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ZUchterner Zeitung

Anzeiger für Die amMchen Leknnntmnchullgen im Kreise Zchlüchtern.

: I «tWgSpreiS frei HauS, vorauszahlbar »iertelj. 5,80 Ml., (durch die Post ohne Bestell« gelb). Erscheint Dienstags, Donnerstags und ZamStagS. Druck und Verlag T. Hohmeister, «ersatwortr. H.-L. Hohmeister, Schlüchtern. Fern« ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten ®e> schäftSoerkehr mit der Firma Schlüchtern.

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Weiteste ZeiLmg im Kreise; ZegrÄrset im Jahre 1849.

leite oder beten Raum le 2,- Mt. Bei B-triebs.

Schadenersatz oder Minder« gebühr einschließlich BezugS. Keine Bewähr für Platz, Aufnahme.Zeit und Beleglieferung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischenkosten. Zählkarte Frankfurt a. Main Nummer 11402

H 124.

Denneretae, beut 21. ® steter 1920.

72. JaPrgaitd

Kur Stadt und Kreis.

GchlÜchters, den 20. Oktober 1920.

* Herr Hensler, Kirchstraße hat von heute ab das Austrage« derSchlüchterner Zeitung" im Bezirk der Stadt Schlüchtern wieder übernommen.

* Am Sonntag, den 17. Oktober fand im Hrff. Hof ein sehr gut besuchter Familienabend statt, der von der Deutschnationalen Volkspartei für Mitglieder und Freunde veranstaltet worden war. Eine reiche Vortrags- folge durchweg ernsten Inhalts wurde geboten. Gesangs-, Gedichts-, Violin- und Klaviervorträge, gemeinsame Lieder waren der Inhalt des Abends. Im Mittel­punkt desselben stand die Rede, die Herr Pfarrer Werner aus Frankfurt hielt.

* Elm. (Lamari!) Ein ganz besonderer Kunstge­nuß steht dem hiesigen Publikum bevor. Der gefeierte Zauberkünstler und GedankenleserLamari" wird am Samstag und Sonntag, den 23. und 24. Oktober in Elm im Gasthaus zu den 7 Brüdern zwei große Gastspiele geben. Lamari war überall, wo er gastierte, der Gegenstand begeisterter Huldigungen für seine erst- klaffigen Darbietungen. Wer fich einmal wirklich gut amüsieren will, dem empfehlen wir einen Besuch zu den hochintereffanten Vorführungen Lamart's. Eintritts karten find im Vorverkauf 50 Pfennig billiger und vom Samstag mittag ab im Gasthaus dortselbst er« häUlich. (Näheres siehe Inserat.)

* Soden. Herr Dr. Strünckmanu hierselbst gibt eine »exe Zeitschrift heraus, welch e den TitelDer christliche Revolutionär" führt! Der Herausgeber ist der Ansicht, daß die politische Revolution langsam in wirtschaftliche übergeheu wird, die beide aber enden werden;in einer kirchlich-religiösen. Den Nachweis dieser kommenden kirchlichen Revolution zu bringen, ist eine der Aufgaben der Zeitschrift. Der Lettaufsatz der ersten Nummer beginnt mit dem Bekenntnis:Ich be- kenne mich zu Jesus Christus; Ich bin ein Deutscher (eine Deutsche); Ich fühle mich verantwortlich für meine und meines Volkes Reinheit." Der Verfasser M des Weiterey der Anschauung, daß einerseits das Deutsch-lein und Christ-sein zusammenfallen, andererseits aber auch Christ sein und Sozialtst-sein. Die meisten Freunde dürfte derChristliche Revolutionär" zunächst in Württemberg finden.

Aus Provinz und Wachöargeöiet.

§ Frankfurt a. M. Der Erfolg der dritten Frank- furter Reffe wird auch dadurch gekennzeichnet, daß weit über die Hälfte der Aussteller ihre Plätze schon für die nächstjährige Frühjahrsmeffe bestellt hat.

