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lüchterner Rreis Matt

^z^M'vorauszahlbar viertel). durch die Post Mk. 12., Träger Mk, 10.80, bei uns abgeholt Mk. 10.-.

an Wochentagen nachmittags. Druck u. Verlag «Smeifter, verantwortlich H.-C. Hohmeister, Schlüchtern.

65. Erfüllungsort für den gesamten Geschäfts-

' verkehr mit der Firma Schlüchtern.___

Gegründet im Jahre 1849

unter dem Titel

8chlüchlerner Tageblatt

Anzeige»: kl. Zeile oder deren Raum 70 Pfg., Reklame- geile Mk. 2. sämtl. ohne besonderen Zuschlag. Bei Betriebsstörungen kein Schadenersatz oder MtndergÄühr einscht. BezugS. Keine Gewähr für Platz, Aufnahmezell und Beleglieferung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischen- kosten. Zahlkarte Frankfurt a. M. Nummer 11402.

Ans der Heimat.

_* (Fälschungen der neuen Reichsbanknoten zu 50 Mk.) den jetzt zur Ausgabe gelangenden Reichsbanknoten zu irrk mit dem Ausgabedatum des 23. 7. 1920 (grüne »drucknote, kenntlich an dem Brustbild der sonnigen chengestalt auf der Vorderseite und den Bildern eines »s und eines Werkarbeiters auf der Rückseite) treten idings sehr ungeschickte und darum sofort jedermann ilge Nachbildungen auf.

-* (Veranlagung der Einkommensteuer für 1920.) Finanzamt fordert zur Abgabe der Steuererklärung zur nlagung der Einkommensteuer für 1920 auf. Erklärungen sollen bis zum 31. März beim Finanz- abgegeben werden unter Verwendung eines Vor- s, der bis Ende dieses Monats vom Finanzamt zuge- werden wird. Sollte der Vordruck bis 15. März zugestellt sein, so kann er direkt vom Finanzamt be- l werden. Verpflichtet zur Abgabe einer Steuererklärung : 1) Alle im Finanzamtsbezirk (Kreis) Schlübtern not« wen oder sich dauernd oder nur vorübergehend auf- nben selbständigen steuerpflichtigen Personen (Deutsche Nichtdeutsche), deren steuerbares Einkommen in dem laufenen Kalender- oder Wirtschaftsjahr den Betrag von >0 Mk. überschritten hat. 2) Sämtliche Personen, die, im deutschen Reiche zu wohnen oder sich aufzuhalten, m Finanzbezirke (Kreis) Schlüchtern Grundbesitz haben ein Gewerbe oder eine Erwerbstätigkeit ausüben oder ge aus öffentlichen, im Finanzamts bezirk gelegenen Kassen Kückstcht auf frühere oder gegenwärtige dienstliche oder sstätigkeit erhalten, soweit die vorstehend Genannten bei einem andere» Finanzamt eine Steuererklärung leben und soweit sie im Kalenderjahr 1920 ein Ein- ten von mehr als 10000 Mk. bezogen haben. 3) Wer besondere Aufforderung zur Abgabe der Einkommensteuer- mag erhält--WirdchieSteuererkläruug durch diePofieluge- 7 so empfiehlt es sich, die Sendung einschreiben zu lassen, bliche Steuererkläruntzen können Dienstags und Freitags 912 Uhr vormittags und 24 Uhr nachmittags im »zamt zu Protokoll gegeben werden. Wer die Abgabe Steuererklärung innerhalb der vorgeschriebenen Frist umt, hat die bekannten Strafen zu gewärtigen, ebenso wissentlich eine falsche oder unvollständige Steuererklärung >1 Bei der großen Zahl der in Betracht kommenden .»Pflichtigen ist ein außerordentlicher Andrang zu er- m. Alle», die die Erklärung mündlich abgeben wollen, daher nur dringend empfohlen werden, sofort nach Itei Zustellung des Vordrucks die Abgabe der Steuer- tang vorzunehmen, jedenfalls nicht bis zur letzten Woche M zu warten. Vor dem 1. März d. Js. find keine mmensteuererklärungen einzureichen, insbesondere werden dem 1. März d. Js. keine protokollarischen Einkommen- Mklärungen entgeaengevommen.

