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vorauszahlbar viertelj. durch die Post Mk. 12.-, unsere Träger Mk, 10,80, bei uns abgeholt Mk. 10.. ieint an Wochentagen nachmittags. Druck u. Verlag obmeifter, verantwortlich H.-C. Hohmeister, Schlüchtern. ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Geschäfts- verkehr mit der Firma Schlüchtern.

Gegründet im Jahre 1849 unter dem Titel

Anzeige«: N, Zeile oder deren Ranm 70 Pfg., Reklame- zeile Mk. 2. sämtl. ohne besonderen Zuschlag. Sei Betriebsstörungen kein Schadenersatz oder Mindergebühr einschl. BezugS. Keine Gewähr für Platz, Aufnahmezeit und Beleglieferung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Awischen- kosten. Zählkarte Frankfurt a. M. Nummer 11402.

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Mittwoch, dm 2. Aeöruar 1921

73. Iayrg.

MMHrung der deutschen Kriegsgefangenen, fach dem Waffensttllstandsabkommen vom November ; mußten bekanntlich sämtliche in deutscher Hand befind- [ Kriegsgefangenen der Entente sofort ausgeliefert tn. Gegenseitigkeit würbe nicht zugestanden, ja es ig nicht einmal, selbst die einfachsten Erleichterungen in grhandlung der kriegSgefangenen Deutschen durchzusetz-n. ^em wurde vor de« deutschen Vertretern unablässig $, das Los der Zurückaehaltenen zu erleichtern. Um zstens den Austausch Schwerverwundeter zu erreichen, e die Vermittlung des Papstes und des Genfer Jnter- nalen Komitees des Roten Kreuzes erbeten. Ferner ie die Schweizer Regierung ersucht, die KriegSgefangenen- in Frankreich besuchen zu lassen und auf Verbesserung Mißstände^hinzuwirken. Damit waren alle der deutschen ertrag zur Verfügung stehenden Mittel erschöpft. Erst «onatelangen Verhandlungen gelang es, die Freilassung kranken und verwundeten Kriegsgefangenen und später die der Ziviliuternierten zu erreichen.

M der Unterzeichnung des Friedensvertrages am 9. 1919 setzten die Bemühungen der deutschen Regierung neuem ein. Jetzt mit dem Erfolg, daß Amerika, Eng- , Belgien und Serbien im September/Oktober 1919 eßen, während Frankreich auf seinem Schein bestand erst nach dem Inkrafttreten des Friedens, nach dem Januar 1920, mit dem Abtransport begann. Ausge­nen von der Zurücksendung waren zunächst die (in non (zusammeugezogeneu) in Frankreich gerichtlich br- m deutschen Kriegsgefangenen.

Die noch dort befindlichen Deutsche» find Gegenstand lässiger Fürsorge der zuständigen Stellen. Sie wurden iovember/Dezember 1920 mit neuer Wäscheausrüstung, neuer Kleidung usw. versehen, auch wurde ihnen eine nsendung von etwa 1000 Bänden übermittelt. In- h?7 bemüht fich die deutsche Regierung auf das Angr- zteste um die Freilassung auch dieser letzten, noch übrig ebenen Opfer des Krieges.

Aus der Heimat

-* Das Konsistorium für den Regierungsbezirk Cassel «geordnet, daß am 17. April, dem Tage vor der 400- :eäfeier des Reichstages von Worms und der eigent- i Entßehuug der evangelifchen Konfesfion in allen seligen Bezirken ein Festgottesdienst veranstaltet wird, n es möglich ist, sollen am Abend des Jubiläumstages Mje Feiern veranstaltet werden. Am 17. April soll Kirchensammlung zu Gunsten der AnSlandsdiaspora galtet werden.

(UnauSgezahlte Feldpostanweisungen.) Die Postan geben bekannt, daß aus der Zeit von September bis Aber 1918 noch Beträge für abhanden gekommene »ükimweisrtnaen uvausaetohlt find Die r-nbekannten

Absender werde» aufgefordert, ihr Rücksorderungsrecht bis spätestens 30. April 1921 unter Vorlegung des Einliefer­ungsscheines bei der Postanstalt ihres Wohnortes geltend zu machen.

* (Abgabe von Forstgelände für die Landwirtschaft.) Amtlich wird mitgeteilt: Im Jahre 1919 und 1920 sind im Bereiche der preußischen Staatsforstverwaltung des Re­gierungsbezirks Cassxl folgende Flächen zur landwirtschaftlicher Nutzung und Siedlung abgegeben: Es wurden verkauft: 1445 Morgen, davon 1419 Morgen Holzboden, verpachtet 75 Morgen, davon 71 Morgen Holzboden. Es ist ferner der Verkauf von 6800 Morgen und die Verpachtung von 3000 Morgen im Gange. Die Domänenverwaltung hat für Neusiedlungen 72 Morgen unb für Anliegersiedlungen 1668 Morgen abgegeben, darunter 172 Morgen zu Eigen- tum. Außerdem find an landbedürftige Einwohner 3080 Morgen verpachtet worden.

