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chluchtemerMtung

ctn^iflcr för htr amdf^en Mfirmtmadiungeii im «Kreise Schlüchtern.

8ez«gSpreiS frei HauS, vorauSzahlbar Mlclj. 5,80 Mk., (durch die Post ohne Bestell- aeW). Erscheint DienStagS, Donnerstags und gcmitogä. Drnck und Berlag T. Hohmeister, «rantwortl. 5 "®- Hohmeister, Schlüchtern. Fern­ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Ge- schSstsverkehr mit der Firma Schlüchtern.

Schlüchterner IireisSlatt

Aelteße Zeit«»« im Artist; gegrisiet im Jahre 1849.

Anzeigen: N. Zeile oder deren Raum 60 Pfg., Reklamezeile 2,- Mk. Bei Betrieb-.

stIrungen kein Schadenersatz oder Minder« gebühr einschließlich BezugS.

für Platz, Aufnahme-Zeit und Belegttefernng. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischenkostm. Zählkarte Frankfurt a. Main Nummer IBM.

Keine GewShr

K 131.

Samstag, den 6. Nsv<m-«r 1920.

73. Jahrgang

Aus Stadt und Kreis.

GchlLchtrr«, den 5. November 1920.

-* Am nächsten Mittwoch findet eine außerordent- licht Tagung des Kreis Lehrer-Vereins statt. (Siehe Inserat!)

* (Heimatbund Schlüchtern.) Das Kammer- musiktrio des S. G. V. Fridericiana-Marburg hat sich bereit erklärt, im Interesse des Heimatbundes am Srnnabend, den 13. November einen Kammermusik- Abend in der Aula des Seminars zu veranstalten. Zum Vottrage werden kommen: ein Trio von Beet­hoven, ein Trio von Mozart, eine Violinssnate (Früh- lingssonate) von Beethoven und noch kleinere Sachen für Violine. Das endgültige Programm wird noch ulitgeteitt werden.

* Das Finanzamt bittet uns, darauf hinzuweisen, daß bei nicht rechtzeitiger Steuerzahlung 5°/, des fälligen Steuerbetrages als Verzugszinsen zu entrichten find. (§ 104. A. O.)

* (Die Steuerpflicht der Soldaten.) Die An­gehörigen der Reichswehr unterliegen jetzt ebenfalls der Einkommensteuer. Für die Veranlagung wird die Mitwirkung der Militärbehörden in Anspruch genom- meu. Das Reichswehrministertum hat schon jetzt die Truppenteile angewiesen, Verzeichnis- ihrer Angehörigen mit Angabe des Familienstandes und der Dienstbezüge den zuständigen Finanzämtern bis spätestens 15. De­zember einzureichey.

* Vor kurzem fanden sich, wie alljährlich, am hiesigen Seminar manche frühere Jahrgänge von Lehrern zu einer Wiedersehensfeier ein. Dte vor 40 Jahren ab gegangenen Lehrer, von denen 22 noch an der Feier teilnahmen, stifteten den Betrag von 1000 Mk. zur Unterstützung von bedürftigen Lehrerswitwen und -waisen.

* Zur Behebung der Stellenlosigkeit von Schul« amtsbewerbern bestimmt der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung in einem Erlaß, daß durch Vereinbarung der Provinzialschulkollegien und der Re­gierungen der Provinzen zunächst die älteren Kriegs» teilnehmer der Jahrgänge 1914 bis 1918 Beschäftigung und Anstellung finden sollen. Lehraufträge an jüngere Nichtkriegstcilnehmer seien nötigenfalls sogar zurück» zuziehen, bis* die älteren Bewerber Anstellung gefunden hätten. Unbeschäftigte Bewerber aus den westlichen Provinzen sollen, wenn sie schon einem östlichen Bezirk zugeteilt waren, den Regierungen überwiesen werden, aus deren Bezirk sie stammen Unbeschäftigte evange­lische Bewerber der Jahrgänge 1914 bis 1918 sollen der Regierung in Arnsberg überwiesen werden. Der Minister erwartet bis zum 20. Dezember einen Bericht

ob sämtliche Bewerber der Jahrgänge 19141918 beschäftigt sind, oder ob weitere Maßnahmen erforder­lich erscheinen. Den Regierungen in Münster und Arnsberg wird die baldige Errichtung der erforderlichen Steuern empfohlen, die infolge der starken Vermehrung der Vergarbeiterschaft neu zu gründen find, damit der Ueberschuß an Schulamtsbewerbern aus anderen Be­zirken dort untergebracht werde.

