Anzeiger für die amtlichen Bekanntmachungen im Kreise 8chtüchtern
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SchlüchtEer Sr<>isßsatt
Netteste Settssg im Kreise; gegrMdet im Jahre 1849.
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Keine SewLhr
-Zeit und Belealieserung. sichtlichen Zwischenküsten. . Main Nummer 11402.
M 111.
Vienotas, den 21. September 192V
22. Jahrgang
Aus Stadt und Kreis.
Schüchtern, den 20. September 1920.
—* Der diesjährigen Lehrerprüfung, die unter Leitung des Herrn Direktor Dr. Lechner vom 16.—17. d. Mts. am hiesigen Lehrerseminar abgehalten wurde, unterzogen sich 20 Schüler 18 Prüflingen wurde nach bestandener Prüfung die Reife zuerkannt.
— * Im Interesse der vielen Bruchleideuden sei an dieser Stelle nochmals ganz besonders auf das Inserat des Herrn Ph. Steuer Sohn in heutiger Nummer hingewiesen.
— * Das Hauptzollamt schreibt uns : Gemäß § 280 der Brennereiordnuyg muß die Anschaffung von Brenn- oder Destilliergeräte binnen 3 Tage nach der Empfang- nahme unter Angabe des Aufstellungsortes und des Zweckes, dem sie dienen sollen, bei der zuständigen Hebestelle (Zollamt) schriftlich angemeldet werden. Die Anmeldung ist doppelt abzugeben. Insbesondere unter« liegen dieser Vorschrift auch kleine Brenn- oder Destil- liergeräte, die in Privathäusern aufgestellt werden können, um aus ihnen felbstgeerntetes oder angekausteS Obst rc. für den eigenen Haushalt zu Branntwein zu verarbeiten. Zuwiderhandlungen werden nach den Bestimmungen des Gesetzes über das Branntweinmonopol streng bestraft.
— * (Arbeitsgemeinschaft zwischen Kpffhäuser-Bund und Zentralverband.) Die 19. Vertretersammlung des Kpffhäuser-Bundes der deutschen Laades-Kriegervrrbände bestätigte den Vorstandsbeschluß vom 15. Juni 1920, nach welchem eine Arbeitsgemeinschaft mit dem Zeu- tralverbaud deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegs- Hinterbliebener vereinbart ist. /
— * Gegen eine Zersplitterung der Provinz Heffeu- Naffau. Bekanntlich hat der Kommunallandtag des Regierungsbezirks Caffel am 20. April d. Js. einer Entschließung deS LandesauSschuffes einmütig zugestimmt, die sich gegen die Absplitterung einzelner Teile der Provinz Heffeu Nassau richtet. Nunmehr hat der Landesausschuß des Bezirksverbandrs in seiner jetzigen Tagung sich erneut mit dieser immer wieder auftauchenden Frage beschäftigt und eine Entschließung gefaßt, die sich gegen jegliche Abtrennung einzelner Teile der Provinz, namentlich auch gegen die Zuteilung des Kreises Grafschaft Schmalkalden an Thüringen wendet.
— * Wiederholt gelangen Anfragen an das Heeres- abwicklnngSamt Preußen, welche die Auszahlung des Vorschusses betreffen, der nach der Verfügung des Reichsministers der Finanzen vom 21. 5. 20 den Alipensio- nären und Althiuterbliebenen in Höhe der Hälfte der gesetzlich zustehenden Pensionen und Hinterhliebenenge- dührniffe gewährt werden soll. Es sei zur Vermeidung eines überflüssigen Schriftwechsels darauf hingewiesen, daß die Zahlbarmachung dieses Vorschusses mit Wirkung ab 1. 4. 20 durch die zuständigen PensionsregelungS- behSrdsn ohne Antrag erfolgt. Wem an beschleunigter Auszahlung liegt, oder wer sonst eine Auskunft hierüber wünscht, wende sich nicht an das HeereSabwick- lungsamt, sondern unmittelbar an die für ihn zuständige PensionSregelungSbchörde. Es empfiehlt fich, hierbei Kataster- und Stammkarteu-Nr. mitzuteilen.
