Zchluchtemer Artung
Anzeiger tür die amtlichen Bekanntmachungen im Kreise Schtüchtern.
Schlüchterner MeisUM
Neltrste Zeitmg im Kreise; gtgrinhet im Jahre 1849.
Bezugspreis frei Haus, vorauSzahlbar viertelt. 6,80 Mk., (durch die Post ohne Bestellgeld). Erscheint DienStagS, Donnerstags und SamStagS. Druck und Verlag C. Hohmeister, verantwort!. H.-C. Hohmeister, Schlüchtern. Fernruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Geschäftsverkehr mit der Firma Schlüchtern.
Anzeigen: II. Zeile oder deren Ran« 60 Pfg., Rellamezeile 2,- Mk. Bei Betriebsstörungen kein Schadenersatz oder Mmder- gebühr einschließlich BezugS. Keine Gewähr für Platz, Aufnahme-Zeit und Beleglieserung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischenteilen. Zahlkarte Frankfurt a. Main Nummer 11403.
M 105. Dsnnevstag, den 2. September 1920. 73. Jahrgang
Aus Stadt und Kreis.
Schlüchtern, den 1. September 1920.
—* Der deutsche Kriegerbund leidet unter der außerordentlichen Verteuerung aller Lebensbedürfnisse sowie allen Bedarfs für die fachlichen Verwaltungskosten auf das schwerste. Die Not seiner Beamten ist groß. Troß mehrfacher Erhöhung sind die Gehälter gering. Die Gefahr besteht, daß die Bundesbeamten den Dienst verlasien, daß Ersatz zu den bisher gewährten Gehaltssätzen nicht zu finden ist, und daß die Bundesverwal- tung dann völlig lahm gelegt wird. Das Bundesbüro ist das Gehirn des Bunocs. Seine Lahmlegung be deutet die Stillegung der gesamten BunoeStätigkeit, einer einheitlichen Führung des Bundes und ein Auf- hören der Unterstützungs- und Wohlfahrtslättgkeit des deutschen Kriegerbundes. Zwecks Aufrechterhaltung der BundeSverwaltung wendet sich der deutsche Kriegerbund an seine Mitglieder mit der Bitte, einen einmaligen freiwilligen Beitrag betzusteuern. Für den hiesigen Kriegerverein wird der Beretnsdiener in den nächsten Tagen die freiwilligen Beiträge einsammeln. Der Bundes-Vorstand hofft, sich nicht vergebens au seine Mitglieder gewandt zu haben, damit er in der Lage ist, die Bundesgeschäfte im Sinne der hohen Aufgaben des KriegervereinSwesens weiter zu führen.
—* In einem Teil unserer vorigen Nummer brachten wir aus Niederzell die Meldung, daß sich ein junger Mann von dort aus Liebeskummer erschoß. Wie wir soeben hören, richtete er die Waffe gegen sich, ohne doch den ersehnten Tod zu erlangen. Er liegt schwerverwundet im Hiestgen Kretskrankenhaus.
—* (Angestellten-Bewegung). Den Angestellten der preußischen Gemeinden und Gemeindeverbände sucht der Verband der Kommunalangestellten und Beamten daS Recht zu entziehen- sich durch ihre Angestellten^Gewerkschaften vertreten zu lassen und Tarife adzuschließen. Er beansprucht das Vertretungsrecht für die Beamten- auSschüsse. Der Gesamtverband deutscher Angestellten- Gewerkschaften (Berlin C19, Gertraudenstr. 20/21) tritt im Namen feiner Verbände (besonders Reichsver- band deutscher Büro- und Behördsnangestellter (Sitz Essen, Viehoferstr. 28/11), Verband der weiblichen Handels- und Büroangestellten, Dculschnattonaler Handlungsgehilfen-Verband) diesem Verlangen entgegen und weißt in einer Eingabe an das Reichsarbetts- mintstertum, den Preußischen Städtetag und die sonstigen Verbände von Städte und Gemeindeverwaltungen darauf hin, daß die Angestellten das Recht haben, ihre Berusovertretung in ihren eigenen Verbänden zu suchen, daß durch entgegengesetzte Bestrebungen die Zusammenarbeit zwischen Beamten und Angestellten nicht gefördert werde und daß die Beamtenverdände, wenn sie Wünsche hätten, sich mit den Angestelltengewerkschaften an den Verhandlungstisch setzten mußten."
