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Wuchterner Zeitung

Anzeiger für die amtlichen HetzmmtnmchmWn im Areise 8chlkchtern.

ESpreiS frei Hans, vorauszahldar ^ t a a KDK^L Schlächter«^ Krmsttatt

H.-T. Hahmeikrr, Schlächtern, ^crrr«

WV^L'WE «»l«*» «e«»r im «reist; hM im 3rtw 1849.

Anzeige»: N Zeile oder deren Ra»m 70 Pfg., Reklamezeile 9, Mk. Bei Betriebs- störungen kein Schadenersatz oder Minder. zebÄtzr einschließlich BezugS. Keine «rwShr ?Sr Platz, Ausnahme.t and Brlealiesernng Kein Nachlaß bei gerschtlichen Zwischenkoken. Zählkarte Frankstrrt a. Main Nu,nmrr 11402.

K 139. D»nne«stas, dem 25. Mevembet 1920. 72. Iahegang

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Der Loynaözug.

6(tte Anfrage im Reichstag wird vom Reichsminister htS Inner« im Einvernehmen mit dem Herrn Reichs minister der Finanzen und dem Herrn ReichSarbeits- minister wie folgt beantwortet:

Die Retchsregierung hat mit Bedauern beobachtet, ^6 in einzelnen Gegenden die Arbeiterschaft durch M»erantwortlicht Hetzer dazu verleitet worden ist, Gewalttätigkeiten gegen die Leiter industrieller Betriebe zu begehen, weil diese ihre gesetzliche Pfl.cht für das Rtich die Steuer vom Lohn einzubehalten, erfüllen. Sie hat sich deswegen sofort mit den Ländern, denen In erster Linie der Schutz der öffentlichen Sicherheit obliegt, in Verbindung gesetzt, damit gegen derartige Gewalttaten nachdrücklich eingeschritten wird. Dies ist auch in vielen Fallen geschehen.

Die Gründe, die zur Einführung des Steuerabzugs »am Arbeitslohn geführt haben, sind bereits wiederholt und ausführlich dargelegt worden. Die Rcichsregierung hat durch Veröffentlichung in der Presse, durch Füh­lungnahme mit den einzelnen Interessenvertretungen und Berufsorganisationen alle erforderlichen Schritte unternommen, um den Gedanken des Steuerabzugs vom Arbeitslohn, dessen Durchführung eine Lebensnot- wendigkeit für das Reich und die Länder ist, durch- zusetzen.

Nachdem die gesetzlichen Vorschriften über de» Steuerabzug vom Arbeitslohn erlassen sind, muß dir ReichSregierung daran festhalten^ daß diese Vorschriften auch- durchgeführt werden. Die Buchführung des Steuerabzugs vom Arbeitslohn trifft auch nicht nur den Ärbeiter/ sondern in gleichem Maße auch alle Angestellten und Festbesoldeten. Durch den Steuerab­zug vom Arbeitslohn bei der einzelnen Lohnzahlung wird, die Steuerzahlung dem einzelnen Stcuerpflichtigcn erleichtert und nicht erschwert, denn die Zahlung der Steuersumme in Vlertcljahrüratea oder in noch größeren Teilbeträgen wäre zahlreichen Steuerpflichtigen und in£be|onbere gerade den auf Lohn ober Gehalt ange- wlescn-u. Steuerpflichtigen nur unter schweren Opfern möglich. ' ,

Aus der Heimat.

* Eine wirklich sachgemäße Pflege des Schuh-, unb Ledermaterials sollte sich jede Hausfrau zur ersten Pflicht machen. Beim Einkauf von Lederkreme darf deshalb nicht der Preis, sondern die Zusammenstellung des Fabrikats ausschlaggebend sein. Die Firma Carl Gtntner, ®öppIngen, bringt, wie im Frieden, wieder Schnhputz Rigrin mit Banderole Schutzmarke der bekannte Schornsteinfeger aus garantiert reinem, ffanzösischem oder amerikanischem Terpentinöl, ohne

Feindliche Brüder

Roman von Jost Freiherrn von Steinach. 74

(Forts etzung.)

