AnzeiM für hie amtlichen Lekün?rtm«tch»Wkl! im -Kreise Schlichtern.
Bezugspreis frei Hans, vorauSzahlbar viertclj. 5,80 Mk., (durch die Post ohne Bestell« gelb). Erscheint DienStagS, Donnerstags und SamStagS. Druck und Verlag T. Hohmeister, verantwortl. H.-E. Hohmeister, Schlüchtern. Fern- ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten ®e< schästSverkehr mit der Firma Schlächtern.
Schsiichteraer ÄreisUM
Aettche AettNW im Kreise; gestrsydet im Jahre 1849.
Anzeigen: fL Zeile oder deren Raum 60 Pfg., Reklamezeile 2,— Mk. Bei Betriebs« störungen sein Schadenersatz oder Mmdrr- gebühr einschließlich Bezugs. Keine GewShr für Platz, Aufnahme-Zeit und Beleglieferung, Kein Nachlaß bet gerichtlichen Zwifchenlosten. Zählkarte Frankfurt a. Main Nummer 11402.
M 110.
Samstag, bett 18. September 1920.
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72. Jahrgang
Wirtschaftliche Wochenschau.
Die Fleisch- und Brvtversorgung Am 1. Oktober wird voraussichtlich die ZwangSbewirtschaftung von Vieh und Fleisch fallen. Ob es gelingt, die minderbemittelte Bevölkerung auf Grund der Kunden- listeu zu beliefern, sieht mit Sicherheit «och nicht fest. Auf der anderen Seite kommt in Betracht, daß die Beibehaltung der Zwangswirtschaft für Fleisch und Vieh die Versorgung auch nicht wesentlich günstiger gestaltet haben würden Frischfleisch konnte bisher nicht regelmäßig verabfolgt werden, trotz aller Lieferungsverträge. Das hätte sich auch künftig nicht geändert, zumal Seuchen große Lücken in die Viehstapel gerissen haben. Erst allmählich ist eine bessere Versorgung des Marktes zu erwarten, vorausgesetzt, daß es gelingt, Futtermittel hereinzubekommen. Um aber die Fletschoersorgung so lange nicht brach liegen zu lassen, bleibt nur übrig, mehr als bisher ausländisches Fleisch einzuführen. Frischfleisch wird kaum zu haben seiu, denn die oß= u. südeuropäischen Länder, die früher Schlachtvieh lieferten, scheiden zum Teil ganz aus. Gefrier- und Pöckel- fleisch ist allerdings vorhanden, kann aber angesicht des Tiefstandes der Wechselkurse nicht wohlfeil sein. Das Reich muß eingreifen, so schwer es angesichts seiner Finanzlage auch ist. Wir müssen aber die heimische Viehzucht erst wieder zum Atem kommen lassen. Ein spekulatives Abschlachten der Bestände muß verhindert werden. Auch die Aussichten der Brotversorgung sind nicht günstig. Die Ernte war schlecht, da der Körner- ertrag auf den Hektar stark zurückgegangen ist. Während 1912 auf den Hektar Roggen im Durchschnitt 18 Doppelzentner geerntet wurden, sind es heute nur vielfach 8 Doppelzentner. Auch die Weizenausbeute ist gering. Der Antrag, den AuSmahlungssatz für Brotgetreide auf 85 Prozent herabzusetzen, hat zwar die Zustimmung des ErnährungSministerS gefunden, dürfte aber ebensowenig verwirklicht werden wie der Antrag, die Brotration zu erhöhe». Unsere eigene Ernte reicht nicht dazu aus, zumal wir jetzt den Verlust in Posen und Westpreußen für unsere Ernährungslage deutlich zu spüren bekommen. Die Einfuhr voa Getreide hängt wieder von der Ueberwindung finanzieller Schwierigkeiten ab. Zwar muß uns der Verband auf Grund des Abkommens von Spa Vorschüsse auf die Kohlen« Stiftung gewähren, die zum Ankauf von Lebensrnitteln und Rohstoffen dienen sollen. Allein die Mengen, die dafür hereinkownien, reichen nicht aus, um die Lebenshaltung merklich zu bessern. Zudem sind die Lebens- Mittel in erster Linie für die Bergarbeiter bestimmt, so daß für die gesamte Bevölkerung nicht mehr viel übrig bleibt.
