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»E^preis^ränszäMär viertelt, durch die Post Mk. 12.—, durch unsere Träger Mk, 10.80, bei uns abgeholt Mk. 10.-. Erscheint an Wochentagen nachmittags. Druck u. Verlag ß Hohmeister. verantwortlich H.-C. Hohmeister, Schlächtern, »«rnruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Geschäfts- verkehr mit der Firma Schlüchtern.
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Gegründet im Jahre 1849
unter dem Titel
DsV Vezivksh-te.
Montag, den 31. Januar 1921
8chtüch1erner £a geölatt
Anzeige«: kl. Zeile oder deren Raum 70 Pfg., Reklame- zeile Mk. 2.— sämtl. ohne besonderen Zuschlag. Bei Betriebsstörungen kein Schadenersatz oder Mindergebühr einschl. Bezugs. Keine Gewähr sür Platz, Aufnahmezeit und Beleglieferung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischen- kosten. Zahlkarte Frankfurt a. M. Nummer 11402.
73. Iahrg.
Aus der Heimat.
-* Zur Düngung der Sommer-Halmfrüchte empfiehlt I rechtzeitige Vorsorge für eine reichliche Versorgung mit li und Stickstoff zu treffen. Auf phosvhorsäurearmen iben muß auch die Phosphorsäuredüngung Berücksichtigung den. Die kurze Entwicklungszeit unserer Sommer-Halm- |$e bedingt eine genügende Zufuhr leichtlöslicher Nährstoffe. ! ist eine noch vielfach verbreitete falsche Ansicht, daß ifer und Gerste eine Volldüngung nicht lohnen. Neben Ursendung guten Saatgutes, und einwandfreier Bestellung am lohnendsten die Ergänzung der Düngung durch die erprob- i Stickstoffdüngemittel
movsulfatsalpcter mit etwa 27% Stickstoff, davon
„ 19% Ammoniakstickstoff
„ 8% Salpeterstickstoff, lammonsalpeter mit etwa 25—27% Kali und
und
„ 16% Stickstoff, je zur Hälfte als Salpeter- und Amniontakstickstoff. e Preisspannung zwischen Stickstoffdüngemittel und landschaftlichen Erzeugnissen ist dieselbe wie vor dem Kriege, > durch zahlreiche Versuche sowie Aeußerungen von Fach- ten und Praktikern ist nachgewiesen, daß die fachgemäße Sendung der Stickstoffdüngemittel nennenswerte und größere nerträze abwirft.
—* (Gläubiger und Schuldner bei der Kapitalertrags- ler.) Verschiedene Anfragen geben Veranlassung darauf lzuweisen, daß nach der vorläufigen VoLzugsanweisung » Kapitalertragssteuergesetz Hypotheken- und sonstige Dar- nsschuldner, sowie diejenigen Personen, die vererbliche nten auszuzahlen haben, verpflichtet find, die ihnen vorn tanzamt erteilte Quittung über die entrichtete Kapital- agssteuer dem Gläubiger zu übersenden. Wenn Schuldner er Verpflichtung nicht nachkommen, können sie auf Antrag Gläubigers gemäß § 377 der Reichsabgabgabenordnung 9 das für den Schuldner zuständige Finanzamt mit mungsstrafen bis zu 500 Mark angehalten werden, szenommen find nur die Fälle, in denen das Reich, die »der, Gemeinden, sonstige öffentliche Verbände, Sparkassen d ähnliche Unternehmungen die Zinsschuldner find.
—* (Verstärkter Holzeinschlag zur Verminderung der deitslofizkeit ) Das preußische Laudwirtschaftsministerium in Uebereinstimmung mit einem Beschlusse der preußischen ndesversammlung eine lOprozentige Erhöhung des dies- rizen Einschlagsolls in den Forsten zur Verminderung Arbeitslosigkeit verfügt. In den Oberförstereten, in <m der Holzeinschlag wegen Erfüllung des Einschlagsolls ei!s eingestellt ist, soll der Holzhieb sofort wieder aufge- nmen werden. In den Richtlinen für die Ausführung Beschlusses der Landesversammlung wird gefordert, daß deitseinstellungen und Arbeiterentlassungen vermieden wer- 11 Der Mehreinschlag soll aus Beständen aufgebracht leer, die vorwiegend stärkeres Nutzholz liefern zur Ge
winnung von Tischlecholz, Bauholz, Schwellenholz und Papierholz.
* Schlüchtern. Am Samstag abend schoß in betrunkenem Zustande ein Schirmflicker nach der Tochter eines hiesigen Gastwirts, als sie ihm keine geistigen Getränke mehr verabfolgen wollte. Zum Glücke ging der Schuß fehl. Die darauf benachrichtigte Polizei brächte den Täter in das hiesige Wachthaus.
