chlüchterner Zeitung
Anzeiger für hie amtlichen WmMmachultgen im Greise 8chtkchlern.
SSpreiS frei Haus »orauS^IBar
5,80 Mk., (durch die Post ohne Bestell. Qrtb). Erschein! Dienstags, Donnerstags und samstags. Druck und Bering L^Hohmetster, verüntworti. H.-S Hohmeister, Echiüchtcrn. Fern, mf 65. Erfüllungsort für den zesaNten Gc> schLftSverkebr mit der Firma Schlächtern.
Lchlüchterver KreisStatt
Asitestt ZeitLRZ im Kreise; gegrSNdet im Jahre 1849.
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K lS2
Dienotag, den 9. N-vember 1920.
73. Jahrgang
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Aus der Heimat.
—* (Neue 1- und 2-Markstücke.) Zu Weihnachten sollen die ersten 1- und 2-Markstücke nach einem neuen Legierungsverfayren ausgeprägt werden. Vielleicht folgen später auch 5 Markstücke Edelmetall kommt bei ihnen nicht zur Verwendung.
—* (Kartoffeln durchlesen) Es ist fitz» sehr ratsam, die in den Kellern eingelagerten Kartoffeln turchzulesen, um ein weiteres Durchgreifen der Fäulnis der dieses Jahr sehr schlecht haltenden Kartoffeln nach Möglichkeit zu verhüten. Wichtig ist die Temperatur, die ; vor allen Dingen nicht wechseln darf und bei plus 5 Grad die beste sein dürfte, jedoch auf keinen Fall höher.
—* (Abwicklung des alten Heeres.) M t Rücksicht auf die bevorstehe Beendigung der Abwicklung hat das ReichSwehrministerium am 7, 10. 1920 als Schluß- Termin für die Einreichung von Anträgen ehemaliger Offiziere und Portepee-Unteroffiziere des alten Heeres aus Eharalter-Erhöhung und Erteilung der Erlaubnis zum Tragen von Uniform den 20. Dezember 1920 festgesetzt und bestimmt, daß Anträge, welche nach dem 20. Dezember bei den HcrreSsbwickiungsämtcrn, den Abwicklungsämtern der Armeekorps oder unmittelbar beim Reichswehr-Ministerium (Personalamt) eingeheu, keine Berücksichtigung mehr finden können. Nach Mitteilung des Abwicklungsamtes des 18. Armeekorps haben die im Korpsbereich des ehemaligen 18. Armeekorps wohnenden Offiziere und Portepee Unterossizere -rüvaitze Gesuche an das WL.-eäurrzSamt des 18. Armeekorps in Neuburg a. d. Donau zu richten, auch hat das Abwicklungsamt besonders darauf hingewiesen, daß für die Erteilung der Erlaubnis zum Tragen der Uniform im AbwicklungS Verordnungsblatt Nr. 36 vom 25. 10. 1920 erweiterte Bestimmungen seitens des Reichswehr-Ministeriums erlassen worden sind.
—* (Schiefertafeln.) Im Hinblick auf die bessere Ausnutzung des zur Verfügung stehenden Schiefers hat das Ministerium gestattet, daß bis auf weiteres in den Schulen neben den benutzten größeren auch kleinere Schiefertafeln bis herab zum Rrhmenmaß von 22:15 Zentimeter mit sichtbarer Schiefcrfläche von 166:95 Millimeter benutzt werden.
—* (Polizeistunde in Preußen 10 Uhr.) Der Minister des Innern Severing hat, wie amtlich mit- geteilt wird, einen Erlaß herausgegeben, nach dem für den bevorstehenden Winter die Schlußstunde für die Gast- und Speisewiltschaften usw., insoweit nicht nach den örtlichen Verhältnissen eine frühere Schl eßung angezeigt erscheinen sollte, auf 10 Uhr abends festgesetzt wird. Auch da, wo bisher eine spätere Schlußstunde zugeiasscn sein sollte, ist dies - mit Rücksicht auf die
Feindliche V»«der.
