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Zchluchterner Zeitung

Anzeiger für die amtlichen Lekanntmachunuen im Rreise

htüchtern.

BezugSpreis frei Hans, vorauSzahlbar viertelt. 6,80 M., (durch die Post ohne Bestell- gelb). Erscheint DimStagS, Donnerstags und TamStagS Druck und Verlag L. Hovmeister, verantwortl. H.-L. Hohmeister, Schlüchtern. Fern- ms 65. Erfüllungsort für den gesamten Be- schSftSverkehr mit der Firma Schlüchtern.

Lchlüchterner Kreistzkatt

Weiteste Sdtmg im Meise; gegricktzet im Jahre 1849.

«»zeige» r H. Zeile oder derea Raum 70 Pfg., Reklamtzette 2,- Bei Betriebs­störungen kein Schadenersatz oder Minder- gebühr einschließlich BezugS. Nein: UewLhr für Platz, Aufnahme-Zeit und FeleglL.tnmg. Kein Nachlaß bet gerichtlichen Zwischenkoste'. Zählkarte Frankfurt a. Main Nummer 114~.

JH 134.

Samstag, den 13. Nsvember 1920.

72. Iahrgai ,

Landwirtschaftliche Winter schule in Schlüchtern.

Donnerstag vormittag 9 Uhr wurde in Anwesen­heit der Kreis- und städtischen Behörden, der Lehrer­schaft und vieler Landwirte des Kreises, sonstiger Gäste und über 40 Schülern dir landwirtschaftliche Winter- schule in Schlüchtern eröffnet.

Herr Landrat von Trott zu Solz begrüßte die erschienenen Gäste und die Schüler sowie das Lehrer­kollegium der Winterschule und wies darauf hin, wie Nebeinstimmung darüber bestehe, daß eine Gesundung unseres darniederliegenden Wirtschaftslebens nur durch Steigerung der Produktionsfähigkeit bewirkt werden könne. Diese Erkenntnis sei auch bei denen durchge- druugen, die bisher nur das Heil in der restlosen Erfassung und gleichmäßigen Verteilung der Erzeugnisse gesehen hätten. Es sei notwendig, eine leistungsfähige Landwirtschaft zu schaffen und zu erhalten. Nur so werde unsere infolge der Verringerung der Anbaufläche durch den unglücklichen Allsgang des Krieges gefährdete Ernährung sichergestellt und unsere Abhängigkeit vom Ausland beseitigt werden können. Es gelte die Land­wirtschaft kaufkräftig zu erhalten und durch diese der Industrie und dem Handel lohnenden Absatz zu ge­währleisten, wodurch indirekt auch für die große Waffe der landlosen Industrie-Arbeiter Vrrdienstmöglichkeit geschaffen werde, und deshalb sei eS notwendig, alle Anstrengungen darauf z« richten, die Maßnahmen zu fördern, die bald und nachhaltig die Wirtschuftsbetriebe vorwärts bringen könnten. Hierzu gehöre lyndwirt- ^Haftsichtt Unterricht und Ber ing ' " B^schafM-^ klebe. Es sei zwar nicht möglich, eine plötzliche Umstellung vernachlässigter Betriebe zu bewirken, son­dern nur allmähliche Umgestaltung könne sie vorwärts bringe». Hierüber bestehe zwischen Regierung und Landwirtschaft Uebereinstimmung, insbesondere auch hier im Kreise, wo die erste Anregung zur Gründung ) einer landwirtschaftlichen Winterschule vom landwirt- i festlichen Kreisverein ausgegangen und wo der KreiS- ! tag und die Stadt Schlüchtern durch opferwillige Bereitstellung der Mittel das Unternehmen fichergestellt hätten. Es wäre erfreulich, daß es gelungen sei, die I Winterschule mit Hülfe des Staates und der Land« «irschaftskammer schon in diesem Jahre einzurichten j und für ihre Leitung einen bleibenden Lehrer, Herrn ! Direktor Müller, zu gewinnen, der zusammen mit Herrn Hauptlehrer Krause und Herrn Lehrer Kuno den Unterricht übernehmen werde. Ec wünschte der Schule

I SUteS Gedeihen.

