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Zchlüchtemer Zeitung
Anzeiger tür die amtlichen Bekanntmachungen im Kreise Schlüchtern.
BezngSpreiS frei HauS, vorauszahlbar Viertels. 6,80 Mk., (durch die Post ohne Bestellgeld). Erscheint DienStagS, Donnerstags und EamStagS. Druck und Verlag S. Hohmeister, verantwort!. H.-E. Hohmeister, Schlüchtern. Fern« ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Be« schüftSverkehr mit der Firma Schlüchtern.
M 95.
Lchlüchteruer Meisblatt
Netteste AeLtNNst i» Kreise; gegrtoei in Jahre 1849.
Samstag, den 14. August 1920
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Anzeigen: kl. Zelle oder deren Ranm 60 Pfg., Reklamezeile 2,— Mk. Bei Betriebs« stSrungen kein Schadenersatz oder Minder« gebühr einschließlich Bezugs, für Platz, Aufnahme-Zeit und Kein Nachlaß bet gerichtlichen Zwischenkosten. Zählkarte Frankfurt a. Main Nummer 11402.
Keine Bewähr
72. Jahrgang
Ovfatag
für die Anstalten nnd Einrichtungen der evgl.
Liedestätigkeit im Regierungsbezirk Caffel.
In Nr. 93 unserer Zeitung wurde bereits auf den für den 22. August d. Js. geplanten Opfertag Hin- gewiesen. Der Plan hat, wie berichtet wird, in weiten Kreisen unseres Volkes und Landes freudige Zustimmung gefunden. Allenthalben werden in Land und Stadt die Vorbreitungen getroffen, damit auch der Zweck des Tages erreicht wird. Es gilt ja, den schwer bedrängten Anstalten der inneren Mission und anderen Einrichtungen der evangelischen LiebeStätigkeit, die Tausenden die Haud zur Hilfe reichen, deizusprtngen, damit sie nicht durch die furchtbare Not und Teuerung unserer Zeit gezwungen werden, ihre Arbeit einzuschränken oder gar aufzugeben. Was sollte wohl werden, wenn eines Tages unsere Gemeindediakoniffen nicht mehr weiter ihre stillen Liebesgänge machen könnten?; was sollte werden, wenn die Anstalten Hephata bei Treysa ihre Pforten schließen und die vielen Hunderte von Elenden, die ihr anvertraut sind, entlassen müßten? An dem Opfertag muß die evgl. Christenheit unseres Landes bekunden, daß sie den, Anstalten und Vereinen der inneren Mission, die durch Jahrzehnte hindurch unserem Volke große und wertvolle Dienste erwiesen haben, zu danken weiß durch tatkräftiges Helfen und Ausrichten. An dem Opfertag muß die evangelische Bevölkerung unseres Landes ihr Verständnis dafür beweisen, daß im Interesse der Armen und Elenden, der Gebrechlichen und Kranken, der Einsamen und Alten, der Gefährdete» und Verwirrten bie Anstalten und Vereine der inneren Mission in unserem Lande unbedingt ihre Arbeit fort» zusetzen haben, Darum wird erneut und herzlich gebeten, an dem Opfertag die Hand und den Geld-Beutel aufzutun und gern und freudig und reichlich zu spenden.
Aus Stadt und Kreis
Schlöchteru, d§« 13. August 1920.
—* (Mariä Himmelfahrt.) Der 15. August ist der Tag Mariä Himmelfahrt, in der katholischen Kirche ein Festtag erster Ordnung. In zahlreichen, vorwiegend katholischen, Gegenden unseres Vaterlandes, so nament- am Rhein und in Süddeutschland, werden am Tage Maria Himmelfahrt fröhliche Volksfeste gefeiert, Lei denen unter anderem meistens auch eine Kräuterweihe stattfindet. Die an diesem Tage geweihten Kräuter sollen heUbringende Wirkung bei mancherlei Krankheiten haben. Man führt diese Sitte der Kräuterweihe auf die Erzählung der Bibel zurück, wonach die Apostel und Jünger am dritten Tage nach der Bestattung der heilig m Jungfrau an deren offenem und leerem Grabe Blumen und Kräuter vorfanden. — Für den Winzer ist Mariä Himmelfahrt ein Tag von besonderer Be deutung. Sonniges Wetter an diesem Tage ist für ihn die Voraussage einer guten Weinernte, denn «Schön Wetter zu Mariä Himmelfahrt — bringt Wein der allerbesten Art."