* Weiperz (Kr. Schlüchtern). (Ein Auge ausgeschlagen.) Hier waren 'eines Tages T. P. und B. K. aus Sannerz in einer Wirtschaft zusammengetroffen. P. war infolge reichlichen Alkoholgenuffes etwas "angeheitert, mit drastischen Worten wendete er sich an K. dessen Stiefsöhne er wegen eines Diebstahls von Aepfeln zur Anzeige gebracht hatte und nahm diese« Vorgang zum Anlaß für die Anknüpfung einer anfangs harmlosen Auseinandersetzung. Aus dieser wurde ein böser Streit, es gab Schimpfworte, schließlich ergriff K. einen Stuhl unb schlug auf den P. kos, der eine schwere Verletzung erlitt, sein linkes Buge einbüßen mußte, das ihm ausgeschlagen wurde. Die Strafkammer Hanau hatte sich am Samstag in einer länger.n Sitzung mit dieser Angelegenheit zu befassen. Der Staatsanwalt beantragte gegen K. 3 Monate Gefängnis wegen gefährlicher Körper­verletzung, gegen P. wegen Beleidigung des K. 30 Mark Geldstrafe. Das Urteil lautete gegen K. auf 6 Monate Gefängnis, gegen P. auf 100 Mark Geldstrafe.

Kapital «vd Kapitalertragssteuer.

Noch immer herrscht im große« Publikum über die durch die Finanzreform neueingeführte Kapitalertragssteuer erhebliche Unklarheit, die mitunter in erstaunlicher Weise zutage tritt. Vielfach wird nämlich angenommen, daß 10 Prozent von jeder bei einer Sparkasse oder einem sonstigen Geldinstitut angelegten Summe dem Staat verfallen; und im Volksmunde gilt daher der Ausspruch:Behaltet Euer Geld zu Hause, wer 1000 Mark auf die Sparkasse oder die Bank trägt, bekommt nur 900 Mark zurück, 100 Mark behält der Staat für sich."

Diese Anschauung ist natürlich gänzlich falsch. Die Kapitalertragssteuer, die bekanntlich 10 Prozent beträgt, wird, wie der Name besagt, auf das Einkommen aus dem Ertrage von Kapitalsanlagen, also in der Hauptsache auf D'vidkvden und ZInffvoeleet vrd nur von den Zinsen ent< iiiuLjiiiiujwaMnweaiwBawMaBMiMiMHiMiiwmaBBMaBMMteBw«»«siaM^MMjB^

Kommen. Ein Beisviel möge die 10 ptozentige Kürzung veranschaulichen:

Jemand legt ein Kapital von 5000 Mark auf Zins bei einer Bank oder. Sparkasse zu 4 Prozent an. Er bekommt von 'diesem Kapital an Zinsen jährlich 200 Mark. Diese Zinssumme wird von dem Bankinstitut p- das Reich um 10 Prozent Kapitalertragssteuer gekürzt. Der Einleger erhält also nicht jährlich 200 Mark, sondern mr 180 Mark ausbezahlt, während sie Bank oder Sparkasse 29 Mark an den Staat abführen muß.

Es ist also gerade so, als ob der Einleger sein Kapital anstatt mit 4 Prozent mit 3,6 Prozent verzinst erhält. Der für ihn infolge der Kapitalertragssteuer entstehende Zins­verlust beträgt also nicht 10 Prozent, sondern 0,4 Prozent. Me 4-prozentige Kapitalsanlage verzinst fich, wie erwähnt, daher mit 3.6 Prozent, dementsprechend eine 3^,-prozentige mit 3.15 Prozent eine 3-prozeutige mit 2.7 Prozent.

Nun verzinsen fich jedoch bei dem augenblicklichen Stand der Rentenpapiere die meisten Anlagen erheblich höher, mit 41/, bis 5 Prozent, sodaß die Verzinsung trotz der Kapital- ertragSsteuer in den meisten Fällen noch immer über 4 Prozent beträgt.

