Ichlüchterner Zeitung
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KHWchterver MeisKlatt
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M 119.
S« »x.tag, den 9. Gktrbsr 1920.
78. Jahrgang
Was will die landwirtschafttiche Winterschule?
Zunächst ist eS Aufgabe der Winterschule, die Kenntniffe, welche die Schüler in der Volksschule gesammelt haben, aufzufrischen, zu befestigen und zu erweitern. Wie notwendig das ist, zeigt sich in jedem Mkler beim Eintritt der neuen Schüler. Wieviel ist da gerade von dem vergeffen, was für das spätere Leben unumgänglich nötig ist! Nach der Ent affung von der Volksschule wird die Feder von vielen kaum mehr angerührt, ein Buch nicht mehr in die Hand genommen. Da geht das Erlernte schnell verloren, und dann macht man beim Eintritt der neuen Schüler die trübe Erfahrung, daß es bei manchem mit dem Schreiben und Lesen der Muttersprache schlecht bestellt ist, daß es mit dem Rechnen sehr hapert. Die Lehrer an den Winterschulen wissen ein Lied davon zu fingen. Deutsch und Rechnen nehmen daher im Lehrplan der Winterschule einen breiten Raum ein. Uebungen im Lesen, Schreiben, in der Anfertigung von Aufsätzen und geschäftlichen Schreiben verschiedener Art sollen die jungen Leute dahin bringen, daß sie später die vor- kommendm schriftlichen Arbeiten selbst anfertigen können und nicht auf fremde Hilfe angewiesen sind. Selbst ist der Mann! — Mit dem Rechnen und Berechnen solcher Aufgaben, wie sie im Beruft des Landwirts jeden Tag vorkommen, sieht cs bet manchem neuen Schüler ebenfalls trübe aus. Auch hier sollen deshalb durch fleißige Uebung die Kenntnisse in diesem heute so nötigen Fach befestigt und erweitert werden.
Weiter aber urb der Hauptsache nach ist es die Aufgabe der Winterschule, den Landwirtssöhnen eine tüchtige Fachbildung, ihnen diejenigen landwirtschaft lichen Kenntniffe zu geben, die heute für den landwirtschaftlichen Betrieb unbedingt nötig sind. Dieser spielt sich ja nicht mehr in so einfacher Weise wie früher ab, sondern eS ist viel Neues hinzugekommen, Dinge, über die jeder Landwirt Bescheid wissen muß. Es sei nur an den Gebrauch der künstlichen Düngemittel erinnert. Wie mancher Fehler wird da aus Unkenntnis noch begangen! In gar mancher Versammlung stellt sich das heraus. Behnlich steht es mit der Fütterung und mit vielen anderen Dingen. Hier soll die Winterschule helfend eingreifen, soll dem jungen Landwirt mit den Fortschritten auf dem Gebiete, des Acker- und Pflanzenbaues, der Viehzucht, der ganzen Wirtschaftseinrichtung bekannt machen, damit er imstande ist, Fehler vermeiden zu können, deren Begehung oft mit Geldverlusten verbunden ist. Es werden Ausflüge in gut geleitete Betriebe unternommen, damit den Schülern Gelegenheit geboten
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Feindlich« Brüder
Roman von Jost Freiherr« von Steinach 55 (Fortsetzung.)
Er drängte sie zum Ausgang, sodaß sie notgedrungen mit Tränen in den Augen das Zimmer verlassen mußte; im nächsten Augenblick trat das Mädchen ein und überreichte auf einem silbernen Tablett eine fein lithographierte Karte, und über den Namen prangte eine sieben- zackige Krone.
Der Oberst richtete sich straff empor, zog die Schöße seines Rockes herunter, streichelte wie liebkosend über seine Orden und sagte: „Ich lasse bitten!"
Nun standen sich die beiden Männer gegenüber.
Der Oberst schüttelte dem jungen Krieger die Hand- und bat ihn, Platz zu nehmen.
„Herr Oherst," begann der Leutnant, „es ist wohl aas beste zwischen zwei Männern, nicht erst Winkelzüge tu machen, sondern gleich mit der Sprache herauszu- kommen. Sie kennen die Gefühle, die ich für Fräulein Hilde hege, zur Genüge und wenn Sie nebst Ihrer werten Frau Gemahlin sowie Fräulein Tochter mit meiner Bewerbung einverstanden sind, so wären alle Hinderuiffe beseitigt, denke ich."
„Donnerwetter, Sie gehen ja gleich im Sturme
Meine Tochter hat mich beauftragt, Ihnen ihr ^wort zu geben, wobei ich Sie darauf aufmerksam wachen möchte, daß Sie mit ihr clw'.s subtil umgehen wuffen. Sie ist unser Einziges, wie Sie w.ffen, und ^ese Racker werden meist verzogen und eigensinnig.
müssen sie eben nachher tüchtig an die Kandare nehmen, da werden sich alle Mucken geben."
