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Schlüchterner Kreishtött. - - 8djlüd)terner T gebsaN.

M 21______________ Mittwoch, d-n 26, Ia«ar 1921 _______________________________________78, Zahrg.

Hessische KinderhUse.

Die sea hessischen VolkSschullehrern angeregts Sammlung der Hessischen Lündkmder für ihre notleidenden Kameraden in Kassel, Hanau, Schmalkalden, Eschwege, Fulda, Marburg, Herofeld und Hephata ist beendet.

Wohl hatten wir unsere Erwartungen hoch gespannt; denn wir wußten, daß nichts das Menschenherz leichter rührt, wie der Notschrei darbender Kinder. Daß ab-r unsere kühnsten Hoffnungen so wüt ü'ertroffen wurden, hatten wir nicht gedockt. Es liefen ein in

Kartoffel«

Zentner

Mehl

Zentner

Getreide, Hülsenfr.

Zentner

Speck, Fett, Wurst Butter

Zentner

Aepsel

Zentner

Dörrobst

Zentner

Brot

Zentner

Eier

Stück

Pakete

kleidungs- tücke,Wolle

Ver.

schiedenes

Kassel

256,20

102,40

19049

19,13

103,24

8,35

19,20

143

5260

1 mehrere

16,55

Hana«

15,35

1,40

5,15

025

9,50

1,20

0,25

400

0,05

Fulda

3,75

0,40

0,70

0,15

27

GÄmalkaldm

35,00

10,00

11,32

1,89

2,50

2,20

180

30

.

\ Klei.

0,80

Marburg

111,23

19,13

28,72

2,39

53,44

2,12

1,80

152

1403

1 dUNgs

20,03

Eschwege

13,30

2,80

23 35

0,33

12,50

2,15

0,75

0,19

Hersfeld

9,58

5,62

6,61

0.34

4,80

0.11

1,01

3

312

k stücke u

0,07

Hrphata

30,90

5,84

17,24

0,96

7,26

0,22

0,90

5

Schuhe

0,27

Zusammen:

475,31

146,99

283,58

25,44

193,24

16,35

2571

360

7375

37,96

994,99 Zentner Lebensrnittel und daneben noch 7375 Pakete mit Lebensrnitteln konnten wir außer 193,27 Ztr. Äpfeln und 16,35 Zentnern Dörrobst im Gesamtwert von mindestens V« Mi lian Mark unseren hungernden Stadtkindern m die Hände legen, einer stattlichen Zahl konnten wir Kleidungsstücke überreichen. Und daneben floß das Geld so reich und so leicht herbei, daß unsere Sorgen rasch verflogen. Am ersten Tage mußten wir für die Sammelstelle Crffel borgen, um Rollgeld u. a. M bezahlen. Am zweiten Tage hatten wir Geld in Menge. Heute haben wir trotz erheblicher Aus- zabeu für Rollgeld, Fracht usw. noch 20664,20 Mark im Bankhaus liegen.

Viel Huuger ist gestillt, und viel Elend ist gemildert. Tausende von Schulkindern haben wir beschenken, sämtlichen 20 Waisenhäusern, Kinderschulen und Krippen Coffels haben wir reichlich gehen können. Und wenn sich die 20664,20 Mark in Strümpfe und Hemden verwandelt haben, dann geht das frohe Geben noch einmal vor sich.

Allen Helfern und allen Gebern, insbesondere den lieben Jungen und Mädchen in unserem Heffenlande, deu herzlichsten Dank! Trübe Augen b/l ihr leuchtmd, verbissene Lippen lackend, bedrückte Herzen jauchzend gemacht. Eine Brücke ist Wieder geschlagen zwischen S-mot im» Land, fest und weithin sichtbar. Wo Haß und Mißtrauen wohnten, sind Liebe und Vertrauen leise eingezogen. Laßt uns sorgen, daß die zarten Fäden gegenseitigen Verstehens nicht wieder zerrissen werden.

Der Ausschuß für die hessische Kinderhilfe.

I. A. : G Rosenstock.

Aus der Heimat.

