«ezutlspreis frei HauS, vorauszahlbar viert-lj. 5,80 Mk., (durch die Post ohne ^estell- üM ' Erscheint Dienstags, Donnerstags und tzamStaaS. Druck und Verlag C. Hohmeister, verantwortl. K.-C. Hohmcister, Schlüchtcrn. Fern- ws 65. Erfüllungsort für den gesamten Sie- sihäftSverkehr mit der Finna Schlüchterü.
Anzeigen r kl. Zeile oder deren Raum 00 Pfg., Reklamezeile-2,— Mk. Bei Betriebsstörungen kein Schadenersatz oder Minder- gebühr einschließlich BezugS. Keine Gewähr für Platz, Aufnahme-Zeit und Belcglieferung. Kein Nachlaß bei geruhtlichin Zwischenkosten. Zahlkarte Frankfurt a. Main Nummer 11402.
Samstag, den 24. Juli 1920
73. Jahrgang
»Msae^sssis^^
Soziale AröeiL als Arauenberuf.
I Zu den wichtigsten Wiederausbema-beiten im Innern khmt die Erneuerung unserer durch körperlichen, keckschen und wirrschastlichen Zusammenbruch z'exültehen «olkskrast. Dem dient chie.Ausgestaltung der Fürsorge ljn Stadt und Land. Schon heute zieht sich üvcr ganz Wmtschland ein Netz von Kreissücsorgestellen, in denen M-rzugsweisc an der durch Urberarbeit, Unterernährung Mid Seuchen geschwächten und xcfährdctcn Volksgesund- gearbeitet wird. Wohlfahrtsämter sind im Ent Kchen begriffen, wo Rat und Hilfe denen gegeben 'tziird, die die Grundlage $ter wirtschaftlichen Existenz Floren haben Die Fürsorge für Kttegerwitwen und Waisin, Kriegsbeschädigte und Elweibsbeschränkte ist Der Inbegriffen-
| Diese umfassenden Aufgaben können nur durchge- sührt werden, wenn Frauen mit Liebe zu hrem Volk, Hit starkem Trieb zum Helfen und mit klarem Ver-' Mdnis für die Wirklichkeit hier Mitarbeiten. Es perdcn die gschaffenen und zu schaffenden Einrichtungen Iibig dadurch, daß Je Frau als Familienfür- bie hilfsbediüftigcn Menschen, inkbesüvdere di.e pa sich in DerampgsstundW i st und in ihrem nchü Schon in den vergang :rm Jahrhunderttn nächste und schärfste AusgDe der Frau, wenn häuslichen Kreis vexUeß, die Schwachen und zu Uöüm und zu stützen. Was sie früher als ;e EiMlarbeit tat, das obliegt ihr in der irt als Glied der sozialen Organisation des der Gemeinde und der Veretm: Der Beruf
>« Furio.tzE, ^.Syt^lb^ »mtiu, v
mag, ist der jüngste unter den Fraucnberustn. Er ist daher in wutcn Kreisen der Bivölkcrur.g noch recht menig bekannt. Herausgewachsen ist er aus der ehren amtlichen Tätigkeit der Frau. Der Beruf kann seiner Statur 'entsprechend nicht von jungen "Mädchen ausge- idt werden ; reifere, lebenseisahrime Menschen sind mzu notwc.-rdig. Die Vorbildung für diesen Berus beginnt daher e.st im Alter von 20 I ihren. Die Ausbildung wird in besonderen Berufsschulen, E>ozial«n - Frauenschulen oder WMfahrtsschulen vermittelt, von denen eine große Anzahl in Deuischland bestehen. Von den preußischen seien hier genannt: die sozialen Frauenschulen in Berlin, Hannover, Münster, Mit, Aachen. In der Provinz Hisim Maffau gibt es eine Ausbiidungsstätle, das „Fraueas minar für soziale Berussarbek" in Frankfurt a. M. Es hat wie alle auZgebauten sozialen Fcauknschulen einen zweijährigen AuSbtlduugslchcgang, dem eine einjährige. Ausbildung in Kranken- und Säuglingspflege vorauSzeht. Die Anstalt gehört zu den staatlich anerkanülen W .hlsahrts- schulen, und eS finden an ihr unter Leitung der Regierung in Lasset regelmäßig flaatl. Prüfungey