Mchterner M!ung
Anzeiger für Die amtlichen Lekanntmachungen im «Kreise Zchikchlem.
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Schlüchterser 4»Ä ,.... — ^ ........
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«elte»e Sdtaxg im «reife; ertrinkt im Zahre 1849. gM^^
Stummer 1140L
L 144.
Dienstag, den 7. Dezenebsr 1828
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73. Jahrgang
Aus der Heimat.
—* (Die Kinderhilfe in Hessen.) Mittwoch vor- Mag fand im Regierungsgebäude zu ®iffd eine Besprechung der verschiedenen Vereinigungen statt, die i stch über die auch in Hessen nunmehr einsetzende Sam- mellätigkeit für die notleidenden Kinder befaßte. Es wurde beschlossen, daß die öffentlichen Sammlungen Anfang Januar beginnen sollen. In den Kirchen wird bereits an den beiden Weihnachtstagen zu dem gleichen Zweck gesammelt.
—* (Einzelanträge Kriegsbeschädigter und Kriegs- Hinterbliebener.) Beim Reichsarbeitsministerium und anderen Zentralstellen in Berlin laufen täglich zahlreiche Anträge einzelner Kriegsbeschädigter und Kriegshinter- bliebener auf Vermittlung einer Arbeitsstelle, Gewährung eines Darlehns oder einer Unterstützung, Hergabe von Kleidungsstücken usw sowie auch Beschwerden ein. DaS Ministerium kann diese Gesuche nicht von sich aus erledigen. Zu ihrer Behandlung find vielmehr die Fürsorgestellen und Haupifürsorgeüellen der Kriegsbeschädigten- und KriegShinterbliebenenfürsorge zuständig, an die das Ministerium diese Anträge daher weiterleiten muß. Hierdurch entsteh:« selbstverständlich Ver- zögerungen. Es liegt daher im Interesse der Kriegsbeschädigten und KriegShinterbliebenen selbst, daß sie alle ihre Anträge und Gesuche mündlich oder schriftlich unmittelbar an die für ihren Wohnsitz zuständige örtliche Fürsorgestelle der Kriegsbeschädigten- und KriegS- htntervliedenensürsorge richten." Solche Fürsorgestelleu bestehen bei allen unteren VerwaÜungsbrhörden. in Preußen bei den Landratsämtern und Magistraten. Soweit Fürsorgestellen zur Erledigung einer Angelegenheit nicht zuständig sind, geben sie das betriffenbe Gesuch ohne weiteres an die zuständige Stelle weiter.
—* (Zahlung d-s Reichsnotopfers.) Von amtlicher Seite werden die Abgabepflichtigen auf folgendes hin- gewiesen: Kriegsanleihe wird auf das Reichsnotopfer nur noch bis zum Ablauf dieses Jahres angenommen. Ane allgemeine Verlängerung dieser Frist ist nicht zu erwarten. Die KriegSanleihestücke sind bei den bekannt- gemachten Annahmestellen, die auch beim Finanzamt uf'agt werden" können, hinzugeben. Anträge auf UebertiTagung von Reichs-Schuldbuchforderungen dagegen «ei 6er ReichsschUldenverwÄtung (Schuldbuchattgelegen- heit) in Berti.: zu stellen. In beiden Fällen sind von dem Aulieferer besondere Vordrucke auszufüllen, die «ei den Finanzämtern erhältlich find. Bei der I«- zahlunggabe von Kriegsanleihen auf das Reichsnot- °Pfer und die Kriegsabgaben werden fällige Zinsscheine nicht angenommen. Erneut wird auf die Vorteile der taten Vorauszahlung des Reichsnotopfers aufmerksam -macht. Auf Zahlungen dieser Art bis zum Ende