* (Postverkehr mit Belgien, Frankreich und England.) Vom 1. November ab ist der Wertbrief- und Wertkästchenverkehr mit Belgien, Frankreich und Großbritannien sowie im Durchgang durch diese Länder nach weitergelegenen Ländern, wied r ausgenommen worden. Ebenfalls vom 1. November an ist Wertan­gabe bei Postpaketen nach Belgien und Frankreich sowie bet Postpaketen, die im Durchgang durch Belgien oder Frankreich nach weitergelegenen Ländern zu be­fördern find, zugelassen, auch können vom gleichen Zeitpunkt ab Postpakete nach Großbritannien und darüber hinaus nicht nur, wie bisher, bei der Leitung über Hamburg, sondern auch bei der Leitung über Belgien oder die Niederlande mit Wertangabe versandt werden. Nähere Auskunft erteilen die Postanstalten.

* (Hausierhandel mit Obstbäumen.) Der Presse­dienst des Ministeriums für Landwirtschaft, Domänen und Forsten gibt bekannt: Im Herbst findet in ver­schiedenen Gegenden ein Verkauf minderwertiger Obst­bäume im Umherziehen statt, obwohl der Hausierhandel mit Obstbäumen nach der Reichsgewerbeordnung straf­bar ist. Die augebotenen Bäume find meist schlecht gezogen, und ihre Sortenechtheit ist zweifelhaft. Zu­dem haben sie durch Umherzieb-n von Ort zu Ort vielfach, stark gelitten. Mt>. N staucht hierauf muß vor Ankauf der durch Hausierhandel angebotenen Obstbäume nachdrücklich gewarnt werden.

Aus Provinz und Wachöargeöiet.

§ Rhön. Aus dem Stalle des Gastwirts in Reußendorf wurde nachts eine Kuh im Werte von 3000 Mark gestohlen Als Täter wurde der 31 Jahre alte Versicherungsreisende Johann Baier aus Dal- Herda (Rhön) und der 24jährige Holzschnitzer Nik. Baier von dort ermittelt. Johann Baier erhielt vom Volksgericht vier Monate und sein Bruder zwei Mo­nate Monate Gefängnis.

§ Falda. Wegen Unterschlagung von ca. 400 Mark einkassierter Bezugsgelder wurde die hiesige Zet- tungsträgerin Hohmann vom Schöffengericht zu 10 Tagen Gefängnis verurteilt.

§ Hünfeld. Die Landjäger haben das Haupt einer Einbrecherbande dingfest gemacht, die vermutlich hinter allen Viehdiebstählen steht, die im Kreise Hünfeld in

letzter Zeit zu verzeichnen waren. Der Verhaftete ist der Hüttuer J. Sch. in Oberrombach. Gleichzestig wurde auch der Sohn des Sch. dem AmtsgerichtSge- fängnis Burghaun zugeführt.

§ Casiel An einem der letzten Abende fiel einem Krimtnaweamten am Bahnhof ein schicker junger Mann auf, der ein Spazierstöckchen mit Grazie schwang und den Hut neuester Mode ein wenig tief ins Gesicht ge­zogen hatte. Der Beamte sah sich den Kavalier etwas näher an und erkannte ein ihm wohlbekanntes Mäd­chen von 18 Jahren, das auf seinen Bräutigam warten wollte. Die junge Dame hatte kurzerhand einen Anzug ihres Bräutigams angezogen und wollte in dieser Verkleidung ihren Bräutigam, der von'-'etner Reise zurückkam, am Bahnhof überraschen. Auf An­raten des Beamten zog derjunge Mann" es jedoch vor, nach Hause zu gehen, um sich vor weiteren Un­annehmlichkeiten zu bewahren.

