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5chl6chterner Kreis satt. ---- 84lüsterner Tugeblall.
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Gegründet im Jahre 1849 unter dem Titel
DKm SejitffBete.
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Aus der Heimat.
* Schlüchtern. Die Leitung des Frankfurter Küuftlerthea- ters begleitet die Aufführung von „MariaMagdalene"miederum mit einem Merkblatt auf der Rückseite der Programm-Eintrittskarte, das die Bezeichnung des Werkes als bürgerliches Trauerspiel einer deutende» Betrachtung unterzieht. Der Text der Dichtung, die zu den dramatisch stärksten Werken der deutschen Bühne gehört, ist in Reclams-Universalbibliothek erschienen. — Karten im Vorverkauf Donnerstag, den 24. Februar, nachmittags von 5 Uhr ab im Schlößchen.
* Schlüchtern. Wir verweisen auf die bethen Inserate des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer, Kriegshinterbliebenen und Kriegsgefangenen, Ortsgruppe Schlüchtern im Inseratenteil der heutigen Nummer, wonach am kommenden Sonntag vorm. 9 Uhr eine Kreiskouferenz und nachm. 3 Uhr eine öffentliche Versammlung im „Hess. Hof" in Schlüchtern stattfinde».
* Hanau. (Zwei Argentinienfahrer festgenommen.) Einem zur Fahudungsabteilung der hiesigen Krimiulpolize^ kommandierten UnterwachtMeister der „Schupo" gelang rs, am Ostbahnhof zwei junge Burschen festzunehmen, von denen der eine feiner Firma i» Frankfurt a. M. einen Betrag von 7262 Mk, den er auf der DrtSdener Bank einzahlen sollt, unterschlagen hatte. Die beiden Bürschcheu hatten sich verabredet nach Argentinien auszuwandern und waren im Begriff, über Berlin nach Hamburg zu fahren. Doch bereits in Hanau ereilte sie das Geschick. Bon dem uut-rschlageueu Geld hatten die Flüchtlinge noch 6126 Mk. im Besitz. Für« den Rest hatten ste sich zum Teil Kleidung angeschafft, zum Teil hatten sie ihn verzecht.
Die Verfolgung der MenVeNtti.
Der in Berlin von Markow und Abrcimowitscb heraus; gegebene menschewistische Sozialistischesks Wesmik oringl nach dem Ost-Expreß in seiner Nummer 1 eine Uebersicht über die Verfolgungen, denen die russische sozialdemolraiischt Partei (Menschewiki) seitens der Sowjetregierung während des Jahres 1920 ausgesetzt gewesen ist. Die knappe und als unvollständig bezeichnete Auszählung nimmt in enger Schris! drei Spalten ein. Die Verfolgungen werden ganz systematisch betrieben und erstrecken sich bis in die entlegensten Gebiete bei Sowjetrepublik (Tomsk, Jrkutsk und Tscheljabinsk).
Das Jahr- begann mit Maffenverhaftungen von Mitgliedern der russischen sozialdemokratischen Partei in Kiew, mi die Partei sich großen Anhangs erfreute. Anfangs März folgten Verhaftungen und Aburteilungen von Menfchewisten in Samara, und im Mai kamen Petersburg und das Don- gebiet an die Reihe. Die Verhaftungen dauern noch an und es werden meist die örtlichen Parteikomitees der Menfchewisten in corpore verhaftet. In Moskau wurden 56 Delegierte bei dort Ende August v. Js. abgehaltenen allgemeinen Parteikonferenz der Menschewiki, in Charkow 120 Teilnehmer der dort tagenden südrussischen Parteikonferenz verhaftet. Von den 120 in Charkow Verhafteten wurden 46 bis Ende bes Jahres in Hast behalten. w.
Zur Lage in England.
