Schlüchterner Mung Anzeiger für bie amtlichen Mkmmtmachmlgm im Kreise Schlüchtern. SchWcht«m«r Meisttatt Aelttstt Stiixxg im Kreise; gegrMet im Jahre 1849.
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JE N2. Dsnnevstag, den 25. Septembsv 1920. 72. Jahrgang
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Aus Stadt und Kreis.
Schlüchtern, den 22. September 1920.
—* Bei dem am 19. Sept. 1920 stattgefundenen Abturnen des Turnvereins Schlüchtern. wozu sämtliche Vereine des Kreises eingeladen waren, konnten folgende Turner Preise erringe«:
L Oberstufe: a) Zwölfkampf.
1. Preis Hans Dorn, Schlüchtern
2. „ Leo Ebert, „
3. „ Wilh. Dehler,
b) Neunkampf.
1. Preis Ignatz Ruppel, Soden, 2. „ Heinr. Freund, Schlüchtern,
3. „ Josef Göbel, Salmünster,
4. „ Karl Bös, „
5. „ Adaur Hausmann, Schlüchtern,
6. „ August Kobitz,
6. „ Melchior Heinbuch,
11. Unterstufe: a) Zwölfkampf.
1. Preis Josef Hofacker, Soden,
2. „ Heinrich Fky, Schlüchtern,
3. „ Ph. Linkersdörfer, „
4. „ Hartwann Müller, Sterbfritz,
5. „ Wilhelm Erst,
6. „ Kaspar Sperzel,
7- „ Fritz Rüder, „
8. „ Josef Schmidt, Goden. b) Neunkampf
1. Preis Ludwig Cavacini, Schlüchtern, l. „ Karl Ehresmann, „ 2. „ Karl Hagemann, „ 3. „ Adam Krieger, „ 4. „ Adam Bcydemüller, „ ö. „ Karl Becker, „ 6. „ Adam Niemann, „ ^. „ Wilhelm Lieder, Soden, 71 „ Ludwig Jeckel, Schlüchtern, 8. „ Ernst Har:smann, „ d. „ Josef Krieger, Salmünster, '0. „ Fritz Traband, Schlüchtern,
11, „ Adam Bayer, „
12. „ August Comes,
12. „ Adam Kling, „
13. „ Franz Stein,
- * Wie wir von zuständiger Seite hören, wird das Bier wieder wie in der Vorkriegszeit gebraut werden können. Auch unsere einheimische Brauerei ist zur Herstellung eines Vollbteres übergegangen.
—* (Die Steuererklärung zum ReichSnotopfer.) In verschiedenen Blättern ist die Nachricht aufgetaucht, daß die Frist zur Abgabe von Steuererklärungen zum Retchuotopfer um drei Monate verlängert werden soll. Wie die „D. Allg. Ztg." dazu von zuständiger Stelle erfährt, entspricht diese Meldung nicht den Tatsachen. Die Frist läuft am 30. Sept. d. Js. ab.
—* (Aufbringung von 1 800 000 Zentner Kar- koffein). Nach einer Angabe des Oberprästdenten in Raffel sollen rund 1800 000 Zentner Kartoffeln tum Preise von 20 Mark zur Eindeckung der wirtschaftlich schwachen Schichten der Provinz durch dir Gemeinden aufgebracht werden. Diese Menge wird ie nach Anbaufläche und Ernteergebnis auf die Kreise vezw. Gemeinden umgelegt.
—* (Herbstanfang.) Wieder sind wir bei der alten Tag- und Nachtgleiche angelangt, die uns nun bald größere Sorge für die künstliche Beleuchtung auferlegt. Im vorigen Jahre gab es deswegen mancherlei Kämpfe, wir können nur hoffen, daß es diesmal besser wird. Das Laub fällt, das Jahr ist geworden, es empfindet die Müdigkeit. Entgegen dir Natur haben wir Menschen die Aufgabe, unsere Spannkraft zu bewahren, so lange es gehen will. Und Zufriedenheit und Mäßigkeit find wichtige Helfer dabei.
Hk. Wie das Hauptzollamt der Handelskammer wittetlt, ist von jetzt ab die Zollkasse, des Hauptzoll' amtes ab nachmittags 1 Uhr geschlossn. Es empfiehlt N deshalb Einzahlungen, Ankäufe von Stempel- und Steuerzeichen im eigenen Interesse schneller Abfertigung während der Vormittagsstunden zu bewirken.
Hk. Der Generalvertreter der Frankfurter Meffe lur England, Herr Dr. Herbert Karr, beabsichtigt in London ein Musterlager deutscher Waren zu veran«
Halten Firmen des hiesigen Bezirks, die sich für diesen Plan interessieren, können Einblick in das einschlägige Material bei der Handelskammer nehmen/
Aus Moviuz und Wachs argMet.
