Hlüchterner Rreisb'lall. — - —' 8chlüchterner Ta gebtall.
^r^ei^vorauszahlbar viertelt, durch die Post Mk. 12.—, unsere Träger Mk. 10.80, bei uns abgeholt Mk. 10.—. Mut an Wochentagen nachmittags. Druck u. Verlag Mmeister, verantwortlich H.-C. Hohmeister, Schlächtern. Es 65. Erfüllungsort für den gesamten Geschäfts- verkehr mit der Firma Schlüchtern.
Gegründet im Jahre 1849 unter dem Titel
Der VezivkSbste
Anzeige«: kl. Zeile oder deren Raum 70 Pfg., Reklame- zeile Mk. 2.— sämtl. ohne besonderen Zuschlag. Bei Betriebsstörungen kein Schadenersatz oder Mtndergebühr einschl. Bezugs. Keine Gewähr für Platz, Aufnahmezett und Beleglieferung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischen- kosten. Zahlkarte Frankfurt a. M. Nummer 11402.
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Samstag, den 12. Ieöruar 1921
73 Aayrg.
Aus der Heimat.
(Die Notwendigkeit der Stickstoffoüngung.) Wir reifen auf das heutige Inserat der Badischen Anilin- & ^Fabrik über die Wirkung und Anwendung der mo- W Stickstoffdüngemittel.
-* Von der Bevölkerung, besonders aber von der Ge- Mli werden vielfach durch die Privatindustrie herge- ß Postkarten in den Postverkehr gebracht, die größer i, als es nach den Vorschriften im § 7 II der Post- mg zulässtg ist. Diese Vorschriften besagen, daß nicht « her Post bezogene Postkarten zugelassen werden, «8 sie in Form und Papterstärke nicht wesentlich « den amtlich ausgegebenen Postkarten abwei- 8 und nicht größer find als die Paketkarten (15,7 cm j und 10,7 cm breit). Postkarten, die diese Maße, n auch nur wenig, überschreiten, unterliegen dem Brief- io. Durch die Nichtbeachtung dieser Vorschriften- ent-
V1 en sowohl für Absender und Empfänger als auch für J Postdienststellen Weiterungen und Erschwernisse. Vor- S» !MPosikarte«, die größer als 15,7 :10,7 cm sind, müssen
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bet Einlieseruay zur Post entsprechend beschnitten werden.
Auslandsverkehr dürfen nur solche Postkarten verwendet bin, die nicht größer find, als die amtlich ausgegebenen tiN (14X9).
* Schlächtern. Wie wir hören, hält der hiestge Kegel- । »Alle Reun" am kommenden Sonntag von nachmittags ... Ihr ab in dem festlich geschmückten Saale zum „Hess. _ " basier einen großen Maskenball ab, verbunden mit Meimng der originellsten Masken. Wir wünschen dem ein sowie allen Teilnehmern eine« genußreichen Abend-
8 * Schlüchtern. Wie aus dem Vereinsanzeiger der * igen Nummer ersichtlich, findet am Sonntag, dem 13.
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ruar eine wichtige Versammlung des Obstbauvereins ? 2 "Halte, kleiner Saal) statt. Außer Mitgliedern haben — Freunde des Obstbaues Zutritt. Es liegt wohl im
«esse eines jeden, dieser Versammlung betzuwohnen.