—* Nur noch kurze Zeit trennt uns von dem großen Volksfest, das der Sozialdemokratische Verein Schlüchtern am kommenden Sonntag auf dem Reis- brunnen . veranstaltet. Der Verein scheut keine Mittel, den Besuchern einige vergnügte Stunden zu bereiten. Auf dem Festplatz befinden sich drei Tanzböden, Karuffell, Schiffschaukel, Schießbude usw. Auch für die Kinder wird durch Veranstaltungen von Spielen ausreichend gesorgt werden, wie z. B.: Reigen, Kinder- Polonaise, Klerterbaum, Sacklauf, Fackelzug u. a. mehr. Wir wünschen dem Verein günstiges Wetter und zahlreichen Besuch seines Festplatzrs.
—* Die hiesige Soziaidemokraltsche Partei hatte anläßlich des Volksfestes am kommenden Sonntag bet der Eisenbahndirektion darum nachgesucht, an diesem Tage einen Extrazug von Joffa nach Schlüchtern einzulegen. Der Zug wurde, wie wir soeben erfahren, abgelehnt. Aus diesem Grunde müssen die Festteilnehmer schon den Frühzug benutzen.
—* Der Karuffellbefitzer Herr Julius Herbst aus Wüstwillenroth, gegen den vor kurzem ein Steckbrief wegen versuchten Totschlags von der Staatsanwaltschaft in Hanau erlassen worden war und auch in unserem Blatte veröffentlicht wurde, heute aber von der Staatsanwaltschaft wieder zurückgezogen wird (siehe Inseratenteil), läßt in der Donnerstagaummer des „Geluhäuser Tageblattes" folgende Annonce los : «Ich war erstaunt, als ich meinen Haftbefehl las wegen ver
suchten Totschlag, meldete mich sofort beim Amtsgericht Birstein, wurde nicht angenommen, ging dann sofort nach Hanau zur Staatsanwaltschaft und meldete mich dort, konnte aber sofort wieder nach Hause fahren. Der Schirmsticker Klein und ich waren im Gasthaus Bim, Leisenwald, tranken dort Schnaps ; ich bestellte eine Flasche Wein. Frau Bten wollte noch einen Schnaps bezahlt haben von Schirmsticker Klein, dieser weigerte sich, schimpfte mit sehr schlechten Redensarten, gegen Frau Wirtin, welches ich verbot; er wollte Frau Bten schlagen. Darauf faßte er mich und rang mit mir, wobei ers Messer nahm, ich bekam in jede Hand einen Stich. Daraufhin nahm ich meinen Browning und gab einen Schuß nach ihm ab. Julius Herbst, Ka- roussellbesitzer, Wüstwillenroth."
—* Von dem am vergangenen Sonntage vom Sportklub Viktoria Elm veranstalteten Sportfeste konnte der hiesige Fußballverein 1910 folgende Preise mit nach Hause bringen:
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Fnßballsechserspieleu der Klasse A = 1. Preis
8X100 Meter-Stafette " - L I
100 Meter-Lauf: 1. Preis Herr Chr. Slang
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400 Meter Lauf: 1.
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Schleuderball:
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Aus Urovinz A«d MchöargeöLet.
§ Hanau a. M. Zirkus Busch kommt nach Hanau auf den Paradeplatz und beginnt am Sonntag mit seinen großen Vorstellungen. Dem bekannten Unternehmen geht ei» guter Ruf voraus.