Donnerstag, den 17. Ieöruar 1921

* Martzor». Von Zentrums-S-ite schreibt man »as: Nachdem am Samstag abend ein auswärtiger Redner der Sozialdemokratischen-Partei Deutschlands vor sehr schwach besuchter Versammlung ein Referat gehalten hatte, fand am Sonntag nachmittag eine Zentrums-Versammlung im Weber'schs« Saals statt. Der Grundgedanke des Redners vom Samstag war der, daß'nur allein die Sozialdemokratie dem Vaterland die Rettung bringen könne und alle Kraft ansirengen müsse, um den rechtsstehenden Parteien die Macht zu brecheu. Die fast vollkommen fehlenden Klein­bauern hatten dem Redner durch ihr Richterscheiusn gezeigt, daß sie auf seinem Boden unmöglich stehen können im Gegensatz zu dem Zentrumsredner vom Sonntag, Herrn Reichstagsabgeordneten Herbert. - In sachlicher Rede wies der Letztgenannte nach, was das Zentrum bisher der Land­wirtschaft, der Arbeiterschaft und dem Handwerkerstand ge­leistet hat. Der Beifall gab ihm Beweis, daß seine Worte Widerhall gefunden hatte». Der zweite Redaer, Herr Rek­tor Werthmüller, sprach über die Wichtigkeit der kommende» Wahlen in Bezug auf Religion und Schule. Seine Aus­führungen gipfelten in dem Leitsatz: Nur von der Mitte kann das Heil für das Volk erwartet werden. Eine Mehr­heit von links und rechts kann das deutsche Volk nur inS Verderben stürzen.

* Das am 28. d. Mts. zusammentretende Schwurgericht in Hanau wird sich mit einer Reihe schwerer Vergehen zu befassen haben. Es ist anzunehmen, daß auch die am 28. Dezember v. Js. verübte Tat des Holzarbeiters Wilhelm Iahe aus Oberzell bei Schlüchtern zur Aburteilung kommen wird. Iahe hat bekanntlich feinen Vater mit einer Hacke erschlagen und die Leiche in die Sinn geworfen.

* Brand (Rhön). Vor einigen Tagen erschien hier bei dem Landwirt L. L. ein Unbekannter .und stellte sich als Beamter des Frankfurter Detektivbüros in Fulda vor. Dieser Unbekannte nannt dem Landwirt mehrere Verbreche», derer er sich schuldig gemacht habe und verlöte von dem Landwirt für die Vernichtung der gegen ihn erstatteten An­zeigen 5000 Mark Entschädigung, zahlbar bis zum Douners- tag dieser Woche. Durch den hier zuständigen Landwirt Mönig von Wüstensachsen wurde der E-preffer in Fulda festgenommen. Der Gauner ist erst vor einigen Tagen aus dem Gefängnis entlassen worden, Landbewohner seit vorsichtig!

* Hünfeld. Oeffentliches Lob wird den Gemeinden Ober- und Unterstoppel, Schletzenrod und Mickenzell seitens des Landratsamtes erteilt für die in den letzten zwei Mo­naten außerordentlich reichliche Butterliefsrunz.

* Eschwege. Der auf einer Geschäftsreise befindliche Taschenlampenfabrikant Ludwig Schäfer von hier versuchte gestern abend auf dem Bahnhof Hannover den bereits in Bewegung befindlichen Personenzug HannoverBsbra, den er zur Heimreise benutzen wollt?, zu besteigen. Hierbei glitt er aus, geriet unter die Räder, wurde überfahren und getötet.

Tardieu über die Besetzung des Ruhrgebiets.

T a r d i e u veröffentlicht in der letzten Nrtmmer der Illustration" feinen letzten Artikel über den Versailler Wr- trag. Er macht dabei das Zugeständnis, daß die Franzosen schon im Jahre 1919 das Ruhrgebiet^besehen wollten, aber auf den einstimmigen Widerspruch ihrer Alliierten gestoßen seien. Tardieu fügt freimütig hinzu, daß die Forderung immer wieder erneuert werden könne, um anderweitige Zu­geständnisse durchzusetzen.

Frankreichs letzte Konzessionen.

Wie derMatin" meldet, hat die Finanzkommission der Kammer am Sonnabend den Bericht de Lasteyries entgegen­genommen, wonach die französische Delegation für London vom Ministerium beauftragt werden soll, in London sich auf die Erklärung zu beschränken, daß Frankreich bis zur Grenze des Möglichen gegangen sei und die letzten Kon­zessionen nicht mehr überschreiten könne. Die Finanzkom­mission trat einstimmig dem gestellt»« Antrag de Lastey­ries bei.

Die Wirt-Kastsverhandlungen WiMn Deut !and und der TMeKo-LloNülei.