st tt, da der fokale Beruf zuerst nur von Menschen ausze- übt wmde, die dabtt lediglich einem innern Kedmfais folgten. Ohne an ihn den Anspruch auf Erwerb stellen zu muffen, war die soziale Arb.it zunächst gering entlohnt. Dieser Anfangszustand t'i heute über- runden, sodaß der soziale Beruf Lebensunterhalt geben kann. , So fchön der erste Zustand war, so notwendig v>ar die Entwicklung zum ErwerbSberuf, weil die Fürsorge die tüchtigen Kräfte aus allen Schichten braucht.. Die wi'tfchofiUchen Mrhäitnfffe liegen heute für jeden, der sie mit offenem Blick betrachtet, so, daß jedes -blädchen an die Schoffung einer wirtjchui.lich seldftän- ^gen LebentzstMung denken muß, dazu kommt, daß die ^ibeii§pfi;^t heute nicht blos für den Arbeiter, sondern ^ch fiir jede F au bw ht. Fehlt ihr in der Familie
lie uusfüUeuoer Tätig kette kreis, so umß sie Daran ^ken, durch Ausbildung in einem Burufszweig ihre Kraft in den Dienst der Allgemeinheit zy steuew Der °i'ale Beruf erfordert aber gerade jene Eigenschaft, besonders an der Frau gefchc tzt wird: Hingebeude Ucbe, das Bedürfnis zu helfen,'Emsühlung in fremde Schicksale und Arbeit unter Einsatz der Persönlichkeit. ^ B. 8.
Aus Stadt und Kreis.
Schlüchtern, ieen 23. Juli 1920.
lkN^* Fahrkarten wieder vier Tage gültig. Das Mnde Publikum wird darauf -ausmerkiam gemacht, Je ©dtingibantr der Fahrkarten wieder vur . «S» beträgt und somit die Möglichkeit einer früheren gegeben ist. Es kann nur dringend geraten ""den, uon dieser Einrichtung Gebrauch zu machen.
—* Keine Einführung des Porzellangfides. . Der Gedanke, den Mangel an Kleingeld durch Ausgabe von Porgellangeld zu beseitigen, ist völlig fallen gelaffm worden. Die zuständigen Stellen sind der Ansicht, daß das Porzellangeld für den V-rkchr absolut ungeeignet ist und als Reichsgeld nist in Betracht kommt. Auch .das GutaMen der Netchsbank ist gegen die Verwendung des Porzellangeldes ausgefallen.
— * Huv.dstage im Volksglauben. Auch an die Hundstage knüpft der allezeit lebendige Volksaderglauben mancherlei L genden. So wird z. B- behauptet, daß Ehen, die in den Hundstagen geschloffen werden, nicht glücklich verlaufest; daß Holz, welches in diesen Tagen gefällt wird, im Winter nicht brennt. Eisenkraut, das man in den Hundsragen pflückt, soll ein heilsames Mittel gegen Schmerzen aller Art, namentlich gegen Kopfschmerz, fein. Alle diese Legenden und Behauptungen entbehren natürlich jedes Beweises und jeder, sachlichen BsgMrrdung; sie erhalten sich aber trotzdem schon seit langem mit großer Hartnäckigkeit in vielen ländlichen Gruden unseres Vaterlandes. Man muß deshalb ihren Ursprung wohl weit zmücklegcn in jene Zeit, in ber auch Hexmäber-lande und ähnliche Dinge in den Köpfen unserer Vorfahren heminfpuktev.
Hk. Zur Leipziger Messe, 15.—21. Aug. Technische Messt unb Baumeffe, 29. August' bis 4. Sepiembe: Allgemeine Mustermesse, können die Programme, Anmeldescheine, WohnungsLestellkarten rc. von der Ge» schäftsstelle Hanau der Vereinigten Handelskammern Frankfurt Hanau bezogen werden.
Hk. Einkommensteuer von Zwischenmeisteru. Eine j}>rj^ llt^ichsstnanzminWriums über die Er-
/ohn M Zwischerrmiistern licht zur EwstchtnaMS M der Geschäfrsteüs Hanea der Vereinigten Handelskammern Frankfurt Har.au aus.