§ Aschaffenburg. Ihr neugeborenes Kind erwürgt hat am Montag früh ein hiesiges Dienstmädchen, das noch die Nacht vorher aus der Leiderer Ktrchweihe getanzt hatte. ,
§ Frankfurt a. M. (Folgen eines Streites.) Bei einem Fußballwettspiel in Heddernheim geriet der Josef Rühl mit dem 16 Jahre alten Emil Mühl in Streit, wobei der Rühl dem jungen Menschen derart mit der Faust auf den Kopf schlug, daß er an den erlittene» Verletzungen gestorben ist.
§ Frankfurt a. M. Aus einer Wohnung der Wolf- gangSstraße wurde eine Briefmarkensammlung im Werte von 50 000 Mark gestohlen.
§ Hann. Münden. Ein junger Mann, der eine große Lohnsumme auf die Zeche Steinberg bringen sollte, wurde im Kattenbühlwald überfallen und ihm daS Geld geraubt. Die Tat kann nur von Eingeweihten ausze- führt worden sein.
§ Caffel. (Preissenkung für Rüböl.) Die Freigabe der Speisefette usw. hat bewirkt, daß jetzt auch die Preise für Rüböl (Salatöl) erheblich zurückgegangen sind. So wird in hiesigen Geschäften jetzt Rüböl, feinstes Salatöl, das Liter zu 20,50-22,50 Mark angeboten.
§ Caffel. Eine „Hochzeizsreise" wurde auf dem hiestgen Oberstadtbahnhofe noch zur rechten Zeit verhindert. Ein hiesiges junges Mädchen hatte sich von seinem Bräutigam dazu verführen lassen, mit ihm zu verreisen. Die erst 17jährige Braut ließ aber dazu Kleidungsstücke und Schmucksachen ihrer Schwester und auch einige Gegenstände ihrer Eltern mitgehen. Der Vater bekam aber Wind von der beabsichtigten Reise, rannte zum Bahnhof und konnte noch die Abfahrt des Pärchens verhindern und seine verliebte Tochter wieder nach Hause bringen.' Der Bräutigam wurde von der Polizei in Haft genommen.
§ Caffel. Auf einen raffinierten Heiratsschwindler fiel ein jUMes Mädchen in der Obersten Gasse herein. Beim Photographen lernte sie einen jungen Mann im schmucken grünen Försterrock kennen, der sich als Staats- sörster in Oberkaufungen ausgab. Des stolzen Försters Brust schmückte auch das Eiserne Kreuz 1. Klasse. Dieser Eindruck war so stark, daß schon nächsten Sonntag Verlobung gefeiert werden sollte. Die Verliebte übergab ihrem Bräutigam sogar vertrauensvoll ihre kostbaren Schmucksachen, damit sie sicher „aufgehoben" seien bis zum Sonntag. Auch die Hochzeit sollte wohl schnell vor sich gehen. Der Förster wollte zur Ver« lodungsfeier einen großen Rehbraten spenden. Er borgte
sich im Brauthause ein Zweirad, mit dem er in Gemeinschaft eines Freundes nach der Grauen Katze fuhr. Da der Weg zum Fahren sich nicht eignete, bat er seinen Begleiter, er möge in Wolfsanger auf ihn warten. Der Schwindelförster kehrte aber nicht zurück, und auch die Erkundigungen ergaben, daß es einen Förster solch en Namens in Oberkaufungen nicht gebe, daß aber ein anderes Fräulein sich auch nach ihm erkundigt habe. Das so sehr betrogene und geschädigte Mädchen erlitt bald darauf einen schweren Nervenchock und mußte durch die Kriegersanitätskolonne in das Landkraukenhau s gefahren werden. Gendarmerie und Kriminalpoltzei fahnden eifrig nach dem frechen Grünrock.
Wirtschaftliche Wochenschau.
Die Kongresse z« Genf.