* (Die Notwendigkeit der Kalidüngung!) Neben Stickstoff und Phosphörsäure haben alle Pflanzen viel Kalt nötig; sie gebrauchen auf 50 Pfd. Phosporsäure etwa 100 Pfd. Stickstoff und 150 Pfd. Kali, also weitaus am meisten Kali. Die Kalisalze sind billig und überall wieder in be­liebigen Mengen zu haben. Ihre ausgiebigste Verwendung auf allen Meckern, Wiesen und Weiden liegt ebenso sehr im Interesse unserer g anzen Volksernährung wie auch unserer annjen Volkswirtschaft am meisten aber im Interesse eines jeden einzelnen Landwirts; denn besser als sitzt hat sick die

WWMjS6!ftHM^ra«mm*W*EWWE!E^^

Kalidüngung noch niemals rentiert Die Kalisalze find in Wirklichkeit nicht teuer, sondern verhältnismäßig billiger als vor dem Kriege.

* (Ohne Fahrkarte durch die Sperre.) Bisher war es den Reisenden nicht möglich, die Bahnsteigsperren im Falle des Zukpätkommens ohne Fahrkarte zu passieren. Nach einer Bekanntmachung der Eisenbahndirektion Hannover wird jetzt die während des Krieges erlassene Bestimmung aufgehoben, /so daß nunmehr verspätet auf dem Bahnhof eintreffende Reisende die Sperre passieren dürfen, auch wenn sie nicht im Besitze einer gültigen Fahrkarte sind. In diesen Fällen soll den Reffenden jedoch ein Ausweis für die Nach

löMng von Fahrkarten am Zuge ausgehändigt werden, s daß sie den Zug nicht zu versäumen brauchen.

* An den Volksschulen des Regierungsbezirks Kassel sind 1920 19 Hauptlehrer und 12 Rektoren ernannt worden; endgültig angestellt wurden 236 Lehrer und 36 Lehrerinnen, einstweilen dagegen 132 Lehrkräfte, darunter 11 weibliche. In den Ruhestand traten 30 Lehrer, 3 Rektoren und 4 Lehrerinnen. Ihre Entlassung nahmen 15 Lehrer und 32 Lehrerinnen. Es sterben 3 Rektoren und 17 Lehrer. Zur Besetzung waren im ganzen 210 Schulstellen ausgeschrieben und zwar 174 für evangelische und 36 für katholische Lehr­kräfte. Von diesen Stellen waren 184 für Lehrer, 18 für Lehrerinnen, 6 für Hauptlehrer und 2 für Rektoren.

* Nach verschiedenen Nachrichten herrscht bei den Oberschlesiern noch vielfach Unkenntnis darüber, daß die Frist für die Eintragung in die Stimmlisten am 3. Februar abends 6 Uhr endet, daß verspätet eingehende Anträge nicht berücksichtigt werden und das Säumige daher ihres Abstim­mungsrechtes verlustig gehen. Die abstimmungsberechtigten Oberschlesier müssen deshalb schleunigst dafür Sorge tragen, daß ihre Eintragung rechtzeitig erfolgt. Zu diesem Behufe werden sie sich zweckmäßig sofort mit den Heimattreuen Verbänden iu's Benehmen zu setzen haben. In Folge der Veröffentlichung der oberschlesischen T-rroraote scheint sich ferner eine große Besorgnis vor der Reise zu- Abstimmung bemächtigt zu haben. Diese Besorgnis ist nicht begründet. Das Abstimmungsrecht ist gewährleistet und wird ungehindert auszeübt werden können. Jedenfalls müssen sich alle Ab­stimmungsberechtigten rechtzeitig in die Stimmlisten eintragen lassen und in den Besitz einer Stimmkarte zu gelangen suchen. Von der Reise zurücktreten kann dann schließlich jeder"! noch, was aber hoffentlich nur In Ausnahmefällen geschieht.

* SchlüchteruBildung und Streben" unter diesem Göthewort hat sich in Berlin eine GeseMchaft^MrÜndet, die sich die Aufgabe gestellt hat, deutsche Kunst, deutsches Wissen und deutsches Empfinden in Wort, Bild und Ton zur geistigen Erneuerung in die breitesten Massen unseres Volkes zu tragen. Diese Vorführung^ haben bereits unter aufsehenerregendem Beifall in Berlin, Erfurt ulw. stattge- funben; überall war ein ungeheurer Erfolg zu verzeichnen. Auch in Schlüchiern werden wir demnächst Gelegenheit haben, diese wunderbaren Gebilde der deutschen Kunst; die Bilder eines Franz Stoffen zu sehen Am 30. Januar findet bet erste Abend in der Stadtkirche statt.