* Hanau a. M. (Obstwucher). Dem Wachen-, buchener Einwohner Kaspar Koch wurden von der Wucherstelle sechs Zentner Aepfel beschlagnahmt, weil er sie zu 150 Mark für den Zentner ««geboten hatte.
§ Rotenburg a. F. (6000 Mark Geldstrafe für Schleichhandel.) Der Handelsmann M. aus Heinebach stand wegen Schleichhandel mit Butter vor dem Cafseler Wuchergericht. Für das Pfund Butter nahm er 24 Mark. Der Heinebacher Bürgermeister und der dortige Landjäger wollen wissen, daß M. allgemein als Schleichhändler bekannt war. Das Wuchergericht verurteilte den Händler zu zwei Monaten Gefängnis und 6000 Mk. Geldstrafe.
§ Kassel. Als bei einem Appell der Unteroffiziere der Nachrichtenabteilung 11 der Kommandeur die aus disziplinarischen Gründen ausgesprochene Entlastung eines Unteroffiziers mitteilte, stürzte sich der Unteroffizier auf den Kommandeur und verwundete ihn durch mehrere Messerstiche. Der Täter ist sofort festgenommen worden; der Zustand des Kommandeurs ist ernst.
§ Jserlohn. (In der Fremdenlegion.) Anfangs März d. Js. verschwand von hier spurlos ein etwa 19jährrger Mann. Alle Nachforschungen der Eltern nach seinem Verbleib waren bishon oh-ze Ergebnis. Erst jetzt erretten sie von der Hand des Sohnes die briefliche Nachricht, daß er sich aus die Dauer von fünf Jahren bei der französischen Fremdenlegion habe anwerben lasten, und daß er sich bereits in Marokko befinde. Er schildert in düsteren Farben seine dortige Lage und sagt, er glaube kaum, daß er die lange Zeit bei der großen Hitze und den Strapazen werde aushalten können. Ferner teilt er in dem Briefe mit, daß vor einigen Wochen ein Jserlohner namens Brändlen und zwei Bayern zu desertieren versucht hätten. Auf der Flucht seien sie jedoch von Arabern Überfällen und bestialisch gemordet worden.
§ Hofgsismar. Räuber mit Fuhrwerk hielten in der Nacht etwa 50 Meter von dem Weideplatz einer von einem Schäfer beaufsichtigten Schafherde, bemächtigten sich so vieler Schafe, wie sie auf den Wagen unter- bringen konnten und fuhren davon. Der Schäfer lief zur Stadt und holte Hilfe herbei, doch waren die Verbrecher leider mit der Beute über alle Berger.
. § Melsungen, 21. Sept. In letzter Zeit wurden in hiesigen Geschäften mehrere Einbrüche verübt, ohne daß man den Tätern auf die Spur kam. Endlich ist es gelungen, zwei dieser Burschen, eine männliche und eine weibliche Person, die stark verdächtigt find, die Einbrüche ausgeführt zu haben festzunehmen. Sie wurden in die Strafanstalt Wehlheiden-Castel siage- liefert.
Kommunistische Stimmungsmache für die politischen Aröeiterräte.
Wenn auch keineswegs geleugnet werden soll, daß die immer mehr nm sich greifende Bewegung für die politischen Arbetterräte eine sehr ernste Gefahr ist, die die größte Aufmerksamkeit der Regierung verdient, so muß doch andererseits konstatiert werden, daß bisher nur die K.P.D. und die K.A.P.D. in dieser Frage eine geschlossene Front bilde«, während die Stellungnahme der U S.P.D. auch in dieser Frage keine einheitliche ist. In den Betrieben beteiligten sich an den Wahlen denn auch nur die radikal gesinnten Arbeiter, während ein großer Teil der Arbeiterschaft den Wahlen fernbleibt. So kommt es denn, daß fast durchweg nur Mitglieder der K.P.D., der K.A.P.D. und der U.S.P. gewählt werden, wobei die K.P.D. bisher zweifelsohne die größten Erfolge zu verzeichnen gehabt hat.
Die kommunistische Presse versucht natürlich die Tatsache, daß ein Teil der Arbeiter den Wahlen fern- bleibt, nach Möglichkeit zu verschweigen und die Sache so da zustellen, als ob die für die K.P.D. fraglos günstigen Wahlresultate ein Ausdruck der Stimmung der gelrmten Arbeiterschaft wären.
Typisch für diese Stimmungsmache ist folgende Meldung der „Roten Fahne" (Nr. 185 vom 17. September):
„Irr zwei der größten Münchener Industriebetriebe in den Bayerischen Motorenwerken und der Lokomotiv
fabrik Maffei sind nach der Parole der K.P.D politische Arbeiterräte gewählt worden. Auf der L'^e der K.P.D. sollen dabei weitaus die meisten Stim. $ entfallen sein. Die Kommunisten erhielten bei r Bayerischen Motorenwerken zwei, be^ Maffei or«: Mandate."
