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Rvman bor Aast Frecherm von Steinach (Fortsetzung-)
„Ja", hauchte sie. „Schon seit zwei Jahren, ich bin ziemlich mit meiner Stellung zufrieden."
Aeilage M SHNWrmr
Wirtschaftliche Wochenschau.
Gozi«lifie»a«g deS Bergbaues. Die Sozial- 4 MrungSkommission hat in der Berichtswoche der U Oeffentlichkeit zwei Vorschläge über die Umgestaltung Pder Kohlenwirtschost übergeben. Der erste Vorschlag J geht auf den Heidelberger Professor Dr. Lederer zurück Er will die sofort beginnende Vollsozialisierung, M „-bet die Grubenbesitzer durch festverzinSlicheObligattonen -entschädigt werden sollen. Die Leitung heb gesamten bergbaulichen Betriebes sowie der Kohlenhandel gehen güf einen neuen Gemeinwirtschaftskörper über, bst Deutsche Kohlengemeinschaft, als deren Organe Reichskohlenrat und Reichskohlendirektorium zu gelten haben. Ein zweiter Vorschlag trägt den Namen Walter Ii| HathenauS als Deckblatt Dieser Vorschlag will die Krvbenbesitzer zunächst nicht enteignen. Allein sie haben ihre gesamte Erzeugung dem ReichSkohlenrat II zu überlassen, der von sich aus die Preise und den H Bertrieb regelt. Die Unternehmer erhalten für Anlagen und Betriebskapital eine feste Verzinsung, wobei auch G noch Prämien für gesteigerte Erzeugung sowie Abzüge ■ für schuldhaft verminderte Erzeugung vorgesehen sind. W Beide Vorschläge hören sich gut an Allein auch hier zeigt sich wieder, wie leicht beieinander die Gedanken wohnen, wie Hart aber im Raum die Sachen stoßen. Lederers Vorschlag besonders ist das echte Erzeugnis unwiltschastl.cher Gelehrtenarbeit. Nehmen wir an, daß it durchgeht, daß also die Vollsozialisierung sofort eiutriit AlSl am: ist das 1ie:di ritt der gewaltigen Ob!izntivne:>spuld belobet, die, das 11 das Ungeheuerliche, doch wohl auf Grund des schlechten Papiergeldes festgesetzt werden muß. Um die Bergwerke zu enteignen, werden unter diesen Umständen Obligationen im Betrage von über lr0 Milliarden Mark notwendig sein" Ob der Markt flüssig genug ist, sie auszunehmen, darüber hat sich Lederer nicht den Kopf zerbrochen. Das wahrscheinliche Ergebnis ist, daß sich das ausländische Kapital, durch Strohmänner gedeckt, auf die Obligationen stürzen wird. Alsdann wandert das eigentliche Besitzrecht an den deutschen Bergwerken aus, sodaß von einer Voll- sozialisierung nicht gereb-t werden kann. Eine andere schlimme Wirkung des Lederschen Vorschlages ist, daß Deutschland damit für unabsehbare Zeit hohe Kohlen- preise auferlegt werden. Wenn die Kohleuerzeuzung angesichts der ungeheuren und völlig unerschöpften Kohlenvorkommen tu China, Sibirien und Canada in den nächsten dreißig Jahren ebenso steigt, wie sie es in den letzten Jahrzehnten getan hat, so wird nicht nur ein Urberfluß an Kohlen herrschen, sondern die Preise werden sich auch senken. 1882 wurden auf der Erde etwas über 500 Millionen Tonnen Steinkohlen gefälbelt. Bis 1913 stieg diese Menge auf nahezu 1,2 Milliarden Tonnen. Sobald sich die wirtschaftlichen Verhältnisse wieder einigermaßen einrenken, wird die Kohteuausbcute der noch unerschlossenen Lager unbedingt steigen. Es ist technisch möglich, daß sie in dreißig Jahren zwei Milliarden Tonnen beträgt, wobei auch auf Europa ein nickt geringer Teil fallen wirb, da vas obcrichlesische Kohieag-biet von großer Mächtigkeit und Tiefe ist. Deutschland muß dann mit den hohen Kohienpreiseu der Vo.ssziaiisteeung rechnen. Es muß Jahr für Jahr den ausländischen Obligationenbefitzern einen schweren Tribut entrichten. Wahrscheinlich erhalten wir dann aber kanadische und sibirische Kohle wohlfeiler, als ls die eigene Steinkohle sein kann. Auch der Vorschlag RathenauS hält eindringender Kritik nicht stand. Er schafft nur ein großes KohlenhanbclS-
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„Es sind natürlich außer Ihnen noch andere Bedienstete beschäftigt?"