^ Schlüchtern. Ueber das Kanalprojekt Weser—Main
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am Donnerstag abend Herr Rsgier««q§baumeiAer ijfti 15 aus Wiesbaden im Saale der Turnhalle einen an» üben Voctrag. Zahlreiche Interessenten aus Stadt und
Schlüchtern waren erschienen. Der Referent wies auf lange Vorgeschichte des Projektes hin und bedauerte daß man nicht schon früher dem Plane näher gerückt Frankfurt hielt seine Interessen früher nur mit dem ™ verbunden; die eingttretenen politischen Verhältnisse ^ 1 erst die Bedeutung der Wasserlinie, erkennen lassen, utet " Eisenbahnen genügen nicht, um den ungeheueren chr zu bewältigen, es gilt, einen großen Teil des Ver- 1 Hf die Wasserstraßen zu werfen. Aber diese Waffer- rnüffen erst geschaffen werden; und da ist es von W Wer Bedeutung, daß unter Benutzung der Fulda ffl WJ eine Verbindung zwischen Main und Weser
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hergestellt wird. Redner forderte, daß die nun im Mittelpunkte stehenden Kanalprojekte Fulda—Kinzig und Werra vollständig paritätisch vorbereitet würden, da von dieser Vorbereitung es abhänge, wie einmal die Entschließung fallen würde, falls es zur Verwirklichung der Kanalprojekte
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Vereinigte« Handelskammern Frankfurt a. M-—Hanau zu- gehen zu lassen: „Die heutige Versammlung zahlreicher Interessenten aus Kreis und Stadt Schlüchtern beschließt, die Kreisverwaltung und die Vertretungen der Städte Schlüchtern, Steinau, Salmünster und Soden zu ersuchen, die Bestrebungen der Vertiutglen Handelskammer« Frankfurt a. M.—Hanau bezügl. der baldigste« Herstellung des Weser-Fulda-Kinzig Kanals auf das kräftigste zu uuterstützeu." — Wir wollen alle hoffen, daß der Plan recht bald zur Ausführung gelangt und unserem Vaterlande zum Wohl« ger-tcht.
Wien. (F I e ck f i e b e r.> Von den bisher an Fleckfieber erkrankten 20 Personen sind drei gestorben. 26 Erkrankungen erfolgten außerhalb Wiens, die vier übrigen stehen tut Zusammenhang mit dem Reiseverkehr.
Dr. Geßler in Tilsit.
Reichsminister Geßler sprach dieser Tage in Tilsit über die nationale und innere Politik. Er sagte u. a.: Alle meine Bemühungen sind önranf gerichtet, unter allen Umständen Ostpreußens Verbindung mit der grotzdeutschen Einheit zu erhalten. Ostpreußen muß vor allem vor dem Schicksal eines neuen Ueberfalles bewahrt bleiben. Auch ich weiß wohl, was an unsrer Grenze vorgeht. Wir wissen, daß Polen an der ganzen Grenze Truppen konzentriert. Wir erwarten vom Völkerbund, daß er die uus gemachte Zusage wahrmacht und uns vor Einfällen schützt. Ich sage es aber auch ganz offen, daß, wenn dieser wider Erwarten seine Zusage nicht erfüllen sollte, wir unter allen Umständen alles daran setzen würden, den deutschen Boden und Ostpreußen und sonst alle Grenzen mit unsern Mitteln zu verteidigen.
komme. — Den interessanten Ausführungen des Herrn Referenten sch oß sich eine lebhafte Aussprache zwischen diesem und den Zuhörern an; ein Zeichen dafür, daß in unserem Kreise lebhaftes Interesse für die K-.«alfrage vorhanden ist. — Die Versammlung beschloß, folgende Resolution den
SemWands Anlwori „befriediaend".
Reuter ir»'der aus Berlin, in dortigen britischen und französischen Kreisen werde die Antwort Deutschlands auf die Einladung zur Teilnahme an der Londoner Konferenz für befriedigend angesehen. Der Ton der deutschen Autrvort ■fei versöhnlicher, als ursprünglich erwartet worden sei, und dies werde dahin ausgelegt, daß Dr. Simons sich in seiner Haltung von bedachtsamen und einsichtsvollen Erwägungen k«be leiten lassen.