—* (Aelchsnoiopser und Befitzsteuer.) Die Frist zur Abgabe der Stillerer klärung für das Reichsnot- opser und die Befitzsteuer ist bis zum 30. Sept. 19^0 verlängert. Auf Seite 1 unter 5 a des Vordruckes der Nmopfer Steuererklärung ist das bare Geld nach dem Stande am 31. 12. 1919 einzusetzen. Es wird unsere Leser interessieren, zu hören, baß nach Paragraph 20 a des Reichsnotopfergesetzes die deutschen Gold- und Silbermunzen Mit dem Metallwerle zu bewerten sind. Nach einem AuSschreiben des ReichS- ftnauzminipertums ist der Preis für ein deutsches Zwanzigmarkjiüü 220 Mk., für ein deutsches Einmal! stück 7 Mk. am 31. 12. 1919 gewesen. Diese Werte sind also in der Steuererkrälung einzusetzen.
Hk. Postpakete nach Norwegen. Die Herabsetzung des Höchstgewichts für Poppatete und Postfrachrstücke nach Norwegen auf 3 kg sowie die Beschränkung der Höchstmaße dieser Pakete — Länge und Umfang — zusammen auf 170 ein ist wieder aufgehoben.
* Rabenstein (bei Ulmbach). Herr Lehrer Schaffrat aus Somdorn hat die Lehrerprüfung gut bestanden.
* Marjoß. Herrn Hegemeister Gruß von hier, Försterei Rohrbacher Hof, hiesige Oberförsterei, wurde zum 1. Ok.ober d. Js. die Fürsterstelle Lberrodenbach M ForsthauS Lochsets, Oberförsterei Wolfgang, übertragen.
* Marjoß. Herrn Förster Sekt z. Zt. auf einer Unterkunstsstelle in RHeinsberg (Mark), wurde zum L Oktober d. Js. die Försierstelle Rohrbacherhof, hiesige Oberförsterei, übertragen.
* Salmünsier. Herrn Förster Rengel zu ForsthauS
Häuserdick, hiesige Oberförsterei, wurde zum lt Okt. 1920 die Försterstelle Retra, Oberförsterei Reichen- sachsen, übertragen.
Aus Provinz und Wachöargeöiet.
8 Fulda. 1 Vi Zentner Mehl, die nach Frankfurt verschoben werden sollten, wurden hier beschlagnahmt; ebenso 10 Pfund Butter.
§ Aus der Rhön. Die Stadtgemeinde Jena kaufte bei Erbenhausen in der Rhön 633 Raummeter Brennholz. Nach zuverlässigen Mitteilungen steht fest, daß davon bereits 152 Raummeter gestohlen worden sind.
§ Schlitz. In der hiesigen Gemarkung sind sechs Wi vschwetne erl.gt worden ; das Fletsch wurde zu billigen Preisen von der Forstverwaltung an die Be- völkeruug verkauft. Die Wildschweine hatten großen Fm-schaven «»gerichtet.
§ Eschwege. Für den Posten des Landrat wurde bei der letzten Sitzung des Kreistages Parteisekretär Struve> Eaffel in Vorschlag gebracht.
§ Aus dem Kreise Hofgetsmar. In letzter Zeit sind durch unvorsichtiges Berühren beschädigter Hochspannungsleitungen des Ueberlandwerkes Edertalsperre zwei Menschenleben tödlich verunglückt. Es ist darum allergrößte Vorsicht geboten, wenn irgendwo LettungS- drähte herunterhängen. Ein bloßes Berühren, ein Andreseitelegen usw. ist meistens mit Lebensgefahr verbunden.
