Anzeiger tür hie amtlichen ZekMntmachmMN im Kreise ^chlüchtern. SchKcht-r«er Sreisblatt
UeiteKe AeitN^y im Kreist; gegMdet im Jahre 1849.
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JE 126 Dienstag, den 26 Ok:»6 r 182V 72 Jahrgang
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Aus Stadt und Kreis.
GchlKchter», tzen 25. Oktober 1920.
—* (Glückliche Heimkehr.) Am Samstag kch.te die Familie des Herrn R.'gisrungSbLumeisters LüderL nach über fünfjähriger Jntcrnisrung aus Siam zurück. Herr LüderS selbst konnte schon einige Monate vorher den heimatlichen Boden wieder betreten. Da ihnen im fernen Osten kein Seelsorger zur Verfügung stand, können sie erst jetzt ihre beiden Kinder der christlichen Taufe teilhaftig werden lassen. Wir heißen die Heim- gekehrten willkommen und hoffen, daß sie sich trotz der bedrückten Lage unseres Vaterlandes, in der Heimat wohl fühlen werden.
— * (Bericktigung) Unsere Notiz über die Gräber- schändung müssen wir dahin berichtigen, daß die Täterschaft der Verdächtigen noch nicht erwiesen ist. Jedoch hoffen wir, daß diese Tat bald ihrer Aufklärung entgegengeht.
—* Der Familienabend der Bearutc^Vereirügung des Kreises Schlüchtern am 23. d. Mts. gestaltete sich zu einer wohlgeluugeneu Feier. Die Lösung, die der Vorsitzende Herr Seminardirektor Dr. Lechner für den Abend ausgab, daß bei harmlos fröhlicher Festeslaune die Mitglieder sich einander näher kennen lernen sollten, ist ein gut Teil Wirklichkeit geworden Wilhelm Busch mit seinem köstlichen Humor gab dem Abend das Gepräge. Das Quartett des Männergesangvereins und das Hausorchester des Seminars fanden in ihren wohlgelungenen Darbreturaen mtfustdame und dankbare Zuhörer. Deshalb ist es wohl verständlich, wenn allseitig der Wunsch nach weiteren Familienabenden laut wurde.
—* (Ueberfall.) In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag begaben sich drei Damen aus dem benachbarten Orte H. in Begleitung dreier Herren nach Hause. Bei ihrer Ankunft im Dorfe wurden die Ahnungslosen mit Steinwürfen und wüsten Drohungen empfangen, die sogar in Tätlichkeiten übergingen. Glücklicherweise blieben die lleberraschten ohne jegliche Verletzungen. Die Täter find in der Dunkelheit uner rannt entkommen.
~* ^Die Laufbahn der mittleren Staatsbeamten geschlossen.) Für diejenigen jungen Leute, die sich der Laufbahn des mittleren Beamten widmen wollen, wird
von Interesse sein, zu erfahren, daß nach einer Anordnung des Gesamtministeriums bis auf weiteres die Annahme zum Vorbereitungsdienst geschloffen ist, bis der tatsächliche weitere Bedarf endgültig festgestellt und auch eine endgültige Regelung der Grundsätze erfolgt fein wird, nach denen künftig die Annahme weiterer Justizanwärter erfolgen soll. Es dürfen daher ~ihm । _...ii« ।...........................- 11 .mi... „
LeinbUche Seii&er.
Roman von Jast Freiherr» von Steinach (Fortsetzung.)
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Doch als er sah, daß seine Bemerkung einen unangenehmen Eindruck auf seinen jüngeren Freund machte, da brach er schnell von dem Thema ab, indem er fort- fuhr: „Na, ntch s für ungut, lieber Waldau, es liegt wir selbstverständich fern, indiskret zu sein. Kommen wir also auf unser eigentliches Gespräch, weswegen ich Ihren Besuch wünschte."
Und nun entwickelte er ihm einen großartigen Plan, tu dessen Realisierung er die Kraft Waldaus vor allem beanspruche. Es war in der Tat eine verlockende Aus- ücht, und Waldau mußte seine ganze Energie zu Hilfe ^ufm, um nicht der glänzenden Versuchung zu unterliegen.
Er blieb halsstarrig trotz aller Vorteile die der "ommcrzii'nraL ihm in den leuchtendsten Farben schilderte, und wußte so geschickt seine augenblickliche Untätigkeit ^reiflich zu machen, daß der Rat ihm schließlich recht M und sich, wenn auch schweren Herzens, auf die Zukunft vertröstete. Er hielt große Stücke auf Waldau (x,. h^te ihn gar zu gern an sich gefesselt. So
$e d^n als die besten Freunde, und als Waldau aus dem Hause trat, stand noch der Alte am Sensicr und grüßte freundlich herunter.