„Selbstverständlich," erwiderte sie, sich etwas hochmütig gertereud, „wo denken Sie hin? Wir sind sieben Persomn im Haute, eine Köchin, zwei ßauß* Mädchen, eine Kammerzofe — das bin ich — dann zwei Bediente und ein Kutscher; den Portier rechne ich dabei nicht einmal mit. Früher hatten wir sogar noch einen Bedienten für den alten Baron, seitdem der tot ist, ist diese Stellung fortgefallen."
„Ziemlich viel!" sagte d-r Diener, bedächtig mit dem Kopfe nickend, um dann scherzend hinzuzusetzen: „Ver tragen Sie sich denn auch immer?"
„Ra, was meinen Sie wohl? Wer hätte Lust, mit mir anzubinden! Ich bin bet der Frau Baronin der Hahn tm Korbe, wenn ich mich so ausdrücken darf, und wer sich nicht mit mir gut stellt, der ist die längste Zeit im Hause gewesen."
„Nun, das muß auch schon ein rechter Esel sein, verzeihen Sie Fräulein, der sich mit Ihnen nicht vertragen könnt«. Wenn ich mit Ihnen in ei rein Dienste wüte, ich glaube, ich würde Ihnen das gaaze Jahrru' Diebes zu sagen haben."
Und dabei sah er sie wieder so verliebt au, daß sie sich fortwandte und eilig meinte: „Nun ist es aber boch Zeit, htneiuzugehen, die Gnädige wird mich schon erwarten."
Samstag, den 11 September 1920
rwnopsl, bis mmigf.ciS beweglicher ist und sich der Marktlage anzupassen vermag wie, was wir gesehen haben, bei Lederers Borschlag nicht der Fall ist. Allein das Ergebnis wird bei Rathenau nicht anders Mn, als die Bürokrotisierung der wichtigsten deutschen Rohstofferzeugung. Die Verbraucher werden in beiden Fällen den Schaden dieser „lichtvollen" Projekte zu tragen haben.
Gruähr»l«gskoafereuz. Der RetchSernährungs- minister Dr. Hermes ist nach Stresa am Lugo Maggiore gefahren, um dort mit den Vertretern der französischen und italienischen Regierung zusamnienzutreffen Drutfch- land hat im August die in Spaa auferlegten zwei Millionen Tonnen Steinkohlen rechtzeitig abgt liefert Auch für September ist die Lieferung fchon gesichert, weil eben der Verband den Vorrang genießt. Es wäre also ein verhängnisvoller Fehlschluß, eine Verweiserung auch der demschen Kohlenversorgune anzunehmen. Die Industrie spürt schon, wie ihr der Strick um den Hals gelegt wird. Eine Förderung der Erzeugung ober was nach Lage der Sache gleichbedeutend ist, eine Ein- schränk ang des Selbstverbrauchcs der Zechen wäre wohl zu erreichen, wenn sich die Bergarbeiter dc^u verkehrn könnten, wie es vorgeschlag.n wurde, die Ueberschickten in den ersten fünf Tagen zu verfahren. Allein sie sehen einstweilen darin noch' einen Angriff auf den Siebenstundentag. So ist mif einer Verbesserung der Kohlenoersorgunz in Deutschland nicht zu rechnen, zumal der Verband in Oberschl. iv u wll kürlich der Industrie den Kohlenbezug gesperrt hat. H na Dr. Hermes werden diese und ardere Dinge geläufig sein. Er kann nun in Stres: mit Nachdruck darauf best hen, daß der Verband die Lwensmittel bereit stellt, zu deren Lieferung er auf Grund des Abkommens von Spa t verpflichtet ist. Deutschland erhält ja kein Geschenk, sondern nur Vorschüsse, die e? zurückzahten muh Und diese Vorschüsse sind wieder ein glatter Raub ant deutschen Volksvermögen, da der Verband die Zwischen- gewinne an bet deutsch-u Kohle in die eigene Tasche steckt. Seit Spaa sind nun wieder zwei Monate verflossen. Aber noch immer fehlt die Lieferung der Lebensmittel. Deutschlands Slaährungslage ist nach wie vor ungültig, denn die Ernte ist nur eine schlechte Mittelernte. Damit müssen wir auf Jahre hinaus rechnen, weil mit dem landwirtschaftlich nutzbaren Boden während des Krieges Raubbau getrieben worden ist. Bei der Auswahl fort Lebensrnittel muß indessen freie Hand gelassen werden. Es darf sich nicht wiederholen, daß' wir für Goldmark schlechten chinesischen Speck erhalten, der uns als amerllanisches Erzeugnis ausgehängt wird. W>.r können auch nicht Abnehmer für überlagerte Hee-eskonierv-n sein, sondern wir brauchen hochwert'.ge Nahrungsmittel durhweg guter Beschaffeuheit. Erheblich ist, daß uns auf Grund der Vollchüffe auch Düngemittel geliefert werden, nach benen unsere ausgesogenen Böden sörmlich hungern.