Die wirtschaftlichen Verhandlungen zwischen Deutschland und der Tschecho-Slowakei sind am Sonnabend beendet worden. Soweit finanzielle Fragen zui Diskussion gelangten, wurde eine volle Einigung nicht erzielt. Bor allem wurde über den Abschluß e i n es Vertrages zur H int an h al tun g der D oppelb esteuerun o verhandelt. Immobilen und Unternehmungen, sowie das aus diesen fließende Einkommen soll durch den Staat besteuert werden, in dessen Bereich sie sich befinden. Kapitalvermögen soll durch den Staat besteuert werden, in dessen Gebiet der Steuerpflichtige wohnt. In dieser Beziehung wurdeeine Vereinbarung erzielt. Abweichend von diesen Grundsätzen feharrten die tschechoslowakischen Vertreter darauf, daß du H y p o t h e k a r f o r d e r u n g e n , Gesellschaftsanteile ein- schkiehlich Kuxen, aber mit Ausnahme vM Aktien und->wdr-M^ Wertpapieren, in der Tschechoslowakei ver st euer! werden, wenn sich die belastete Realität oder das in Betracht kommende Unternehmen in der Tschechoslowakei befindet, Dieser Standpunkt wurde auch bezüglich der B e st e u e r u n g von Fideikommißvermögen, ferner von Ver­mögen, das in der Tschechoslowakei zwangsverwaltet und durch andere Vorschriften an das hiesige Gebiet gebunden ist, ver­treten Hierin konnte eine Einigung jedoch nicht erzielt wer­den. Ferner wurde über die wechselseitige Gewährung von Rechtshilfe in Steuersachen verhandelt, wie z. B. der Grundsatz, daß die Angehörigen der einzelnen vertrag­schließenden Staaten in anderen Staaten gleiche Sreuerrechu und Steuerpflichten genießen und gleichen staatlichen Schütz vor Finanzbehörden. Gerieten und Verwaltungsderichten. i» Anspruch nehmen können. Die Verhandlungen werden An. fang März wahrscheinlich in Prag fortgesetzt' und beende werden.

SLmmöewegte Schicksale.

Ronian von Max Esch. 38

, Ganz abgesehen von dem Altersnnterschiede, war Sabe« Ä nicht der Mann, sich Mizzi zu einer, vollwertigen Ge- ^üin heranznziehen.

Deshalb mußte er, als Mizzis Vater, fest bleiben, wenn

Kind in verblendeter Jugendtvrheit sich etwa eiubilden Ete, Ladewig zu lieben. Gewiß war er, Braunhofen, dem freunde für fein mutiges Eingreifen heute Dauk schuldig, Wer aber als diese Dankesschuld war doch seine Verant- ^»rtiuui für das fernere Leben und das Glück seines Kindes. . f «>« Vater durfte seine Ruhe nicht verlieren und mußte für Kind handeln. Mvchte er ihm jetzt vielleicht dadurch auch tun, späten mußte er es ja selbst einsehen, daß er einzig allein sein Bestes im Singe gehabt, wenn er sein Veto toheim- so unnatürliche Verbindung einlegte. Am richtig- für alle Teile mar esj wenn er den Aufenthalt auf Ban- in den nächsten Tagen abbräche.

rg 7>e er Ladewig taimie. würde er eine Ablehnung seiner Übung als persönliche Beleidigung aussasseu.

Dos war ja fatal, aber selbst auf die Gefahr hin, daß der mund jh» sät undankbar hielt und sich in einen Feind ver- , "°klte, kannte er seine Ueberzeugung nicht opfern und "Mnlvs das Glück seines KindeS vernichten. Das aber u '" ^iner solchen Verbindung bald genug für immer : fein. Noch war ee Zeit, energisch zu Haudelu.

),^«n Mizzi auSgeschlafeu, wollte er, der Vater, ein ern--' r tttiort mit ihr reden, und auch Ladewig sollten in vollem . '«"te die Gründe auseinandetg«setzt tverdrn, die ihn in "^Handeln leiteten.

,.Z'°chdem der Oberst mit seinem Plane im klaren war, be- : sich zur Ruhe, ohne sich deS auf ihn im LchkMmmer | , miben Burschen beim AntSklewen zn bedienen. Er schickte | «"^eufauß schi^en.----- *

StfiH ^Wker Auf, ^ung hatte Mizzi ihr Schlafzimmer s 7 das sie ft ' mmrgtUe. Sie wollte allein sein. j ^;!^st klopften ihre Pulse und der Kopf ichmerzte last i ^'sipAngen. . 1

Ach, wenn sie doch Ruhe haben, die vielen lästigen Ge­danken bannen könnte. Aber immer wieder stand das schreck- liche Abenteuer vor der Seele. Fiebernd schlugen der Erregten die Zähne zusammen.