Herr Bürgermeister Stückrath brächte die Glück­wünsche der ^ labt Schlüchtern zur Errichtung der

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Schule dar und wünschte ihr eine günstige Entwickelung und die besten Unterrichtserfolge.

Der Leiter der Schule, Herr Direktor Müller, dankte für die freundlichen Worte der beiden Vorredner, und allen denen, die sich um das Entstehen der Schule verdient gemacht haben. Besonderen Dank sagte er den Eltern der Schüler, die in richtiger Erkenntnis der Lage ihre Söhne so zahlreich der Schule anver­trauen und Herrn Inspektor Preiß, der in uneigen­nütziger Weise an dem Zustandekommen der Schule gearbeitet habe Er wies in längeren Ausführungen auf die -schwierige Lage der Landwirtschaft und auf die Hetze gegen sie hin, für die den jungen Landwirten nur ein reiches Wissen als Waffe gegeben werden könnte. Auch die Mehrleistungen, nach der die Land­wirtschaft im Pflichtbewußtsein gegen die ^Allgemein- heit strebe, könne nur durch ein reiches Wissen erreicht werden und hiermit die Unabhängigkeit von -,dem Auslande eine Stärkung erfahren. - Herr Direktor Müller schloß seine Worte, indem er seine Freude darüber zum Ausdruck brächte, daß sich auch soviele ältere Schüler zum Unterricht gemeldet haben und brächte den Wunsch zum Ausdruck, das Unter­nehmen von allen Seiten zu unterstützen.

Als einer aus der Zahl derer, die als Freunde der landwirtschaftlichen Winterschule zu ihrer Eröffnung eingeladen waren, begrüßte Herr Superintendent Orth diese dankenswerte Neuveranstaltung und sprach den Wunsch aus, daß durch die Arbeit der Schule aus den vorwärts- und aufwärtsstrebenden Söhnen unseres Kreises viele tüchtige Landwirte, den Anforderungen der Gegenwart gewachsene Staatsbürger, charaktervolle, führend Wörter |hwa^<; i/.öcht^ Indem er betonte, daß die Freiwilligkeit der Teilnehmer an dem Unterricht ein wesentlicher Faktor für seinen Erfolg sei, wünschte er Lehrern und Schülern für ihre gemein­same Arbeit Gottes Segen.

Aus der Heimat.

* Wir empfehlen jedem Landwirt und Piehbesttzer dem heutigen Inserat der Firma Fltnsch u. Co., Frankfurt a. M. betr. Trächtigketts-Versicherung die größte Aufmerksamkeit zu schenken.

* Am Totensonntag dürfen nach einer Verfügung des Regierungspräsidenten Blumen und Kränze bis 5 Uhr nachmittags in den Läden und Verkaufsständen feilgeboten werden.

* Das Reichsfinanzministerium erinnert daran, daß die deutschen Silbermünzen nur bis zum 1. Ja­nuar bei den Reichs- und Landeskaffm in Zahlung genommen werden.

Hk. Gesperrt bis auf weiteres infolge Streik der

eMMilM1. »>..u_t-!. JLWI.

gesamte Personen-, Gepäck- und Güterverkehr nach den Stationen folgender süddeutscher Nebenbahnen;