—* (Neue Hundertmarkscheine.) In seinem Kampf gegen die Nachahmung der Reichsbauknoten beschränkt sich das Reichsbankdirektorium nicht auf die Bekämpfung ausgetretener Fälschungen, sondern sucht auch durch verbesserten Notendruck den Falschmünzern das Waffer abzugraben. Trotz des großen Papiergeldbedarfes zieht die Reichsbank die braune Fünfzig-Mark-Hilfsbanknote vom 30. November 1918 allmählich aus dem Verkehr und wird voraussichtlich noch Ende des Jahres eine neue Hundmarknote ausgeben, die einen besonders guten Schutz gegen Nachahmungen bieten soll. — Das ist umso verdienstlicher, als das Fehlen der Hundertmark ■ scheine am Kassaverkehr eine unangenehme Hemmung der Geldabwicklung bedeutet.
Aus Provinz und Wachöargeöiet.
* Frankfurt a. M, 19. Sept. (Unerwünschte Gäste), ^eit mehreren Wochen wird Frankfurt von polnischen Deserteuren in zunehmendem Maße überschwemmt. Die ,eule treffen ohne Geldmittel ein, steigen in Quartieren in der Altstadt ab und finden sofort bei hiesigen Lauds- und Glaubensgenossen Anstellung und Wohnung. Die Zahl der in Frankfurt anwesenden polnischen Deserteure wird bereits auf mehr als tausend geschätzt. Ostern früh hotte man aus einem Absteigequartier
nicht weniger als 14 dieser Burschen heraus, die erst tags vo her hier eingetroffen waren. Es ist bezeichnend, daß diese Gesellen in Frankfurt sofort Wohnung, zum Teil sogar mehrzimmerige, sowie' ausreichende Arbeit erhalten, während taufende einheimischer Bürger sich mit den ärmlichsten Wohnungen begnügen müssen und seit Monaten erwerbslos find.
§ Frankfurt a. M. (Ein Riesenpipierdiebstahl) Wie jetzt erst bekannt wird, wurde vor einiger Zeit in einem hiesigen GeschäftSunternehmen ein großer Papierdiebstahl verübt. Die Ermittelungen ergaben, daß für 300 000 Mark Pavier gestohlen wurde.
* Oberursel, 19. Sept. (Ein gefährlicher Bursche) ein regelrechtes Feuergefecht lieferte gestern morgen der vielfach vorbestrafte Einbrecher Franz Neder. Als Neder, dessen Spießgesellen bet einer Polizeistreife in Frankfurt nach schwerem Kampfe überwältigt wurden, gestern früh in seiner Wohnung verhaftet werden sollte, setzte er den Frankfurter Beamten bewaffneten Widerstand entgegen. Neder legte auf die Herankommenden Beamte« vom Fenster den Karabiner an und bedroht^ Fe mit Erschießen. Es mußten daher erst polizeiliche Hilfskräfte aus Frankfurt herbeigeholt werden. Als nach etwa einer Stunde mehrere Kriminalbeamte und Sicherheitspolizisten mit Maschinengewehren und sonstigen Schußwaffen eingetroffen waren, richtete er sofort auf diese ein lebhaftes Feuer. Einem Kriminalbeamte» flog eine Kugel unmittelbar am Kopf vorbei. Der ' Verbrecher, der sich im Hause regelrecht verbarriktzdirrt hatte, wurde schließlich, als er sich an einem Fenster blicken ließ, durch Halsschuß schwer verletzt und kampfunfähig gemacht. Er wurde nach dem städtischen Krankenhaus gebracht. Bei der Haussuchung, entdeckte man ein ganzes Arsenal von Milttärmunition. Neder war an vielen Einbrüchen, die in der letzten Zeit in Frankfurt vorgekommen find, beteiligt.