. Wie bereute sie ihren Vorwitz, der sie verleitet, eine solche Mondscheinfahrt ohne jeden männlichen Schutz zu unterließ me»! Was hätte sie darum gegeben, wenn sie ihr Tun am heutigen Abend hätte anders gestalten können! Aber jede Rene tam zu spät. Nichts ließ sich an dein Geschehenen än- Hern. Und dann das andere! Sie war ja Braut geworden, aber kein Glücksgefühl durchriesele ste; nein, glücklich war sie nicht. Nnr dankbar müßte sie Ladewig sein, furchtbar dank- bar in des Worte« vollster Bedeutung.

Nicht Liebe >var es, die sie mit ihrem Lebensretter ver­band, das empfonb Mizzi in diesen einsamen Nachtstunden nur zu deutlich. DaS, waS sie für ihren Lebensretter empfand, war keine Liebe.

Mit erschreckender Klarheit stand daS Bild deS Vetter« vor ihren Augen. Urplötzlich wurde es da der Berzweifeln- deu klar, daß nicht Haß, sondern tiefe Liebe für den Abgeivie- senen ihr Inneres erfüllte. Aber wenn ihre Liebe dem Better gehörte, durfte sie da die Gattin Ladeivigs werde»? Durfte sie ihm ohne Liebe in die Ehe folgen? Berslürdigte sie sich nicht an ihm?

Ach, alle dies« Erwägungen kamen fetzt zu spät! Sie war Ladewigs Braut geworden, denn sie hatte sich ja von Lade- wig küssen und an sich pressen lassen.

Wohl schrie alles in ihr auf, ihr ganzes Innere bäumte sich gegen den Zivaug, aber einen Ausweg auS diesem Di­lemma fand Mizzi nicht.

Schließlich verwirrten sich ihre Gedanken ooNständig. Der Kopf schmerzt« unerträglich. Mühsam erhob sich Mizzi und schleppte sich nach dein Fenster, dieses mit Anstrengung ihrer letzten Kraft öffnend, denn mrerträglich brüdeub em­pfand sie die in dein Zimmer herrschende Lust.

Krampfhaft sogen die Limgei, die kühlende, reine Nacht­luft eilt, die ihr auS dem Garten entgegenströmte. Jauner tollere Sprünge aber schien das Herz zu Doiljuyren uud das Blut rasend schnell durch die Adern zu Ueiben, daS dort ww fiüssigeö Felles branüt«. . . ..

Im tollen Wirbel drehte sich alle« im Kreise und zog bis Fiebernde unaufhaltsam mit sich fort, bis alle Gedanken au3« gelöscht waren in einem einzigen Seufzer. Kraftlos sank Mizzi zu Boden.

Gnädiger Herr! Gnädiger Herr!" Johann war ratlo». Mehrmals hatte er es vergeblich unternommen, seinen Herrn zu wecken, denn bereits seit einiger Zeit weilte die Gerntzts- kommission auf dem Gute. Aber sein Herr schien in einen totenähnlichen Schlaf verfallen zu sein und hatte sich zudexn noch eingeriegelt, sodaß der Diener nicht in das Schlafzimmer gelangen konnte.

Nochmals verdoppelte er feine Anstrengung, den Schla» senden zu erwecken. Seine mageren Bedientenhände ooll« führten eine regelrechte Troinmelei, sodaß Brannhofen, der bereits seit einiger Zeit das Bett »erlassen hatte, erstaunt in die Tür trat und nach der Bedeutung des Lärmes forschte.

Mit kurzen Wortrn berichtete der Diener, daß die Herren oom Gericht im Automobil eingetrossen seien und er den gnädigen Herrn nicht wach betäme.

Abermals trommelte er auf der Tür herum, währAid Braunhofen kopfschüttelnd stch wiederum zurückzog Kmz« Zeit später aber ließ er sich von dem Diener erklären, in meinem Zimmer die Herren sich anfhiellen. Dann sucht« er die ihm besonnten Herren im Empiangssalon auf, ihnen die nötigen Erklärungen über das lange Ausbleiben Lade« wigs gebend.

DaS Gespräch drehte sich sodann um da« gestrige Ver­brechen. Brannhofen berichtete darüber, »vas er rotrßte. Das deckte sich in allen Punkten mit dem Ladeioigjqen Bericht.

Wir fönnteu jetzt vielleicht das gnädige Fränleto Kom- teß vernehmen, Herr Oberst," wandte sich der GtaatSan« walt sodann an Brannhofen, welch letzter«!» nun entfiel, daß er heute vergeblich auf ein Lebenszeichen- der Toch­ter gewartet, auch bereit Zofe noch nicht zu sehen beräumten habe.

Sofort erbot er sich, die fr äset von dein Wunsche des StäulsanwaktS in Kenntnis zu setzen und oet ;. 1 sas Zimmer. 265,20