§ Plane. Ein feingekleideter Reisender gibt an, auf Rechnung einer chemischen Fabrik in Magdeburg zu reisen und offeriert Seife, Setfenpulver und u. a. Kristall-Süßstoff. Von dem letzteren zeigt er eine Probe und führt ein größeres Quantum des Süßstoffs gleich mit sich. Auch einem hiesigen Geschäftsmann verkaufte er einen kleineren Posten, von dem sich her- ausstellte, daß die gekauften Päckchen Salz statt Süßstoff enthielten. Bis jetzt war es nicht möglich, des Schwindlers habhaft zu werden.
§ Eaffel. In der unteren Königstraße stahl ein 15jähr>ger Sohn den gesamten Wäsche- und Beklet- dungsvorrat seiner schwer krank dantederliegenden Mutter und verkaufte ihn. Der Täter wurde von der Polizei verhaftet. Er verweigert jede Aussage, an wen er die Kleider verkauft hat. Seme Familie besitzt nur noch an Wäsche, was sie auf dem Leibe hat.
§ Eaffel, 30. Aug. (Verhaftung von Falschmünzern.) Auf Grund von phvtographlschen Abbildungen, welche die Polizeibehörde der hiesigen Bahn- direktion übermittelt hatte, sind am Freitag an der Sperre des hiesigen Oberstadtbahnhofes zwei Personen, ein Mann und eine Frauensperson, beide angeblich polnischer Nationalität, unter dem dringenden Verdacht verhaftet worden, zu ver Falschmünzerbande zu gehören, welche hier und in anderen deutschen Städten die falschen 5i) Markschetue angefertigt und in den Verkehr gebracht hat.
8 Kassel. Eine hiesige Firma hatte an die in Singapore (Indien) erscheinende englische Zeitung „Free Preß" eine Karte gesandt mit der Bitte, ihr eine Provenummer mit Anzeigentarif zu schicken, damit sie ihre Waren in der genannten Zeitung anpreisen könne. Die Karte kam nach einigen Monaten zurück. Quer über die Avresse hatte die Direktion der Zeitung mit Schreibmaschine folgenoe Zeilen geschrieben: Wir haben infolge des von Deutschland verschuldeten Krieges die Verbindung abbrechen muffen und können dies nicht so leicht vergeffen. Wir können daher von Ihrem Angebot keinen Gebrauch machen.
8 Llmburg a. L., 31. Aug. (Konzertskandal.) Hier fand ein Konzert des Naffauischen Tonkünstlev Orchesters statt, das einen nicht alltäglichen Verlauf nahm. Die wenigen Besucher erlebten zwar keine schöne R^fik- aufführung, dafür aber einen wüsten Krach, denn einer der Musiker machte, dem „Nass. Boten" zufolge, dem Kapellmeister Schwarz heftige Lorwülfe, sprach ihm jede Fähigkeit als Dirigent ab ünd bezeichnete ihn als Hochstapler, der sie aus Bad EmS und Bad Orb hergelockt habe und ihnen jetzt ihr Honorar und ihre Auslagen nicht bezahlte. Unter diesen Umständen wuroe das Konzert abgebrochen.
8 Wiesbaden, 30. Aug. (Böse Erlebnisse auf der Hamsterfahrt.) In FramerSheim bei Alzey war ein Agent von hier von Landjägern angehalten worden, weil er Butter und Eier zu höheren Preisen gekauft hatte. Als die Waren beschlagnahmt wurden, warf sie der Agent zu Boden, trat darauf herum und mußte
schließlich in das Spritzenhaus eingesperrt werden, weil er die Angabe seines Namens verweigerte. Er beabsichtigte nun, gegen den betreffenden Landjäger Anzeige wegen Freiheitsberaubung zu erstatten, mußte aber dazu die Genehmigung des Hessischen Verwaltungsgerichtshofes haben. Der Agent, der inzwischen in Mainz verurteilt worden ist, wurde mit seinem Ersuchen vom Verwaltungsgerichtshof selbstverständlich abgewiesen.
Uotttische Aröeiterräte auch gegen den Missen der Arbeiterschaft.
