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Zchluchterner Zeitung

Anzeiger für Nie amtlichen I Hekanntmachungen im ,Kreise 8Güchtern. HchWcht«r«er LreiMatt Belteste 8r!tM« in »seife; «egrüibet im Jahre 1849.

VezugSpreiS frei HauS, vorauSzahlbar viertelj. 5,80 Mk., (durch dir Post ohne Bestell­geld). Erscheint DienStagS, Donnerstags und SamStagS. Druck und Verlag T. Hohmeister, verantwortl. H.-E. Hohmeister, Schlüchtern. Fern- mf 65. Erfüllungsort für den gesamten ®e« schäftSverkehr mit der Firma Schlüchtern.

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JE 91. V»nn«*«tag, bett 5. August 1920. 72. Jahrgang

Uerttn will sanver werden. Bon unserem Berliner Mitarbeiter.

Von Giratzenwäsche und anderer Reinigung - Gute Hoffnung am Bahnhof Friedrich» strafte Die Schlacht auf dem Rummelplatz Der Wüstling von Wilmersdorf Dem Zuchthaus entwischt Der Zug aufs Land.

Berlin will sauber werden, wenigstens der Anfang eines Versuches soll gemacht werden. Die Abstcht steht einmal in aller Oeffentlichkeit fest. Durch Gemeinde­beschluß ist die Anschaffung von 40 elektromobilen Kehrmaschiaen und 60 elektrischen Straßenwaschmaschinen genehmigt worden. Man will also dem durch die langen KriegSjahre in Berlin eingebürgerten Schmutz elektro- mobil zu Leibe gehen. Nicht mehr die paar alten, abgenutzten Kehrwagen, Ue in ihrer Unzulänglichkeit und Unzuverlässigkeit der Sisyphusarbeit gegenüber machtlos waren, sollen gegen den Berliner Schmutz los» gelassen werden, es soll elektromobil, gewissermaßen mit Volldampf gehen. Nachts wird elektrisch gesprengt und geschrubbt, tags gesprengt und gewaschen. Schaden kann auf diesem Gebiete auch der größte Uederreifer nichts Hoffentlich gelingt es durch diese Kraftanstreugung, der Stadt Berlin wenigstens äußerlich ein reinliches Aus­sehen zu geben.

Wenn man schon das äußere Bild verbessern will, so kommt man nicht um den wunden Fleck herum, den seit Jahren der Bahnhof Friedrichstraße bildet. Dieser Hauptbahnhof, im Mittelpunkt der Reichshauptstadt gelegen, aus dem jeder Fremde, der nach Berlin kommt, wenigstens einmal aussteigt, zeigt sich nun schon seit acht Jahren in Mem geradezu jämmerlichen Zustande. Solange der Krieg dauerte, hatte man dafür ja eine brauchbare Entschuldigung zur Hand. Aber seit sieben Vierteljahren haben wir doch Frieden. Da hatte das augenfälligste Ärgernis doch beseitigt werden können. Aber es sind noch immer dieselben aufgerissenen Mauern, Breschen, Brettverschalungen, Nottreppen, die unendliche, nur dem Eingeweihten auffindbare Umwege nötig machen. Und all das hat durch die Länge der Zeit nicht an Gang- barkeit und Sicherheit gewonnen. Nein dieser Zustand ist für die neue Zeit äußerst blamabel. Das fühlt man denn wohl auch an verantwortlicher Stelle. Und so wird nun mit Eifer vertröstet, daß es bald soweit sei, die guten Fortschritte des Umbaues erkennbar zu machen. Die Fernbahngleise seien bis auf die Schotter fertig und der eine Zugangsweg wenigstens sei nahezu vollendet. Na, wir werden ja sehen; Zeit wird es allmählich.