§ Gelnhausen. Im benachbarten Kahlgrund war der alte Handwerksbursche Wilh. Wagenknecht eine ortsbekannte Persönlichkeit, denn er zog seit Jahren fechtend durch die Dörfer des Kahltales. Jetzt hat er es nicht mehr nötig. Denn er hat eine amerikanische Erbschaft in Höhe von 80 000 Dollar gemacht. Das 'sind rund vier Millionen Mark. Er lebt jetzt in Darmstadt als Privatier und bewirtet jeden Handwerksburschen, der ihn in Darmstadt besucht, in bester Weise nud gibt obendrein noch Geldgeschenke. Die Zahl der Besucher soll sehr stark sein.
* Gelnhausen. Bei einem Verkauf billiger Schuhe auf hiesigem Rathaus fanden sich mehrere Schachteln, in denen statt der Schuhe Holzstücke sich befanden.
* Gemünden a. M- Vergangener Woche wurden hier mehrere Einbrüche verübt. Zwei Täter wurden verhaftet und in das hiesige Gefängnis eingeliesert.
§ Melsungen. Ein Landwirt von außerhalb traf aus dem Wege nach hier einen jungen Mann, der ihn ansprach und ihm die Mitteilung machte, daß er gerade aus dem Wege zu ihm sei, um ihm die War- nung zu überbringen, daß man in seinem Hause ein» brechen wolle. Er habe, auf der Fahrt von Caffel im Elsenba-nzug ein Gespräch zwischen zwei Männern belauscht, in dem diese berieten, wie der Einbruch vor sich gehen solle. Es sollte zwischen zwei und drei Uhr nachts geschehen. Der junge Mann schilderte dann weiter die Einzelheiten des beabsichtigten nächtlichen Besuches und bewies.dabei ebenfalls eine genaue Ortskenntnis. Als er den Operationsplan der Belauschten in« Einzelne bargelegt hatte, frug er, ob er sich nicht durch die Mitteilung etwas verdient habe. Der Landwirt 8'ß ihm darauf 50 Mark. Nach dem Namen gefragt, gab er an, ihn aus Furcht nicht nennen zu können. Der Landwirt nahm nun seinen Bruder nachts mit ins Haus und sah sich gut vor. Er mußte aber nach durchnächttgter Nacht die Wahrnehmung machen, daß er einem Schwindler in die Hände gefallen war, dem es nur um das Geld zu tun gewesen ist.
§ Melsungen. Einen geheimen Besuch statteten in der Nacht Einbrecher dem Metzgereigeschäft von Carl Bierach in der Caffeler Straße ab. Sie drangen von der Straße aus durch den Keller in das Haus, durchwühlten Küche und Wohnstube und nahmen 120 Mk., ein Jackett und andere kleinere Sachen mit. 600 Mk., die sich in einer alten Jacke befanden, die wohl nicht des Mitnehmens wert war, entgingen den Dieben. Ferner wurde ein Fahrrad mitgenommen, weil aber nicht fahrbar, wieder weggeworfen. In Wilhelmshöhe wurden die Räuber verhaftet.
§ Weilb«rg (Lahn). In den letzten Woche« »xr den auf der Lahn Schwäne beobachtet, die sich ange- sindelt haben. Der Schwan ist in Mitteldeutsch'«ud ein Naturdenkmal und muß mit allen Mitteln geschützt werden.
§ Saarqemünd. (Das Automobil mit doppelte« Boden.) Nach einer Havasmeldung wurde an der Grenze in der Nähe von Saargemünd ein AutomobU festgehalten, das einen doppelten Boden hatte und 400 Kilogramm Silberbarren beförderte Das AutomobU kam aus Deutschland und sollte nachStraßburg fahren.
§ Hersfeld. (Holzdiebstahl.) Eine Frau von hier hatte fortgesetzt von einem Bauplatz wertvolles, der Stadt gehöriges Nutzholz gestohlen. Sie benutzte dazu jedesmal die Zeit, wenn die Arbeiter sich entfernt hatten. Das Schöffengericht hatte sie zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Die Strafkammer in Caffel verwarf die von der Frau eingelegte Berufung.