Diese Meldung wird durch folgende Meldung des Münchener N.S.P -Organs „Der Kamp (Nr. 189 vom 15. September) berichtigt:
„Unter äußer" schwacher Wahlbeteiligung gingen die Wahlen zu den politischen Arbeiteräten bei Maffei und in den Bayerischen Motorenwerken vor stch. Die Mehrzahl der Arbeiter sah den Sin« der Wahlen nicht ein und hielt sich fern. Wahrscheinlich hat sie di« Leitsätze der Dritte« Internationale über die Wahl der Arbeiterräte gelesen und sich als bessere Revolutionäre bewiesen als diejenigen, die Tag für Tag nach der sofortigen Wahl der politische« Arbeiterräte schreien, ohne sich um die theoretischen Haarspaltereien Sinowjews zu kümmern i"
Es ist natürlich klar, was diese Machenschaften bezwecken. In den Lesern der kommunistischen Presse soll der Eindruck erweckt werden, daß die K.P.D. schon heute die Massen der Arbeiter hinter sich hat. Immer wieder betont ja die kommunistische Presse, daß die Arbeiter seit den Reichstagswahlen in Massen nach links abgewaudert find und den „gegenrevolutionären" Führern der S.P.D. und U.S.P.D. bereits den Rücken gekehrt haben.
|~~ Welthöidrl. ~
— Im Unterausschuß des Reichswirtschastsrates für Landwirtschaft und Ernährung, der stch mit der Zuckerwirtschaft beschäftigte, erklärte der Vertreter der Regierung, daß die Freigabe der Rübenwirtschaft »or- gesehen sei, und daß die Freigabe der Zuckerwirtschaft im Herbst 1921 angestrebt werde. Die jetzige Mehrerzeugung solle der Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden. Die Industrie müsse mit der bisherigen Belieferung aus der Jnlandswirtfchaft auskommen oder sich selbst aus dem Ausland versorgen. Der Unterausschuß nahm dann eine Entschließung Dr. Roestcke an, in der es heißt: Es ist grundsätzlich die Aufhebung der Zwangswirtschaft zu frühestmöglichem Termin anzustreben. Aus der Rübenernte 1920 soll ein die bisherige Ration übersteigender Betrag zur Versorgung der Bevölkerung verwendet warben. Die zuckerver- arbeitenden Industrien sollen das Recht erhalten, ihre« Mehrbedarf durch Einfuhr zu decken. Es ist nicht zu vermeiden, daß der Zuckerpreis erheblich erhöht wird. Eine Ausfuhr von Zucker hat zu unterbleibe«.
— (Zwangsanlethe und Reichsnotopfer.) Zu den Presse-Aeußerungen über die ZwangSanleihe wird »»« zuständiger Stelle mitgeteilt: Unter anderen Möglichkeiten zur Behebung der Finanznot wurde auch an eine Zwangsanleihe gedacht. Eine Bearbeitung dieses^ ib- lems war fchon deshalb nicht zu umgehen, weil der Punkt 7 der Tagesordnung für bie Finanzkonferenz in Brüssel ausdrücklich die Behandlung der Fragen einer Kapitalsabgabe oder Zwangsanleihe vorsteht. Es stud jedoch bisher für Deutschland keinerlei positive ResuUate bei der Durcharbeitung der Frage erzielt worden. 63 ist keinesfalls beabsichtigt, etwa den Zeichnern von Zwangsanlethe das Reichsnotopfer zu erlassen. Der Schlußeffekt wird also wohl sein: nicht Reichsnotopfer oder Zwangsanlethe, sondern Reichsnotopfer u. Zwa«gs- anleihe.
— (Die Ausführung des Versailler Vertrages). In Eharleville in den Ardennen find, wie von dort gemeldet wird, dreihundert Pferde ang< kommen, die auf Grund des. Versailler „FriedensverttageS" von Deur land geliefert wurden und unter die Landbevölkerung verteilt werden sollen.
— (Frankreichs Holzbedarf.) Die Holzprodukti-.-: Frankreichs bleibt hinter dem Bedarf weit zurück. Die eigene Erzeugung schätzt man höchstens auf 6—7 Mill. Rm. gegen eine Jahresleistung von 25—26 Mill. Rm. vor dem Kriege. Davon zirka 7S Nutzholz, der Rest Brennholz. Die Luxus- und Möbelindustrie verlangte ungefähr 7» Mill. Fm. im Werte von zirka 27 Mill. Fr , bie Paptererzeugung 900000 Fm. im Werte von 67 Mill. Fr. Jmportholz. Der Gesamtbedarf an Nutzholz bezifferte sich auf zirka 117, Mill. Fm. Durch Einfuhr mußten also ungefähr 3,5 Mill. Fm. beschafft werden. Der zu bewerkstelligende Wiederaufbau und die übrigen durch den Krieg entstandenen Schäden werden