dieses Jahres wird eine Vergütung von vier vom Hundert gewährt; für 100 Mk. Steuer find mithin nur 96 Mk. zu zahlen. Mit dem Tage der Zahlung erlischt die Verpflichtung zur Verzinsung des durch Zahlung getilgten Betrages. Je früher die Zahlung erfolgt, um so weniger Zinsen find mithin zu entrichten. Die Zahlungen, die 96 Mk. oder ein Vielfaches hiervon betragen müssen, können bei den Finanzkaffen oder den mit der Wahrnehmung der Geschäfte einer solchen beauftragten Kasse, den Reichsbankanstalten sowie den als Annahmestellen für bare Vorauszahlungen bestimmten öffentlichen Sparkassen und öffentlich-rechtlichen Kreditanstalten erfolgen. Einzahlungen bei den Reichsbankanstalten, Sparkassen oder Kreditanstalten sind nur unter Ausfüllung eines Vordrucks zulässig, der Lei diesen Stellen erhältlich ist. Die Zahlung gilt nur dann als vor dem Ablauf dieses Jahres erfolgt, wenn das Geld den genannten Kassen spätestens am 31. Dezember zugegasgen ist. Für Brträze, die — gleichgültig aus welchen Ursachen oder Gründen — erst nach diesem Tage bei den genannten Kassen eingehen, wird die Vergütung nicht mehr gewährt. Es warte besser niemand bis zum letzten Augenblick. — Abgabepflichtige, die nicht imstande sind, den ungefähren Betrag ihrer AbgaLenschuld zu berechnen, erhalten vom zuständigen Finanzamt Auskunft. Wer mehr einbezahlt, als seine Schuld beträgt, läuft keine Gefahr. Die Zuvielzahlungen werben nach Feststellung der Abgabe erstattet, und zwar die Laren in bar, die in Kriegsanleihe in Kriegsanleihestäcken, Uekerzahlungen von mehr als 800 Mark werden mit 5 vom Hundert vom Tage der Zahlung an verzinst. (§ 132. A O.) Nach einem Gesetzentwurf, dem der Reichsrat zuge- stimmt hat, haben die Notopferpflichtigen ein Zehntel ihres abgabepflichtige« Vermögens, mindestens aber ein Drittel bei Abgabe bereits im nächsten Iah.? in Lursi Raten zu entrichten. Nur in bestimmt bezeichneten Fällen wird der zu zahlende Betrag ermäßigt oder ganz oder teilweise gestund, t werden. Dies möge jeder Ledenken, der noch schwankt, ob er das Reichsnotopfer alsbald bezahlen soll.
Hk. Zur Zahlung des Reichsnotopfers find als Annahmestellen weiter zugelassen worden: Leihbank zu Hanau (füt Barzahlung und Wertpapiere,) Kreis- Spar- und Leihkasse zu Gelnhausen und Kreissparkassr zu Schlüchtern (für Wertpapiere), Kreissparkassr zu Gersfeld (für Reichsanleihe), Städt. Sparkasse zu Schlüchtern (für Barzahlungen und Reichsanleihe)
—* (Ersatzleistung für Wertpakete.) Die Reichs- verwaltung, die bisher bei der Schadenersatzleistung für Wertsendungen den Absendern in Höhe der Herstellungskosten der Sache entschädigt hatte, ist dazu überge- gangen, die Ersatzleistung auch auf den Unternehmerge
wiNn, soweit ein solcher üblich und angemessen ist, auszudehnen.
—* (Kein Ursprungsschein mehr für Bahnversand von Brennholz.) Der Regierungspräsident hat die Verfügung aufgehoben, wonach der Bahnv^rscmd von Brennholz (Stock-, Schnitt- oder Klobeuholz, Knüppel, oder Prügelholz) in ganzen Wagenladungen von der Erteilung eines Ursprungsschelnes abhängig gemacht wird.
—* Die Zuschüsse für nicht staatliche höhere Lehranstalten, die der preußische Staat leistungsschwachen Gemeinden zur Durchführung des Beamtendienstein- kommengesetz-s vom v. Mai 1920 gewährt, find bekanntlich an die Bedtvguuz geknüpft, daß der Staat künftig auch an diesen Anstalten ein^ Teil der Lehrstellen von sich aus besetzt. Darr« hat man einen schweren Eingriff in das SelbstverwaltungSrecht der Kommunen erblickt. Es muß jedoch festgestellt werden, daß die bisherige P-^xis, nach der die Kommunen stch die besten der auf Kosten der Allgemeinheit ausgebildeten Anwärter aussuchten und der Staat die Uchrigbletbea- den zu versorgen hatte, zu unhaltbaren Zuständen geführt hat, die das Interesse der Allgemeinheit schädigen.