§ Cassel. (Das diebische Bräutchen.) Ein hiesiger Angestellter hatte sich mit einem in der Schillerstraße wohnenden Fräulein verlobt und stattete seiner Braut dieser Tage einen Besuch ab, wobei er auf dem Sofa einschlief. Diese Gelegenheit benutzte das holde Bräut­chen, dem Erwählten die Brieftasche mit 1400 Mark zu stibitzen. Das nahm der junge Mann übel, als er beim Erwachen den eigenartigen Scherz bemerkte. Er entlobte sich auf der Stelle, nahm der Exbraut den Ring der Treue ab und machte Anzeige bei der Polizei. Ein glückliches Paar weniger auf der Welt!

§ Duderstadt. Der Ausbruch einer T-phusepidemie wird hier allgemein befürchtet, da sich die TyphuS- elkrankungen in letzterer Zeit in. unserer Stadt mehren.

|_______W-MÄtl.________

Die deutschen Kriegergräber in Frankreich sollen am Totensonntag mit Kränzen geschmückt werden. Auf eine nach Frankreich gerichtete Anfrage hat das zustän­dige französische Ministerium sich damit einverstanden erklärt, daß derVolksbund Deutsche KriegSgräber» fürsorge e. V." im Auftrag der Angehörigen die deutschen Kriegsgräber in Frankreich mit Kränzen schmückt.

(Die Unredlichkeit.) Der Vorgang der bayer­ischen Regierung, die Schieber und Wucherer mit Strafen bis zu 15 Jahren Zuchthaus und Vermögeus- Beschlagnahme bedroht, wird nun auch im Reiche einen Gesetzentwurf auf ähnliche Strafverschärfung veranlassen. Bei dieser Gelegenheit sollten auch die Strafen für Untreue, Unterschlagung, Einbruch, Dieb- stahl, Raub höher bemessen werden.

(Ausplünderung des Parteilokals der Rechrs^ unabhängigen in Delitzsch.) In der W "mung des

I Feindliche Brüder.

Roman von Jost Freiherr» von Steinach^ 66

(Fortsetzung folgt.).

18. Kapitel.

Es war am nächsten Vormittag gegen 11 Uhr, J| als Finke, der nach Entlassung des früheren, sehrunzu | ^krläfftge» Dieners nunmehr bei Waldau.in Dienst setreten war, in das Abeitszimmer seines jetzigen Herrn kam und eine Dame meldete, die den Doktor H in einer dringenden Angelegenheit zu sprechen wünsche.

»Hat sie ihren Namen genannt ?" fragte der Hausherr.

. »Nein, Herr Doktor, aber iwnn ich nicht irre, ist W das dieselbe Dame, die bereits einmal hier war."

»Wie? Doch nicht Frau Neudeck?" .T^.gnete Wal- M °°u, indem er mit raschen Schritten an die Türe eilte. M Nichtig, sie war es.

»Aber ich bitte Sie, meine Gnädigste, es ist ganz M überflüssig, daß Sie sich dieser geringen Sache wegen H solche Unannehmlichkeiten auferlegen."

»Sie nennen das eine geringe Sache, Herr Doktor?" Mte sie mit leisem Vorwurf. Ihre Stimme klang W dabei müde und verschleiert, und ihre Haltung hatte 2 Selbstbewußte, das sie sonst zur Schau getragen, M vollständig eingebüßt.

»Dann wissen Sie eben nicht, wie es einer Mutter M ist, wenn sie erfährt, daß das Liebste, was sie 2 flitzt, in Todesgefahr schwebte und durch das wag- M ^^e Eingreifen eines tapferen Mannes gerettet worden ist.

