Schlüchterner Mung
Alizeiger für bir «rmtlichm Leklinntmachmrgm im Kreise 8chlÜchlmt.
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Schlüchterner KreisSlatt
Aettestr LeitMg im Kreise; gegründet im Jahre 1849.
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JK 88.
Donnerstag, den 39. Juli 1920.
78. Jahrgang
Aus Stadt und Kreis.
Schlüchtern, deu 28. Juli 1920.
—* Am Donnerstag, den 29. Juli 1920, abends 8 Uhr findet eine Sitzung der Stadtverordnetenversammlung mit nachstehender Tagesordnung statt: 1) Bewilligung der Kosten für Erneuerung der Ein- gangsschleußen für den Lohgraben und Elmbachkanal und Beseitigung der Straßensinkkasten in der alten Bahnhofstraße. 2) Bewilligung der Kosten für Neu aufstellung des Betriebswerke; für den Stadtwald. 3) Erhöhung der Entschädigung des Schuldieners Rausch für Beschaffung der Reinigungsmaterialien für die Gtadtschulräume. 4) Beschlußfassung über Erhebung von Zuschlägen zur. ReichL-Grunderwerbssteuer. 5) Unterbringung der Bestandteile der abgebrochenen Halle bei der Turnhalle. 6) Nachbewilligung der erhöhten Kosten der Brunnenanlage in der Hanauerlandstraße. 7) Erhöhung der Brandverficherung der städtischen Gebäude. 8) Festsetzung der Vergütung für Prüfung und Abnahme der Sparkassenrechnung. 9) Bewilligung eines einmaligen Zuschusses für die Hochwafferbeschä- digten in Mansfeld
—* Neue Marken für Jnvaltdevverficherung. Der Vorstand der Landesversicherungsanstalt Hessen-Nassau macht wiederholt darauf aufmerksam, daß nach Artikel V des Gesetzes vom 20. Mai d. Js die Beitragsmarken für Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung in jetziger Höhe nur für Zeiten bis Ende d. MtS. Gültigkeit haben und für Zeiten nach dem 1. August d. JS. nur Wochenbeiträge neuen Wertes und zwar: der Lohnklaffe 1 zu 90 Pfg., der Lohn klaffe 2 zu 1 Mk., der Lohnklaffe 3 zu 1,10 Mk, der Lohnklaffe 4 zu 1,20 Mk. und der Lohnklaffe 5 zu 1,40 Mk. entrichtet werden dürfen.
-* Wie mitgeteilt wird, ist für die Einreise in das Memelgebiet ein deutscher Paß nebst deutschem Ausreise-Sichtvermerk und französischem Einreisevermerk erforderlich.
Hk. Fuhrwerke auf Bahnhöfen und Landstraßen auszustellen ist nicht mehr gestattet. Wenn dieses Verbot während des Krieges mit Rücksicht auf den geringen Pferdebestand milder gehandhabt werden sollte, so ist diese Anordnung, weil ihre Begründung nicht mehr zutrifft, aufgehoben, und Zuwiderhandlungen ziehen Bahnpolizeistrafen nach sich.
* Elm. Graf Brandenstein von Zeppelin schenkte der hiesigen Gemeinde zur Errichtung eines Krieger Hains 1000 Mk. Für jeden gefallenen Krieger soll zur Er- innerung ein Eichenbaum gepflanzt werden.
* Elm. Dieser Tage erschien bei einer hier wohnenden Frau, deren Mann sich in Hanau im Uniersuchungs-
Feindlietze Bruder
Roman von Iost tzreiherrn von Steinach. 41 (Fortsetzung.)
; Frau Vogtmann schien eine liebe, herzensgute Frau M sein; sie war eine Freundin von Melittas Mutter gewesen, und das Schicksal war nicht sonderlich mit ihr «mgesprungen. Von ihrem Gatten, einem höheren Beamten, ziemlich mittellos zurückgelaffen, ernährte sie sich nun sehr kümmerlich durch Zimmenvermieten. Sie hatte Melitta aufs herzlichste ausgenommen und dem besorgten Doktor versprochen, auf sie recht acht zu gebe».