Seine Erregung stieg von Minute zu Mmute, je mehr er sich der Entscheidung näherte. Wenn er auch i» seinem Beruf an solche Situationen gewöhnt war, !» ergriff ihn doch stets knapp vor. dem Haupicoup eine gewisse nervöse Bangigk.it, wie ja selbst berühmte Schauspieler vor Beginn jeder neuen Premiere ihr Lampenfieber bekommen.

Jetzt war ste wieder heruntergestiegen, sie hielt o welche Wonne! das Heißersehnte, Begehrte ill den Handen ! Wenn man in dieser Sekunde hätte hineindringen können, um iS ihr aus den Fingern zu "ißen und ihr triumphierend zuzurufen:Meine Gnädigste, das gehört jetzt mir, mir ganz allein!"

Und plötzlich erfaßte ihn eine wahnsinnige Furcht, sie könnte es nehmen und in tausend Stücke reißen und die Fetzen so verstreu n, daß nichts mehr übrig ostibt, uichzs mehr von ihrem Verbrechen zeugen könnte, ein Unschuldiger sein Leben lang für ihre Freveltat Wen müße.

Er lehnte krampfhaft das Obr an die Türe, doch et vernahm nichts mehr, und seine Nervosität stieg bis M Fieberhitze. Unb plötzlich kam ihm ein raffinierter Gedanke. Er schlich bis zum Eingang der entgegen-, Atzten Türe zurück, schloß diese, damit man außen hören könne, nun rannte er wie wahnsinnig mit Ahnenden Stritten gegen die Boudoirtürp und schrie Met, indem er mit Fäusten gegen das Holz donnerte: rv^u Baronin, Frau Baronin, machen Sie auf, »Euer! Fe^r!"

Darauf ein Aufschrei tm Zimmer, ein rasches Her-

jeden Zusatz von Ersatzstoffen, in den Handel, bei dessen Verwundung das ß^ber geschont und erhalten, waffer« dicht und geschmeidig gemacht wird. Durch Behand­lung mit Rigrin wird ein frühzeitiges Brechen des Leders vermieden und bei sparsamstem Gebrauch auf den ersten Bürstenstrich ein prachtvoller, tiefschwarzer Dauerhochglanz erzielt.

* (Die Schulen sind lebenswichtige Betriebe.) Dtt Reichskohlenkommissar hat angeordnet, daß die Schulen betreffs der Zuteilung von Kohlen als lebens­wichtige Betriebe antuschen sind, soweit die Allgemein­heit durch örtliche Verhältnisse unter dieser Annahme uicht zu sehr leidet. Dadurch sollen die Kälteferien tunlichst verhindert und die Gesundheit.der Schüler geschützt werden.

-* Im ländlichen Haushalt tritt jetzt winterliche Ruhe ein. Die schwere körperliche Arbeit draußen auf Feld und Flur ruht für einige Monate; man kann morgens ein Stündchen später aufstehen und abends etwas länger beieinander sitzen. Untätig ist natürlich weder der Landwirt noch, sein Personal auch im Winter. Es gibt auch jetzt noch allerlei Arbeiten zu verrichten. Die Feld" und Gartengeräte müssen ausgebeffert und gesäubert werden. Sämereien werden aussortiert, Maler- ^und Maurerarbeiten im Hause vorgenommen u. bergt Damit vergeht ebenfalls noch manche Stunde, so daß man nicht allzusehr aus der Gewohnheit kommt. Dafür präsentiert sich dann im nächsten Frühjahr das ganze Anwesen in neuem, frische.'. Glänze und alles zur Arbeit dienende Gerät ist dann, wenn draußen die Bestellung neu beginnt, wieder in bester Verfassung.