71 Milliarde« Mark Papiergeld Der Reichsbankausweis fürxbcn 31. August ist im Gefahrgeldzeichen. Nicht weniger als zwei Milliarde n Mark neues Papiergeld sind in einer einzigen Woche in den Verkehr gebracht worden. Damit der Unterschied recht klar wird, sei erwähnt, daß 1910 der Gesamtnoten- Umlauf in Deutschland zwei Milliarden Mark betrug. 1913 stieg er bis auf 2,5 Milliarden Mark, allein dementsprechend hatte auch der Metallbestand auf 1,4 Milliarden zugenommen. Noten und fremde Gelder waren durch den Barvorrat mit 44,5 Prozent gedeckt, während die Metalldeckung der Noten allein heute auf 1,5 Prozent zusammengeschrumpft ist. Wir haben ja auch keine Goldwährung mehr, sondern nur noch eine Zettelwirtschaft. Je mehr Papiergeld wir erzeugen, desto mehr muß es an Kaufkraft einbüßen. Wahrscheinlich wird der Papiergeldumlauf bis Mitte Oktober auf achzig Milliarden Mark steigen. Das Reich bestreitet seine Ausgabe», indem es von der Reichsbank auf Schatzwechsel Noten bezieht. Nur äußerste Sparsamkeit kann dies ungesunde Verhältnis aufheben. Das Reich muß feine Ausgaben, durch Einnahmen zu decken suchen oder zu Anleihen seine Zuflucht nehmen. Die Tätigkeit der Notenpreffe entwertet nicht nur die Geldzeichen und treibt damit zur Preisaufblühung, es hindert auch den wirtschaftlichen Wiederaufbau, da unsere Währung im Auslande nicht mehr als voll gilt und wilden Schwankungen ausgesetzt ist.
Aus Stadt und Kreis.
Schlichter«, den 17. September 1920.
—* An der Niederzeller Straße wurden einem Bewohner der neuen Häuser für mehrere tausend Mark Wäsche gestohlen. Von den Dieben fehlt jede Spur.
—* Am Montag den 20. September 1920 abends 8 Uhr findet eine Sitzung der Stadtverordnetenversammlung mit nachstehender Tagesordnung statt. 1. Bewilligung der Kosten zur Erneuerung der Schleusen des Elmbaches. 2. Festsetzung des Einlagezinssußes bei der Stadtsparkaffe betr. 3. Bewilligung der Kosten für Einbau einer Bretterwand und eines KüchenauSgussrs im Holpitalgebäude zwecks Schaffung einer Wohnung. 4. Erhöhung der Vergütung für Unterhaltung des Zuchtviehes.
(Kosten dürfen nicht entstehen!) Amtliche und private Stellen übersenden häufig den Blättern Notizen mit dem Ersuchen um Aufnahme im redaktionellen Teil mit dem Vermerk, daß Kosten nicht entstehen dürfen. Es fällt niemand ein, daran zu denken, daß die Zeitungen angesichts der trostlosen wirtschaftlichen Lage gar nicht im Stande sind, etwas umsonst zu machen. Warum verlangt man denn derartige Leistungen nur von den Zeitungen? Kann denn irgend ein Landwirt, ein Kaufmann, Metzger oder Bäcker seine Produkte kostenlos zur Verfügung stellen? Können die Behörden denn nicht dazu gebracht werden, genau wie jeder andere Auftraggeber, ihre Anzeigen zu bezahlen? Die Zeitungen haben ja schon oft durch die Tat bewiesen, Opfer zu bringen; es muß aber auch hierin einmal eine Grenze geben. In der gegenwärtigen Zeit der wirtschaftlichen Nöte, insbesondere der Papiernot, muß jedermann verstehen, wenn weniger wichtige Berichte jeglicher Art im Schriftteil gekürzt werden oder ganz wegbleiben, oder aber dafür Bezahlung verlangt wird.
—* (Der Steuerabzug.) Die Bestimmungen des Reichseinkommensteuergesetzes über den anfänglich durchweg zehnprozentigen Steuerabzug wurden mit Wirkung vom 1. August 1920 ab erheblich geändert, Das steuerfreie Existenznünium und die Progression der Steuersätze werden jetzt berücksichtigt, und es gilt ab 1. August folgendes: 1. Bet ständig beschäftigten Arbeitnehmern bleiben nbzuzsfrei
vom Monatslohn 125.— Mk. außerdem 40 — Mk.
