Einzelbild herunterladen
 

Zchlüchterner Zeitung

Anzeiger für die amtlichen Bekanntmachungen im Kreise Schlüchtern.

»rmasvreis frei Hans, vorauSrahlbar 6ierttlj. 6,80 Mk., (durch die Post ohne Bestell- aeldi. Erscheint Dienstags, Donnerstags und SamStagS. Druck und Verlag T. Hohmetster, verantwort«. $.-$. Hohmeister, Schlüchtern. Fern- ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Be- schLstSverkehr mit der Firma Schlüchtern.

Schlüchterner Kreisßlatt

Netteste SeHxxß im Kreise; ArgriiAdeL im Jahre 1849.

«gen: 1L Zeile oder deren Raum

)., Reklamezeile 2, Mk. Bei Betriebs­störungen kein Schadenersatz oder Minder- gebühr einschließlich BezugS. Keine Bewähr für Platz, Aufnahme-Zeit und Beleglieserung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen ZwischerKosten. Zählkarte Frankfurt a. Main Nummer 11402.

K 117.

Dienstag, den 5. Oktober 1920.

72. Jahrgang

Aus Stadt und Kreis.

Schlüchtern, 'aeu 4, Oktober 1920.

* (Erntedankfest.) Die Termine der Dankfeste für die Ernte schwanken je nach den örtlichen Verhält- sMen vom 25. September bis 20. Oktober. Die Idörflichen Kirmessen verteilen fich ebenfalls auf diesen Zeitraum und stellen für viele Landgemeinden ein großes Wiedersehrasfest mit Freunden und Verwandten tot, die im Laufe der Zeit in die Ferne gezogen find, für den Landwirt, der in seinen Erfolgen so sehr auf »es Himmels Segen sich angewiesen weiß, ist das Erntefest immer ein liebes Fest gewesen, bei dem fich fn der Kirmes altüberlieferte Gebräuche noch heute aufrecht erhalten haben. Auch die Städter gehen an xm Erntedankfest, nachdem sie im Kriege das Hungern wieder kennen gelernt haben, nicht mehr achtlos vor ider.

* Die Schonzeit für Rehkälber ist für den ge amten Regierungsbezirk Caffel auf das ganze Jahr 1920 ausgedehnt worden.

* (Die Wertgrenze für Nachnahmepakete.) Der steichsrat genehmigte eine Verordnung über Aenderung >er Postordnung dahingehend, daß die höchste Wert' srenze für Nachnahmepakete von 1000 auf 5000 Mark rhöht wird. Die Aenderung gilt nur für den Orts- »estellbeztrk.

* (Wichtig für Reisende nach dem besetzten Ge- >iet.) Im besetzten Gebiet wird am 25. Oktober d. Is. die westeuropäische Winterzeit, welche gegen unsere Zeit um eine Stunde zurück ist, wieder eingeführt. hierdurch sind sämtliche Eisenbahndirektionen genötigt, «bweichend von ihren bisherigen Gepflogenheiten den Winterfahrplan im ganzen unbesetzten Deutschland leichfalls erst am 25. Oktober in Kraft treten zu äffen.

i* Die Erntezeit des Obstes läßt sich nicht kalen- »ermäßig feststellen. Sie richtet sich vielmehr ganz «ach der Witterung des Sommers, auch etwas nach >er Blüte schon, doch ist dies nicht von so großer Bedeutung wie ersteres. Mit der Obsternte sind wir in diesem Jahr viel früher als sonst. Es macht etwa 14 Tage aus. Man beginnt mit der Abnahme der reifsten Früchte, die anderen kommen später an die Reihe. Auch das Mostobst laffe man gut ausreifen; es enthält dann mehr Zucker und ergibt einen besseren und schöneren Most. Leider findet man diese Mah­nung häufig unbeachtet.

* Sulmünster. Wegen Beamteu-Nötigung bei der Viehenteignung in Ulmbach durch die Landjäger wurden nach §§ 113 und 114 des R. St. G. B.vom

Feindliche 8r#>«.