Einigermaßen befriedigt verließ er die Braut seines Freundes, und sein nächster Gedanke galt nun dem Freund selbst. Die Auslassungen Melittas waren auch )u sonderbar, um mit Stillschweigen darüber hinweg- lugthen. Am besten war es jedenfalls, mit dem Ver- Obiger darüber Rücksprache zu nehmen.
Entschlossen setzte er sich in einen Taxameter und sich nach dem Bureau fahren, wo ihn Hagemaän ^ ziemlich verwunderter Miene empfing.
Kaum hatte er jedoch gehört, worum es sich handelte,, als er unwirsch in die Worte auSbrach: -Ader Berehrtester, das find ja, nehmen Sie mir es W übel, Hirngespinnste, nichts weiter! Die Sache «igt ja so klar und ist genau den Gang gegangen, "m ich bereits bet Uebernahme der Verteidigung vor- ^Sesehen habe. Dieser Mann ist es gewesen, daran gar kein Zweifel möglich. Halten Sie doch nur Fakten zusammen, und das Fazit lautet: „Dieser T^ kein anderer ist der Täter, und es war das beste, w er unter fotanen Umständen tun konnte, zu
gefängnis befindet, ein unbekannter Herr und erzählte der Frau, daß er von der Staatsanwaltschaft in Hanau komme und daß ihr Mann frei käme, wenn sie ihm eine Summe Geldes aushändige. Die gutgläubige Frau zahlte vor lauter Freude, daß ihr Mann nun wieder nach Hause komme, dem fremden Herrn 3800 Mark aus, worüber dieser ihr dankend quittierte und ihr noch einen verschlossenen Brief des Herrn Staatsan- waltes in Hanau daließ, Mit diesem Brief solle Sie nach"Manau fahren, und wenn sie ihn dort vor- zeige, so könne sie ihren Mann gleich mitnehmen. Der Unbekannte verließ unter höflichen Verbeugungen das Haus und verschwand auf Nimmerwiedersehen. Die Frau mußte natürlich ohne ihren Mann wieder Hanau verlassen, denn in Hanau fand man beim Oeffnen des fragt Briefes nur Papierschnttzel. vor. Der fremde Kavalier konnte bis jetzt nicht ermittelt werden.
* Marborn. Montag morgen gegen 10 Uhr entstand auf dem Anwesen des Landwirts Heinr-Hofmann, hier Feuer. Die Scheune und das obere Stockwerk vom Wohnhaus brannten ab. Eine große Menge Getreide fiel den Flammen zum Opfer. Das Vieh konnte gerettet werden. Von der Ursache des Brandes ist noch nichts bekannt.
Aus Urovinz und WachöargeSiet.
§ Gelnhausen. Treibriemendiebstahl. In der Nacht vom Freitag zum Samstag wurden aus dem Sägewerk der Firma Meles u. Co. Treibriemen ge- len. Der Gendarmerie gelang es, die jugendlichen er ausfindig zu machen und zu verhaften. Weitere
Ermittelungen finden statt.
§ Hanau a. M (Schleichhändler.) In der Leipzigerstraße wurde ein wegen Schleichhandels vorbestrafter Landwirt aus Hofstätten mit zirka 40 Pfund Kalbfleisch und mehreren Pfund Butter erwischt und zur Anzeige gebracht.
§ Hanau. Ein Bund der Kinderreichen ist hier ins Leben getreten, der sich aus allen Parteien und Bevölkerungs- schtchten zusammensetzt und eine rege Werbetätigkeit im ganzen Reiche zu entfalten gedenkt. Die Mitglieder des Bundes fordern Erleichterung der Schullasten für kinderreiche Familien. Aufhebung der Grenze für die Schulgeldermäßigung, sowie unentgeltliche Ueberlaffung oder zum mindesten besondere Verbilligung von Lebens- mitteln.