„ Wochrnlohn 30.— „ „ 10.— „
„ TageSlohn 5- „ „ 1.50 „
für die Ehefrau und jedes zur Haushaltung zählende minderjährige Kind, das nicht selbst Arbeitseinkommen hat. Bei ständigen wie bei nicht ständigen Arbeitnehmen können vor der Sieuerkürzung die vom Arbeitgeber ihnen abzuziehenden Beiträge zu Kranken-, Angestellten«, Invaliden- u. ErMerbslosenversicherungskaffen, zu Witwen-, Waisen- und Pensionskaffen, sowie zu öffentlich-rechtlichen Berufs- oder Wirtschaftsvertretungen abgesetzt werden Dadurch vermindert sich der Steuerabzug. Noch wettergehende Ermäßigungen sind für größere Betriebe vorgesehen: in Betrieben mit mehr als 20 ständigen Arbeitnehmern kann -nämlich der Arbeitgeber im Einvernehmen mit der Berriebsvertre- tung, jedoch nur bis Ende September 1920, bei den ständigen Arbeitnehmern, wenn zu ihrem Haushalt Frau wenn sie allein oder Kinder gehören stehen (einschl. der Absetzungen für die
Angehörigen) vom Mouatslohn 300 Mk. 200 Mt.
„ Tageslohn 12 „ 8 „
„ Wochenlohn 75 „ 50 „ als Existenzminimum und Verstcheruagsbetträge absetzen. 2. Ständig beschäftigten Arbeitnehmern ist bei jeder Lohnzahlung zu kürzen, wenn der nach Kürzung der abzugsfreten Teile verbleibende Lohn, aufs Jahr umgerechnet, sich beziffert auf
15 000 Mk. oder weniger: 10 Proz.
15 001 „ — 30 000 Mk, 10 Proz. von den ersten-- 15 000 Mt. und
15 Proz. vom Mehrbetrag 30 001 „ — 50 000 „ 20 Proz.
usw steigend bis 55 Prozent.
3. Nichtständig beschäftigte» Arbeitnehmern sind im allgemeinen 10 Proz. des nach Abzug der Versicherungsbeiträge auszuzahlenden Lohnes zu kürzen. Der Arbeitgeber hat das steuerfreie Existenzminimury bei ihnen nicht zu berücksichtigen. 4. Naturalbezüge sind bei der Kürzung der Steuer als Lohn zu behandeln und, solange das Landesfinayzamt den «»zunehmenden Wert nicht festgestellt und bekannt gemacht hat, mit dem Betrage anzurechnen, der sich aus den Lohntarifvereinbarungen ergibt. Bestehen solche Vereinbarungen nicht, so gilt der vom VcrsicherungSamte festgesetzte OrtspreiS, jedoch nicht mehr als monatlich 125.— Mk., wöchentlich 30.— oder täglich 5.— Mk. 5. Dienstaufwands
entschädigen (Spesen, Auslösungen), die durch ausdrückliche Vereinbarung festgesetzt sind, gelten nicht als Arbeitslohn. Von ihnen wird daher ebenso wie von Krankengeldern Steuern nicht gekürzt. In Zweifelsfällen ist jedoch die Entschließung des Fiavanzamtes einzuholea. 6. Besondere Entlohnungen für Ueber« stunden, Ueberschichten, Sonntagsarbeit und sonstige über die regelmäßige Arbeitszeit hinausgehenden Arbeitsleistungen sind bis auf weiteres abzugsfrei. 7. Arbeitsnehmern unter 14 Jahren wird keine Steuer vom Lohn abgezogen. Sind bis zum 1. Aug. 1920 höhere Steuerbeträge vom Lohne gekürzt worden, als nach den neuen Vorschriften einzuhalten gewesen wären, so iß der zuviel abgezogene Teil bei d nächsten Gehalts oder Lohnzahlung zugunsten bei Arbeitnehmers anzurechnen.
—* Rüsten wir den Ofen für den Herbst und Winter! Reinigung aller Brenngelegenheiten in ■ Wohnräumen und Küche und Besichtigung der, Rohrleitungen und ihre Dichtigkeit, sowie das Verschmieren gelockerter Kacheln ist erste'Notwendigkeit für gute Erwärmung. Eiserne Oefen, Kochherde und Zentralheizungsanlagen sind auf Rost und andere Reparaturnotwendigkeiten zu kontrollieren. Holz« und Kohlenvorräte sind zu vervollständigen, die Zufuhren werden immer beschwerlicher.