—* Die Reisebrotmarken alten Musters (großes Format) verlieren nach einem Erlaß des Preußischen Landes-Getreide-Amtes mit dem 31. Dezember ihre Gültigkeit. Ein Umtausch der alten Marken in neue ist nicht zulässig. Vom 1. Januar 1921 find nur noch die neuen Marken (kleines Format) gültig.
^Schlüchtern. Entgegen unserer Notiz vom Samstag, wonach das Sehrpersonal der hiesigen Lateinschule wegen Gehaltserhöhung in Streik getreten ist, erfahren wir, daß die Lehrer unserer Fortbildungsschule wegen Gehaltsdifferenzen seit Freitag streiken.
* Zangendiebach. Der 22 Jahre alte Goldschmied Kleinert von hier wurde am Abend auf dem Heimwege, der ihn durch einen Wald führte, 'von btei Männern überfallen, die ihm die Brieftasche mit 500 Mark Inhalt abnahmen. Als der Beraubte zu entkommen versuchte, wurden ihm mehrere Schüsse nachgesandt, jedoch ohne ihn zu treffen. Von den Tätern fehlt jede Spur.
* Hanau a. M Diebstähle von Kleinvieh, besonders von Hasen, sind jetzt in Hanau und Umgegend an der Tagesordnung. Anzeigen dieser Art laufet, fortwährend bei der Polizei ein.
* Ktrchhain. Ein tätlicher Angriff wurde auf dem Bahnhof auf den Hiestgen Landjäger verübt. Derselbe hatte einen Burschen wegen Diebstahls verhaftet und wollte ihn nach Niederaula in das AmtsgerichtSgefängnis übersühren. Mit einem Knüppel wurden dem Beamten mehrere Schläge auf den Kopf versetzt.
* Dbersotzbach. Beim Holzfällen im hiesigen Ge-
N«terhaltu«gstrU.
Iremdes Schickfat.
Von Hans Bauer.
, Ich bin über dem Oeffnen des Briefestapels, den leder Morgen auf meinen Tisch weht. Da ein Brief M einer Redaktion, da einer von meinem Dresdener Mund, da wieder einer von einer Redaktion, da eine »lucksache von einer Aluminium-Kochlöffelfabrik und da: Lieber Heinrich!
Seit 6 Wochen hast Du mir keine Zeile mehr geschrieben. Ich vergehe fast vor Unruhe und weiß nicht, was daraus noch werden soll. Wenn ich auch in dieser Woche nichts von Dir erhalte, geschieht irgendetwas. Entweder reise ich Hals über Kopf von hier ab und komme zu Dir. Oder ich — schreibe 3da. Jawohl: Ich schreibe Jda! ! Ich bin jetzt w einer Stimmung, in der ich zu allem fähig bin. Vielleicht sogar dazu, mir eine Kugel durch den Ms zu schießen. Denn ich habe die furchtbare Ahnung, daß Otto doch rechthatte. Also bitte, bitte «me lieber Heinrich ! Schreibe mir noch diese Woche. Ich muß nun wissen, woran ich bin.
: ' Deine Käthe.
Ich schließe für einen Augenblick die Augen. Lieber Heinrich — _ Otto — Käthe. Nein, nein: stimmt etwas nicht. Was steht denn eigentlich N dem Kuvert? Herrn H. Brauer, Körnerstraß?. Jio eine Verwechslung. Dieser Brief ist gar nicht “’^ gerichtet. Ich hatte ihn versehentlich geöffnet ^e in Zukunft nicht so schnellfertig jeden auf link ^W liegenden Brief unbesehen öffnen dürfen.