Daß die Kommunisten gezebenenfalls bereit find, sich auch gegen den Willen der Mehrheit der Arbeiterschaft durchzusetzen, beweisen die letzten Vorgänge in Erfurt. Eine Vollversammlung der Erfurter Betriebsräte lehnte kürzlich die Wahl politischer Arbeiterräte ab. Trotzdem sind die politischen Räte gewählt worden und zwar: bei der Eisenbahn ein K. P. D., sieben U. S. P. und ein Parteiloser; bei „LokomotivLau Hagen" fünf K. P. D., ein U. S. P.; bet der, Maschinenfabrik Petz und Co. zwei K. P. D., zwei U. S. P., ein Parteiloser; bei der Baugesellschaft Kallenbach zwei K. P. D.
Dieses Vorgehen der K. P. D. und des linken Flügels der U. S. P. zeigt deutlich, daß man auch in Deutschland nach russischem Muster einer Diktatur über das Proletariat zusteuert, und daß man gewillt ist, sich über den Willen der Arbeiterschaft hinweg- zusetzen, sobald diese für die Pläne der radikalen Drahtzieher nicht zu haben ist.
Wkllhäxdtl.
— Die Einfuhr von Mais ist freigegeben ab 1. September. Von diesem Tage ab darf Mais ohne Einfuhrbewilligung des Reichskommissars für Aus- und Einfuhrbewilligung aus dem Ausland eingeführt und im Inland frei abgesetzt werden. Das gleiche gilt für eine Reihe von Abfällen von Mais, soweit sie besonders wertvolle Kraftfuttermittel darstellen. Die Vorschriften über die Einfuhr von Raisprodukten bleiben, soweit es sich hierbei um Erzeugnisse für die menschliche Ernährung handelt, unberührt. Diese Regelung entspricht dem einstimmigen Wunsch des Handels und der Landwirtschaft.
— Die Lieferungen von deutscher Kohle aus dem Ruhrgebiet und Westfalen haben nach französischen Blättern an Umfang zugenommen. Es scheine, daß die Deutschen ihre Verpflichtungen halten und die in Spa vorgesehene Menge liefern.
— (Der Abtransport der Gefangenen aus Sibirien gesichert.) Die Rüchszentralstelle für Kriegs- und Zivil- gesangnen teilt mit: Von der deutschen Fürsorgestelle in Moskau ist eine Sonderkommission unter Leitung des Herrn Friedrich Schäfer nach Sibirien abgereist/ um den ordnungsmäßigen Abtransport der Kriegsgefangenen aus Sibirien sicher zu stellen. Der erste Transport ans dem Lager Kansk ist bereits in Deutschland eingetroffen. Weitere Transporte find auf dem Wege nach Moskau begriffen. In den nächsten Tagen findet in Kowno unter Teilnahme des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz Genf eine Zusammenkunft zwischen einer deutschen und einer russischen Gefangenenkommlssion statt, um den Abtransport der Krtegsgefaugenen auf dem Landwege über Litauen herbeizuführen. Ein Delegierter des Internationalen ÄomiteeS vom Roten Kreuz befindet sich bereits in Kowno, um die Vorarbeiten zu treffen.
— (Die Kommunisten in Serbien.) Nach einer Havasmeldung aus Belgrad haben bei den Gemeinde- wahlen in ungefähr 10 Städten, darunter Belgrad, die Kommunisten den Steg davongetragen.
— Die französische und die belgische Regierung haben ein neues Abkommen über den Austausch von Eisenerz und Kohlen abgeschlossen. Belgien liefert Frankreich monatlich 100 000 Tonnen Kohlen und erhält für deren Wert Eisenerze.
— Die polnischen Greuel gegen Deutsche in Oberschlefien und Westpreußen nehmen kein Ende. In Oberschlesien wird das Abstimmungsrecht, in Westpreußen das Optantenrecht mit Füßen getreten. — In Schönsee wurden die Leichen dort erschossener Deutscher in der Nähe des Kirchhofs hingeworfen, von polnischen Weibern und Kindern bespieen und geschändet. Der Pfarrer Müller besorgte die Särge und beerdigte die Hetchen. Müller wurde mit noch 35 Deutschen vep