* (Hrimaibund Schlächtern ) Auf die VolkSvorstellung zu ermäßigten Preisen des Frankfurter Künstler Theaters für Rhein und Main am Donnerstag, abends um 7 Uhr in der städtischen Turnhalle sei nochmals h'ugemiesen. Zur Aufführung gelangt Schill-rs-Kabale und Liebe. Karten im Vorverkauf bei Fräulein Kmll Breitenbacherstraße Nr. 2. und an der Abendkasse.

* Schlüch-ern. (Evangelische Gemeinde.) Auf den am nächsten Sonntag, dem ersten Adventssonntag, in der Kirche stattfindendr« Gemeinde-Abend machen wir auch hier aufmerksam. Der bekannte hessische Volks- schriftstcller, Heinrich Raumanu hr Ttauzhausen, der von einem früheren Vertrag in einer Heimatbuadver- sammluug hier in gutem Andenken steht, wird über unsere Heimatkirche und unsere Jugend sprechen. Der hiesige Männerchor und das Seminar-Stceichquartelt haben sich freundlich bereit erklärt mir ihren Dar­bietungen den Abend zu einem recht erhebenden zu gestalten.

drieilen, und im nächsten Augenblick wurde b;e Tön ausgeschlossen. Mit einem Sprung war Weiler drin und ließ seine forschenden Augen nach allen Seiten und besonders nach den Händen der Baronin i schweifen.

Doch sie trug nichts in der Hand, als sie schreck- kensbleich fragte:Um Gottes willen, wo ist es?" Dabei flog ihr unruhig fllackernder Blick nach dem Sessel hinüber, auf dem ein gesticktes Kissen lag. Er bemerkte sofort, daß darunter etwas verborgen sei, als er erwiderte:Frau Baronin, ich habe eine so entsetzliche Angst bekommen es brennt drüben in der Villa Fürstenberg!'

Nun runzelte sie ihre Augenbrauen und rief unwillig:Das sind ja fünf Häuser von hier! Und deshalb machen Sie solchen Lärm?"

Entschuldigen Sie gütigst, Frau Baronin, aber meine Furcht," und dabei schsängelte er sich ganz langsam nach dem ominösen Sessel, auf dessen Polster er den gesuchten Schatz vermutete. Wie ein Blitz erschien ihm auch, als er ein Driiie! einer Sekunde hochsah das Bild der off wn Wandöff»ur.g, die ihm den letzten Beweis für seine Vermutung an die Hand gab.

Gehen Sie und lassen Sie mich allein!" herrschte ihn die Frau an, doch zugleich hatte sie auch '1chon seine vedächeigcn Bewegungen bemerkt., blitzschnell stürzte sie auf ihn zu, doch er war schneller als sie und hatte mit raschem Griff die Ha :d unter das K stell gesteckt da hielt er das vermißte Testament wirklich und wahrhaftig in den Händeu.

Was unterstehen Sie sich, Unverschämter!* schrie die Baronin, aus deren Antlitz das Blut gewichen

* Schlächtern. Montag abend wurde im Hotel Stern, hier ein Herrenfahrrad Mohle".. Von hem Dieb fehlt jede Spur.

* Schlächtern. Das Samstag- u. Sonntag-Programm beSÜ. T. enthält diesmal das sensationelle Dedektiv-Drama: Der Schrei um Hilft. Brill Roid, der berühmte Detektiv ist in seinem Klub. Geheimnisvolle Einbrüche bilden den Gesprächsstoff. Ein hoher Preis ist ausgesetzt für Ermittlung der Täter.Das ist etwas für unseren Freund Roid", heißt eS! Der Dektiv lächelt und schweigt. Noch in derselben Nacht wird ber Detektiv entführt. Einsam gefesselt wird er in eh rot Landhaus zurückgelaffer. Auf der Suche nach einem Ausweg findet er eine Leiche! Ein junges Mädchen befreit ihn. Das Haus, so erzählt sie ihm, gehört einem Russen, einem Maler, dem sie Modell steht, und beten Freund die Polizei erkennt in der Leiche, einen betar um jungen Lebemann. Eine Spur des Mörders scheint unauffindbar. Die seltsamsten Geschehnisse zeigen sich jetzt. Eitse Bride, das Modellmädchen, wird Rotd's Gehilfin. Durch Verbrecherviertel, über Hausdächer in abenteuerlicher Flucht, auf Verbrecherjagd. Auf dem Motorrad sehen wir das mutiges Mädel von seinem neuem Beruf geführt, getrieben von dem Wunsche, den Maler von jedem Verdacht des Mordes zu reinigen. Auffindung der Verbrecher und Rechtfertigung der Russen ist neben Brill Roids Geschicklichkeit Verdienst ihres Mutes und ihre Liebe, die in glückliche Vereini­gung mit dem Maler auch dann den Wohlverdienten Lohn ^ubti.