* Salmünster. Der Steinbauer I. St. von hier sollte am 5. Juni v. Js. in Salmünster zu einer Strasverbüßung abgeführt werde». Er widersetzte sich dem Beamten und leistete' Widerstand. Die Strafkammer Hanau verurteilte ihn am Samstag zu 6 Monaten Gefängnis. Sein Bruder W., der ihm Beistand geleistet harte, erhielt 6 Wochen Ge­fängnis.

Siurmöewegte Schicksale.

Roman von Max Esch. 17 ,

Wolfs war nicht abgefahren, sondern hatte In Thurandot gedrungen sehr scharfe Bedingungen festzusetzen. Bevern, der erwartet hatte, daß der Ehrenrat den Abenteurer für nicht i satiSfaktionsfähig erklären würde, knirschte ingrimmig mit > den Zähnen, als ihm der Spruch mitgeteilt wurde.

Nicht, daß er sich wegen des AusgangeS des Ehrenhan- dels ernstliche Sorgen gemacht hätte; nein, er war kein Feig­ling, aber es berührte ihn peinlich, daß er sich mit einem Abenteurer schlagen sollte.

Da indes der Ehrenrat gesprochen, konnte er in der 91n« gelugenheit nichts mehr tun und gab seine Zustimmung zu bat Anordnungen seines Sekundanten.

Es war ein schwerer Schritt, den er morgen antreten würde, das sagte sich Bevern selbst, denn bei den Bedingun­gen blieb einer der beiden Gegner auf dem Platze. Wer würde es sein?

Der Abend war bereits weit vorgerückt, als der Freund Steuern verlassen. Nachdenklich begab sich Bevern, nachdem er lernet* Burschen aufgetragen, ihn morgen um vier Uhr zu wecken und den Kaffee um diese Zeit bereitzuhalten, in sein Arbettszimmer.

Dort ordnete er zunächst seine irdischen Verhältnisse, denn man konnte ja nicht wissen, wen daS tückische Blei morgen treffen würde. Lange saß er am Schreibtische, und die erste Morgenstunde war bereits zu Ende, als er den letzten Brief luucitierte und adressierte. Abschied hatte er darin genommen von dein verehrten Oberst von Braunhosen, der beinahe Ba- ; tersielle an ihm vertreten, und dem heißgeliebten Wesen, das ' von ihm und seiner Liebe nichts wissen wollte.

Hastig erhob sich der Offizier und streckte die von dem langen Sitzen steif geworbenen Glieder, daß sie in den Ge­lenken krachten.

An Schlaf dachte er nicht, vielmehr öffnete er das Fenster : und atmete die balsamische Luft ein, die vom Tiergarten herüberstrich. Aus der Straße war es einsam, einsam war es auch um Bevern. Bleiern strichen die Minuten dahin,

die Gedanken aber tarnen und gingen in steter Folge. Un­ruhig durchmaß Bevern dann mit langsamen Schritten feine Wohnung.

Erleichtert atmete bw Einsame auf, als aus dem Tier­garten die ersten Bogelstimmen herüberklangen, bald schwoll der Jubelhymnus zum Lobe des Weltenmeisters stärker an. Der Morgen konnte nicht mehr fern sein Es war bald drei Uhr. Eine Stunde noch, dann kam das Auto. Hastig zog sich Bevern um und badete Kopf und Wangen in kaltem Wasser.

Dann schlürfte er den Kaffee, den der Bursche inzwischen serviert hatte, zündete sich eine Zigarre an und erwartete nun das Kommende.

Mit herzlichen Worten begrüßte er den Kameraden. Dann saß er mit diesen, in den, Auto, baß in schneller Fahrt nach dem Grunewald hinausratterte.