Aus England wird folgendes brieflich berichet: Die Eindrücke, die man zurzeit in England gewinnt. sind nicht die besten. Die Arbeitslvsiigkeit hat einen erschreckenden Umfang angenommen. Die Arbeitslosen neigen infolge ihrer wirtschaftlichen Notlage zu Ausschreitungen, wobei sie sw» den Sinnfeinern, die den Kampf um ihre politische oretheit mit allen Mitteln führen, wirksam unterstützt werden. Die Sinnfeiner sind gerade in London sehr stark vertreten. Jede Maßnahme, die die Engländer in Irland er- ßietfen, gibt den Sinnfeinern in England und zwar be- Wnders in London Veranlassung, Gegenmaßnahmen in Anwendung zu bringen. So ist vor kurzem ein inmitten der ^tadt London gelegenes Offizierskasino eingeäschert war« den ohne daß man weiß, ob Sinnfeiner oder Arbeitslose
Täter sind. Um sich vor Ueberraichungeu zu sichern, sind ninfangreiche Absperrungen vorgenommen; Polizeigebäude und Polizeistationen sind ebenso wie einige Straßen barri- jediert. Selbst die Wohnungen der Minister, einzelne Musen und Kirchen sind mit Sandsacken und.Palisaden iso- ><ert. Es ist mehrfach vorgekommen, daß etttlastene Heeres- "ngehörige, die zurzeit arbeitslos sind, auf bm3 Land oe- PUe» und Güter einfach beschlagnahmten, ohne daß die Ne ßwrung energische Maßnahmen unternimmt. Wie ernst die uiuhe Frage ist, kann man am besten daraus entnehmest, daß Herr Hardinge erklärte, keine Schritte tun zu können,
Me allgemeine Entwaffnung.
Die Arbeitgeber sind infolge der Wirtschaftskrise unzu- tieden, weil sie keine Aufträge halben, und die Arbeitneh- mer, weil sie arbeitslos werden. — Die untere Schicht bei -wvöikerung ist noch vom Hasse beseelt gegen alles, waS deutsch ist, im Gegensatze zu den oberen Kreisen diese Breche« sich wegen der lauen Haltung und der Pendel- dolitik der Regierung scharf gegen die fetzige Regierung aus Mau ist allgemein der Ansicht daß nur eine übarj i archgreifende Regierung ■ - unter Umständen mit dikta- ^'iitber Gewalt Wandel schaffen könne. Es wird ange- ■omwen, daß die Negierimg bei den kommenden Sitzungen
harte Nuß zu., knacken „haben wird.
Mittwoch, den 23. Ieöruar 1921
das Ergebnis der yreußiKen LandlaasNab!.
Aus Berlin wird unterm 22. d. Mts gemeldet: Nach bis heute vormittag 11 Uhr eingegangenen Nachrichten ergibt sich nach einer privaten Zusammenstellung folgende Zusammensetzung des preußischen Landtags:
68 Dentkchnationalc,
54 Deutsche Bolkspartei.
92 Zentrum,
21 Demokraten,
107 Mehrheitssozialiste«,
24 Unabhängige,
28 Kommunisten,
4 Wirtschaftspaktes
zusammen 398 Abgeordnete.
Die LrhGun« der SisenbaWarise.
In der Sitzung des boyenschen LandeseisenbahnrateS erklärte Staatssekretär von Frauendorfer zur Frage der Erhöhuna der Eisenbahntarife laut „Bayerisch. L-taatsztg. u. tu folgendes: Das Gleichgewicht der Einnahinen uns Ausgaben der deutschen Staatseisenbahnen sei seit länge, rein auf das Schärfste gestört. Eine Verminderung der Ausgaben sei angebahnt. Die Hauptwirkung zur Verminderung des Defizits könne aber nur von einer weiteren Erhöhung der Einnalune» erwarte- werden und zwar durch Erhöhung der Personenpreise und Güter- und Tierfrachten. Durch diese Ninaufsetzung der Tarife werde unser ganzes Erwerbsleben und auch unser Kulturleben auf das Schwerste betroffen. Es handle sich auch hierbei um iitfflt mehr und nicht weniger als um das Fortbestehen des deutschen Eisenbahnwesens überhaupt. Gelänge es uns nicht das Eisenbahntzesizit wesentlich herabzudrücke», so würueu buchstäblich alle Eisenbahnräder stillstehen müssen.
Die Neuordnung der GezreideMLW.
Zur Umstellung der Getreidewirtschaft hat der Reichs; »ernährnngsnnnifter einen Vorschlag gemacht, nach Dem auf bei Grundlage der Vorjahrsernte von dem Jut<.^gctreidk 4C Prozent durch Umlage sichergestellt werden sollen. Davon gehen aber etwa 20 Prozent für Saatgut und Deputatgetreide, die den Landwirten auf die Umlage gutgerechnet werden sollen, ab, so daß für die öffentliche Bewirtschaftung nur nock 20 Prozent des Julandgetreides verfügbar bleiben würden. 60 Prozent der Körnerernte will der Reichsernährungs. minister dem freien Handel zuführen. Tatsächlich würde dies der Aufhebung der Zwangswirtschaft gleichkommen. Die Sicherung der Vrotwirtschaft denkt sich der Reichsernäh« rungSminifter so, daß an de- Brotration von 1900 Gramm festgehalten werden soll. Darüber hinaus soll aus dem füi den freien Handel zugelaffenen Jnlandgetrcide Brot berget stellt werden, das freihändig käuflich sein soll. Die sicher! Folge dieser Vorschläge wurde eine weitere Belastung bei Neichskasie fein; denn zu den 20 Prozent des verfügbarer '^nlanbgetreibeS müßte eine gewaltige Menge ausländischer Getreides beschafft werden, und daraus würde sich eine Ver, Neuerung des Brotpreises ergeben.