Roman von Jost Freiherr« von Steinach. 54

(Fortsetzung.)

Von dem Leutnant aber wußte sie es ganz

Bon oem Leutnant aber wußte sie es ganz genau, > et fie nur um ihrer selbst willen zu seiner Gattin Aachen wollte; denn so hatte er fich nur zu oft ihr «egenüber benommen, und sie besaß auch ein untrügliches Zeichen für eine völlig uneigennützige Liebe, indem er hrem Vater erklärt hatte, daß ihm> nur an ihrer Person liegen sei und er auf die Mitgift gern verzichte. Und »hatte sie schließlich dem Drängen beider Eltern nachgegeben und ihre Zustimmung erteilt, daß Leutnant »on Ranzenberg seine Visite machen dürfe. Doch schon

Stunde später kam sie eilig zu ihrem Papa und erklärte ihm, daß sie übereilt gehandelt und ihr Jawort als nicht gescheheufzu betrachten sei. Leider war es schon spät, denn die diesbezügliche Mitteilung war bereits »»gesandt, und der alte Haudegen lachte sie nur Mmmig aus und rief, daß er für derartige Frauen- !lMmermätzchen kein Verständnis besitze. Und so mußte fie schweren Herzens in das Unvermeidliche fügen. Unter wohlgefälligen« Betrachten seines Gegenübers ? Spiegel war der Leutnant mit seiner Toillette am nde angelangt. Binnen zwei Stunden war er im Besitz schönsten Mädchens von Berlin und dazu der w,??Sersohn eines reichen Mannes, der sich mehrere ^ttpferde hielt und im Millionärsklub dafür bekannt ar, daß er mit der größten Gemütsruhe einige verlor, wenn, was öfters vorkam, mal der < i Whist von einem kleinen Jeuchen abgelöst wurde.

« ^e alle Abhängigkeit von der knausernden «tler und dem Griesgramm von Bruder ein Ende;

Erbteil, das er von rechtswegen erhalten mnßte,

hiesigen Schöffengericht nachstehende Personen aus Ulmbach bestraft: der Schmiedegeselle A. R. und der Krahnführer I. K. mit je einem Monat Gefängnis, der Wagner R. K. xmtt 1000 Mark und der Schuh- macherlehrling A. H. mit 300 Mark Geldstrafe. B.

* Mottgers. Herrn Förster Drews von hier wurde ab 1. Oktober die Forstschreiberstelle der Obersörsterei Wallenstein übertragen.

Aus Provinz und Wachvargeöiel.

§ Büdinaen. In Gelnhaar stürzte der Kirchen­diener beim Obstpflücken von einem Baum ab. Hierbei blieb er mit dem Kopf zwischen zwei Aesten hängen. Da Hilfe nicht zur Stelle war, erstickte er.

§ Hanau a. M. (Wie der große Unbekannte aus- sah !) Die Post-UrberwachungSstelle hatte ein Schreiben eines hiesigen Kaufmanns aufgefangen, worin er einer französischen Firma zwei Platten Platin im Gewichte von acht Kilogramm uno 6000 Zwanzigfrancsstücke anbot. Er behauptet vor dem Schöffengericht, im Auftrage eines Angestellten der Gold- u. Silberscheide- anstalt gehandelt zu haben, doch konnte er weder den Namen angeben noch war der betreffende Angestellte in der Gold- und Silberscheideanstalt zu finden. Das Gericht fragte den Angeklagten :Wie hat denn der Mann eigentlich ausgesehen?Genau wie Sie, Herr Vorfitzender!" war die promte Antwort. Wegen Ver­gehens gegen die Außenhandelskontrolle wurde der Angeklagte zu einer Woche Gefängnis und 200 Mark Geldstrafe verurteilt.