Ernst und würdig war die Begrüßung Beverus durch die Unparteiischen und den Arzt, die auf der Duellstätte bereits warteten, aber eine rechte Unterhaltung wollte nicht auf» kommen. Auf allen Mienen lag die bange Frage nach dem Ausgange des Ehrenhandels.

Merkwürdig blieb nur das lange Verziehen des Gegners, denn obgleich bereits die vereinbarte Zeit um eine Viertel­stunde überschritten war, deutete kein Wagengeränsch das Nahen des Professors und seiner Zeugen an.

Anfmerksain horchten alle in den taufrischen Morgen hin­ein, von Zeit zu Zeit die Uhr ziehend.

Endlich ertönte das rasch näherkommende Töff-Töff! eines Autos, dann verstummte es mit lautem Rattern.

Aller Augen richteten sich nunmehr auf den schmalen Weg. der zu der abseits von der Straße liegenden kleinen Lichtung führte, auf der der Ehrenhandel ausgetragen werden sollte. Nach einiger Zeit konnte man das Näherkouimen mehrerer Personen deutlich wahrnehmen. Ihre regelmäßigen Schritte dnrchhallten den morgendlich stillen Wald.

3. Kapitel.

In animierter Stimmung schritr Ladewig neben seinem Gaste durch die Felder nach einem von ihm leibst mit Vor- liebe benutzten Ansitze, den er heute dein Oberst, der bisher oom Glücke recht wenig begünstigt worden, abtreten wollte.

Auch Braunhofen betäub sich in gehobener Stimmung wie sich eine solche nach einem opulenten Diner ja zumeist be allen Sterblichen einzustellen pflegt. Die ländliche Einsamkeit, die frische, würzige Luft genoß er in vollen Zügen. Auch seine Tochter schien wieder im Begriffe, ihre frühere übermütige Saune zu erlangen, sodaß der Oberst bereits in Erwägungen eingetreten war, ob er nicht auf den Aufenthalt an der See verzichten solle, doch war er noch zu keinem endgültigen Ent- fchlnsse gekommen, sondern wollte das Weitere nun der Toch­ter überlassen.

In Eurer Gesellschaft," warf Ladewig auf eine Be- merkmig des Gastes ein,kommt mir Bannewitz ganz ver­ändert vor, und ich selbst merke baß auch au mir, beim ich fühle eine feit langem nicht gekannte Schaffenskraft in mir. Woher das gekommen ist, weiß ich selbst nicht auzngebeu. Nur soviel ist mir klar, daß Euer Besuch damit im Züi.uu- menhang steht. Ledhas- bebaute ich ügt, daß ich uicht eben­falls eine Familie gründete, sehe ich doch an Dir, daß ein glücklicher Vater am ehesten über die Widerivärtigkeiteu beS täglichen Lebens hinwegkommt. Na, vielleicht hole ich daS Versäumte noch nach, denn ich fühle mich wieder als ein Dreißigjähriger," setzte er, Braunhofens Ansicht zu erlauben, hinzu.

Aufmerksam beobachtete er daS Gesicht des Freundes, sodaß ihm keine Regung darin entgehen konnte. Nach reif» licher Erivägnng war er zu dem Eutschlusse gekommen, vor­sichtig bei Braunhafen zu sondieren, fühlte er doch seine Liebe zu Mizzi täglich stärker werden. Ob auch Mizzi seine Gefühle erwiderte, darüber konnte er sich nicht ganz klar werden. Zwar kam es ihm oftmals so vor, als ob auch Mizzi ihn liebe, dann wiederum stürzte ihn ivohl das junge Mädchen durch fein harmloses Benehmen und Plaudern aus allen seinen Illusionen. Ganz deutlich zeigte es ihm da, daß es in ihm nur den Onkel erblickte, dem es. Harmlos alle kleinen Erl-o- nisse und Kümmernisse anvertranen könne, bann sagte ich Ladewig ivohl, daß Mizzi für ihn nicht jene Siebe liegen könne, die zwischen Weid uiid Mann das einigende Band schlingt, aber nur zu gerne berwarf er solche Gedanken gne» her, wenn er Mizzi« Augen freudig und dankbar amlem.-. n sah bei irgend .einer augeuehnien Uebecraschmig, die er ihr bereitet. 255,20