§ Fulda. Die Preisabbaukommission, die hier im Laufe des Sommers ins Leben gerufen wurde, hat ihre Tätigkeit eingestellt. Begründet wird dieser Schritt damit, daß die große Käufermaffe, die Behörden und die Regierung die Preisabbaukommission nicht weitgehend genug unterstützt hätten.
* Fulda, 19. September, ein Streit zwischen au« der Rhön kommenden Arbeitern fetzte sich gestern früh nach der Ankunft des Gersfelder Zugs in eine Schlägerei auf dem Bahnsteig des hiesigen V mhofs fort. Einer der Beteiligte« wurde verletzt fortgeschafft; die PoNzet verhaftete einen Täter.
§ Witzenhansev. Die Genußsucht hatte zwei 14- jährige Jungen von hier auf die schiefe Ebene gebracht. Sie hatten wiederholt Gartenhäuser erbrochen und dabei die verschiedensten Gegenstände gestohlen, besonders Metallgegenstände, die sie dann sofort zu Geld machten. Jetzt hatten sie sich vor der Caffeler Straf- kammer zu verantworten, die sie zu 14 Tagen G efängnis verurteilte.
§ Ronueberg. („Die schwarze Hand".) Verhaftet wurde der Schlosser Ortleb, weil er den Autoräder- fabrikanten Hering brieflich aufgefordert hatte, bei der Teufelskanzel im Geffentale 20 000 Mark niederzulegen. Der Erpresser hatte den Brief unterzeichnet „Die Schwarze Hand" und gedroht, daß die ganze Heringsche Familie ermordet werden solle.
§ Ebrach. Eines jener netten Eiseubahntdylle ereignete sich jüngst auf unserer Lokalbahn. Stolz und siegesbewußt fährt das Züglein in Station Krevk- dorf ein. Statt aber nach normale« NufenthaU weiterzufahren, fährt es zur letzten Station zum Erstaunen der Mitfahrenden zurück. Grund: Man hatt- den Bremser vergessen. Auch ein Zeuge, daß ja; gute, alte, gemütliche Zeit noch nicht ganz oerschwan- den ist.
§ Biussörth. Ein hiesiger Landwirt »urde oo» seinem Sohne, mit dem er in Streit geriet, mit einem Messer derartig bearbeitet, daß der benachbarte Arzt zur Stillung der Blutungen herbeigerufen werden muffte. Ueber die Tat herrscht hier allgemeine Entrüstung.
Die Heil- uud Schntzimpfuag bei Mawl- und Klaueusettche.
Die Maul- und Klauenseuche dehnt sich in unserem Kreise weiter aus. Der Verlauf der Krankheit ist z. T. nicht gutartig. Es ist durch viele Tausende von Vorseuchen bewiesen, daß die Impfung an Maul- und Klauenseuche erkrankter Tiere mit dem besonders zubereiteten Blute oder dem Blutserum von Vieren, die die Maul- und Klauenseuche durchgemacht haben und ficher geheilt find, im Ve rein mit käuflichen Impfstoffen ein sicheres Mittel ist, den Krankheitsverle milde zu gestalten und die vielen, oft Monate dauernd Nachkrankheiten (Lahmheiten, Abmageruu^, Milchman^c» 2«. auf ein geringes Maß zu beschränken.
Die Beschaffung käuflicher Impfstoffe macht z. Zt. keine besondere Schwierigkeit. Dam aber auch genügend Blut von durchseuchten Treten vorhanden ist, werden die B-^tzer solcher Tiere dringend gebeten, der Blutentnahme durch den behandelnden Tierarzt kein Hindernis in den Weg zu legen. Es wird von den geeigneten Tieren nur wenig Blut genommen, so daß eine Schwächung ausgeschlossex ist. Im Gezeuteil wirke« gelinde Aderläffe gerade bet heruntergekommene« Tierm anregend auf die Tätigkeit aller Organe, so daß der gelinde Aderlaß geradezu eine Heilwirkung entfalten kann.