Aus Ursvinz und MaHöargeSiet
§ Gelnhauien, 22. Juli. Seiner alten Tradition folgend, hält der Schützerverein Barbaroffa, wie früher alljährlich,- wieder ein Flatterschießen am Steinigen Weg ab. Er hat dazu den kommenden Sonntag, den Tag der 750jährigen Stadtfeier gewählt. Da das Programm beweisen den Nachmittag frei läßt, so will ter Schützenverein durch seine Veranstaltung diese Stunden ausfüllen. Der Beginn des Schießens wird früh gelegt und der Schluß erfolgt so zeitig, daß j der Teilnehmer den Vortrag am Abend'besuchen kann.
8 Frankfurt a. M. Der Zuckerhandel der Ehefrau. Von ihrem eigenen Manne wurde die Frau Klara Scheu astgezeigt, daß sie Gott und der Welt die L're- serung. von billigem Zucker und Mehl versprach und sich daraus fleißig VorfHofft geben ließ. Da sie nichts lieferte, machten die Geprellten dem Manne das Leben schwer. Bis jetzt haben sich etwa 20 Geprellte gemeldet, doch dürfte ihre Zahl erheblich höher sein.
§ Frankfurt a. M. Ein Lehrer ertrunktn. Der anfangs der Dreißig stehende Lehrer Edmund Ax von der Battonnschule ertrank während des Badens in der Lahr in Billmar. Ax verbrachte mit feiner Familie die Ferien in Vilimar.
8 Frankfurt a. M. Ein faules Seidengeschäft. Jtti einem Seidenhaus hatte der Packet ein Stück Sechs von 70 Meter im Werte von etwa 3000 Mk. gestohlen. Drei Freunde und eine Freundin bemühten sich um den V-rkauf, was ihnen -ine Klage wegen Kettenhandels einbrachte. Schließlich hatten sie einen Käufer, der mit einem Scheck dezahlse, aber — der Scheck war ge fälscht. Der Käufer mit der Seide war längst über alle Berge. Dazu bekam der Packer wegen Diedstahls noch 1 Monat Gefängnis. Die Anklage auf Ketten» Handel mußte fallen, da alle Beteiligten bei der Verwertung unter dem Wertpreis geblieben sind, also Preistreiberei nicht vorlirgt. Hehlerei konnte auch nicht bewiesen werden..
§ FrankjMt a- M. Einbrochrr aus Sohnesiiebe. In der Konditorei, wo er, als Lausbursche tätig war, brach ein junger Arbeiter nachrs mit seinem älteren Bruder ein, und beide räumten tüchitg aus. Aber schon vor dem Hause liefen sie schwer bepackt zwei Kriminalwachrmeistern in die Hände. Sie warfen ihnen die Sachen vor die Füße und liefen davon. Der eine Kriminalwachtmeister feuerte nach ihnen und verletzte den einen am Bein. Die Strafkammer verurteilte ihn dieser Tage zu 2 Monaten Gefängnis und seinen Bruder zu 4 Monaten Gefängnis. Die beiden
Brüder haben die Tat begangen, um die Not ihrer leidenden Mutter mit dem Erlös zu lindern.
§ Neuhof. In der Nacht vom Freitag auf Samstag vergangener Woche wurden hier verschiedene Einbrüche^ gemacht. — Vor einiger Zeit wurden am Hies. Bahnhöfe größere Posten Seidenstoffe, Cigarren, Wein rc. gestohlen. Den eifrigen Nachforschungen eines gewiegten . Geheimdedektiven ist es gelungen, die. Spur der Diebe aufzudecken. Es find 32 Mann, Diebe und Hehler, nerbostet und dem hiesigen Amtsgerichtsgesänguts zur Murteilung zugeführt worden. Bei der heutigen Unsicherheit im Verkehrsleben wäre eine ganz exemplarische Strafe am Platze.
§ Neuhof. Dem Vernehmen nach steht die Ernennung des Haupflehrers Brotz zum Rektor bevor. Man darf dem geachteten Schulmanne diese Auszeichnung gönnen.