Und wenn nun einmal die Bahnverwaltung beim Aufräumen ist, so wird sie hoffentlich auch dafür sorgen, daß der große Rummelplatz am Bahnhof Friedrichstraße verschwindet. Das Ast wirklich ein recht unwürdiges Anhängsel an dem Hauptverkchrsplatz der Reichshaupt- stadt. Der Fremde, der in Berlin ankommt, erhält gleich einen bezeichnenden Eindruck von dem Geist, der hier herrscht, wenn er das Gedudel, Gepfeife und Gekreise der Karuffels, der Schaubuden, der Berg- und Talbahn erleben . muß, die dort bis in die Nacht . Hinein lärmen. Im Mittelpunkt der Stadt eine solche Stätte der zweifelhaften Vergnügungen, der Unordnung, der Ausgelassenheit. Was es mit diesen Rummel­plätzen auf sich hat, haben einige Erfahrungen gerade der letzten Zeit gezeigt. Der eine Rummelplatz im Osten der Stadt wurde von den dort beheimateten Publikum, das bei seinen Vergnügungen außex Rand und Band geraten war, gestürmt und in ein richtiges Schlachtfeld verwandelt, auf dem Revolver, Messer, Stöcke und Gummiknüttel in Tätigkeit traten. Die Sicherheitswehr hatte eine heiße Arbeit, die Kampf- hähne zu vertreiben, und den Platz abzusperren. Noch eine andere viel häßlichere, eine recht schmutzige Ge­schichte, hat ihren Ausgangspunkt auf dem Runimel- Ä, eine Skandalaffäre, wie wir sie glücklicherweise t lange nicht mehr zu hören brauchten. Ein sehr bekannter Verleger hat seine reichen Einuahmcn, die ihm aus der Herausgabe von allerlei ungesunden Büchern und Zeitschriften zuflossen, ganz im Sinne seiner schlüpfrigen Erwerbsquelle benutzt. Er ließ durch seine Ergebenen auf den Rummelplätzen des Westens halb wüchsige Mädchen, zum Teil noch Kinder, anlocken und m seine üppige Villa nach Wilmersdorf verschleppen. Dort feierte er mit gleichgesinnten Genossen seine ver­brecherischen Feste. Ein paar Filmschauspieler, diese neuesten Helden eines unreifen Geschmackes, waren auch « ^ viele junge Mädchen diese Wüstlinge an Mb und Seele verdorben haben, ist noch nicht ermittelt.

Den Hauptschuldigen hat eine gesällige Rechtsprechung für unmündig erklärt und ihn dadurch dem verdienten Zuchthaus entrissen. Aber die Zusammenhänge zwischen dieser Schmutzerei in Wort und Bild auf teuerstem Glanzpapier, die sich jetzt in der Nachkriegszeit auffällig breit macht, zwischen der urtetlslosen Kinoseuche und der Zuchtlosigkeit der Rummelplätze ist hier einmal nbschreckmd ausgedeckt worden. Auch gegen diesen Schmutz wären elektrische Kehrmaschinm sehr von Nöten.

Ob Berlin nun wirklich sauberer werden und gesunder werden wird? Es gibt viele, die nicht daraus warten wollen. Kürzlich hat Neukölln ein paar Anteile an seinem Kleingartenland zu vergeben gehabt; daraus haben sich über 700 Bewerber gemeldet. Der Drang hinaus aufs Land, das ist das Merkmal eines unbe­wußten Willens zur Gesundung, zur Sauberkeit. Und daß er so machtvoll anschwillt, das ist wenigstens ein erfreuliches Zeichen. F. H.

§ Bad Salzschlirf. Die Zahl der Kurgäste, die in diesem Jahre Salzschlirf besucht haben, belauft sich zu Anfang August auf 4000. Im Vorjahre wurde diese Zahl erst Mitte August erreicht.

§ Balten (Rhön). Ein Schurkenstreich schlimmster Art wurde am letzten Freitag hier verübt. Dem hier stationierten Landjäger wurde während seiner dienstlichm Abwesenheit ein selten schöner Stamm Zuchthühner bestehend aus vierzehn Hühnern nebst Hahn vergiftet Wahrscheinlich liegt ein Racheakt vor. Dem gemeinen Täter ist man auf der Spur.

