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Schlüchterner Rrei8dtatt.

"L^mäÄreis vorauszahlbar viertelt, durch die Post Mk. 12., unsere Träger Mk, 10.80, bei uns abgeholt Mk. 10.-. Erscheint an Wochentagen nachmittags. Druck u. Verlag g Sohmeister, verantwortlich H.-C. Hohmeister, Schlüchtern. «ernruf 65. Erfüllungsort für den gesamten GeschSstS- " verkehr mit der Firma Schlüchtern.

Gegründet im Jahre 1849 unter dem Titel

8chlüchterner Tageblatt

Anzeigen: kl> Zeile oder deren Rann» 70 Pfg., Reklawe- zeilc Mk. 2. sämtl. ohne besonderen Zuschlag. Bei Betriebsstörungen kein Schadenersatz oder Mindergebühr einschl. BezugS. Keine Gewähr für Platz, Aufnahmezeit und Beleglieserung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischen- kosten. Zählkarte Frankfurt a. M. Nummer 11402.

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Dienstag

Aus der Heimat.

r* (Mietwucher ist strafbar.) Es kann nicht geleugnet t »erden, daß die heutigen Teuerungsverhältniffs auch eine Steigerung der Mieten gegen die Friedenspreise rechtfertigen, k Aber sie muß ihre Grenze haben, und es gibt immerhin | auch solche Wirte, die die jetzige Lage zu ihrem Vorteil vncherisch ausnutzen. Daß mau gegen sie auch strafrechtlich s vergehen kann, beweist eine Eatschsidunz des Reichsgerichts, | bie in der umsichtig geleiteten ZeitschriftGesetz und Recht" Merlin-Lichterfelde) besprochen wird. Ein Hauswirt hatte hn mehrere Mieter Wohnungen, die an dem Ort etwa 15 Bis 20 Mk. s wert waren, für 40 bis 45 Ak. vermietet. M herrschte dort große Wohnungsnot, und es war für jene Mieter nicht möglich, andere Wohnung zu finden. Sie l hätten, wie im Urteil ausgeführt wird, mit ihren Kindern auf her Straße bleiben müssen, wenn sie den vom Wirt geforderten t Mietpreis nicht bewilligt hätten. Auch bei Berücksichtigung rbet heutigen Teuerungsverhältnisie haben zwischen dem ^Mietpreis und dem Wert der Wohnung ein auffälliges kMißverhältnis bestanden. Infolgedessen erfolgte Beftrafung l des Hauswirts auf Grund des § 302 s des Strafgesetzbuches, l wonach derjenige wegen Wuchers bestraft wird, der gewerbs- i oder gewohnheitsmäßig unter Ausbeutung der Notlage eines anderen sich Bermögeusvorteile versprechen oder gewähren läßt, die den Wert der Leistung dergestalt überschreiten, daß nach den Umständen des Falles die Bermögensvorteile i in auffälligem Mißverhältnis zu der Leistung stehen.

Hk. Ursprungszeugnisse für Spanien können von der Geschäftsstelle Hanau den Vereinigte» Handelkammern Frank- | furtHanau'sbezogen werden.

Mirtsch«ftcicheNun!>scha».

(Nach dem Stande vom 5. März 1921.)

r......... ^ (Nachdruck verboten.)

W K. G- Allgemeine Lage. Angesichts der ernsten politsschen Lage nahmen alle wirtschaftlichen Kreise eine vor­sichtige, abwartende Stellung ein. Die Welt steht vor der Losung: Wirtschaftskrieg und Beunruhigung von allen Völkern oder Arbeitsfrieden unter den Völkern und friedlicher Wettbewerb.

Geldmarkt. Infolge der politische Spannung schwand an den Börsen ^>te Unternehmungslust von Tag zu Tag mehr. Der Kursstand war überwiegend nach unten gerietet. Das Ergebnis in London und der Antritt der Präsidentschaft Hardings werden zweifellos schärfste Schwankungen der Devisen zur Folge haben. Die Zahl der Konkurse ist im Februar auf 232 gestiegen, 202 im Januar und 66 im Februar des Vorjahres.

Industrie. In Eisen und Stahl tritt die Stockung in der Absatzmöglichkeit deutlicher hervor. Darüber klagt be­sonders die Solinger Industrie. Die Lager in der Pir- Mosenkee Schuhindustrie sind ühe"süW her Absatz ist aerina

Die Konkurrenz der deutschen SplelwarewIndustrie ist so stark, daß ein englischer Industrieller für das Jahr 1921 den Tod der britischen Spielzeugindustrie vorhersagte. Die Meldungen über eine Kruppsche Waffenfabrik in Chile sind unrichtig. Amerika wird uns Kupfer im Werte von 42 Mill. Doll. liefern.