Die Zwangsarrleihe. Der Plan einer Zwangs^ anleihe hat feste Gestalt gewonnen. Sie ist das äußerste Mittel, versagt es, so ist unsere kranke Fiuauz- wirlschast überhaupt nicht mehr zu heilen. Nach Lage her Sache kann die Zwangsanleihe nur dem Besitz auf-rlegt werden. Da tü nun zu prüfen, ob die neue Last zu tragen vermag. Reichsnotopfer und Vermögens abgabe, sowie die hochgestaffelre Einkommensteuer nehmen an sich schon vom Kapital, was es uns Her- geben kann. Alles das scheint nicht zu reichen, um das ungeheure Loch im Reichssinanzsäckel zu stopfen. Wie groß es ist, weiß offenbar her Finanzminisist selber
Sie wollte hinein, du rief er ihr zu: „Aber Fräulein, weshalb so eilig ? Sagen Sie mir wenigstens ob ich in den nächsten Tagen das Vergnügen haben werde, Sie wiederzusehen?"
„Ich knüpfe keine Herrenbekanntschasten an," sagte sie kurz. „Wenn wir uns zufällig einmal hier treffen, soll eS mir recht sein."
„Ich danke Ihnen, mein Fräulein," erwiderte der Diener, indem er wie ein Gentleman die Mütze zog und eine tiefe Verbeugung machte.
Sie eilte hinein, konnte es aber doch aus Nrugier nicht unterlassen, rasch nach dem Boden zu springen und aus einer Dachluke hiuabzublickeu. Dort stand er noch immer und schaute wie verzückt nach der Türe, durch die sie verschwunden war.
Ein hübscher Mensch! Der schöne Schnurröart! Und das seine Benehmen! Ganz anders wie die Diener im Haufe, von denen der eine den andern an Grobheit überbot. Und besonders Josef! Der war ihr ein Dorn im Auge. Wenn es ihr gelang, ihn hinauszudrängeln und dafür den Fremden an seine Stelle zu bringen. Unwillkürlich klopfte ihr das Herz, wenn sie daran dachte.
Natürlich stand sie am andern Abend um dieselbe Zeit vor dem Garten, und auch der Diener ließ nicht lange auf sich warten. Sie waren schon etwas vertraut miteinander und erzählten sich ihr ganzes Leben. Der Diener stellte sich jetzt als Franz Lankwitz vor und teilte ihr mit, daß er noch gestern abend wegen der Torte einen derartigen Auftritt mit der Gnädigen gehabt, datz er in der Rage gekündigt und sich mit seiner Gnädigen gleich gütlich auSeinandergesetzc yave, so daß er sofort abziehen könne.