Die Kapitalertragssteuer, die in gewissem Sinne an die Stelle der früheren Vermögenssteuer getreten ist, ist deshalb gerechter als diese, da sie sich nach der Höhe der Kapitals­beträge bemißt. Sie trifft auch nur das bewegliche d. h. das geldliche Bewögen, während die Vermögenssteuer auch den Grundbesitz erfaßte. Im höchsten Grade kurzsichtig ist es daher, wenn Inhaber von Kapitalien ihr Geld zu Hause aufheben oder gar Bankguthaben abheben, das Geld im Strumpf trägt selbstverständlich keine Zinsen unb das Aufbewahren im Kasten schwächt die deutsche Wirtschaft weiter. Alle diejenigen, die so handeln, schädige« das allgemeine Wohl unb noch mehr sich selbst.

für die preußiscyen Beamten.

Der preußische Finanzminister Silbern atm hat an das preußische Staatsministerlum den Antrag gestellt, den neuen Tenerungszuschlag der Beamten nach Artikel 55 der preußi­schen Verfassung auf dem Wege einer Notverordnung zu gewähren. Die Notverordnung würde nach Ansicht des Ministers der Beseitigung eines ungewöhnlichen Notstandes insofern dienen, als der gegenwärtige Ausgleichszuschlag von gleichmäßig 50 Prozent zweifellos nicht ausreiche, um der inzwischen immer weiter gestiegenen Teuerung überall genügend Rechnung zu tragen und es auch, nachdem die Bezüge der Beamten in Preuße» mit denjenigen der Be- amten im Reiche grundsätzlich in Uebereinstimmung gebracht worden sind, nicht erträglich fein würde, wenn das Reich einer Erhöhung der Tcuernngszuschläge beizutrete» be­schließe, Preußen aber nicht.

Siurmkewegte Schicksale

Roman von Max Esch.

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Da? war fatal, da eS unter biefen Umständen bedenklich . !lWen, die Eisenbahn zu benützen, beim auch die Bahnhöfe I ^'den sicher überwacht werden. Einer Verhaftung aber eilten beide lieber an8 dem Wege gehen, sie sonnte sehr E sehr unangenehme folgen nach sich ziehen.

Noch wußte die Polizei jedenfalls nicht, wer sich hinter Pseudonyme»» verborgen hielt. Sie zog wahrscheinlich

'h Erkundigungen in Paris ein. Ehe die Antlvvrt von dort Ultras, drohte ihnen wohl kaum eine direkte Gefahr. Die Z^e konnte erst in einigen Tage»» bedenklicher auSsehen. ^^halb war schnelles Handel« geboten.

. Hatten beide erst Deutschland hinter sich, dann »nochte die ^'l'zei sich bie Köpfe zerbrechen, wer hinter den Namen pWoiibot unb Beaulieu verborgen gewesen. Natürlich °>inte tiwt unter den beiden fpfeubonymen nicht weiter rei- A Da Thurandot aber vorzügliche Verbindungen hatte, wurde die Beschasfung neuer Papiere auf fremde Namen auch die geringste Schwierigkeit bereiten.

^Nachdew beide ihre Gedanken darüber in aßen Einzel« auSgetoufÄt und ihre Lage nach allen nur denkbaren SWtBpimfteu erwogen hatten, besprachen sie bett Weg ihrer »W w.-s Berlin

Darüber, daß sie mit der Bahn nicht abreifeu bürsten, stA. ,i(l0t einig. DaS sicherste war die Abfahrt im N fMobil und zwar nach der österreichischen Grenze zu. Wurlich wollten sie sich von Berlin auS kein Auto für die '"St Tour mieten, auch wollten sie sich hüten, alS Fer»»- yleiibe anfzmrelen. Sollten bie Straßei» von der Polizei ' Zswncht werben, war die Wahrscheinlichkeit beS Dnrch- /.'^- größer, wenn sie sich den Anscheir» gaben, als ob ^°^ n Ausstn-n in bie Umgebung unternehmen wollten.

^-^ i»> ihrer Kleidung sollte bie Beamten auf das ivirk- ^ che> bei Fahrt Hinweisen. Darin waren sich beide d-.^ '" ' «sprachen beide sodann den Stand ihrer Finanzen, ^ ungünstig war.

-ach höbe da «Um «nverzeihliche Dummheit begangen,

warf Wolff ein,denn ich lieh dem Freiherrn von Ladewig auf Bnnnewitz zwanzigtausend Mark auf Wechsel, die ich auf Ehrenwort versprach, vor einem halben Jahre nicht zu prä­sentiere,«."

Was für Papiere ftnb da» ?" fragte Thtirandot.

Sichtwechsel," gab Wolff zur Antwort.

Aber da ist Dir ja geholfen," entgegnete lachend Thuran­dot.Die Wechsel sind ja jeden Augenblick einzuziehen."

Du vergißt, daß ich mein Ehrenwort gab, die Papiere erst nach einem halben Jahre zu präsentieren," erwiderte Wolff.