—* (Steuer auf Eröffnung geschäftlicher Betriebe.) Nach einer Mitteilung des Hessischen Landes-Arbeits- und Wirtschaftsamtes planen einzelne Städte die Einführung einer „ÄewerbehetriebseröffnuugSsteuer". Der Hessische Handelskammertag hat das Hessische Landes-Arbeits» und Wirtschafsamt gebeten, der Einführung dieser Steuer nachdrücklichst entgegenzutreten, da sie eine zu große Belastung des Gewerbes bedeute nnd Anfäugern mit kleinem Kapital die Eröffnung eines Geschäftes unbillig erschwere. Außerdem verstoße die Einführung dieser Steuer gegen den Grundsatz der Gewerbefreiheit.
. —* (Unterstützungen für leistungsschwache Kreise des Regierungsbezirks Kassel ) Der LandesauSschuß hat in seiner Sitzung vom 15. b. Mts. der Verteilung von 90 000 Mark an leistungsschwache Kreise folgendermaßen zugestimmt: Gersfeld 7053, Grafschaft Schaumburg 6249, Feaukenberg 5781, Messungen 5431, Wolfhage» 5161, Hünfeld 5069, Ziegenhain 4908, Kirchhain 4888, Schlächtern 4662, Herrschaft Schmalkalden 4424, Roten- bürg 4326, Homberg 4296, Gelnhausen 4261, Fritzlar 3705, Hofgeismar 3584, Fulda 3415, Witzenhausen 3411, Marburg 3377, Kassel Land 3050, Eschwege 2949 Mark. Der Berechnung sind die Steuerverhält- nisse des Rechnungsjahres 1918 zu Grunde gelegt. Da tu den Kreisen Hersfeld, Hanau Stadt und Land sowie in Kassel-Stadt das Soll an kreisabgabenpflichtigen Staatseinkommensteuer für den Kopf der Zivilbevölkerung mehr als der Durschnitt für den Regierungsbezirk von 9,42 Mark beträgt, erhalten die kannten vier Kreise keine Unterstützung. Sie gelten als leistungsstark.
—* Aus der AugesteÜtenbeweguug. Der Verband der Finanzangestellten der Republik Hessen, bet die Angestellten aller hessischen Finanzämter umfaßt, hat seinen Anschluß an den Reichsverband deutscher Büro- und Behördenangestellter (Sitz Essen, Viehoferstr. 28 (Gesamtverband deutsche Angestelltengewewerkschafteu) vollzogen. Die Ftnanzamtsangest-llten bilden im Verbände eigene Fachgruppen, die zu einer Reichrfuch- gruppe zusammengefaßt werden. Die Leitung der Reichsfachgruppe wie die Interessenvertretung der Mit- gliei-erliegt in Händen eines Berufskollegen. Zur Ber- Waktungsreform. Im Haushaltsausschuß des Reichstages ist jüngst zur Sprache gekommen, daß unter der vorigen Regierung im Reichsarbeitsministerium Leute zu Beamten gemacht worden sind, denen erst eingehend Unterricht im Rechnen und in der Rechtschreibung erteilt werden mußte, um sie für ihre Dienstobliegen heilen brauchbar zu machen. Der Gesamtverband Deutscher Angeftellteu-Gewerkschafteu (Berlin C. 19, Gertrautenstr. 20/21) hat diesen und ähnliche Vorgänge zuur Anlaß genommen, um zu beantrage», daß mit dem bisherigen System der BeamtenauSwahl gebrochen werde. Er schlägt vor, allen Sängest eilten und Anwärtern Gelegenheit zu geben, den Nachweis der Kenntnisse, die für die verschiedenen Bramtengruppe» erforderlich sind, vor Pmfungsausschüssm erbringen zu lassen. Dadurch würde ein Anreiz zum Selbstudium gegeben, das auf die Güte des Beamrenkörpers sicher- l'ch vorteilhaft einwirken würde. Erweiterung des Reichskohlenrats ? Eine Nachricht, daß der Reichs- kohlen rat.erweitert werden soll, hat der Äesaintverband deutscher Angestellten-Gewerkschaften (Berlin C 19,