Roman von Jost Fretherrn von Steinach. 67 (Fortsetzung folgt.)
Mein heißestes Bestreben war daher, Sie aus dem Herzen Hildes zu verdrängen, und ich zerbrach mir den Kopf, ohne zu einem befriedigenden Resultat zu gelangen. Ich versandte im Gespräch mit ihr geheime Pfeile gegen Sie, ich suchte Sie in ihrer Achtung herabzusetzen, alles ohne Erfolg und da versetzte mich der Zufall plötzlich in die Lage, Sie aus dem Sattel zu heben, in dem Sie bisher so fest gesessen hatten. Ich ahnte, daß sich Mischen Ihnen bereits wärmere Beziehungen anzu- spinnen begannen, und ich hatte mich darin nicht getäuscht. Eines Tages beschloß ich, meinen gewohnten Erkundungsbesuch bei Trauns zu machen; am frühen Morgen war ich zufällig einer Korrespondenz auf die Spur gekommen, die mir den untrüglichen Beweis lieferte, daß mein Erich sich einer Näherin, übrigens °US anständiger Familie, wie ich«Machiräglich erfuhr, attachiert habe und ganz närrisch in sie verliebt sei. "uerbings mußte er wohl die Notwendigkeit einer Semkffenen Heirat eingesehen haben, denn ich fand in innern Zimmer einen zum Absenden fertigen Brief, "ssen Inhalt folgendermaßen lautete:
Bet diesen Worten zog sie ein, Notizbuch hervor las mit zitternder Stimme: „Liebste Johansia! «fu darfst mir unmögl'ch zürnen darüber, daß ich durch ^ Macht schwieriger Verhältnisse gezwungen bin, mit zu hrechen. Ach, Du glaubst ja nicht, wie unsäglich ichwer eine Trennung von Dir, Geliebte, mir werden wuß! Gott sei Dank, habe ich mir nichts gegen Dich vorzuwerfen, so daß wenigstens die Gewissensbisse mir lern bleiben. *
neuerlich eingetretene Verschärfung der Kohlenlage für die Regel nicht aufrecht zu erhalten. Nur wo es die örtlichen Verhältnisse dringend erforderlich erscheinen lassen, kann eine Offenhaltung bis 11 Uhr und Samstag bis 11'/, Uh: gestattet werden. Weitergehende allgemeine Verlängerungen sind nirgends, auch für Berlin nicht mehr, zuzulassen. Ferner ersucht der Minister noch darauf hinzuweisen, daß die Bestimmungen des § 4 der Verordnung vom 11. Dezember 1916 über die Beleuchtung der Schaufenster, Gast- und Speisewirtschasten ulw. genau eingefallen werden.
* Schlächtern. Der am Sonntag vom sozialdemo- lratisch n Verein Schluchzern veranstaltete Volksbil- dungsabend bewies, daß das gesangliebende Publikum in unserem Städtchen stark vertreten ist. Der Saal des Hessischen Hosts war bis auf den letzten Platz besetzt. Zur Eröffnung des Abends hielt Herr Parteisekretär Kunde eine kurze Begrüßungsansprache. Hierauf kam das glänzend zusammengestellte Programm zur Abwicklung. Die Leistungen der Einzelnen her- vorzuheben, würde zu weit führen. Nach Schluß des Abends konnte man auf den Gesichtern der Besucher eine allgemeine Befriedigung festellen und den Wunsch nach recht baldiger Wiederholung derartiger Kunsiabende vernehmen. '
* Schlüchtern. Von Herrn Kreiögärtner Holstein, hier gingen uns nachstehende Zeilen zu: Mit Bezugnahme auf Ihre Notiz in der Schl. Ztg. vom 6. Nov. „Hausierhandel mit Obstbäumen? ist es für Obstzüchter interessant, zu erfahren, wie diese fahrenden Saum« Händler in dr« Besitz von £bf Uuuun kömmen: der Abraum in den Baumschulen, d. h. die Ware die der Baumschuldesitze» der Kundschaft nicht mehr anzubirten wagt, wird von gewissenlosen Leuten für billiges Geld aufgelauft. Auf Sortenbezeichnung wird verzichtet. Diese Ware wird auf einen Wagen geladen u d in den Dörfern ausgeboten. Daß jede gewünschte Sorte — selbst Lokalsorten — auf Lager sind, ist selbstverständlich. Der Vorteil ist, die Bäume sind sehr billig und man braucht dieselben nicht erst zu holen. Ein Polizeiverbot versuchte, schon in frühen Jahren diesen Handel zu unterbinden, nachdem Berufsorganisationen auf den Schaden hingewiesen halten. Mißerfolge im Obstbau sind in den meisten Fällen das Resultat. Vorkommendcn" Falles ist der Handel mit Obstbäumen in den Gemeinden zu verbieten oder An zeige bei der Polizeibehörde zu erstatten
* Schwarzenfels. Der Justizobersekretär Lübbe von Schmalkalden wurde nach hier versetzt.