Feindliche Stiebe«.

Roman von Jost Freiherr« von Steinach.

(Fortsetzung.)

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Jetzt betrachtete er die Rückwand genauer, und richtig, an der gegenüberliegenden Seite war symmetrisch ein ganz gleicher Kopf angebracht.

Nun war jeder Zweifel ausgeschloffen: hier steckte der Schlüssel zu dem Geheimnis, dem er nachspürte. Es handelte sich für ihn nur darum, den Mechanismus herauszubekommen. Aber das war nicht so einfach. Und die Zeit drängte dazu, denn inzwischen waren beinahe drei Stunden vergangen. Er leuchtete wieder- Holt die Rückwand an der Stelle ab, wo die einzelnen ^rile zusammengeleimt waren. Mit Hilfe der Schneide seines Taschenmessers fand er auch endlich heraus, daß die Teile zwar dicht aneinander lagen, tatsächlich aber gar nicht fest zufammenhingen, und an einer Stelle tonnte er gar die ganze Klinge hineinschieben. Die beiden Spitzen mußten unzweifelhaft die Federn sein, bie das Geheimfach öffneten. Er ergriff beide zu gleicher Zeit und wollte sie soeben Htueinzudrückeu versuchen, als er draußen auf dem Korridor ein leises Geräusch vernahm, wie wenn jemand auf Pantoffeln heraugeschlürft käme. Im Nu hatte er die Blendlaterne nach der Wand gekehrt und blieb bewegungslos stehen, angehaltenem Atem.

an lauschte, indem die Hand mechanisch nach der ^affe griff, für den Notfall! Die Schritte kamen näher und machten schließlich vor der Tür halt. Weiler hatte sich indessen leise nach dem Sofa geschlichen und nch uuter das Polster gelegt. Wenn er entdeckt wurde, 1v konnte er nicht nur gerichtlich herangezogen werden, onvern-H«ch seine Mission war dann für ewige Zeiten

§ Kelsterbach. (SonderbareAcpfel", die einen Weinfaß verursachten). Wegen der vielen Bahndieb- stähle werden jetzt alle Sendungen bei der Empfangs­station nachgewogen. So ging es auch mit einem Kistchen, dessen Inhalt alsArpfel" deklariert war. Da fünf Pfund fehlten, so wurde es geöffnet und man fand 15 Pfund Butter und 50 Eier. Der Empfänger wird für die fehlenden fünf Pfund entschädigt natürlich mit dem Aepfelpreis.

§ GricSheim. (Der Nachttopf als Kochgeschirr französischer Kulturträger). Ein' hiesiger Ortsbürger hatte kürzlich wie üblich des Morgens sein Nachtgeschirr, einen Emailletopf, auf den Lattenzaun gehängt. Als der Topf nachmittags geholt werden sollte, war er ver­schwunden und als man auf die Suche ging, fand man ihn bei einer Wache gelber Franzosen, die das Feld wegen des Schießens absperrten. Eigenartig war nur der neuartige Verwendungszweck, den der Topf gefunden hatte er stand nämlich auf dem Feuer und es brodelte darin lustig ein Erbsengericht, das Mittagessen der Wache. (Eine Besudelung des deutschen Namens). Ein geschäftstüchtiger Mannheimer hat im hiesigen Konzerlhause Roth, das er zu diesem Zwecke ankaufte, ein Freudenhaus mit 18 deutschen Mädchen eingerichtet. Die Hauptbesucher sind natürlich farbige Franzose».

§ Harxheim-Zell. Eine richtige Wohnnngruot- Tragödie spielte sich hier ab. Ein junger Landwirt, der bei seinen Eltern lebte und der nicht weniger denn 14 Geschwister hatte, wollte heiraten und seinen jungen Hausstand ebenfalls bei seinen Eltern einrichten. Die Eltern, die bei dem reichen Kindersegen ohnehin keine« Platz hatte«, wollten dies- u;^ zu^ben. Aus Wut über die verzögerte Heirat ging nun der junde Mann hin und versuchte Scheune und Wohnhaus in Brand zu stecken. Vom Vater und Bruder bei diesem Treiben überrascht, schlugen sie den unüberlegten Menschen mit Hacke und Schippe zusammen, sodaß er schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht wurde.