* Fulda. Unter Packen-Verdacht ist hier ein Einwohner erkrankt. Alle vorgeschriebenen Jsoltermaßnahmen sind getroffen worden, sodass zu Beunruhigung kein Anlaß besteht.
Sozialdemokratische Wersammlung in Schlüchtern.
. Von sozialdemokratischer Seite wird uns geschrieben:
Am Samstag sprach im Hessischen Hof Herr Direktor Walter Loeb aus Frankfurt a. M. in Beantwortung des Referates und Schlußwortes von Herrn Dr. Ritter. — Herr Loeb ging dabei von den Worten Dr. Ritters aus, der sagte, daß Ludendorff in seinen Kriegserinnerungen behauptet: „Wenn der Waffenstillstand nicht abgeschlossen worden wäre, dann hätten wir keinen solchen Frieden bekommen. — Der Redner führte an Hand von Einzelheiten aus den amtlichen Waffmstillstandsdokumenten den Beweis, daß es die Oberste Heeresleitung war, die vom 29. September 1918 an immer mehr und mehr drängend die Herausgabe des Angebotes verlangte, trotzdem sich der damalige Reichskanzler Prinz Mox energisch dagegen sträubte. — Als Erzberger im Großen Hauptquartier angefragt hat, ob er den Waffenstillstand unterzeichnen kann, antwortete Hindenburg, daß zu unterzeichnen fei, selbst wenn keine Erleichterungen gewährt werden. Den Waffenstillstand und den darauf folgenden Friedensvertrag bezeichnete auch Herr Löeb als die Ursache alles Uebels. — Aber wenn mau Fehler verurteilt, dann hat man die Verpflichtung, die Ursache zu prüfen. — Nach Ansicht des Referenten lag ^: Ursache in dem alten System, das die Klassenidee züchtete, weil eben nur eine Klasse herrschte, und gegen die große Masse des Proletariats regiert wurde.
Er erinnerte an Soztalistengesetze, an Kulturkampfperioden, an die Versagung der Koalitionsrechte, die letzten Endes dazu führten, daß die Klaffenkampfidee immer mehr ange- schwollen ist.
Bestätigt doch der konservative Wissenschaftler Dr. Theodor Cettli in seinem Aufsatz: „Von der preußischen Ehre", daß über diese Ehrengemeinschaft, das gewährtigste Machtmittel des Staates, die preußische Armee verfügte, und gestützt auf diese Macht, in allen wichtigen Fragen der äußeren und der inneren Politik Preußens und des Reiches faktisch den Anschlag gab. — Gegen den Willen des Königs und des Adels von Preußen konnte in Preußen und im Reiche bis zum Herbst 1918 nichts Wesentliches durchgesetzt werden. Wenn jetzt der Konkurs schwer »u verwalten ist,
dann darf man nicht den Konkursverwalter dafür verantwortlich machen.
Wahlen nennt das deutsche Volk unter dem Verantwortungsgefühl, daß der Stimmzettel heute etwas anderes ist als früher, wo die unverletzliche Person des Königs jederzeit, den gewählten Volksvertretern den Abschied erteilen konnte.
Herr Amtsgerichtsrat Hengsberger antwortete dem Redner und wies insbesondere den Vorwurf der Klassenjustiz anläßlich des Marburger Urteils und der harmlosen Eidesleistung einzelner Beamten zurück.
Herr Loeb widerlegte das erstere durch Vergleich verschiedener Urteile, letzteres durch das Anführen verschiedener Personen aus dem Kapp Putschtageu. Er schloß seine Ausführungen mit der Aufforderung, so zu wählen, daß die Staatsgewalt vom Volke ausgeht.
Zanuarwetter und Ernleausslchlen.