§ Frankfurt a. M. (10000 Mark gespart.) Ein Kaufmann hatte wegen unerlaubten Großhandels mit Tabakwaren und Lebensmittel einen . Strafbefehl über 10000 Mark bekommen, gegen den er EinsUuch erhob. Er hatte die Waren dem Handel und Kommunalbe- hörden angeboten Vor dem Schöffengericht machte er geltend, daß er lediglich Agent gewesen sei u. geglaubt habe als solcher als Kettenhändler nicht in Frage zu kommen. Das Gericht war der Anficht, es liege ent­schuldbarer Irrtum vor u. sprach den Angeklagten frei.

§ Hess. Lichtenau. Auf dem Bergwerk Glimmerode stürzte ein Bergmann in den Förderschacht und erlitt so schwere Verletzungen, daß er nach kurzer Zeit verstarb.

§ Hersfeld. (Das Vereinsvergnügen und seine Folgen.) Der Kaufmann H. von hier war anläßlich eines Vereinsvergnügens beauftragt worden, die Ver­losungsgegenstände einzukaufen. Hierbei gedachte er einen Nebenverdienst zu ergattern und schrieb eine Rechnung der Firma B. in Höhe von 40 Mark aus, während sie in Wirklichkeit 18 Mark betrug. Die Caffeler Strafkammer verurteilte H. wegen Fälschung

war so wie so nichts Rechtes anzufangen, denn er hatte ihren beiderseitigen Vorhaltungen Recht geben müssen, daß man nicht so ohne weiteres diese Riesensumme aus dem Unternehmen herausziehen könne, und so hatte er sich notgedrungen darein fügen müssen, vorläufig sich mit den immer noch reichlichen Zinsen zu begnügen. Und so konnte er ja auch angesichts der bevorstehenden Verlobung ruhig tun, denn selbstverständlich konnten mit dem HeiratSgut alle seine Schulden beglichen werden. Das würde der Oberst natürlich ohne weiteres begreifen, er, der sich in früheren Zeiten gewiß mehr als einmal in ähnlicher Lage befunden hatte.

Noch einmal sträubte er den Schnurrbart kühn in die Höhe, dann nahm er noch rasch von der Mutter Abschied, die ihn küßte und umarmte. Hierauf stieg er befriedigt die Treeppe hinab und betrat den Vorgarten, vor welchem schon der Ranzenbergsche Wagen bereit stand. Der Kutscher saß bereits auf dem Bock und lüftete beim «Erscheinen des Offiziers den Zylinder, während Franz, der neue Diener, gewandt den Schlag öffnete und hinter seinem jungen Herrn schloß.

Noch einen prüfenden Blick, in dein zu lesen stand : Du hast sicher nichts mit der Sache zu tun!" warf er in das Innere, dann bestieg er ebenfalls den Bock und heidi giugs im Galopp durch die Straßen einer goldenen Zukunft entgegen.

Währenddessen schritt der Oberst im schwarzen Gehrock, seine sämtlichen Orden auf die Brust geheftet, im C alon auf und nieder. Ihm war höchst unbehaglich zu Mute; abgesehen davon, daß er heute sein Morgenspiel verpaßte, ging ihm die ganze Geschichte etwas an die Nieren. Kreuzmillionenschockschwerenot, es war doch am Ende keine Kleinigkeit, das beste und schönste, was man besaß, einem Wildfremden in den

einer Privaturkunde und wegen Betrugs zu sechs Wochen Gefängnis.

§ Erfurt. Ueber 200 Schafe sind in Bexleben in einem Stall umgekommen. Die Schafe waren von der Weide in den Stall getrieben worden und erstickten infolge ungenügender Ventilation.

§ Seligenstadt. (Weil er sich in Not befand.) Der Kriegsinvalide Fr. Hein aus Seligenstadt, bisher unbestraft, der im Kriege den rechten Arm verlor, schwer Arbeit bekommen konnte und sich in Not befand, war zweimal dabei, wie sein Freund Fr. Funk aus der elterlichen Kasse Geldbeträge von 150 Mark und 50 Mark entwendete und erhielt auch seinen Anteil; schließlich ging er auf eigene Faust vor und stahl aus der gleichen Kasse den Geldbetrag von 1300 Mark, die er aber nach der Entdeckung wieder ablieferte. Auch hat er etwa 60 junge Eschen für Bohnenstangen entwendet. Er wird zu einer Gesamtstrafe von 5 Monaten Gefängnis verurteilt.