§ Eschwege. Nach einer Verfügung des Landrats zum Preisabbau für Fleisch wird nach telegraphischer Mitteilung der Bezirkssteüe Cafsel Schlachtvieh von den Empfangsstellen nur noch adgenommen, wenn sich die Landwirte mit Senkung der bestehenden Höchstpreise tznr ein Drittel einverstanden erklären.
§ Bleicherode. Auf eigenartige Weise seinem Leben ein Ende gemacht hat der 21jährige Schuhmacher Friedrich Opverrnann von hier. Erschlang sich das Ende eines langen Kupferdrahts um den linken Arm und warf das ander Ende über die Starkstromleitung der Ueberlandszentrale, wodurch der Tot sofort herbet- gesührt wurde. Seine Leiche fand man auf der Straße nach Lipprechterode.
§ Dagyhcrtöhausrn. Lje Fälle, in denen der Ge- Db[t und Waffe; nacheinander zum Tode
fühlt, mebtfW sich.' Hier 'ist ein zchnjährigM Kind noch O W^m Stacheweeren und Wasser gestorben.
§ Caffel. Ein „höflicher" Bräutigam. Vor einiger Zeit hatte ein hiesiger Zahlmeister ein^n in die Zehn- ausende gehenden Geldbetrag verloren. Ein junges Mädchen fand ihn und erzählte ihr-m'Bräutigam, dem 21jährigen Bernhard Aswus, daß sie das Geld ab liefern wolle. Der Bräutigam wollte ihr jedoch den Weg ersparen und das Geld selbst ablicfern. Nach langem Drängen willigte das Mädchen ein und gab ihm das Geld, worauf der-saubere Bräutigam mit dem nächsten Zuge Caffel verließ. Jetzt konnte er von der Kriminalpolizei seftgenommen werden.
Gensts Vsdrohuug Litauens durch Sowet- rußland.
ABC. Von gut informierter Seite wird uns ge trieben
Polen hat aus seiner ernsten militärischen Lage die Kons«g renz gezogen, die durch die bisherigen Perhand- mnzen Nicht e^retcht werden konnte, und hat Litauens Unabhängigkeit de facto anerkannt. Die seit, längerer Zeit hierzu dcrettgeftellten kUanischen Truppen haben die von den Polen geräumten Stellungen südlich von Dünabn-g be-ogen und stehen bereits in Fühlung mit boüchrwß scheu Streitkräften, ohne daß es nach bisher vorliegenden "Nachrichten zu Kampfhandlungen gekommen wäre. Die Bolschewiken haben Dünaburg besetzt. ■ Die litauische Front verläuft ungefähr der ehemaligen deutschen entfprechend in der Linie Lawkeffa-DryZwjatasee- Duschry. An ihren linken Flügel schließt .sich der rechte der U'iiifi^en Armee an, die rar litauischen ungefähr im rechten Winkel steht.
Das bolschewis ische Verlangen, die litauische Regierung möge den Durchmarsch durch Litauen gestatten, stellt Litauen voreine auherordmilich ernste Entscheidung. Der Durchmarsch wurde nichis anderes bedeuten, als eine Volschrwesierung Litauens und würde naturgemäß ■ den Sturz bet Regierung herbcisühren. Andererseits ist ' für Litauen die Möglichkeit sehr gering, einem dolschewistifchen. Durch- und Einntarschversuch bewaffneten -Widcrftand entgegenzusetzen. Der Wert der litauischen Armee ist im Verhältnis zur Roten Armee recht fragwürdig, und nn eine wirkliche Verhinderung des bolschewistischen Vormarsches gegen Wilna kann um so weniger gedacht werden, als außer der Bahnlinie Dünaburg—Wilna auch die aus Minsk, das von den Polen geräumt ist, als Anmarschstraße in Betracht kommt. In Wilna ist die Panik bereits groß. Ob die Besetzung durch die Litauer von Dauer sein wird, ist sehr unwahrscheinlich. Falls nicht ganz einschneident e ©rtigniffe eintreten, wie etwa ein Eingreifen der Entente auf dipiomatischem Wege, so ist die Bedrohung Litauens sehr groß.