Warenmarkt. Die Zurückhaltung hat sich noch allge­meiner ausgedehnt. Der Warenhandel hat,keine Möglichkeit, irgendwie größere Geschäfte zu unternehme». Das Sinken der Preise für Baumwollgarne und Baumwollgewebe hielt an. Die Preise für Pelzwaren sind durchschnittlich um 5060 Proz. gegenüber dem Vorjahre zurückgegangen. Es wurden uns folgende Durchschnittspreise gemeldet: Füchse 200250 Mk., Rehdeck-u 25 Mk. Dachs 100 bis 130 Mk., Marder 600700 Mk., Iltis 100-120 Mk., Hasen- bälge 10-12 Mk., Katzenfelle 6-10 Mk.

Landwirtschaft. Irr fachmännische« Kreisen ist man der Ansicht, daß unserem Viehstandr eine neue Verseuchung droht

Produktenmarkt. Es fehlte in den letzten Tagen an den Märkten an jeder Unternehmungslust. Der Preisstand unterlag kaum bemerkenswerten Veränderungen. Die Nürnberger Hov?enpretse waren zuletzt 11001800 Mk.

Viehverwertung. Auf vielen Märkten sind die Preise für Nutz- und Zuchtvieh bei schleppendem Handel weiter gefallen. Auch für Ferkel werden nicht mehr die hohen Preise angelegt. Die letzte Häuteautio» in Hamburg brächte einen weiteren Preisrückgang von 2030 Proz. gegen die Jauuarversteigemng.

Lebensmittel. Auf des freien Märkte« erleben wir zurzeit einen Preisabbau, während bei den zwangsbewkrt- schafteten Lebensrnitteln Preiserhöhungen in Aussicht stehen. Die Regierung erklärte, daß der Mchlpreis bis 15. August nicht verändert werde. Der Dezember 1920 wurde bisher zum teuersten Monat seit Anhalten der Notlage. Der Rückgang der EkerprM hSlf an. Die heimische Pro­duktion wird durch die gelinde Witterung günstig gefördert.

Holzmarkt. Die Lage ist unverändert schlecht. Ueberall flauer Verkehr und flaue Tendenz. Die Preisrückgänge bei den Ruudholzverkäufe« waren teilweise bedeutend. Im Reichswirtschaftsministerium ist ein Reichsausschuß für die Holz bearbeitende Industrie gegründet worden.

Baumarkt. Man hofft fast überall, daß mit Beginn des Frühjahres eine lebhaftere Bautätigkeit einsetzen wird. Der Höchstpreise für Zement ist erneut um 100 Mk. für 10 000 Kg. vermindert worden.

Verkehr. Der Luftverkehr zwischen London und Paris ist wegen seiner Unrentabilität wieder eingestellt worden. Die Verschlechterung des Wafferstandes der Wasserstraßen zwang zu Einschränkungen in der Beladung der Fahrzeuge.

Ärbeitsmarkt. Der eingesetzte Preisabbau wird durch neue erhöhte Lohnfo cderungen gefährdet. Unter den augen- Mirf04iw,sRer6ä0tt^ lassen sich weitere Lohnerhöhungen

sachlich nicht rechtfertigen. Das Gebot der Stunde heißt: Stabilisierung der Löhne.

Ausland. In Frankreich ist die Häuteausfuhr wieder gestattet worden. In England gibt es zurzeit fast 2 Mill. Arbeitslose. Die dortigen Bergarbeiter erklären sich mit Herabsetzung der Löhne um 2 Schillinge pro Tag einver­standen. Am Roheisenmarkt dauert der Preisrückgang an. In Newyork find die Baumwollkurse am 1. um 55100 Punkte gefallen. Die kommende Kaffee ernte iu Brasilien wird auf 8 750 000 Sack geschätzt.

0er Wert unserer Angebote.

DieKöln. Ztg." schreibt:

Der erste Eindruck bei Bekanntwerde» unsrer Gegenvor­schläge wird durch ein Zwiefaches gekenntzeichnet: Einmal wrrd bei uns zu Hause die Höhe unsers Angebots überraschen, weil sie weit über das hinausgeht, war man bisher allgemein als die.Höchstgrenze unserer Leistungsfähigkeit angesehen hat, und zweitens läßt die kurze Antwort Lloyd Georges, daß diese gewaltig erscheinenden Angebot«auf einer ganz- l'chen Verkennung der Bedürfnisse der Lage beruhten", die Lage als e r n st erscheinen. Die Vorschläge haben also nach innen wie nach außen eine Wirkung erzielt, die die Gemüter im Inland wie im Ausland auf ein« Stimmung einstellt, die einer weitgehenden Ausgleichung bedürfen wird. Die Auf­fassung Lloyd Georges bezeichnet natürlich keine endgültige Stellungnahme, sondern wird erst durch eine nähere Prüfung des wahren Inhalts unsrer Vorschläge zu einer endgültigen Fassung gebracht werden können. Diese Prüfung wird näm­lich ergeben, daß Forderung und Angebot nicht so weit auseinander!iegen, als die einfache Gegen­überstellung der beiden Summen von 226 und 50 Milliarden vermuten läßt. Abgesehen davon, daß auch 50 Milliarden Eoldmark für jeden Sterblichen eine geradezu unvorstellbare Summe bedeuten, sind sie in der Hauptsache die Zurückführung der größern Summe auf die kleinere durch ein RechnungSver- fahren, denn sie sind errechnet durch die ck d i s k o n t i e - von ZU.Milliarden mif 8 v. H. Zins und ZrnseszrnS innerhalb eines Zeitraumes von 42 U'hren. Die Summe ist nicht willkürlich gewählt, sondern sorgsam a u s g e r e ch n e t. Zudem stellen die 226 Milliarden 42 Iahreszahlungen dar, während unsre angebote­nen 50 Milliarden eine Gesamtsume sind, bei der später die Z i n s e n noch erheblich in die Erscheinung treten werden. Wenn man daher in den nächsten Tagen in den Verbands- ländern einen großen Sturm der Entrüstung ob der Winzig­keit und deswegen Unannehmbarkeit unsers Angebots ent­fachen sollte, so würde dies nur geschehen können, wenn man sich nicht der Mühe nähme, unser Angebot ernstlich zu prüfen.

Das Rerchskabinekk in Erwartung.

Der Reichskanzler hat die ReichSnrinrster aukaefordert, in den nächsten Tagen Berlin nicht zu verlassen, da die politische Gesamtlage die Anwesende!! aller Kadrnettsmitglieder in Berlin erforderlich mache. Der Ausschutz für Auswärtiges fuH sofort zummemntreten, falls in London eine Krisis oder ein Abbruch der Verbandlungen eintritt.

Sturmöewegte Schicksale.

Vornan von Max Esch. 45

Beide Herren, die von dem Lichte einer elektrischen Bo­genlampe, unter welch letzterer sie dahinschritten, beleuchtet wurden, erschienen Ladewig vollkommen unbekannt. WaS mochte der Graf mit dem polnischen Namen von ihm wollen? Sollte er, Ladewig, in eine Falle gelockt werden? Doch also- gleich verwarf er diesen Gedanken wieder. WaS konnte ihm im Parke, der von Wächtern beobachtet und dessen Wege von Promenierenden belebt wurden, wohl geschehen? Ohne Zau­dern schritt er deshalb den beiden, die soeben in einen Sei­tenweg bogen, nach.

AlS Ladewig gegangen, drang Ellis, von innerer Unruhe getrieben, in ihre Eltern, dein Bräutigam gemeinsam zu fol' gen. Nach anfänglichen« Widerstreben fügten sich beide dem immer dringlicher werdenden Bitten der Tochter. Alle drei lie­ßen sich von dem Kellner, der Ladewig den Brief überblatte, den Weg zeigen, den er Ladewig geführt.

Nichts aber war von letzterem noch von einem fremde» Herrn zu erblicken. Aus der Terrasse am Nieere stauben ein Herr und eine Dame Arm in Arm und blickten auf daß Meer. Stube und friedliche Stille überall.

Da drangen ans der Ferne zornige Stimmen gedämpft herüber. Die Streitenden schielten sich in dem dichtesten Teile des Parkes zu befinben.

Plötzlich schrie (Eilig erschreckt auf und warf sich der Milk- ter an die Brust. Zwei Schüsse krachte»« durch die Nacht und errveckitii ein hallendes Echo. Dann war alles «vieder ruhig.

Geht zurück!" ief Brown feinen Damen zu und eilte, ohne sich bauon zu ; zeugen, ob Frau und Tochter seinem Wunsch« nad)fämen, der SchaUrichtung zu. Gleich ihn» eilten von mehreren Seiten Wächter dahin.

Nach wenigen Minuten erblickte Brown eine Strecke vor . sich drei eiligst flüchtende Gestalten. Eilt Mensch zerrte einen : anscheinend leblosen ^u niit sich, den er über die Brust» w- - hob, bann schwang e > darüber.

illlö Brown und ein ^ er fast gleichzeitig we- 1

nige Sekunden später an der Stelle anlangten, waren beide verschwunden. Kopfschüttelnd hob Brown einen Hut auf, den einer der beiden verloren haberr mußte. Kaum aber hatte er ihn im Mondenscheiuc einer Besichtigung unterzo­gen, als er heftig erschrak. Er hielt den Hut seines zukünf- tigen SchiviegersohneS in der Hand. WaS mochte hier ge­schehen sein? 'War der Freiherr einem Verbrechen zum Opfer gefallen?