Wir haben diesmal einen ganz seltsamen Januar. Se regnerisch und warm ist er selten gewesen, nur 1906 war das Wetter ähnlich. Der Landwirt ist darüber durchaus nicht entzückt. Nach seinen Beobachtungen, die sich in den bekannten Bauernregeln von Generation zu Generativ« forterben, müssen wir mit einer mageren Ernte rechnen, Der Landwirt verlangt im Januar kaltes, frosthartes Wetter, wenn die Ernte, ja, wenn die ganze Natur gedeihen soll. „Januar soll vor Kälte knacken, wenn die Ernte soll gut sacken." „Ein kalter Januar bringt uns ein gutes Jahr", aber Januar warm — baß Gott erbarm". „Ist der Januar warm und naß, bleiben Scheuer leer und Faß", Gleicher Ansicht sind noch hundert andere Bauernregeln, deren Richtigkeit die strenge Wissenschaft bestätigt. Im Januar ist nötig, daß der Frost die Erdkrume lockert, daß der Schnee, der soviel Ammoniak aus der Lust mit her- niederschlägt und dadurch gleichzeitig düngt, die Saaten deckt, langsam in die Erde sickert und den Erboden somit gründlich und tief durchfeuchtet, während der Regen schnell davonläuft. Jauuarfrost ist auch nötig, damit unzähliges Gewürm und sonstiges schädliches Getier vernichtet -t»^— Von all solchen Januar-Segnungen ist dies Jahr bisher nichts zu merken. In der Pfalz fangen schon die Mandel- bäume an zu blühen, auch andere Pflanzen, Bäume und Sträucher sind schon tue! zu weit entwickelt. Hott der Win-^ ter nun im Februar, März, oft auch im April, seine Pfliche ten nach, dann kommt er zu spät, dann erfrieren uns Millio^ nenwerte, besonders an Obst. Wir müssen also bezüglich der nächsten Ernte große Befürchtungen hegen und müssen deshalb mit umso mehr Fleiß unseren Garten besorgen: den Raupen nachstellen, die Erde lockern und gut dünge«, für späte Frosten Deckmaterial für die Beete Herbeischaffe« «so».
Memphrs. (Riesige Petroleumexplosionen.) Nach einer Reutermeldung ans Memphis (Tennessee, in den Vereinigten Staaten von Nordamerika) sind bei einer furcht- baren Explosion aller Pctroieumbehälter mehr als 20 Per» Ionen ums Leben gekommen und zallreiche Personen verletzt worden.
Tagen, die zwischen bem Borfall auf der Rennbahn und dein Duell lagen, nach allen Richtunger« hin besprochen.
Obgleich Tchrrrandst im Anfänge gehofft hatte, der unliebsame Zwischenfall raiirbe für ihn selbst wenigstens keine unliebsamen Folgen h«ben, s» sah er sich bereits am gleichen Abend eines arideren b^^tt.
Gleich Beaulieu hatte er zu einer Abendgesellschaft bei dem Kommissionsrat Scharst, einem Börsenspekulanten, Einladungen erhalten und sich angeschickt, dieser Einladung zu folgen, als ein Rohrpostbrief in dein Augenblicke, da er feine Wohnung verlassen wollte, ihn, die kurze Miltei- lung bracht«, daß einer Erkrankung in der Familie des Gastgebers wegen die Gesellschaft l«tdsr abgesagt werden müsse.
Und doch hatte er die gesamte Familie des Kommissions- rateß am Nachmittage wohl und munter angetrosten und begrüßt.
Leise pfiff Thurandot vor sich hin, denn sofort ersah er aus dieser Absage, daß auch für ihn eine Luftveränderung am vorteilhaftesten sein würde.
Weli» schon diese Speknlariten, die doch im Punkte des Geldverdieiiens gewiß nicht skrupiilös waren, initztrauisch nmrben, war es am besten, Berlin den Rücken zu kehren. Gegen ih»>, Thurandot, tonnte niemand etwas einzuwenden haben.
Daß er inkognito hier auftrat, war doch kein Unrecht und ging niemand etwas an. Es geschah ja auch nur aus bem Grunde, daß sein wirklicher Name sich teineSmegg dazu eignete, in der Gesellschaft, in der man sich nicht langweilen «vollte, besondere Achtmig z«« erivecke», zumal er nur zu d«««tlich feine Abstammung verrate«« hätte. Das aber wäre feinem Verkehr mit den Pseudokavalieren nur hinder- , lich gewesen.
Mit der Polizei hatte er, Thurandot, sowohl nutet dem 1 erborgten als auch unter seinem echten Namen Beilcheiifarb, ( »och niemals etwas zu tun gehabt. Er war ja auch ein kluger Kopf gewesen, als er aus dem fernen Galizien mit nur wenigen Kronen in d.er Tasche hier vor vielen Jahren aiilangte. Zusehends hatten sich die Kronenstücke in seinen betrieb- j famen Händen vermehrt, und als er sein kleines Kapital für groß genug hiett, einen größeren Coup wagen zu tömien, da : iuuröe auS dem Veitche«,snrb ein Dr. Thurandot aus Paris, :
Slurmöewegte Schicksate.