* Hanau a. M. (Freiwillig aus dem Leben ge­schieden.) Ein 16jähriges Mädchen von Hanau, das sich vor wenigen Wochen aus ihrem Elterahause ent­fernt hatte, ist in der Nähe des KLegeS hinter dem Mestbahnhof als Leiche aus der Kinzig geländet worden.

* Höchst. (Eine vorsorgliche Mut er.) Das Höchster Kreisblatt" schreibt: Bor einigen Tagen erschien eine Frau mit ihrer 14jährigen Tochter beim hiesigen Mietsamt und verlangte die Aufaähme des Kindes in die Liste der Wohuuugsfi'.hcnden. Als man ihr sagte, daß bei der übergroßen Fülle der Be­werber vorerst sei - Anmeldungen mehr angenommen würden und außerdem ein 14jährigeS Mädchen doch wohl auch noch nicht auf eine Wohnung für stch An­spruch habe, wurde die Frau rabiat und verfocht ihren Antrag mit folgender BegründungIch weiß wohl, daß die Kleine jetzt noch keine Wohnung braucht - aber bis sie bei Euch an die Reihe sammt, dauert- ja immer bis fünf Jahre oder noch länger, und bis dahin ist sie heiratsfähig. Dann braucht sie Line Wshxuag, und deshalb verlange ich . . ." usw.

war : sie machte Miene, es ihm gewaltsam fortzureißrn, aber so leibten Kaufes ließ er seine Beute nicht fahren, er hob das Aktenstück hoch empor und rief:Keinen Schritt weiter, dieses Dokument ist das langgesuchte Testament, hierauf hat vorläufig keiner ein Anrecht, als das Gericht! Geben Sie den Weg frei ober"

Er wollte rasch an ihr vorbetschlüpfe« und den Ausweg gewinnen, da zog sie geschwind einen kleinen Revolver aus. der Tasche, schlug auf ihn an und stieß mit heiserer Stimme hervor:Stehen Sie still ober ich schieße!"

Doch er wandte sich nicht um, fonberu eilte mit beschleunigtem Fuße weiter. Schon hatte er die Türe des Vorzimmers erreicht, da drückte sie ab, die Kugel flog mit kurzem Knall dicht an seinem Kopf vorüber und schlug in die Türe.

Ja der nächsten Sekunde war er draußen, warf sich in das erste beste Gefährt, und einige Minuten nach der Katastrophe r 1 er mit seiner Trophäe seinem Büro in der Frledria, iti^ zu.

21 Kapitel.

Am zweiten Morgen nach diesen Ereignissen wurde die'Rerchshauptstadt durch folgende Anzeige überrascht, die in jämtlichcn aroßeü Blätter» zu lesen war : Statt jeder besonderen Meldung Vorgestern abend verschied plötzlich ant Herzschlag unsere i.migstgeliebte Mutter Lona Freifrau von Ranzenberg, -eb. von Reichenau und Heckstadt. Dies zeigen betrübt an d e trauernde« Kinder: Hans Freiherr v. Ranzenberg. Edgar Freiherr v. Ranzenberg. Berlin, den 5. April 1901.

(Schluß folgt.)