§ Hersfeld. Jugendliche Einbrecher. Die beiden Schüler Georg D. und Albert S. aus Philippsthal (Kr. Hersfeld), die gerade das dreizehnte Lebensjahr vollendet haben, hatten eine Baubude erbrochen und daraus einen kleinen Ofen und andere Eisenteile gestohlen. Von dem Erlös ihrer Beute, die sie ver-
gestehen. Herr Doktor", er ergriff Waldaus Hände und sah ihm ernst ins Gesicht. „Sie sind mir schon seit lange als ein logisch denkender Mann bekannt, der früher sogar auf technischem Gebiet manche scharfsinnige Erfindung zuwege gebracht hat, als er sich noch nicht aufs Reisen verlegte, seien Sie versichert, daß hier jede andere Deutung und Erklärung des Vorfalles überflüssig ist. Es kommt wirklich nichts dabei heraus; und wenn die Tat Ihres Freundes auch nicht entschuldbar ist, so ist sie doch erklärlich. Ein verzweifelter Mensch, der stch in seinen heiligsten Rechten verletzt glaubt, ist eben zu allem fähig."
„Ja, wie wollen Sie denn den Widerspruch erklären, der sich zwischen dem Geständnis Ottos und den Versicherungen seiner Braut ergibt?"
„Sie möchte ihn gern reinwaschen, das ist wohl menschlich und entschuldbar. Sie braucht nicht einmal zu täuschen, sondern ist vielleicht in einer Art Selbsttäuschung befangen, wie das häufig vorkommt. Man redet sich etwas so lange ein, bis man selbst daran glaubt."
„Nun, mag sich dies verhalten, wie es will, ich habe wenigstens den dringenden Wunsch, Otto in aller nächster Zeit zu sprechen, und ich bitte Sie, mir die Erlaubnis dazu auszuwirken."
„Wie Sie wünschen," entgegnete der Anwalt zuvorkommend, obgleich ich mir nicht den geringsten praktischen Nutzen davon verspreche."
Er geleitete seinen Gast bis zur Türe, und Waldau verließ ihn bedeutend hoffnungsloser, als er gekommen war. Er erkannte wohl, daß der Anwalt recht hatte, und daß in diesem Falle eine unbedachte und durch
kauften, machten sie eine Rhönretse und trieben sich einige Tage lang in der Rhön umher. Die Laffeler Strafkammer billigte den beiden in Anbetracht ihrer Jugend und der schlechten und mangelhaften Erziehung mildernde Umstände zu und verurteilte sie zu je einer Woche Gefängnis.
§ Hersfeld. (Diebstahl.) Schlecht belohnt wurde von einem jungen Manne aus Caffel die Gastfreundschaft, die er bei seinen hiesigen Verwandten genoß. Nach seiner Abreise mußten diese die unangenehme Entdeckung machen, daß eine wertvolle Taschenuhr, die die Nummer 21525 trägt, fehlte. Der saubere Besuch hatte in einem unbewachten Augenblick die Uhr von der Kommode genommen und mttgehen heißen.
§ Witzenhausen, 26. Juli. Ein großer Unglücksfall, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel, ereignet sich heute Vormittag kurz nach 117, Uhr in den Ritz'schen Mühlenwerken. Der Arbeiter Justus Öfter- Horn war damit beschäftigt mit einem Ochsen einen Eisenbahnwagen vorzuziehen, bei dieser Gelegenheit geriet er zwischen die Zugkette und Puffer des Wageas, wobei er sich so schwere innere Verletzungen zuzog, daß er kurz darauf verstarb.