* Sterbfritz. Die Versttzung des Försters Drcws in Mottgers, hiesige OZerförfterei, zum 1. Oft. d. JZ. als Forstschreiber in die Oberförsterei Wallenstein wurde zurückgezogen.
„Aber wenn es möglich wäre, daß ich Dich noch Heißer liebte, als es bis jetzt schon geschieht, ich müßte doch in Deinem eigensten Interesse von einer Verbindung mit Dir Abstand nehmen. Denn leider verbieten mir meine geringen Barmittel, Dich an mich zu ketten und Dich einem Leben voll Entbehrung und Entsagung entgegenzuführen. Es gibt eben auf der Erde trennende Mächte, die selbst die heißesten Gefühle nicht zu über« winden vermögen. Ich müßte, wenn ich Dich heim- führen wollte, auf all meine Pläne und Hoffnungen Verzicht leisten, ohne Dir einen damit im Verhältnis stehenden Nutzen gewähren zu können. Das grausame Schicksal zwingt mich daher, meine Person meistbictend zu versteigern, und diejenige, die den schwersten Geldbeutel ihr eigen nennt, erhält mich als Preis. Doch will ich nicht bitter werden und meinen letzten Brief an Dich, geliebte Johanna, mit nutzlosen Klagen aus- füllen. So lebe denn auf ewig wohl, ich werde niemals Deiner vergessen können, das soll wenigstens ein Trost für Deine Zukunft sein, für die ich den Segen des Himmels herabsi he. Erich."
. Sie schloß das Büchlein, steckte es in ihren Pompa- dour und fuhr dann fort: „Ich hatte keine Ahnung von diesem Verhältnis gehabt, umso erfreuter war ich darüber, daß mein Svhn mir seinen kindlichen Gehorsam bewies, indem er bereitwilligst auf meine Pläne einging. Ich liebte den offen barltegenbcn Brief zu, den er jedenfalls in der Eile liegen gelassen hatte und beschloß, ihn selbst in den KrLcn zu werfen, um ganz sicher zu sein. Hierauf machte ich mich auf, um meinen schon erwähnten Besuch abzustatten. Als ich anlangte, erfuhr ich, daß die ganze Familie ausgewogen sei und nicht unter einer Stunde zurückerwartet werde. Um aber nicht vergeblich meinen Weg gemacht zu haben,
* Sterbrltz. Bürgermeister Löffert von hier würd zum Stellvertreter des Amtsanwalts in Schwarzen fels ernannt.
* Aus dem Vogrlsberg. Die Unsicherheit im oberen Vogelsberg nimmt täglich zu. In den letzten Wochen find eine ganze Reihe Raubanfälle zu verzeichnen, die namentlich zur Nachtzeit an Wanderern verübt wurden. Man will nunmehr die Gendarmerie verstärken, die Patrouillen machen soll.
* Fulda. Beschlagnahmt wurden auf der Bahn bei einem worbestraften Frankfurter Schleichhändler 14 Pfund Butter, die äußerst geschickt unter Spreu und Eier, zwei Gänsen und einem Huhn versteckt waren. Außerdem hatte der Schieber noch l‘A Zentner Mehl bei sich.