18. Kapitel.

Die AbschiedSfeierlichkeiten für Braunhosen waren been­det. Ohrie seine Cousine gesehen zu haben, mußte Bevern den Oheim wieder verlassen. Mizzi hatte ihm durch den Vater, der den Neffen nach der Bahn begleitete, die besten Grüße übermitteln lassen.

Kam« war Braunhofen vom Bahnhof« zurückgekehrt, alS er sofort die Tochter aufsuchte. Den unhaltbaren Zu­stande mußte durch eine offene Aussprache ein Ende gemacht werden. So kannte«« die Verhältnisse nicht weiter bestehen bleiben. Die Ueberstedelung ««ach Bannewitz mußte erfol­gen

Aber diese Unterteilung, die er aus einer merkwürdigen Scheu heraus so lange aufgehoben, übte eine ihn völlig ver­blüffende Wirkung auf Mizzi aus.

Mizzi hatte kaum vernommen, daß Ladewig spurlos ver­schwunden sei, als sie dein Vater auch bereits stürmisch um den Hals fiel und ihn herzhaft küßte, sodass der alte Herr, der sich diesen Freudenausbruch gar «licht erkläre«, konnte, ein höchst verdutztes Gesicht zog, Weiberlamien! dachte er, dem« ivieder einmal zeigte es sich ja, wie unberechenbar so eine Frau in ihrem ganzen Denken und Empfinden war. Er be­griff sich selbst nicht, daß er hatte annehnlen können, Mizzis Herz schlage dem Vermißten entgegen. Der Freudenansbruch der Tochter zeigte ihin ja, daß das niemals der Fall gewesen, sie schien vielmehr befürchtet zu haben, Ladeivig wollte um sie freien. Doch den, mochte nun so oder so sein. Der Freu- denausbruch bei der Nachricht, daß sie jetzt ständig auf Ban- nemitz Aufenthalt nehmen würden, war bei der Tochter echt und migetünftelt

Bon jetzt an war die Tochter wie umgewanoelt. Rastlos betrieb sie die Bor ..ü .:gen zur Uebersiedellmg nach Ba»»»

newitz und überwacht«, da der Batrr den größten Teil des TageS auf dem Gute weilte, das Verpacken der Möbel per­sönlich.

Und nun kam der Tag des Abschieds von der alten Villa und dein schattige«« (Saiten mit seinen verschwiegenen Plätzchen.

Die dem General gehörende Villa halte einen Mieter in NraunhofenS Nachfolger erhalten. Nloch einmal hatte Mizzi, nachdem die Abschiedsoisiter, bei ihren Freundinnen be­endet, alle die Stätten in Haus und Garten aufgesucht, an die sich für sie freudige und auch traurige (Erinnerungen knüpften. Mit stiller Wehmut nahm sie Abschied von dein Heime.

Mit der Uebernahme des Gutes hatte Braunhofen gleich­zeitig auch Sorgen in Hülle und Fülle übernommen. Wohin er den Blick lenkte, zeigten sich in Verfall geratene Gebänbe. die ausgebessert oder durch Neubauten ersetzt werben mußten, überall das gleiche Bild.

Dazu kam, daß der Verwalter seine Stellung aufgegeben j hatte, sodaß der neue Herr die Beivittschaftung allein mit Hilfe des Inspektors durchführen mußte.

AlS dringendste Aufgabe erivies sich die Instandhaltung der Wirtschaftsgebäude, Hand in Hand damit sollte das Er­bauen gesunder Arbeiterwohmmgeil gehen. Neu angetauft mußten Wirtschaftsmaschinen und Vieh werben, auch Futter, kurz überhaupt alles zur Durchführung einer geregelten Be­wirtschaftung Erforderliche, da der gesamte Viehftaud, die letzte Ernte und sämtliches Inventar versteigert worden waren. Das alles verschlang große Summen, trotzdem ord­nete Brannhofen den Ausbau der WirtschailSgebände und den der Arbeiterhäuser sofort an, sodaß, als Mizzi ihren Ent­zug auf Bannelvitz hielt, dorbeine rege Bautätigkeit herrschte.

Aber auch in der Arbeiterfrage gewährte der General, daß die Sünder» seines Vorgängers nicht im Handumdrehen zu beseitigen ivaren. Namentlich bereitete ihm die unter den Arbeitern eingerissene Unbotinäßigkeit «nid Trunksucht argen Verdruß, dazu kam, daß er nicht einmal scharf gegen die Widerspenstigen Vorgehen konnte, da er augenblicklich alle vorhandenen Arbeitskräfte voll binölizte. 2öb,20 ,