In der ab gelaufenen Woche haben in Genf ein Sozialisten- Kongreß der 11. Internationale und ein internationaler Bergarbeiter-Kongreß stattgefunder?. Die praktische Ausbeute beider Kongresse ist gering. Man nahm sichtlich auf die gleichzeitig in Moskau tagende 111. Internationale und auf die aus der Kriegszeit nachwirkende Erregung unter den Völkern Rücksicht. Der Bergarbeiter-Kongreß, der wirtschaftSpolitifch das größere Interesse verdient, hat die Frage der Nationalisierung bezw. Sozialisierung des Bergbaues recht allgemein behandelt und weder neues Material zur Beurteilung der Frage beigebracht, noch für die praktische Durchführung Wege gewiesen. In der Frage der Arbeitszeit platzten die Meinungen besonders hart aufeinander. Die deutschen und die englischen Bergarbeiter-Vertreter verlangten die Sechsstundentag-Schicht, wollten aber die Möglichkeit freiwilliger Mehrarbeit in Form von Ueber stunden und Ueberschichten gewahrt wissen. Die Franzosen und Belgier dagegen lehnten den Sechs- stundentag ab und verlangten den achtstündigen Maximal-Arbeitstag.' Da es zwischen den beiden verschiedenen Auffassungen sachlich zu keiner Einigung kam, hat man diese wichtige Frage vorläufig begraben, d. h. sie einer Kommission zur Bearbeitung übertragen.
Praxis int Lohnabzug Mit dem 1. 21- ist das neue Gesetz über den Steuerabzug .,om &.^ in Kraft getreten. Die neue Fassung steht für die Empfänger von Naturalbezügen (zum Beispiel freie Wohnung und Verpflegung) Erleick ungen vor. Naturalbezüge dürfen künftig nicht ^vher als mit 125.— Mk. Im Monat veranschlagt werden. Wohl aber ist es den Laudrs-Finanzämtern überlassen, die Naturalbezüge niedriger anzusetzen. Gegenüber früher sind die abzuziehenden Prozentsätze nicht gleich, sondern gestaffelt. Wer mehr bezieht als Mk. 15 000 muß sich einen Abzug von 15'/., noch höhere Einkommen einen erheblich höheren Abzug gefallen lassen. Von dem abzugspflichtigen Lohn oder Gehalt werden monatlich Mark 125.— für jeden Lohnempfänger und 40 Mark für jedes seiner Familien-Mitglieder als Existenz- minimum in Abzug gebracht; weiter werden die vom Arbeitgeber zu Lasten des Arbeitnehmers erfolgenden Bettragszahlungen für die soziale Versicherung vom abzugspflichtigen Lohn abgesetzt. — Man hätte sich diese Neu-Ausgabe des Gesetzes sparen können, wenn man die Folgen des ersten Gesetzes vorher richtig bedacht und das Verständnis hierfür im Publikum vorbereitet hätte. Der Lohnabzug ist die mildeste und sozialste Form der Steuererhebung. Erfolgt die Einziehung der Steuer auch nur wenig nach dem Lohn- oder Gehaltsempfang, so ist die Steuer häufig kaum mehr einzutreiben, wird aber in jedem Falle als eine schwere Beeinträchtigung der Haushaltsführung empfunden Das Geld aber, welches man von der Arbeitsstätte gar nicht erst nach Hause bringt, unterliegt nicht der Gefahr, ausgegeben zu werden. Die segensreiche Wirkung des Steuerabzuges können nur die verkennen, welche entweder blind und gedankenlos in den Tag hineinleben oder aber auf die Möglichkeit einer Steuer hinterziehurrg spekulieren.
Die Wirtschaft und der Krieg im Osten. Roch immer steht bie Entscheidung aus, ob der Konflikt im Osten sich zu einem neuen Weltkrieg auswachsen soll. Die Russen haben durch die WaffenfttilstandS- verhandlungen und durch die neuerdings begonnenen Friedensverhandlungen Zeit gewonnen, bis dicht unter die Torr Warschaus vorzudringen. Die Verbandmächte zögern, die Beziehungen zu Sowjetrußland abzubrechen und sich offen auf die Seite Polens zu schlagen. Die einzige Form, in der England und Frankreich wirksam