„Datlu Chronicle" sieht die Antwort der deutschen Regierung auf die Einladung der Alliierten zur Teilnahme an der Londoner Konferenz als eine eingeschränkte (qualifieds Annahme an- Das Blatt schreibt: Man könne sich, obgleich wenige es erwartete», eine Reihe von praktischen deutschen Borschlägen denken, die die Alliierten gern in ihre eigenen Borichläge einverleiben oder gar an Stelle ihrer eigenen setzen würden. Jedoch hätten die Alliierten das letzt« Wort, und jedem (Gedanken daran, gegen den Willen der Alliierten die deutschen Borschläge an Stelle der Vorschläge der Alliierten zu setzen, könne, wenn die Zeit dazu komme, energisch entgegengetreten werden. Die deutsche Not« gebe nicht zu verstehen, daß die Vorschläge der Allierten unannehmbar sind, sondern nur, daß sie nicht den einzigen Ausgangspunkt der Erörterung bilden sollten. Wenn die deurichen Delegierten ichpch einen solchen Borschlag später machen sollten, so m; ö:e dies ene -' ^b rnrö-kgewieien werden.
Sturmöewegte Schicsisale.
Roman von Max Esch. 30
Ein wahres Chaos von Gedankenreihen kam und ging , Ichneller Folge, aus dem sich nur immer wieder der eine "«Satz auslöste, daß sie, die Konitesse, Ladewig zu unauS« « ;Mrer Dankesschuld verpflichtet sei und alle anderen sj?"Sungen vor Abtrag»,ig dieser Schuld zurücktreten "WBten.
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‘. «Äm. w S sie jetzt beginnen solle, blieb Mizzi am la» z stehen, baun aber kam sie zu dem Etitschlusse, in dem hilft 1, K-in beni sie die Herfahrt aiigetreten hatte, auch wieder «.„r’v^fofct z»i unternehmen. Sie beauftragte deshalb den Urärf ihres Vaters, sie in dem Boot« nach dem Parke „jMrudern, welchem Beginnen sich aber der Inspektor beftuiuntiefte widersetzte. Er wies auf die Gefahr hin, .««" Komteß auf der Fahrt von etwaigen Spießgesellen lliiditen drüben könnte.
jn S® solchen Gefahr aber wollte sich Mizzi nicht wieder > Mriind anssietze». So stieg sie in den Kahn, in dem ihr Üiij chsgekommen war unb ließ sich aus einer der O»er° ^üid T eL Gedankenverloren starrte sie ins Wasser. Wie »d,. M ihre Zukunft nun gestalten? Alle? war so ganz ^kommen, als sie einstmals geschwärttit hatte!
„jurze Zeit später der Oberst in Begleitung Ladewigs Wer xürn Ufer erschien, blick!« Mizzi scheu zu Ladewig H °? »er auf deu Inspektor einredete, worauf sich dieser entfernte.
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U '^"es der dr^i Fahrzeuge für fünf Personen Tragkraft «otrti I1?^1 Ladewig, den Kahn zurückzulassen und in den J bte Rückfahrt anzutreten.
^ur!^' ^dßeren nahm Braunhofen, dessen Tochter und inbfrm vlag, während Ladewig das kleinere bestieg, in Ün ^OSaibeiter die Ruder handhabte.
Site a. «"'^Ee sich Mizzi an den Vater, denn deS Schutzes nie hXf.’’^ heute in erhühtein Maße bebärftig. Nur zu k^Ej. . sie durch eine offene Aussprache ihm gegenüber «titj”• des, Gedankenivuft. der ihr Köpfchen noch »e. gef^j] ^habr, aber jungitäuliche Scham hielt ihren
Schweigend wurde die Rückfahrt zurückgelegt, hatte doch ein jeder den Kopf voller Gedanken, sodaß das Ende der Fahrt von allen frendig begrüßt wurde.
Ladewig war zu dem Eiltfchlnsse gekommen, bereits morgen in aller Form um Mizzis Hand anzuhalten. Der reife Mann schwelgte in einem Wonnerausche, denn die Geliebte hatte ihm ja ganz deutlich gezeigt, daß sie ihn liebe. Daß er sie dazu durch feine dreiste Überrumpelung gezwungen, ivollte er sich nicht eingestehen, denn auf dem Kriegsschauplatz« der Liebe waren alle Wege recht, die zum Ziel« führten.
Obwohl Ladewig da» Bedürfnis empfand, Mizzi noch einige herzliche Worte zu sagen, mußte er davon Abstand nehmen, denn mit einem scheuen Gruße war Mizzi in ihre Zimmer geflüchtet, die Tür hinter sich abriegelnd.
