs- und OxwnKsrebe» u.' a. m. eingehender Besprechen, es muß viel mehr genügen, in dem vorstehend Gesagten allgemein wichtige RichtUnien für die Gesundheit des Menschen gegeben zu haben.

(Fortsetzung folgt.)