Demgegenüber hat der preußische Landwirtschaftsministe> eine Reihe anderer Vorschläge aufgestellt, die in München bei der Konferenz der Ernährungsmiuister zur Sprache kommen werden. Der preußische Landwirischastsministe hält an dem Umlageverfahren als Grundlage fest. Aber für die Umlage soll nicht das letzte Jahr maßgebend sein, sondern der Durch« schnitt der Jahre 1904 bis 1913. Die Landwirte, die ihrer Ablieferungspflicht nicht nachkommen, sollen gezwungen werden, den Fehlbetrag in Geld zu ersetzen und zwar nach dem Preise für ausländifches Getreide. Von dem nicht durch bis Umlage erfaßten Getreide darf der Landwirt im eigenen Betrieb Gebrauch machen. Das Getreide, das dann noch übrig bleibt, soll ebenfalls an das Reich abgeführt werden. Dafür erhält der Landwirt aber einen um 100 Prozent höheren Preis, aber nicht in barem Selb, sondern in Gestalt von künstlichen Düngemitteln. Dadurch soll eine wesentlich« Steigerung der landwirtschaftlichen Erzengung herbeigeführl werden.
Die Ernährungskonferenz in München.
Die gestern begonnene Konferenz der Ernährungsininister der Länder unterstützte einen sächsischen Antrag auf Erhöhung der Brotration. Dafür waren Baden, Hessen, die thüringischen Staaten und die Hansastädte. Der Vertreter des Neichsernährungsministers widersprach dem Antrag, weil cr aus finanziellen Gründen undurchführbar sei. Ein Beschluß wurde bis Mittwoch vertagt. Der Antrag SachsenZ hat jedoch nicht die geringste Aussicht angenommen zu werden, da sich Preußen, Bayern und Württemberg auf den Standpunkt des Reiches stellen.
Der Magdeburger ttommuuisteuprozeß.
Auf -Grund der Verfügung des Reichspräsidenten vom 30. Mai v. J. ist der Prozeß gegen den Kommunistenführer Albert Vater und Genossen wegen der in Magdeburg und Stenbal aufgedeckten angeblichen Vorbereitungen für einen neuen Krmmunistenput’ch dem außerordentlichen Gericht des ReichsWehrtruppenkommandos 1 »verwiesen werben. Vater wurde vor einigen Tagen in das Magdeburger DW tärgcfängniS als UnterfudiungSgcfangener gebracht. Tw gegen ihn erb ebene Anklage lautet auf „Bildung vewas unter Bunden" 18 127 deS Strafgesetzbuches) und Hochverrat
73. 3*g.
vor Per londoner «enfertnt
Die deutschen Gegenvorschläge in ^ondo«.
Die deutschen Gegenvorschläge, die im Schoße des Sach» derständigen-Ausschüsses beraten werden, dürften bis Anfang nächster Woche fertiggestellt sein. Es ist beabsichtigt, in der nächsten Woche die Gegenvorschläge zum Gegenstand einer Be, sprechung zwischen Regierung und Reichstagsfraktionen und Vertretern des Reichswirtschaftsrates zu machen. Das ReichL» kabinett wird sich Ende der nächsten Woche endgültig über die definitive Form der Gegenvorschläge schlüssig machen. Ob die Gegenvorschläge in Form einer Note den Ententeregie- rungen noch vor dem Zusammentritt der Londoner Konferenz zugehen ober erst in London von der deutschen Delegation bekannt gemacht werden, steht noch dahin. Auch über die Zusammensetzung der Delegation sind noch keine Beschlüsse gesetzt; jedenfalls werden aber Sachverständige nach London mitgeben, um dem Minister Dr. Simons jederzeit zur Verfügung zu stehen.