* Frankfurt a. M (Ein Heim für Wohnnungs' lose.) In der Schneidwallgasse wird ein Heim für Wohnungslose errichtet, wo diese so lange untergebracht werden, bis sie eine andere Unterkunft erhalten. Im selben Hause wird auch ein Heim für alte Frauen begründet.
Welthändel.
— Der preußische Minister des Innern ersuchte die Obsrpröstdenten, sämtliche zur Organisation Escherich gehörigen oder mit ihr verbundenen und auf gleichem Boden stehenden Vereine gemäß § 2 des Reichs-Ber- einsgesttzes aufzulösen, sowie in der gebotene» Weise gegen Zeitungsanzeigen, Aufrufe und dergleichen wr« ziehen.
— Wie aus dem ReiKsarbeitsministerium mitgeteilt wird, U die Gesamtzahl der unterstützten Erwerbslosen im Reiche nach den amtlichen Feststellungen in der Zeit vom 1. bis 15. Oktober 1920 weiter zurückge- gegangen. Während sie am 1. Oktober nach den end- giltigen Feststellungen 396151 betrug, belief sie sich am 15. Oktobsr auf 374 983. Es ist also ein Rückgang um 21168 und zwar 14457 männliche und 6711 weibliche Erwerbslose zu verzeichnen. Die Zahl der Familienangehörigen, die als Zuschlagsempfänger unterstützt werden, ist von 360 238 auf 348 637 her- abgegangen. Die Aufwendungen an Erwerbslosenunterstützung, die in der zweiten Hälfte des Monats September für Reich, Länder und Gemeinden zusammen 45,7 Millionen betragen hatten, verminderten sich in der zweiten Hälfte des Oktober auf 41,2 Mill. Ma '
— (Die deutschen Milchkühe.) Im englischen Unterhaus erklärte auf eine Anfrage ein RegierungS- vertretcr, daß die Aufstellung der Wiedergutmachung-: kommisstou über die Nachforderung von Milchvieh noch nicht den Befehl zur Ablieferung bedeute, sondern lediglich eine Berechnung gemäß dem hier in Frage kommenden Paragraphen des FricdkNsvcrtragkS und
nahm ich im Empfangszimmer Platz in der Absicht, zu bleiben, bis sie zurückkämen. Um mir die Zeit zu vertreiben, blätterte ich in der Doreschen Bibel, die auf dem Tische lag, als mein Blick von ungefähr auf eine silberne Schale fiel, die einen kleinen Brief enthielt. Ich sah flüchtig auf die Adresse, er war an die Tochter des Hauses gerichtet. Darüber aber war der Einsender gedruckt: Doktor Erich Waldau."
„Er war von mir!" rief der Doktor aus, indem er aufs höchste interessiert empor sprang.
„Er war von Ihnen!"
„Es war der letzte, den ich an Hilde schrieb, denn ich wartete vergeblich auf eine Antwort."
„Das wird Ihnen bald erklärlich sein," sagte Frau von Neudeck leise, indem sie den Blick schuldbewußt zu Boden senkte. „Das Schreiben lag vor mir wie ein Feind, der das Glück meines Kindes bedrohte. Vergebttch wandten sich meine Angen davon ab, sie kehrten aber immer wieder wie hypnotisiert nach der alten Stelle zurück. Ich zermarterte mir den Kopf. Was konnten Sie an Hilde geschrieben haben? Was anderes als eine Erklärung, die leicht mein ganzes Gebäude mit einem Schlage umwerfen konnte! Und schließlich besiegte meine Beugter alle Bedenken, die mein Gewissen einzu- wenden hatte: ich nahm vorsichtig das Schreiben in die Hand, feuchtete die Rückseite an den zusammen- gcklebten Ecken an und bald darauf hatte ich mein Ziel erreicht, ich konnte das Kuvert öffnen und den Briefbogen herausziehen."
Ah! Und was taten Sie. dann I"
„Ich las Ihre Zülen durch," fuhr sie müde fort.
(Fortsetzung folgt.)