72, Jahrgang
nicht. Die Ausgaben wachsen von Tag zu Tag, obschon sie durch einen Nothaushalt in einen leidlich festen Nahmen gespannt sind. Zum Teil ist dies Wachsen der Ausgaben eine Folge der Geldentwertung, zum anderen Teil aber auch eine Folge unserer finanziellen Lotterwirtschaft. Wir besolden ein Beamtenheer, das mcht voll beschäftigt werden kann. Bei der Post uum Eisenbahn wird die Arbeitszeit gestreckt, um nur nicht Entlassungen vornehmen zu müssen. Dabei werden immer neue Ansprüche an das Reich gestellt. Es soll Rohstoffe beschaffen, obschon es kein Geld hat. ES soll den Baumarkt durch Milliardenvorschüffe aufrichten, obschon alle Raffen leer sind. Das Reich hat sich bisher geholfen,intern esPapierzettel alsGeldzeichen auSgab,gleich - zeitig aber auch dieichwebenden Schulden vermehrte. Wenn wir diese Wirtschaft noch einige Zeit sortsetzen, so ist der Bankrott unvermeidlich. Unter diesem Bankrott werden vor allem d e Hand- und Kopfarbeiter zu leiden haben, was leider vielfach überleben wird. Unsere Fimmzwirtschaft muß sich die Uebel der Notenpreffe und der schwebenden Schulden vom Halse schaffen. Eine freiwillige Anleihe führt nicht zum Ziel. Es bleibt also nur die Zwangsanleth-. Aber ist der Be« sitz noch stark genug, außer Reichsnotoofer und Vermögensabgabe auch diese Last aus sich zu nehm i ? Wer nur die Papiergeldflüssigkeit sieht, wird ja form Wer aber die tatsächlichen wirtschaftlichen £ äste kennt, wird Bedenken hegen. In Betracht kommt weiter, daß die Zwang anleibe nur einmal erhoben werden kann. Versagt sie, so ist bet Zusamn ibruch unvermeidlich. Die Zwangsanleihe allein schafft es nicht, es müssen sich v.rdopmlt Kapitalleistung und Sparsamkeit gesellen.
Der ofteuropäische Zuzug.
In der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Duisburg kam die Frage Wohnungsnot zur Sprache. Dabei wies Oberbürgermeister Dr. Jarres auf den starken Zuzug von ostrurovälfchen Elementen, Russen, Polen und Ostjuden hin. Aus den von ihm gegebenen amtlichen Zahlen ergab sich, daß der Zuzug von osteuropäischen Elementen in der Stadt Duisburg im Jahre 1920 betrug im Januar 114, Februar 201, März 206, April 25, Mai 250, Juni 203, Juli 269, August 158 Der Oberbürgermeister setzte diesen Zah- lenangaben wörtlich hinzu:
„Es ist das eine sehr fluktuierende Bevölkerung, die hereinkommt und wieder hinauSgeht. Zunächst begnügen sie sich mit einem Loch, nach einem oder zwei Monaten haben sie aber eine schöne Wohnung. Wie sie das fertig brinaen, weiß der Himmel! Zurzeit haben wir an Russen und Polen noch 1936 hier, Elemente, d'e sich in kritischen Zeiten hier durchaus nicht als wertvoll gezeigt haben, die im Gegenteil bei den Urruhen im März recht unangenehm aufgefallen sind. @3 sind keine Handrrbeiter, sondern Geschäftsleute, die dem legitimen Handel und dem Publikum höchst verderblich find. Wir haben nach den gesetzlichen M'tteln wenig Macht, hier einzugreifen, ich glaube aber, es ist allgemein über diesen Zuwachs im In dustriegebtet Aerger entstanden."
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„Es hätte ja so wie so nicht mehr lange gedauert, denn ich bin schon längst bes Dienens müde: ich habe mir ein kleines Kapital gespart und gedenke, einen kleinen Kellerhandel anzufangen, vielleicht, wenn stchs macht, mit einer Portierkelle verbunden. Aber allein, 033 macht mir keinen Spaß, ohne ein schmuckes Weibchen würde ich doch dafür danken."
„Sie haben jedenfalls schon gewählt," wagte sie etwas schüchtern auf den Strauch zu schlagen.
„I. wer wollte mich wohl nehmen, Fräuleinchen," erwiderte er. „Im Gegenteil, ich bin ohne jede Damenbekanntschaft."
Lisbeth wurde ganz verwirrt; blitzschnell sah sie vor ihrem Geiste ein nettes, behagliches Heim, worin sie an der Seite dieses herrlicher Menschen schaltete und waltete.
„Sie suchen also jetzt ein Kellerlokal?" lenkte sie das Gespräch ab.
„Leider bin ich noch nicht so weit; ein Jährchen mindestens muß ich noch ins Joch. Aber dann —*
„Aber Sie werden doch hier In der Nähe zu bleiben suchen."
„Schwerlich, hier ist augenblicklich gar nichts frei.
„Schade, schade!" sagte sie mit aufrichtigem Bedauern. „Sie scheinen ein guter Kamerad, mir wäre es lieb gewesen, wenn wir zusammen hätten dienen können Lieber jedenfalls, als mit jenem groben Patron, der da gerade kommt." Und sie wies nach rechts, von wo der Diener Josef herbeikam, der aller- dtngs keinen so noblen Eindruck machte, wie Franz Lankwitz.
(Fortsetzung folgt.)