Verwundert sah Ladewig der Enteilenden nach, und unangenehme Gedanken fliegen in ihm auf. Aber hier war weder der Ort noch die Stunde, müßiger Gedankengängerei Platz einzuräumen. Für ihn, als Aiutsvorsteher, galt es zunächst, weitere Anordnungen zu treffen, dann das Vorgefallene zu protokollieren und den Bericht morgen mit beut Frühesten dem Staatsanwalt zuzusenden.
Eine Frage BraunhofenS, ob er, der Oberst, ihm bei seinen weiteren Verrichtungen helfen könne, verneinte er dankend.
> Daranf wünschten sich die beiden ebenfalls angenehme Nachtruhe.
7. Kapitel.
Vollständig erschöpft ließ sich Ladewig in seinem Arbeitszimmer vor dem Schreibtische in den bequemen Rohrsessel fallen. Nur mit Aufgebot seiner ganzen Willenskraft war eS ihm bisher möglich gewesen, den Zustand körperlicher Schwäche, in dem er sich infolge deS furchtbaren Ringens auf Leben und Tod mit dem Banditen befand, mühsain zu verberge». Jetzt, da er den Schein nicht mehr zu wahren nötig hatte, sümpfte er gegen feinen Schwächezustaud auch nicht mehr an.
So traf ihn der alte Diener an, der lange Jahre bei dem GutSherru in Diensten stand und ihn» völlig ergeben war
Zwischen Herr unb Diener, die ja ständig beisammen war.
ren, hatte sich im Laufe der Jahre ein Vertrauensverhältnis herailsgebildet, wie das vielfach anzutreffen ist.
Erschreckt blieb der alte Diener, der auf sein wiederholtes Klopfen keine Antwort erhalten hatte und deshalb die Tür öffnete, um zu sehen, ob sein Herr sich überhaupt in dem Arbeitszimmer befinde, stehen, als fein Blick auf Ladewiq fiel.
Schlaff war der Gutsherr in den Sessel zusammengesunken, den Kopf auf die Platte des Schreibtisches gelehnt, die Arme herabhängend.
„Gnädiger Herr!- wagte Johann, nachdem er sich von seiner Bestürznng erholt, den anscheinend Eingeschlafenen zu wecken. AlS er keine Antwort erhielt, trat er auf Ladewig zu.
Da richtete sich Ladewig ^mühsam auf und wandt« sich dem Diener zu. Mit müder Stimme redete er ihn an: „Es ist gut, Johann, daß Du Dich ua* mir umstehst. Mir ist ' nicht ganz wohl. Ich glaube, ein Glas kräftiger Glühwein wird mich ivieder auf die Beine bringen. Daruin besorge mir । schleunigst so etwas."
Eiligst verließ der Diener das Ziminer, um den Glühwein in der Wiche zu bereiten, den» der Zustand feine» Herrn I flößte ihm Besorgnis ein.
Als Johann kurze Zeit später mit dem dampfenden Weine wieder erschien, saß Ladewig noch immer in bet gleichen Stellung. '-'•--
Den besorgten Blick deS Dieners gewahrend, raffte sich der Gutsherr mühsam am und griff mit zitternden Hände» nach dem Glase, um es schluckweise langsam auSzutrinken.
Das feurige Getränk verfehlte seine anregende Wirkung nicht. Neue Lebenskraft fühlte der Gntsberr wieder durch die Adern rinnen. Sich darauf besinnend, baß er dein treu«» Faktotum die Angst nehmen müsse, die ihm vom Gesichte so deutlich abzulesen ivar, benteche er erklärend: „Pu siehst-mich so erstaunt an, als ob Du mich zum ersten Male hier sitzen siehst. Mir ist nichts, ich habe mich nur ein bißchen üoer- nommen." . .
„Der gnädige Herr sehen aber recht elend aus," wagte
1 Johann zu erwidern, als LadewH chwleg.
Letzterer schilderte nun mit kurzen Worten das Erlebnis I am See. 255,20