Zwei Monate Erfüllung von Spaa.

Am 1. Oktober ist das Spaaer Kohlenabkommen 2 Monate in Kraft gewesen. In dieser Zeit ist es gelungen, 2 Millionen Tonnen monatlich bis auf ge­ringe Reste abzuliefern. Erkauft ist diese Vertrags­erfüllung allerdings mit einer äußersten Einschränkung des deutschen Kohlenverbrauchs und mit dem Verzicht auf die Bereitstellung von Vorräten für den kommenden Winter. Im ReichSkohlenrat hat Generaldirektor Köngeter in der vergangenen Woche darauf hingewiesen, daß Deutschland die Folgen der großen Kohlentribute, die ihm auferlegt sind, erst richtig spüren werde, wen» wir einen strengen Winter bekommen sollten. Ende der vergangenen Woche veröffentlichte das Wolfs Büro

gescheitert. Die Person schien eine Weile an der Tür zu horchen, machte aber keinen Versuch, die Tür zu öffnen; ungefähr fünf Minuten vergingen so, dem Detektiv beuchten fie eine Ewigkeit. Dann aber atmete er auf; er hörte die Schritte stch langsam nach der entgegengesetzten Richtung entfernen. Es war sicher eine Frauensperson, dem Gange nach zu urteilen. Weiler hatte jedoch keine Zeit mehr, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, denn das sah er jetzt ei«: so sicher war er hier doch nicht, und wenn er heute zu keinem Resultat gelangte, wer weiß, ob er noch einmal in die günstige Lage kam!

Rasch kam er unter dem Sofa hervor und schlich wieder zu dem Schreibtisch hinüber. Und als er jetzt die beiden Federn zu gleicher Zeit hineinstieß, da ging es wirklich: Er hatte sich nicht getäuscht, der hintere Teil, das Gegenstück zu der Verschluß seite des Schubfaches, fiel herunter, von Scharnieren fest- gehalten, und zu feiner größten Freude fand Weiler einen schmalen Hohlraum vor, in dem ein zusammea- gebundenes Päckchen und eine kleine Schachtel steckten.

BeideS zog er hervor; als er die Schachtel öffnete, befand sich nur eine Locke hellblonden Haare» darin, und er vermutete sofort, wohl nicht mit Unrecht, daß dieses so sorgfältig aufbewahrte Haar ein Andenken sein müsse, das von der ersten Frau des Freiherrn stamme. Vorsichtig schloß er wieder das Schächtelchen und steckte es in die Tasche. Man konnte ja nicht wissen, wozu es noch gut fein konnte! Nun schnürte er das Päckchen auseinander: es bestand aus einzelnen Blättern, die sämtlich, der Handschrift nach, die er als Unterschrift unter einigen alten Kontrakten vorher gesehen hatte, unzweifelhaft von dem Verstorbenen selbst geschrieben waren.

ein Telegramm der bekannten westdeutschen Kohleuin- dustriellen Kirdorf, Stinnes und Vögler, d".ß die Kohleu- knappheit am Rhein zur Stillegung zweier weiterer Hochöfen gezwungen habe. Daß wir während der Monate August und September, also in 2 Sommer­monaten, die Spaaer Kohlenlieferungspflicht, wenigstens annähernd, erfüllten konnten, beweist nicht, daß diese Lieferungspflicht auf die Dauer erträglich ist. Still- legung von Hochöfen bedeutet nicht nur Arbeitslosigkeit für die dort Beschäftigten, sondern für eine ganze Reihe von Arbeitern und Angestellten in der eisen-verarbeiten« den Industrie.

Aelthw-l.

