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Areitag, 31. Dezember 1920
72. Jahrgang.
einen Weudkalender für 1921 fügen wir wie o L- Hrlich auch in biedre Jahre wieder für alle B ezichcr d„ „Echlüchterner Zeitung" bei und sprechen dabei die Hoffnung aus, daß er allen Leserinnen und Lesern nur fröhliche und glückliche Taae anzeigen möge.
Zur Zahreswende.
' .Unser eben gehet schnell dahin als flogen wir SabonT^ We wird des Psalmisten Klage verständlicher, als in dem Augenblick, wo die Glocken den Anbruch eines neuen Jahres verkünden. Wie im Fluge eilen die 365 Tage eines Jahres dahin, und sie bedeuten an Zeit und Vergangenheit gemessen, nur ein Stäubchen an oen Speichen des sausenden Weltrades.
Das vergangene Jahr brächte dem deutschen Volke nicht biel des Guten und Schönen. Not und Sorge waren unsere ständigen Begleiter und unsere Marschstraße war steil und dornig. Bruderkrieg und Brudermord durchrasten die Gauen unsres Vaterlandes und Egoismus und Parteihader schienen alles Gute in den Menschen erstickt zu haben. Mammonsucht und Pflichtvergeffenheir gegenüber dem Voltsganzen, ein toller Taumel der Vergnügungssucht und des widerlichsten Ver- schwendertums wären in dem verflossenen Jahre mehr als früher das hervorstechende Merkmal unserer Zeit.
So schwere Krankheitssymptome der Volkskörper auch zeigte, so soll doch auch viele treue, selbstlose Arbeit und viel stilles Dulden und Hoffen nicht unerwähnt bleiben.
M Edle Menschen in fernen Länder reichten unseren Kindern und darbenden Müttern die helfende Hand. Wieviel Elend hierdurch gemildert und Tränen getrocknet wurden, das läßt sich statistisch niemals nachweisen. Aber diese Großtaten der Mchstenliebk leiteten wie glitzernde Sterne in die Nacht der Sorgen, sie zeigen, daß Humanität und wahre Menschenliebe trotzdem und alledem rock nicht ausgestorben sind unb sie geben uns deshalb die Hoffnung, daß letzten Ende? über alle menschliche Niedertracht und Selbstsucht doch das Edle und Gute den Sieg davor,tragen werden.
Wie ein verschlossenes Buch liegt das neue Jahr vor uns. Seine Blätter sind noch unbeschrieben. „Dein Sckßksak ruht in Deiner eigenen Brust!" das gilt nicht nur für Einzel- menschen, das gilt auch für Staaten und Völker. Nur tatkräftiges Sich-felbst-rrgen, ohne auf die Hilfe anderer zu Worten, kann uns von den Nöten der Gegenwart und der Zukunft'befreien. In seiner tausendjährigen Geschichie führte der Weg des deutschen Volkes gar oft durch dunkle Täler und über steile Höhen, aber selbst nach den Tagen der größten Schmach und der Demütigung leuchtete ihm wieder die Sonne des Aufstieges und des Glückes. Hub das ist uns Trost un8 Gewißheit, daß auch nach dieser Zeit eine Zeit der geistigen und sozialen Erneuerung folgen wird. Das Leben der Völker vie der Einzelmenschen hat seine Sturm- und Drangperioden, eine Unwetter und Stürme wie die äußere Natur. Und je iiirmischer das Unwetter, desto leuchtender die Farben des Regenbogens und desto heller die Strahlen der Sonne!
Aus der Heimat.
—* Die letzte Nummer der „Schlüchterner Zeitung" im alten Jahre geht hiermit unseren Leserinnen und Lesern zu. Allen, die uns in langer treuer Freundschaft im verflossenen Jahre ebenso wie früher in unserem Unternehmen zur Seite gestanden haben, sagen wir für die treue Anhänglichkeit an unser Blatt hiermit unseren Dank. Ihre ständige Zufriedenheit mit der Schlöchterner Zeitung zu den politischen, lokalen und sor fügen TageSfragen hat uns bewiesen, daß rv.r in der von der Schlüchterner Zeitung eingeschlagenen Richtung den richtigen Weg brschritten haben. Und diese Zufriedenheit unserer Leserinnen und Leser wird uns ein Ansporn sein, auch fernerhin auf dem von unserer Leserwelt und uns als richtig erkannten Wege fortzufahren, Unbekümmert um die Angriffe von rechts und links, denen wir wie jedes andere ernsthafte Publikationsorgan im Laufe des verflossenen Jahres ausgesetzt waren.
—* (Liga zum Schutze der deutschen Kultur.) Seit Beginn dieses Jahres arbeitet die Liga zum Schutze der der deutschen Kultur auch in unserer Gegend mit Eifer und mit großem Erfolg. Aber in weiten Kreisen herrscht bedaner- licherweise noch Unklarheit darüber, was die Liga ist und was sie will. Zur Klärung hierüber und zur Verbreitung ihrer Gedanken mögen folgende kurze Zeilen dienen. Die Liga zum Schutze der deutschen Kultur entstand im Dezember 1918. Ihre Gedanken drangen in alle Volksschichten und fanden rafche Verbreitung; das stete Anwachsen ihrer Mitarbeiter und Freunde führten dazu, daß die Liga, deren Zentrale fich in Berlin befindet, heute über 15 Landesgruppen verfügt, die sich ihrerseits bis in die kleinen Dörfer hineinverzweigen. In Hessen bestehen zur Zeit 80 Ortsgruppen. Welches find die Gedanken der Liga, welches die Ziele? Die Liga ist keine politische Partei, sondern sie will innerhalb aller Parteien, deren Ziel ein geordnetes Staatswesen ist, an der Aussöhnung der Gegensätze helfend Mitarbeiten. Die Gegensätze, die in den Parteien zum Ausdruck kommen, müssen aber vor allem im Volke selbst gemildert werden. Daß das nach dem Erleben des großen Weltkriegs, der mit unserer strategischen Niederlage abschloß, nicht von heute auf morgen geschehen kann, wird sich jeder Einsichtige sagen. Umsomehr ist es nötig, mit einer großzügigen Arbeit einzusetzen, die viel Selbstverleugnung verlangt, mühevoll und schwierig ist. Es gibt aber keinen anderen Weg aus dem jetzigen Elend herauszukommen, als den, daß wir uns wieder als Gesamtheit, als Volk fühlen, daß jeder sich bewußt wird, daß er auf den anderen angewiesen ist, und nicht mehr in ihm den politischen Gegner, den Feind fleht. Hierzu ist vor allem auch nötig die Kenntnis unserer geschichtlichen Entwicklung, wie die Grundzüge unseres Bolks- charakterr, Innerlichkeit und Individualismus bei Ueber- spannung zu unserem Zerfall führten. Wollen wir das heutige Geschehene verstehen, so muß jeder auch über ein