In französischen maßgebenden Kreisen bedauert man lebhaft. daß Die deutschen Zeitungskorrespondenten bei der Auswahl von Presseüimmen nicht mit der nötigen Vorsicht Vorgehen, und daß die Aeußerungen des „Echo be Paris" als offizielle Regierungserklärungen angesehen werden.
Diese Feststellung ist interessant, sie bedeutet im Verein mit den übrigen scharfen Auslassungen des „Echo be Paris" nn vorläufiges entschiedenes Abrücken der französischen Regierung Don der chauvinistischen Linie. Daß dies unmittelbar vor der Londoner Konferenz sich ereignet, zeigt, daß es Diesmal nicht mit Diktatbeschlüssen c n ist. Die deutsche Didlomatie wird diese Situation fraglos auszunützen imstande fein.
Die Haltung der englischen preffe.
Aus London berichtet die „T. Allg. Ztg.": „Im Gegensatz zu Lloyd George, der scheinbar die Londoner Verhandlungen mit einem gewissen Optimismus erwarte-, spricht sich ein großer Teil der englischen Presse sehr scharf gegen die Verhandlungen aus. Wenn auch nicht alle Blätter so weit gehen, zu sagen: man müsse mit den Deutschen gar nicht verhandeln, sondern einfach die Bedingungen diktieren, so kou-mt doch in fast allen Blätter» eine ziemlich ablehnende Haltung zuni Ausdruck. Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" sagt: Man erkenne in London wohl an, daß die Position des deutschen Außenministers infolge der inneren Lage sehr schwierig fei, aber Deutschland dürfe nicht vergessen, daß Frankreich bestimmt daraus drängen werde, Zwangsmaßnahmen auSzuführen, wenn nötig, auch ohne Unterstützung der Alliierten. Die Besetzung des Ruhrreviers dürfe allerdings den Abmachungen nach nicht mehr von Frankreich allein unternommen werden; es fei augenscheinlich, daß die Verbündeten die Besetzung des Industriegebiets vornehmen müßten, wenn man überhaupt zu einer Besetzung schreiten wolle, doch bestünde in den Kreisen der Ententestaatsmänner schon eine weit verbreitete Ansicht, wirtschaftliche Maßnahmen militürifchen vorzu- ziehen.
In einer Note des Auswärtigen Amtes in London ist man hinsichtlich der Konferenz über die Entschädigungsfrage sehr optimistisch. Man hält es für eine gute Aussicht, daß Deutschland zum erstenmal konkrete Finanzvorschlüg« vorlegen werde. Wenn Deutschland wirklich Anstrengungen zeige» werde, so würden die Mitglieder der Entente den deutschen Delegierten im Geiste gegenseitiger Zusammen, arbeit gegenübertreten.
England betrachtet die augenblickliche MiWe Lage als ernst.
Der Umstand, daß der englische Botschafter, Lord Hardinge, in PariS Ende voriger Woche unerwartet in London eingetrosen ist, wird als eine Tatsache dafür auf» gefaßt, daß die britische Regierung die augenblickliche poli< tische Lage als sehr ernst betrachtet. Lord Hardinge hat« diesbezügliche Besprechnnge« mit Lloyd George und würbe dann vom König empsange«. Auch wurden innerhalb zwei Tagen drei Kabinettssitznngen abgehalten. In ihnen wurden große politische Fragen, namentlich das Verhält! .6 zwischen Großbritannien nah Japan erörtert- Auch aus Frankreich hört man hier, daß die Stimmung dort viel gedrückter ist, als nach den Aeußerungen der sranzSsi-ch?n Presse anzunehmen wäre. Der Grund hierfür ist iu der schlechten Finanz- und Wirtschaftslage des Bleiches z« suchen. Deshalb ist auch die Regierung bemüht, in der Entschüdlgungssrage unter allen Umständen einen Erfolg herbeizuführe».
Die italieni;Sen Wirt. astssorgea.
Der Abstimmung in der italienischen Kammer über den Gesetzentwurf betreffend den Brotpreis ging eine bewegte Diskussion voraus.
Giolitti gab den Sozialdemokrate» zu verstehen. Mit so nicht bald eine Besserung der heutigen Zustände einmit, das Land bem Ruin entaeaatiaebe. Giolitti rief ihnen z»: Wissen Sie, was der BanteHM bedeuten würbe: Muttonen von Menschen ohne Arbeit, ossM Nahrung. Wenn die Regierung dem Verlangen noch Freigabe des Handels hätte Uhvn müssen, so wären die Brotpreise in Italien im Vergleich »a dem im neuen Gesetz »'»gelegten Preis um mehr als das Doppelte gestiegen.