^ Er stand auf und nahm eine ffehr feierliche wttne an.
ist, das in der Schule Gehörte in der Praxis kennen zu lernen.
Ferner ist es Aufgabe der Winterschule, die jungen Leute zu erziehen, und zwar einmal zum selbsttätgen Denken und Ueberlegen. Das Denkvermögen soll durch den Unterricht geschärft werden, mit Ueberlegung sollen die jungen Landwirte an alle im Betriebe auftaucheu- den Fragen herantreten. Zum andern sollen die Schüler erzogen werden zu gutem und gesittetem Benehmen, zu Einfachheit, Sparsamkeit, zur Liebe zu Beruf und Scholle,, zur Vatorlandliebe. Das sind Dinge, die den Bauernstand, den ersten Stand im Staate, von jeher geziert haben; sie zu pflegen, ist eine große und schöne Aufgabe der Winterschule.
Das wäre in kurzen Zügen ei» Bild dessen, was die Winterschule geben will. Wer die heutige Zeit kennt, der weiß, daß es alles notwendige Dinge find, doppelt nötig in einer Zeit, in der die Anforderungen immer mehr wachsen und in der alles darauf ankommt, die eine heimische Erzeugung zu steigern und zu verbillge». In jedem Berufe kommt heute der am besten vorwärts, der eine gründliche Ausbildung genossen hat. Diese den Kindern zu gebe», ist auch für den Landwirt das beste, was er tun kann. Deshalb ist auch der Einwand, daß der Besuch der Winterschule zuviel koste, nicht stichhaltig. Mancher Landwirt glaubt ja, es sei klüger, das Geld für den Besuch der Winter- schule zu sparen und es den Söhnen später in bar mitzugehen. Eine gute Ausbildung ist aber heutzutage mehr wert als ein paar Hundert Mark Papiergeld, kenn die erworbenen Kenntnisse verhelfen dazu, Jahr für Jahr aus dem Grund und Boden höhere Einnahmen als früher herauszuwirtschaften. Auf diese Weise trägt das Kapital, welches zur Erlangung einer gründlichen Ausbilduna verwandt wird, reichen Ztas„ und es ist stets ein Sparen an der verkehrt-» Stelle, wenn an den Kosten für eine gute Ausbildung gespart wird.
Bei sehr vielen Schülern ermäßigen sich die Kosten ja auf einen geringen Betrag dadurch daß Bahn und Rad die Möglichkeiten bieten, jeden Abend nach Hause zu kommen.
Oft wird der Einwand erhoben, der Sohn sei in der Wirtschaft nicht zu entbehren. Bei ernstem Willen läßt sich diese Schwierigkeit in den meisten Fällen überwinden. Früher als der Sohn zum Militär kam, mußte es auch ohne ihn gehen, zwei bis drei Jahre, während der Besuch der Winterschule nur zweimal fünf Monate im Winter, in der arbeitsarmen Zeit erfordert. Diese zweimal fünf Monate geben ihm eine Beruisbildung fürs ganze Leben.
Mancher alte Landwirt hat bedauert, daß es früher keine Winterschule gab; er hätte sie gerne besucht.
r „Und so heiße ich Sie zum zweiten Mal herzlich willkommen. Was wir an Ihnen am meisten gefallen bat, das ist Ihr offener Blick und Ihre uneigennützige Liebe zu meiner Hilde. Denn das kann ich Ihnen sagen: Nur einem Manne, der sie wahrhaft liebt, gönne ich sie, denn dazu ist sie mir doch zu sehr aus Herz gewachsen. Und nun lassen.Sie uns noch rasch das Geschäftliche erledigen."
„Aber ich bitte doch sehr," protestierte Edgar, fast gekränkt.
„Herr Baron, ich weiß ja, daß Sie keinen Wert darauf legen, und Gott sei Dank das auch nicht nötig haben, aber was sein muß, das muß sein. Es handelt sich ja nicht um die Liebe allein, sondern um eine lebenslängliche Verbindung von zwei Leuten, die nicht gewohnt sind, sich einzuschränken. Dazu gehören in unserem Stand beträchtliche Mitt-l, über die wir glücklicherweise verfügen."
„Aber ick versichere Ihnen, Herr Oberst," sagte der andere, „daß mir dieses Thema direkt unerquicklich ist und Sie mich verbinden würden, wenn wir endlich ins Reine kämen und ich meine Braut begrüßen könnte."
Der Oberst klopfte ihm zärtlich auf die Schulter, blieb aber starrköpfig und begann von neuem : „Lieber Baron, Ordnung muß sein, ich will es aber ganz kurz machen. So erfahren Sie denn, daß meine Tochter bet meinem Tode kolossale Mittel zu erwarten hat, wo» denen sie nur meiner Frau, falls diese nach mir stirbt, einen Teil von den Zinsen abzugeben hat. Dagegen erhält sie während meinen Lebzeiten —"
Aha! Der Offizier spitzte die Ohren.