Roman von Max Efch. 20
kadewig wollte rufen, aber die Stimme versagte ihm und to unartikulierte, heisere Laute preßte ihm die Angst über die unnteß über die Lippen. Er war entsetzlich für ihn, der Heiß- i ^bten nicht helfen zu könne«. Aufaeregt schwang er das f >»khr und wagte doch nicht, eS abzuschießen, aus Furcht, "e Komteß selbst zu verletzen. Aber nur einen Augenblick bohrte diese, jeder klare Denken auSschließend« Erregung, Win ergriff er zähneknirschend die Ruder wieder unb trieb tos Boot mit alle» Kräften dem Land« zu.
Dar Hilferufen war jetzt verstummt. Bor Entsetzen ft<tn» ton Ladtzwig fast die Haare zu Berge, als er an die Mög- htf.feit dgchte, daß das herzige Wesen bereits den Todeskampf
Metten könne. Unerträglich langsam verstriche«« ihm die luaut««.
Wa» «nochte sich am Ufer ereignen I Der Gedanke konnte W fast dem Wahnsinne nahe bringen.
Endlich schoß dus Boot knirschend auf den Strand. Im sei' in Augenblick packte Ladewig daS Gewehr mit der einen taub, während die andere die Kette erfaßte. Dann befand er in dem flachen Wasser. In großen Sätze» stürmte der ^"nd a«r Ufer. @in kurzer Ruck an der Kette, u««d fest saß M Boot im Sa»de.
. »Halt! Halt!" rief Ladewig, dem Hmide »acheilend, in Dunkel des Dickichts mit Domlerstimme hinein, aus bem
^mnalß Hilferufe ertönten. Schußfertig «««achte der Bvr- "»uweude feine Waffe.
. Bvr ihm befand sich der Hund bereits im Kampf mit wem Menschen, daraus bentete fein wütendes Geheul, j “W ein derber Fluch nud ein Schutz folgte. Entsetzt griff ytoeuiii' nach feiner Brust, denn es hatte sich seiner ein ^!äh! » M alt »d sich darin alles zusammen-
Nnpft
4. Kapitel
9n er< R vv: dem Dueiltage befand sich Dyn' : 111 °" vunelrw ,d seiner FrenndeS.
Weibe ha '«i ihre £c-m und di« nächsten Schritte in den
der zu seiner weiteren Ausbildung und Stitdiums halber nach Berlin gekommen war.
Schnell genug hatte er darauf Eingang in die Kreise der Lebewelt gefunden, wobei ihm sein reger Geschäftsgeist sehr zu starten kam. Bon diesem Zeitpunkle an kannte er natürlich seine frühere Kundschaft nicht mehr. Beilchenfaro war wieder nach Galizien gezogen und dort ein wohlhabrnder Mann geworden.
Aber aus dem Anfänge seiner Berliner Zeit wußte er, wo es gute Legitimatiouspapiere und Pässe zu taufen gab. Mit solchen Papieren versehen, traf er als Dr. Thuraiidot aus Paris wieder in Berlin ein.
Zwar etwas ängstlich war er doch gewesen, als er sich auf dem Polizeirevieramt selbst vorstelle» mußte, nachdem er sich eine eigene Wohnung in Berlin W. gemietet hatte; aber nachdem der Wachtmeister die Papiere, die er ihm zur Prüfung überreicht, mit einem kurzen „Danke!" zuriickgegebei, und ihm bedeutet hatte, die Formalität der Aninelduug fei nunmehr beendet, war fein Selbstbewußtsein um ein gehöriges gestiegen. Niennils hatte er bann auch die geringste Umständlichkeit mit der Polizei gehabt.
Nachdem er mit scharfem Blicke seinerzeit erkannt, daß den Karten noch immer ein Goldstrom entfließe, wenn sie nur richtig gehandhabt würden, was er ausgezeichnet verstand, war er professioneller Spieler geworden. Nicht in die ersten Klubs verlegte er das Feld feiner Tätigkeit.' Nein, die Eitelkeit der ©mporfömmliitge an ber-Börse deutete er aus und die aller übrigen Gliicksjäger, die durch irgend «velche Spekulationen aus dürftigen Lerhältuisseu zu Vermögen getommen waren.
Wenn er eine bestimmte Summe beisammen hatte, ver» schivand er regelmäßig auf längere Zeit aus Berlin. Dann weilte er angeblich in Paris.
So hatte er es lange Jahre bis jetzt getrieben und sich sehr gut dabei gestanden. Da die Kreise, in.Leuen er in Berlin feine Tätigkeit entfaltete, sich fast ständig aus anderen Personen zilsammeuletzte», mar es ihm noch immer geglückt, nicht nur ohne Arg darin ausgenommen zu i»erben, sonder» konnte als misiäudischer Gast sogar eine hervorragende Rolle darin spielen. Niemand t-rkümmerte sich um sein Privatleben hier. 255.20