§ Eschwege. Um den Fehlbetrag im städtischen Haushalt zu decken, haben die Stadtverordneten br» schloffen, auf das Halten eines Dienstmädchens bis zu 600 Mark Steuer zu legen (in der Stadt sind etwa 325 Dienstmädchen). Ferner sollen auf Luxuspferde Hk. Listen aEndischeL Firmen der verschied-nsten-j WgZM, bis M 100 Prozent des Wertes Steuern ~ " kommen wie auch auf Automobile und Klaviere. Für

Luxushunde soll eine Erhöhung um 500 Prozent eintreten.

Aus Stadt und Kreis.

Schlichters, den 4. August 1920.

* (Der Steuerabzug.) Auf wiederholte Anfragen bezüglich der Auslegung des Artikels 2 des Gesetzes vom 21. Juli über die ergänzende Regelung des Steuerabzuges vom Arbeitslohn wird von amtlicher Stelle folgendes mitgeteilt: Die bis zum 1. August gemachten Abzüge können auf die nach dem neuen Gesetz einzubehaltenden Beträge nur dann und nur insoweit angerschnei werden, als sie höher waren wie die Summe, die sich nach dem neuen Tarif ergeben würde.

Gewerbezwetge liegen auf der Geschäftsstelle Hanau der Vereinigten Handelskammern FrankfurtHanau auf bezw. können durch sie bezogen werden.

« * Soden. Die hiesige Ortsgruppe der Zentrums- partei befaßte sich in einer Versammlung am 31. Juli mit der Frage des Preisabbaues. Man forderte vom Kreist sofortige energische Maßnahmen zur Senkung der Preise und faßte einstimmig folgende Resolution

an bett Kreis, von der auch der Regierung in Caffel ein Abschrift übersandt werden soll.

Resolution!

Die Ortsgruppe Soden der Zentrumspartei be­dauert, daß die Besprechungen zum Abbau der Preise bisher noch kein greisbares Resultat erzeitigt haben. Die Zentrumspartei als Partei der Ordnung ver­schmäht eS den Spuren gewisser anderer Parteien zu folgen und Demonstrationen zu fucheu, die nur unnötig die Gemüter erregen. Sie verlangt aber kategorisch, daß der Kreis die eingeleiteten Schritte beschleunigt, energisch fortsetzt und erwartet in un­mittelbarer Folge endlich praktische Ergebnisse. Die Zenirumspartei ist bereit zur umgehenden Herbei- sührüng einer Senkung der Preise mit Rat und Tat mitzuhelfen.» Sie verweist aus den in den um­liegenden und weiter entfernten Kreisen längst zur Tat gewordenen Abbau, der nur in engem Einver­nehmen aller Stände der Produzenten und Ver­braucher befriedigend gelöst werden kaun, während diese vielfach auch heute noch in totaler Verkennung ihrer Interessen in scharfen Gegensätzen zueinander stehen. Die Zentrumsparlei fordert ferner unter Hinweis auf das Beispiel der Landwirte und Bauern- orgaatsationen in anderen Gegenden, die aus sich selbst heraus z. B. den Kartoffelpreis, der mit 35 Mark viel zu hoch ist, aus 20 Mark ermäßigt und damit ein hohes Maß volkswirtschaftlich er Einsicht bewiesen Hüben, daß der Kreis sofort eine intensive Aufklärungsarbeit in den Kreisen her Landwirtschaft betreiben soll, um diese zu bewegen die Preise in Volks- und damit auch im eigenen Interesse in erträgliche Grenzen zu halten.

Mit einem Wort: Die Zeuirum-ipünei verlangt endlich Taten statt schöner Worte.

Ferner beschloß mau, mit dein KreiSbauernverein in Verhandlungen einzutreten, um die Landwirte zu ver- anlefserr, dem Beispiele ihrer Kollegen in anderen Gegend folgend freiwillig die Preise für Kartoffeln usw. auf eine erträgliche Höhe festzusetzen.

Aus Arovmz und Wachöargeüiet.