§ Heidelberg. Seine eigene Todesanzeige gefälscht hat der 29jährige Kaufmann Hans Hirsch. Er hatte ein Liebesverhältnis dadurch wieder in Gang bringen wollen, daß er an die Angebetete ein Telegramm des Inhalts schickte, sie möge ihn aufsuchen, da er im Sterben liege. Als dies nichts half, „starb" er einfach, indem er seine eigene Todesanzeige in die Zeitung setzen ließ, wonach er „im blühenden Alter von 29 Jahren verschieden" sei. Jetzt untersucht der StaaiS- anwalt den Fall, um unter Umständen den lebenden Toten vor Gericht zu bringen.
§ Kassel, 25. Juli. (Die Folgen einer Weinreise.) Ein Hilfszahlmeister aus einer benachbarten Garnison hatte von seinem Truppenteil den Auftrag, bei einer hiesigen militärischen Dienststelle 25500 Mk. ab zuholen. Den Betrag in einer Ledertasche verwahrend, suchte er eine Weinstube vor den Toren der Stadt auf, wo er anscheinend des Guten zu viel tat. Denn auf b-m Heimwege legte er sich im Ostring vor einem Hauseingange zum friedlichen Schlummer nieder. Als er sich früh zu seinem Truppenteil begeben wollte, stellte er fest, daß die Ledertasche abhanden gekommen war. Seinen Beteuerungen, daß er das Geld verloren hatte, wurde zunächst kein Glauben geschenkt, vielmehr wurde seine Festnahme verfügt und ein militärisches Verfahren gegen ihn eröffnet. Inzwischen hat die Kriminalpolizei den „Finder" des Geldes, einen „Gelegenheitsarbeiter" Äsmus aus der Obersten Gaffe ausfindig gemacht und verhaftet. Dieser hatte den schlummernden längere Zeit beobachtet und dann die Tasche mit dem Gelde
die Verhältnisse herbeigeführte Tat ihre nur allzu- harte Sühne gefunden. Und doch, wenn er sich irrte? Wenn ein Unschuldiger hier aus unerklärlichen Gründen freiwillig für die Tat eines andern, litt?------
Noch einmal hatte Bruder Hans großmütig in den Säckel gegriffen, um Edgars Verpflichtungen gegen einen bekannten Wucherer der Residenz, einen gewiffen Sembacher, einzulösen. Drohte dieser doch, sonst dem Obersten von Edgars Husarenregiment, Herrn von Märzfeld, der in solchen Dingen keinen Spaß verstand, Mitteilung zu machen. Hans war also gezwungen, dem Bruder zu helfe»; man hatte an einer Skandal- geschichte hinreichend genug. Uebrigen« konnte jetzt, nachdem Otto verurteilt war, die endgültige Erbschafts- regulierung nicht mehr lange dauern, und dann hatte der Leutnant Mittel im reichsten Maße, um alle feine Gläubiger zu befriedige». Vorläufig aber hatte er von seinem Kommandeur einen Urlaub erbeten, den ihm dieser auch bereitwilligst gewährt hatte.
„Ich bewillige Ihnen sogar ein halbes Jahr", sagte er ihm unter vier Augen und im fteundlichsteu Tone. „Es ist doch eine verdammte Geschichte, die Ihnen da ein Ihnen immerhin nahestehender Verwandter eingebrockt hat, und es ist besser, erst eine gewisse Zeit verstreichen zu lassen, bis Gras darüber gewachsen ist. Ich bebaute sehr, Sie gerade während der Rekrutenausbildung entbehren zu müssen, aber in diesem Falle liegt es im beidersettigen Interesse, in Ihrem wie in dem der Truppe. Also ziehen Sie mit Gott und kehren Sie gesund wieder!"
So war denn Edgar für einige Mom e vom Dienst befreit und benutzte diese unfr willige Muße, um Hilde heftig die Kur zu schneiden, uud ihre Neigung zu gewinnen. (Fortsetzung folgt.)