*« wer ist denn der Absender? Käthe Tiefenbach,
Hamburg, Seestraße 108. Ich übelfliegs noch einmal die Zeilen. Was werden sie miteinander haben, dieser Heinrich und diese Käthe? Und wer wird Otto, wer Joa fein ? Ich versuche zu konstruieren: „Vielleicht hat Otto recht....": Otto scheint eine düstere Befürchtung Käthe gegenüber ausgesprochen zu haben. „Jawohl: ich schreibe Jda! Das klingt wie eine Drohung. Käthe scheint von Heinrich etwas zu wissen, was Jda von ihm nicht wissen darf. In welchem Verhältnis werden Käthe und Jda zueinander stehen? Ob ste sich duzen? Wo Jda wohnen mag ? Wahrscheinlich hier. Wenn sie in Hamburg wohnte, brauchte Käthe ihr nicht zu schreiben. Und wie nun Otto zu Jda stehen wird? Darüber geht uichts aus dem Briefe hervor. Es geht überhaupt letzten Endes nichts aus dem Briefe hervor. Weiß ich denn, ob Käthe nicht vielleicht nur eine Qnerulantin ist. Aber natürlich: diese Worte können auch mit Blut geschrirbkn fein. Können der Exrrakt einer fürchterlichen Verzweiflung sei«. Was gehr'S mich schließlich an. Ich werde dem Briefträger den Brief zurückgeben und bedauern, daß ich ihn versehentlich öffnete. Das könnte ich. Und die Sache märe für mich dann erledigt. So erledigt, wie ste es wäre wenn der Brief sich nie in meine Finger gedrängt hätte. Aber nun, da er es doch getan hat, geht es da an, einfach beiseite zu stehen? Ob ich jenen Brauer einmal aufsuche? Oder ob ich jener Käthe schreibe? Einen Tcostbrief: Sie solle nicht verzweifeln! Das Leben sei zu reich, als daß es sich lohnte, es einer Enttäuschung wegen wezzuwecfe«. O! Ich glaube schon, daß ich beiden ein gut Sprüchlein auf den Weg geben könnte, sie lehren könnte, ihr Geschick von einer höheren Warte aus zu betrachten, als ste.es tun.
Und wenn ich 's täte: was wohl die Folge wäre?
. Ach l Herr Brauer würde mich wahrscheinlich mit strengem Blick messen, entrüstet fragen, was mich das alles angshe, und mir dann die Tür weisen. Und jene Käthe: sie würde mir entweder gar nicht antworten, oder über meine Zudringlichkeit empört fein. Beide würden sie mir, dem Fremden gegenüber, den Korrekten spielen. Ihre" Seelen sind durchwühlt. Möglicherweise wenigstens. Aber sie empfänden es abgeschmackt, mir dieses Durchwühltwerden zu gestehen. Die beide« sind uneinig. Aber darin würden sie etn'g sein, daß das Geheimnis ihrer Uneinigkeit den postalischen Gesetzen unterliegt.
Wenn einer heut aus der Straße ob-mächtig hin- sinkt, so erfülle ich eine Menschenpflicht, wenn ich, cl« zufälliger Passant, mich seiner annchme. Keiner würbe mich der unbefugten Einmischung in fremde Angelegenheiten zeihen, am wenigsten der Kranke. Wenn iA aber zufällig von einer anderen Ohnmacht erfahre ^i» ' helfen zu können glaube so .... so ... .
Nein, nein; ich kümmere mich nicht um dieser« Heinrich und jene Käthe. Ich werde korrekt sein, w.e sie korrekt sein würden Ich werde dem Postboten heute nachmittag den Brief zurückgeben.
Mein Entschluß ist gefaßt. Schon ist der ©rief beiseite gelegt. Schon bin ich in die Lektüre der Kochlöffelpropaganda versunken.
Draußen tobt die Welt. Lebt ein Heinrich und eine Käthe und ein Otto und eine Jda. Vielleicht löscht die Käthe bald ihr Leben aus. Vi'lleicht wird die Seele der Jda morgen von einer Eruptsion heim- gesucht. Draußen tobt die Welt.
Ueber dieser Welt steht die der postalischen Gesetze, der Form und der Korrektheit. (D. Allg. Ztg.)