§ Fulda. (Erwischte Verbrecher.) Im Herbst vergangenen Jnhres erregte ein großer Einbruchs­

diebstahl in dem Fahrradgeschäft von Ktehl, Bahnhof- straße, Aufsehen. Jetzt ist es gelungen, den Täter in Frankfurt ausfindig zu machen und festzunehmen. Der hiesigen Eisenbahnpolizei ist es gelungen, zwei Eisenbahnschloffer zu ermitteln, die Eisenbahnwagen erbrochen und beraubt haben. Eine Haussuchung für» derte ein ganzes Warenlagen, namentlich Lebensmittel und Stoffe, zu Tage. Die Täter wurden verhaftet.

§ Fulda, 2. Aug. (Ein guter Fang.) Gin Schneider aus den Kreisen jener osteuropäischen Ein­wanderer, die das deutsche Volk zurzeit so unangenehm heimsuchen, hatte in Frankfurt a. M. 50000 Mark gestohlen, darunter 5000 Mk. in Silber. Der Dieb wurde gestern in Fulda festgenommen, als er im Be­griffe war, bei einer hiestgen stammesgrnö syen Familie Unterschlupf zu suchen. 25000 Mk. konnten ihm wieder abgenomylen werden.

§ Arolsen. Die Auflösung der hiesigen Garnison ist infolge Herabminderung der Heeresstärke bereits verfügt. Sowohl die Sanitäts Kompagnie Nr. 11 als auch die Rw.-Batterie 11 kommen zur Auflösung.

§ (Die Dummen, die nicht alle werden.) Eine in englischer Uniform steckende Persönlichkeit verkaufte unter Vorausbezahlung aus angeblich englichen Be­ständen in Oberreifenberg Zucker. DerEngländer" erzielte im voraus Geld in Hülle und Fülle, hat aber bis heute den Zucker noch nicht geliefert. Die Ober- reifmberger find auf diese Weise ihr Geld tos.

§ Caffel, 31. Juli. (Selbstmord in der Eisenbahn.) Im Guntershäuser Personenzuge wurde in der Nähe der Station Oberzwehren ein 20 Jahre alter junger Mann mit durchschnittenem Hals stark blutend vorge­funden. Er starb bald darauf.

§ Meininge«. Erschütternd war das Bild eines hier veranftalteten Demonstrationszuges der Lazarett Insassen. Langsam und mühsam sich quälend an Krücken und Stöcken, ja selbst im Rollstuhl ging es vom Lazarett zum Markt. Im Zuge getragene Schil­der mahnten durch ihre inhaltsschweren Anklagen das öffentliche Gewissen:Wo bleibt der Dank des Vater landes?"Gedenket der Blinden und Siechen!"Helft den Aermsten der Armen!" usw. Auf dem Marktplatz schilderte der Kriegsbeschädigte Schikowski die Notlage der Kriegsbeschädigten und die der Lazarettinsaff In den Verzweiflungsruf:Für diese ist kein G b kein Mitgefühl da, sie sind vergessen!" klangen seine Worte aus.

§ Hachenburg. Die Frau des Feldhüters Becker schüttete, um das Herdfeuer schneller zu entfachen, Benzol auf die Flammen. Es erfolgte eine furchtbare Explosion. Die Frau glich im Augenblick einer Flammensäule und starb an den erlittenen Verletzungen. Ihre zwei Kinder trugen ebenfalls lebensgefährliche Brandwunden davon.

Die deutsche« Kommuttiste« zu den Waffen- transporte« für Pole«.

In Sachen der deutschen Neutralität äußert sich die Berliner Rote Fahne folgendermaßen:

Nach der ganzen Sachlage im Osten ist es Auf­gabe der deutschen Arbeiter und der Eisenbahner, jeg­lichen Transport von Truppen und von Heeresgerät,

auf welchem Schleichwege sie auch versucht werden sollten, von vornherein zu unterbinden. Sollten pol­nische Truppen auf das deutsche Gebiet kommen, so wird immer noch Zeit fein, sie zu internieren; denn daß die aus Polen vertriebenen, geschlagenen und