Berlin, 20. Oktober. Dem Vorsitzenden des Exekutivkomitees der 3. Internationale Sinowjew und dem Präsidenten des allgemeinen russischen Gerwerk- schaftsverbandes Losowsky wurden die Auswetsungs- ebfehle zugestellt.

Aus Moskau wird gemeldet, daß Japan sich der Insel Sachalin bemächtigt habe. Die guten Japaner wollen doch auch ihre Beute haben.

Eine neue Konferenz soll in Genf stattfinde«. Wie Reuter erklärt, sind die französische, die englische und die belgische Regierung einmütig der Meinung, daß es wünschenswert ist, in Genf eine Konferenz abzuhalten, um mit den deutschen Delegierten über die Entschädigungen zu beraten. Die drei Regierungen find gegenwärtig mit Beratungen beschäftigt, die bezwecken, den genauen Charakter und die Obliege». Heilen einer Vorkonferenz der Sachverständigen festzu- srtzen, deren Notwendigkeit anerkannt worden ist.

- (Polen hält deutsche Schiffe fest.) Auf Ersuchen der amerikanischen Lebensmittelkommission in Danzig hat Deutschland im Frühjahr 1919 Polen zur Be­förderung von Leben-mitteln aus Danzig und Königs­berg sechs bis sieben Schlepper und 150 Kähne über­lassen. In dem damals abgeschlossenen Vertrage war vereinbart worden, daß Polen der Rückkehr der deutschen Schiffe keine Hindernisse bereiten würde. Das polnische Ministerium des Auswärtigen hatte außer­dem die Erlaubnis zur Rückkehr der- - Schiffe feierlich anerkannt. Trotzdem hielt Polen die deutschen Schiffe fest und gab fie auch auf die wiederhotten Vorstellungen der deutschen Regierung nicht heraus. Im August d. Js. wurden sogar 90 Schiffe militärisch besetzt und die deutschen Schiffer vertrieben. Auf die dauernden Vorstellungen der deutschen Regierung hat nunmehr, wie halbmmlich mitgeteilt wird, das polnische Außenministerium erklärt, daß die Rückkehr der Schiffe nach Deutschland erfolgen dürfe. Es schweben noch

Er laß dle erste« Seiten, blätterte darin, um das ganze endlich befttedigt einzustecken. Das sollte vor­läufig seine einzige Lektüre bilden, und daß ste interessant war, das erkannte er schon aus dem Anfang.

Er verschloß das Fach, schob den Schreibtisch an seine alte Stelle und versetzte alles in den vorigen Zustand, so daß niemand ahnen konnte, daß hier unterdessen ein Unbefugter gehaust habe.

Run schlich er zur Tür und horchte angestrengt hinaus. Doch nichts rührte sich. Da wagte er endlich hinauszuschletchen und ging, nachdem er die Tür fest verschlossen, mit seinem Raube ungehindert von bannen.

Daß es die höchste Zeit für ihn gewesen, erfuhr er am nächsten Tage durch Fräulein LiSbeth, die ihm mitteilte, daß die Baronin plötzlich den Wunsch geäußert, die Schmuckschatulle zu sehen, und daß fie gerade no 4 Zeit gehabt, um die Schlüssel an ihren Srt zurückzulegen.

Als aber die Baronin ihr die Schatulle zurück- gegeben, da hatte sie sich sämtliche Schlüssel vorher angeeignet.

Nun wußte Weiler genau, wer in der vorigen Nacht an der Tür gehorcht und ihm solchen Schrecken eingejagt hatte.

17 Kapitel. ,

Es war ein eisiger Februarmorgen, als Doktor Waldau ein Schreiben folgenden Inhalts erhielt: Sehr geehrter Herr Doktor! Ich erwarte Sie um 11 Uhr in meinem Bureau. Ich habe Ihnen äußerst wichtige Mitteilungen zu machen, die Ihnen sicher einige Freuden bereiten werden.

(Fortsetzung folgt.)