. O, ich bitte Sie, Herr Doktor, ich beschwöre Sie, «den Sie nichts dawider, denn Sie würden mich doch durch nt$ts umstimmen können. Ich danke Ihnen das

Leben meines Sohnes, meines Augapfels, und ich be­trachte diesen Unfall als eine Fügung Gottes. Sehen Sie, als ich aus dem Munde meines Sohnes vernahm, was geschehen war, da fiel ich auf die Knie und dankte dem Himmel dafür, daß dieser bitterste Kelch au mir vorüber gegangen. Aber diese göttliche Warnung soll an meiner Seele nicht spurlos vorübergehen, und den Eid, den ich in jenem ernsten Augenblick schwor, da ich mein Kind lebend an mein Herz ^drücken konnte, ich will ihn halten, und sollte ich dadurch auch die Achtung aller ehrlich denkenden Menschen verlieren."

Ich verstehe Sie nicht, gnädige Frau."

Sie werden sogleich nur zu gut verstehen, Herr Doktor, wenn ich Ihnen mitteile, daß ich eine ehrlose Tat an Ihnen begangen habe, und ich nicht eher ruhen will, bis ich das Böse, das Sie durch meine Handlungs­weise erlitten, in sein Gegenteil verkehrt habe."

Waldau schüttelte verständlos den Kopf, wurde aber aufmerksam; eine unbestimmte Anhnung sagte ihm, daß diese Frau in unheilvollster Weise in sein Leben einge- griffen haben müsse.

Herr Doktor, es wird mir unendlich schwer Ihnen alles zu beichten, was ich auf dem Herzen habe, aber nichtsdestoweniger muß es getan werden. Sie werden, wenn Sie alles erfahren haben, mich sicher verachten, aber vergessen Sie dabei nicht, daß Sie eine Mutter vor sich haben, die ihren Sohn vom ersten Tage der Geburt an mit einer heißen Liebe ins Herz schloß, die sie selbst eines Verbrechens fähig gemacht hätte, wenn sie dadurch das Glück ihres Sohnes hätte erkaufen können. In unserem Falle handelt es sich allerdings nicht um ein Verbrechen, aber ganz gewiß um eine Infamie, und ich überlasse es Ihnen, nach meiner Beichte eine Strafe für mich auszudenken, welche Ihnen

für mein Vergehen angemessen dünkt. Nur um das eine flehe ich Sie an: Verraten Sie meinem Erich nichts davon; er würde mir seine Achtung, seine Liebe entziehen, und dieses wäre das einzige, was mich in den Tod treiben würde."

Ratlos hörte der Doktor diese Selbstanklage an, ohne etwas darauf zu erwidern können; wohl stieg ihm jetzt unwillkürlich eine Ahnung enf# daß ihre ge- geheimnisvollen Worte mit dem abwesenden Benehmen zusammenhingen, welches Hilde von der Traun gegen ihn herausgekehrt hatte, aber er wartete ruhig ab, was sie ihm anvertrauen würde.

Ich werde Ihnen also schlicht erzählen, waS ich Ihnen angetan, und ich bitte Sie nochmals, meine unsinnige Liebe zu meinem Sohn dabei in Betracht zu ziehen."

Möchten Sie mir nicht endlich"

Werden Sie nicht ungeduldig. Ich spreche ja schon. Wie Sie wissen, bewarb sich mein Erich gleich Ihnen um Fräulein Hilde von der Traun. Ich hatte ihm dies junge Mädchen als eine große Partie vor­geschlagen, und da er in seinem Beruf bekanntlich auf reiche Geldmittel angwiesen ist und ich ihm diese nur zum Teil gewähren konnte, da auf meinem Gut eine große Hypothek lastet, so ging er auch bereitwilligst auf meine Pläne ein. Zu meinem höchsten Verdruß be­merkte ich jedoch, daß die Tochter des Obersten Sie zu bevorzugen schien, und da ich sie als eine halsstarrige junge Dame zur Genüge kannte, die selbst ihren Eltern gegenüber stets ihren Willen durchzusetzen verftm.d, so ward ich mir klar darüber, daß aus meinem geplanten Vorhaben nie etwas werden könnte, so lange Sie in ihrem Herzen eine dominierende Ro spielen.

(Fortsetzung folgt. Ue