§ Melsungen. Unter Vorsitz des Lehrers Rosenstock Caffel tagte mit 400 Vertretern hier der Hess. Volks- schullehrerverein. Kretrschulrat Ktmpel wurde in An­erkennung seiner Verdienste zum Ehrenmitglied ernannt.

§ Naumburg, Bez. Caffel. Vor einigen Tagen. wurde hier auf dem Felde in der Nähe der Stadt ein Holzkistchen mit Inhalt aufgefunden. Der Finder, ein Landwirt, eröffnete die Kiste und entdeckte darin ein neugeborenes Kind, das bereits in Verwesung überge­gangen war.

§ Caffel. Der verhängnisvolle Revolver spielte vor der Strafkammer mal wieder eine recht betrübende Rolle. Der 19jährige Bäckergehilfe M. gedachte in Willingen (Waldeck) einen Freund zu besuchen, den er jedoch nicht antraf, wohl aber deffen Frau. Die Frau St. bat nun den M, einen auf einem Schranke lie­genden Revolver zu untersuchen, ob er geladen sei, was M. auch tat. Plötzlich ging der Schuß los und die Frau brach tot zusammen. M. hatte sich wegen fahr­lässiger Tötung zu verantworten, ihm wird das beste Zeugnis ausgestellt, das Gericht billigte ihm mildernde Umstände zu und verurteilte ihn zu zwei Monaten Gefängnis. St., der Ehemann der auf so tragische Weise verschiedene» Frau, will sich die Waffe wegen der vielen Einbrüche angeschafft haben. Das Gericht ver­urteilte St. nur wegen unbefugten Waffenbesitzes zu 50 Mark Geldstrafe.

§ Caffel. Auf der Strecke zwischen Eisenach und Bebra wurde ein Schaffner von einem Schnellzug ge­faßt und überfahren. Die Räder trennten den Kopf vom Rumpf.

§ Caffel. Ein guter Fang ist einem Beamten der Dieb- stahlsabteilung von der hiesigen Kriminalpoltzeilauf dem Bahnhof Wilhelmshöhe gelungen. Sie hatte in Ersah-

Rachen zu werfen. Der Leutnant gefiel ihm ja so weit, jedenfalls weit besser als der arrogante Zivilist, der ei damals gewagt hatte, seine Blicke zu einer adeligen Oberstentochter zu werfen! Aber schlimm war eine solche Trennung doch immer! Da hatte man nun so ein Mädel sorgfältig herangezogen und wofür? Damit-plötzlich ein verliebter Dachs käme und sie aus dem Hause führte, in eine unbekanüte Zukunft.

Na, es ließ sich in solchen Fällen nichts mache«, das war eben der natürliche Lauf der Dinge. Schwamm darüber! Halt, fuhr da nicht ein Wagen vor?

Der Oberst ging mit raschen Schritten nach dem Fenster und lugte vorsichtig hinunter. Wahrhaftig er war es! Und wie sah er aus! Alles blieb stehe« und sperrte Mund und Nase auf. Er hatt: bei dem Schauen ganz überhört, daß sich die Seitentür geöffnet und Hilde angstvoll hineinlugte.

Endlich hörte er ihr geräuschvolles Räuspern.

Na, was gibt es denn, HIldchen?"

Ach, ich habe solche Angst, Papa!"

Unsinn: Weiberfiausen! Linksum kehrt, marsch! Der Feind rückt an!"

Ach, Papa, sag doch nicht gleich Ja und Amen dazu.^ Wir können es doch erst . reiflich überlegen."

Dazu hattest Du bis jetzt genügend Zeit. Also keine Widerrede; horch, es läutet, er ist es, Kopf hoch und getrost dem Geschick in die Augen geschaut, ich glaube, er hat es mit Dir noch immer ganz gut gemeint."

(Fortsetzung folgt.)