Ehrenwort hin, Ehrenwort her," gab Thurandot gleich­gültig zurück.Du benötigst Geld, folglich hat Dein Ehren­wort gar keine Gültigkeitmehr. Laß uns nun überlegen, wie Du das Geld am unauffälligsten beitreiben kannst. Hast Du dak Geld bat geliehen oder besteht es aus Spielschulden jenes Herrn?"

Zehntausend Mark gab ich bar, fünftausend Mark schul­dete mir Ladewig au8 einem Spielchen. Dafür gab er mir mehrere Eichtwechsel über zwanzigtausend Mark. Du kannst Dir wohl denken, daß ich die zehntausend Mark erst auf vie­les Drängen gab. Zugleich aber sagte ich mir auch, daß ich fünftausend Mark in einem halben Jahre gar nicht leichter verdienen könne," erläuterte Wolff.DaS Dumme ist nur,

daß ich mein Ehrenwort gab, die Papiere nicht vor einem halben Jahre zu präsentieren. Aber auch da gibt eS, »vie Du schon ganz richtig heroorhobst, einen AuSweg. Ich schreibe dem Herrn, vaß ich deS Geldes dringend bedürfe, sodaß ick ........... ,_____ .

mich an mein Wort zu meinen größten Bedauern leider »richt |tjegf an den» Hausdiener notbti, der die Koffer in» Witte mehr gebunden halte»» könne. Er müsse sehen, daß er die Smiuue innerhalb 14 Tagen beschaffe. Länger könne ich auf keinen Fall warten. Sollten die Wechsel nicht eingelöft wer­ben, müsse ich sie zu Protest gehen lassen."

Ganz meine Meinung," stimmte Thurandot zu. Hoffent lich ist der Mann gut!"

Für zwanzigtausend Mark ganz sicher," gab Wolff zu­rück, obgleich seine Verhältnisse sonst »licht gerade glänzend sind. DaS Gut ist mit Hypotheken belastet, sodaß er in der Nähe das Geld wohl schwerlich auftreiben könnte, aber schlimmstenfalls lasse ich den Viehbestand oerauttiomeren

oder lege auf die Ernte Beschlag. Zu meinem Gelde komm« ich auf jeden Fall."

Dachte ich mir eS doch gleich, daß der Mann in bei Tinte sitzen müsse, sonst hätte er schwerlich für Beschaffung des Geldes fünftausend Mark bezahlt," gab Thurandol seinen Gedanken laut Ausdruck.Aber wenn die Verhältnisse des Mannes so verfahren sind, kann es ihm ja gleich sein, oi

er jetzt oder in einem halben Jahre zahlen ioß. Ich meine, daß eS ihm dann auch nicht möglich sein wird, die Summ« zusammenzubringen. Du hast also nicht die geringste Ursache,

' ~ |u nehmen!"

auf Dein Ehrenwort Rücksicht zi Freiherr von Ladewig tra«

M._.^._. . . igt sich mit Heiratsabsichten,« unterbrach Wolfs,die, wenn sie sich realisieren, und alle< spricht dafür, daß das der Fall fein wird, ihn mit einem Schlage aus allen Verlegenheiten befreien würden."

dienn die Sache so liegt, muß es ihm ja ein leichter sein, sich das Geld zu beschaffen," erwiderte Thurandot.

Beide hatten eS nicht beachtet, daß eS bereits heller Mor» gen geworden, sodaß sie erstaunt nach ihren Uhren sahen, all unten ein Automobil vorfuhr und hielt. Wolff löschte du Lampe unb trat an eines der Fenster, öffnete eS und warf einen Blick in die stille Seitenstraße, in der zu dieser frühen

Stunde auch nicht der geringste Verkehr flutete.

Befriedigt nickte er mit dein Köpfe, als er in» Zimmer zurücktrat, sich an den tragend anfblickenden Gefährten beruhigend wendend:Es ist baB bestellte Auto. Die Lust

ist rein.

Aus in den Kampf!" rief blieben Auge» Wolff auS. als er mit dem Gefährten lau .m die Treppe hin «nier<

tragen wollte.

Nach dem Gronewald!" gab Thurandot d » §üa «^m als Ziel der Fahrt a Das weitere werden wir 3onea noch mittetteu, ergänzte Wolff.

Der Motor ratterte. Tief verneigten sich bet an stehende Zimmerkellner und der öuusüiener, sie wau reichlichen» Trinkgelde bedacht woro-u.

Guten Morgen!" leicht grüßend fuhren die

luto lit

WÜll.

Woble Kavaliere, Friedrich'" sagte herab!a Kellner, grinsend bestätigte ier Hausdiener diese Kr-..

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