1. Worms Offstein

2. Rheinheim ReichelSheim

3. Osthofen Westhofen

4. Sprendlingen Fürfeld

5 Hetzbach Beerfelden

6. Frei-Weinheim Jugenheim Partenheim.

* Eine Tanzsteuer? Auf den Vorschlag, den kürzlich ein Leser desFranks. Generalanz." machte, eine Tanzsteuer einzuführen, erwidert ein Tanzlehrer: Wir haben an der städtischen Billetsteuer schon erheblich zu tragen, die auch von Saalwirten und Vereinen drückend empfunden wird. Die Tanzwut ist bekanntlich schon etwas abgeflaut und wird noch mehr zurückgehen. Eine weitere Besteuerung der Tanzlustbarkeiten, Vereins- festlichkeiten und dergl. wäre der Ruin für viele Existenzen, wie Musiker, Kellner, Druckereien, Papier- warenfabriken. Es ist noch fraglich, ob mau mit den bestehenden Steuersätzen das erreicht, was man will, denn es macht sich bei großen Vereinen und Ge­sellschaften eine große JntereffenlofigkeiL breit, was hauptsächlich auf die vorher zu entrichtende Steuer zurückzuführen ist. Bei jeder neuen Steuer ist zu erwägen, ob sich die Abgabe mit den von der Be­steuerung betroffenen und damit zusammenhängenden Produktions- und Erwerbszweigen vereinbart. Als Steuer-Nichtfachmann möchte ich endlich behaupten, daß alle kommenden Steuern, die den Verbrauch und die Frequenz zu hoch belasten, vom Uebel sind. Die Verbilligung unserer Lebenshaltung ist die zu lösende Frage der Zeit. (Fuld. Tgbl.)

^ * Hase».- OzskurZ der HE^r Straßenbahn.) Ueber das Vermögen der Hanauer Straßenbahn-Aktien­gesellschaft Hanau ist auf deren Antrag nunmehr das Konkursverfahren eröffnet worden. Konkursverwalter ist Rechtsanwalt Dr. Klemm, Hanau. Die Aktionäre sind die Stadt Hanau und die hessischen Gemeinden Groß- steinheim und Kleinsteinheim. Die letzte Bilanz vom 31. März 1920 ergab für das verflossene Rechnungs­jahr einen Verlust von 370 000 Mark. Dieser Ver­lust ist bis 1. Oktober auf über 630 000 Mark gestiegen. Seit Ende 1919 konnte die Zahlungsfähigkeit der Aktiengesellschaft nur dadurch aufrechterhalten werden, daß die Stadt Hanau als Hauptaktinär sehr erhebliche Betriebsmittel von über 600 000 Mark vorstreckte.

* Frankfurt. Der Magistrat richtet eine Reihe neuer Aemter ein. So ein Siedlungsamt, ein Amt für Kleingartenbau und ein Maschinenamt. Eine Stellenvermittlung soll mit dieser Neuordnung nicht verbunden sein.

* Hersfeld. Die hiesigen Schneider befinden sich im Ausstand. Es handelt sich um eine Lohnbewegung,

Feindliche Brüder

Roman von Jost Freiherr« von Steinach

(Fortsetzung folgt.)

69

Da lag der Hase im Pfeffer! Es war an sich unwahrscheinlich, daß sie das corpus delicti ausbewährt haben sollte; und wenn sie es vernichtet, so war wenig Aussicht vorhanden, ihre Schuld eklatant uachzuwetsen.

Sollte jetzt, da er die rechte Spur zu haben schien, sein Plan an diesem Hindernis scheitern?

Ein Testament war ein ziemlich umfangreiches Meustück. Hätte sie es aus dem Hause geschafft, u>ohin sollte sie es werfen, ohne Gefahr zu laufen, daß boch, wie ja der Zufall sehr oft ganz merkwürdig Mt, irgendwo gefunden werden könnte? Diese Frau Wen ihm viel zu klug, um nicht alle Fälle genau ^°ulegt zu haben, wie er selbst. Es blieb also nur Sterlet übrig: Entweder sie hatte es innerhalb ihrer Pfähle der Vernichtung preisgegeben, oder - es 'Nstiert «och. Glücklicherweise war die Villa mit Zentralheizung versehen, verbrannt konnte sie das ^'hment^also nicht haben, ohnedaß eS an demIBrandgeruch au der Asche bemerkt worden wäre. Falls sie es sichtet, mußte es sicher aus andere Weise geschehen

Und wenn eS noch existierte? DaS wäre allerdings »wahrer Triumph für seine Findigkeit, wenn er das Mwent wie ein Phönix aus der Asche wieder lassen könnte, dann war der Sieg und die Prämie .^nn wurde Otto von Ranzenberg frei, und er der Mann des Tages!