^etzt war aber keine Zeit mehr zu verlieren, wenn noch zurecht in das Detektivbureau kommen an , und so rief er einen vorüberfahrenden Kutscher to ^d fort ging es im Trabe den ziemlich weiten ^. entlang, der von dem Kurfürstendamm bis zur 5-.^chstraße führte. Er mußte hierbei auch durch
Straße, in der seine ehemalige Geliebte wohnte,
zunächst keine Anwärter mehr zum Vorbereitungsdienst für die Gerichtsschreibeiprüfung zugelaffen werden. Ebenso ist auch die Zulassung zum Vorbereitungsdienst für die Gerichtsvollzieherprüfung gesperrt.
—* Es wird erneut darauf hingewiesen, daß die Bapken nach § 189 Abs. 1, 3 der Reichsabgaben- ordnung in die Zugangskundenverzeichniffe sämtliche in Zugang gekommenen Depot-kunden aufzun-hmen verpflichtet find, also auch solche Kunden, die Wertpapiere bei ihnen nur zum Zwecke der Couponeinlösuyg für einen Tag oder noch kürzere Zeit in Verwahrung gegeben hatten. Es würde dem Sinn der obengenannten Vorschriften widersprechen, wenn in die halbjährlichen Zugangsverzeichniffe etwa nur solche DepoLkunden ausgenommen werden, deren Depots an dem betreffenden Stichtage noch bestehen.
—* (Keine Frauenabteile mehr.) Auch in den Schnellzügen werden bis auf weiteres Frauenabteile nicht mehr geführt, worauf besonders hingewiesen sei.
—* (Das neue Tabaksteuergesetz voll in Kraft.) Die in § 11 Abs. 2 der Tabaksteuerverordnung bis zum 1. Mai 1920 gestellte Frist, von der ab Hersteller, Groß- und Kleinhändler Tabakerzeuguiffe, die nicht mit Tabaksteuerzeichen versehen sind, nicht mehr im Besitz oder Gewahrsam haben dürfen, ist bisher von den Steuerstellen stillschweigend verlängert worden, da die Nachversteuerung geraume Zeit in Anspruch nahm. Nachdem nun aber die Nachsteuergeschäfte beendet sind, liegt zu einer weiteren Verlängerung dieser Frist kein Anlaß vor. Den bestehenden Vorschriften wird daher von jetzt ab. g-nau ^z^:^^^ und Zuwiderhandlungen werden zur strafrechtlichen Ahndung gebracht werden. ^
—* Die Maul- und Klauenseuche hat im Regierungsbezirk Caffel einen bedauerlichen Umfang angenommen. Die Erledigung der Ernte- und Feldbestellungs- arbeiten konnte nur ermöglicht werden durch die Bildung umfangreicher Sperrbezirke, aus denen die Ausfuhr auch für Schlachtvieh beschränkt ist. Um zu vermeiden, daß es dadurch in den seuchenfreien Orten nach der Aufhebung der Zwangsbewirtschaftung für Ltch und Fleisch zu unerwünschten Preistreibereien kommt, werden voraussichtlich schon bald die Sperrbe- ztrke erheblich eingeschränkt und nach Möglichkeit auf die Seuchengehöfte beschränkt werden.
Aus Provinz und WachSargeöiet.
§ Flieden. Mit der Vertretung des bis 1. April 1921 beurlaubten Hauptlehrers Hugo Mohr ist der Schulamtskandidat Herr Baumgard betraut worden. Herr Lehrer Baumgard wirkte bereits vom 1. April 1919 bis Ende März 1920 an hiesiger Schule als
und als er an ihrem Hause vorüberfuhr, da warf er einen sehnsücht gen Blick empor; aber kein Blond- köpfchen zeigte sich wie einst, als er, von der Liebe berauscht, hier unten eine ganze Stunde gewartet hatte, bis sie wie zufällig ans Fenster (rat, um ihr süßes Gesichtchen bei seinem Anblick hold errötend wieder zurückzuziehen.
Das war längst vorbei; jetzt verachtete sie ihn, und das schönste daran war, daß er absolut keinen Grund für ihr Benehmen wußte.
„Und ich rat Ihnen wohlmeinend", haste sie auf jenem Feste zu ihm gesagt, „so sehr Sie sich auch sträuben mögen, ein armes Mädchen zu der Ihren zu machen, überwinden Sie sich!
Haha, es war rein lächerlich! Er, der in seinem ganzen Leben keine andere geliebt hatte als sie, er mußte sich derartigen Unsinn von ihr sagen lassen. Aber gemach! Einst kam wohl der Tag, da er vor ihr gerechtfertigt dastand, wenn sie dann auch schon längst gewählt hatte und fein Lebensglück auf immer zert ür mert war!
Als der Wagen durch die Leipziger Straße fuhr, sah er vor einem großen Luxasgsschäft einen eleganten Wagen, aus dem Leutnant Neudeck, sein einstiger Rivale, ausllteg ; während der Diener die Zügel hielt, trat der Offizier in den Laden.
Es war nur ein Moment des Schauens, denn schon im nächsten Augenblick war die Kreuzung der Friedrich- straße erreicht, und im Galopp eilte das Gefährt dem Hause, zu, in dessen Innern Waldau das Urteil über feinen Freund zu hören hoffte oder fürchtete: Leben und Freiheit oder bürgerlichen Tod!