Heute find sie vorhanden. Möchten sie von recht vielen Landwirten benutzt werden, den Söhnen eine gründliche Berufsbildung, die sie später so nötig haben, zuteil werden zu lassen!
Aus Stadt und Areis.
SchlüchLrru, den 8. Oktober 1920.
—* Wir machen unsere Leser auf die heute abend im „Hessischen-Hof" stattfindende öffentliche Konsumvereinsversammlung aufmerksam. Der Vortragende ist Revisionsbeamter des Süddeutschen Konsum» ereinsv er- Sandes Sitz Mannheim. Durch jahrelange Erfahrung auf dem Gebiet des Genossenschaftswesens wird Herr Pichler in der Lage sein, uns ein klares und um« fassendes Bild über den Wert von Konsumvereinen gebe» zu können. Es mögen deshalb alle Interessenten zahlreich erscheinen. (Siehe Inseratenteil.)
—* Zur Waffen-Ablieferung. Nur noch wenige Tage zahlen die AbltefernugSstellen die vollen Prämien für die abzuliefernden Waffen, Waffenteile und Muni- tion aus Vom 11. Oktober ah werden die Prämien auf die Hälfte herabgesetzt, vom 21. Oktober ab gar nicht mehr bezahlt werden. Wer daher jetzt noch ab« lieferungspflichtige Waffen zu Hause hat, sollte sich beeilen, sie zu den Ablieferungsstellen zu bringen. Es ist zu bedenken, daß nach Ablauf der Ablieferungsfrist, als» nach dem 1. November, scharfe Kontrolle wegen Waffenbesitzes zu erwarten ist, und daß jedermann, bei dem dann noch Waffen gefunden werden, schwer bestraft wird. Das Gewehr, für das heute noch Sei den Aö- lieferungsstellsn 100 Mk. Prämie (gezählt wird, kann dann seinem Besitzer unter Umständen eine lange und schwere Freiheitsstrafe einbringen. Das muß sich jeder überlegen, der Waffen hat: wer absichtlich gegen den Willen des Gesetzes handelt, oder wer auch durch Gleichgültigkeit oder Unüberlegtheit gegen daS Gesetz verstößt, kann damit sich und seine Familie ins Unglück stürzen.
—* (Waffenabzabe für Kriegervereine.) Von maßgebender Stelle wird der Kyffhäuser-Bund der deutschen Landes-Kriegerverbände darauf hingewiesen, daß die in einem früheren Erlasse des ReichswehrministerinmS ange- ordnete Abgabe der Gewehrs 98 nebst scharfer Munition an die Zeugämter (bezw. Artillerie-Depots) nach dem Inkrafttreten des Entwaffnungsgesetzes nicht mehr in Frage kommt. Kriegervereine, die im Besitze von Gewehren 98 und dazugehöriger Munition sind, habe« vielmehr bei dem betreffenden Reichskommissar für die Entwaffnung bis zu den in den Ausführungsbestimmungen bckanntgegebenen Terminen die Anmeldung zu bewirken. Der Reichskommiffar bestimmt sodann, wann und wohin die Gewehre nebst Munition abzugeben ür).
„Natürlich nichts," fuhr der Oberst ruhig fort.
Leutnant von Ranzenberg sprang, sich selbst ver geffend, heftig empor.
„Nichts?" wiederholte er mit einem Ausdruck, als habe er nicht richtig gehört.
„Ja nichts!" erwiderte der Alte verwundert. „Selbstverständlich bekommt sie eine luxuriöse Ausstattung. Sie scheinen über meine Eröffnungen erstaunt
„O, durchaus nicht — aber — ich glaubte nur, nach diesem Komfort," er sah sich bezeichnend rings um, „annehmell zu dürfen —"
„Hat alles seine Richtigkeit, Herr Baron. Ich röar, ich will nichts beschönigen, früher ein großer Sausewind. Das Vermögen, dessen Zinsen ich verzehre, ist für meine Tochter fichergestellt, was Sie ja, wie ich aus Ihrem eigenen 'Munde weiß, nicht weiter anficht."
„O, mir ist diese Sache doch nicht so gleichgültig, wie Sie denken," versetzte der Leutnant der aus allen Wolken gefallen war und erst allmähli eine Fassung wiedergewann. „Die Geschichte' mit meinem reichen Erbe steht wesentlich anders, als man im Publikum annimmt. Ich will Ihnen nicht weiter mit meinen Erklärungen lästig fallen, aber so viel mögen Sie erfahren: Auf ein Heiratsgut kann ich im Hinblick auf meine ziemlich ansehnliche Schuldenlast auf keinen Fall verzichten."
Der alte Soldat war zuerst starr, bann schwollen ihm die Adern auf der Stirn an, und sein Gesicht wurde krebsrot.
(Fortsetzung folgt.)