$ Da verfiel er auf eine schlaue Idee, die ihm in den ^ 'am, als er an die Unterhaltung der Familie

über die Mordgeschichte zurückdachte. Er kannte einen gertebeüen Reporter, der sollte ihm helfen, sich Gewiß­heit über die Existenz des Aktenstückes zu verschaffen, ob er hoffen könne, eS noch einmal aus Tageslicht zu fördern. Vorher durchsuchte er, sobald er unbeachtet war, die ganze Villa von oben bis unten, natürlich ohne jeden Erfolg. Immer wieder zog es ihn dabei zu den für die Baronin ausschließlich reservierte» Gemächern, ihrem Boudoir und ihrem Schlafzimmer. Denn wenn sie die Urkunde noch besaß, so war tausend gegen eins zu wetten, daß sie sie in ihrer Nähe verwahrte, um sie doch im Falle der Gefahr schleunigst beseitigen zu können.

Das Schlafzimmer war mit einer himmelblauen Tapete bekleidet und mit den graziösen Möbeln des sogenannten Chipendale-Stils ausgestattet; es bot wenig Gelegenheit, etwas und noch dazu so umfang­reiches wie das Testament, auf die Dauer zu verbergen; dagegen schien ihm das Boudoir direkt der einzige Ort, wo es mit Erfolg den Spürnasen der Dienstboten entzogen werden konnte. Es war im Rokokostil gehalten mit Gobelins und Decken reich ausgestattet und an den Wänden prangten zahlreiche gut ausgeführte Kopien nach Grenze und Wateau.

Das merkwürdigste waren aber die Wände; sie waren mit einer prachtvollen Setdentopete bekleidet, die ein Dessin von lauter gleichen Karos aufwies.

Hier im Boudoir machte Weiler auch seine erste Entdeckung, die ein neues Licht auf die rätselhafte Sache warf. In einem der verschlossenen Kästchen, die die die Baronin in einem Schränkchen für Meißner Porzellan und echte Bronzen aufbewahrte und die er sämtlich an einem Sonntag mit seinen Nachschlüsseln öffnete, fand er die Schlüssel vor, die zum Schreib­

zimmer ihres Seligen führten, aber es waren nicht blos zwei, sondern drei, der eine Schlüssel war doppelt vorhanden.

Je länger der Detektiv nachsuchte, um so mehr wuchs seine Ueberzeugung, daß dieses Zimmer der einzige Ort fei, wo sie das Gesuchte verborgen haben könnte. Doch wie sehr er sich auch Mühe gab, etwas zu entdecken, nur einen Fingerzeig, nur den kleinsten Anhalt, er fand nicht das geringste.

Und er war sicher ein raffinierter Kenner solcher Schliche, und wenn einer etwas ausspionieren konnte, so war er gewiß der geeignetste Mann dazu.

Er hatte bereits sämtliche Möbel einer genauen Durchforschung unterzogen, er hatte sämtliche Schränke durchsucht und alle Bilder von den Wänden abge­nommen, nichts war zu finden. Es war zum Verzweifeln.

Schon war er daran, die schwierige Sache, deren Abwicklung ihm allmählich unmöglich erschien, ganz aufzugeben, doch immer reizte ihn die Aussicht auf den ungeheuren Nutzen zu erneuten Anstrengungen.

Immer wieder rückte er die Möbel aus ihrer Lage, immer wieder nahm er die Bilder von den Wänden. Und einstmals glaubte er, in der Tat etwas entdeckt zu habeu. Die ganze Wand glatt und eben, ein Karo reihte sich an das andere, davon hatte er sich durch ein sorgfältiges Herunterstreichen mit den sensiblen Finger­spitzen gründlich überzeugt,- nun da er wieder von neuem dieses Experiment ausführte, fiel ihm eine Unregelmäßigkeit auf; hinter einem großem Bilde, eine, Kopie der Diana und des Aktaon von Cesari, bemerkte er ein kleines, rundes Loch. Er hatte sich, um das Bild herunternehmen zu können, auf e' m Tisch gestellt, den er an die Wand gerückt hatte; nun