Der Detektiv hatte ihn schon erwartet; er wurde sofort in das Allerhelligste geführt.
Vertreter des damals noch in Gefangenschaft schmachtenden Lehrers Heidt dahier. — In einer am verflossenen Donnerstag stattgehabten Versammlung der Vertreter der hiesigen Gemeinde und Korporationen wurde zu Ehren der zahlreichen Opfer des große» Krieges der Bau eines Schwesternhauses im Prinzip beschlossen.
§ Gelnhausen. Ein Storch war dieses Jahr hier geblieben und hat sich nunmehr in einem Gehöft in Hailer angesiedelt, wo er wohl den Winter über mit den Gänsen verbringen wird. Tagsüber lief er in der letzten Zeit auf den Feldern umher, um seine Nahrung zu suchen, die jetzt für ihn spärlich wird. Hoffentlich gewöhnt er sich an die Hauskost seiner Quartierwirte, die ihn ausgenommen haben.
§ Hanau a. M. (Verbreche» oder Unglückssall?) In der Nähe der Station Bischofsheim-Rumpenheim wurde die Leiche eines jungen Mannes aus Norden bei Emden mit schweren Kopfverletzungen aufgefunden. Ob ein Verbrechen oder ein Unglückssall vorliegt, konnte noch nicht festgestellt werden. Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte die Leiche.
Hanau a. M. Zwei Ungarn, die 20—25 Jahre alt find und nur gebrochen deutsch sprechen, wurden auf dem Ostbahnhofe angehalten und werden nun nach Ungarn übergeführt werden. Nachdem sie 1918 aus der französischen Gefangenschaft entlassen worden waren, arbeiteten sie bei zwei Schlossermetstern in Parts; sie sollten jedoch in die Fremdenlegion eingereiht weiche» und flüchteten daher.
§ Frankfurt a. M. Hier ist ein Frauenverhand der Provinz Hessen-Nassau gegründet worden; er wird eine Untergruppe des Bundes deutscher Frauen« vereine sein. Zur Vorsitzenden wurde Frau Johanna Wescher-Caffel gewählt.
§ Aus dem Ried. In Darmstadt wurden drei Männer aus Mannheim und Bürstadt zu je 5 Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie einem Förster in Bürstadt 6 Schinken, Wurst und sonstiges Fleisch gestohlen hatten. Bei der Zeugenvernehmung aber stellte sich auch heraus, daß der Förster durch Schwarzschlachtung zu diesen vielen Schinken gekommen war. Also wird auch er empfindlicher Strafe entgegensehen.
8 Hünfeld. In dem benachbarten Roßbach brachein Schadenfeuer aus, dem zwei Scheunen mit sämtlichen Futtermitteln zum Opfer fielen. Den alarmierten Feuerwehren gelang es, weiteres Umsichgreifen zu verhüten.
§ Wolfhagen. (Mit seinem Eigentum verbrannt.) Das Anwesen des Landwirts Johannes Kranz brannte bis auf den Grund nieder. Der 44 Jahre alte Besitzer, wurde verkohlt unter den Trümmern aafgcfunden.
§ Caffel. Ein Landstreicher, der sich als Dr. Lange ausgab und auch Papiere auf diesen Namen bei sich
„Es ist die höchste Zeit, Herr Doktor," rief ihm Weiler entgegen, „denn mein Urlaub ist in einer Stunde zu Ende. Wir müssen uns daher beeilen."
„Ihr „Urlaub?" fragte Waldau, indem er große Augen machte.
„Nun ja," erwiderte der andere mit pfiffigem Lächeln, „ich habe jetzt eine feste Anstellung. Doch das kann Ihnen vorläufig gleichgültig fein. Weshalb ich Sie hierher gerufen habe, betrifft höchst wichtige Schriftstücke, die ich Ihnen vorlegen woäte, um Jhuen zu beweisen, wie tätig ich in Ihrer Angelegenheit gewesen war. Ich glaube, Sie werden es mir Dank wissen."
Er schritt auf feinen Geldschrank zu und entnahm ihm das Päckchen, das er in des Freiherr» Schreibtisch gefunden hatte
„Ich habe nämlich einen wichtigen Fund gemacht, aber fragen Sie nicht, woher ich ihn habe; ich pflege meine Geschäftsgeheimnisse so lange für mich zu behalten, bis das Geschäft endgültig zustande gebracht ist. Doch will ich Ihnen soviel verraten, daß dieses Päckchen eine Art Tagebuch ist, das von der Hand des Freiherrn geschrieben ist."
„Ist es möglich!" rief Waldau aufs höchste interessiert aus, indem er die Hand darnach ausstreckte, Der Detektiv aber zog die feinige schleunigst zurück.
„Die Blätter kommen vorläufig nicht aus meiner Hand! sagte er, „aber ich werde Ihnen die betreffenden Seiten jcht gleich zum Lesen geben, die für die Sache von Wichtigkeit find und geeignet, etwas Klarheit in das Dunkel zu bringen."
(Fortfetzung folgt.)