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ZchlüchlernerMung

Anzeiger für die amtlichen Bekanntmachungen im Breite Schlüchtern.

VezngSpreiS frei Haus, vorauSzahlbar Dfatfli. 5^0 Mk., (durch die Post ohne Bestell» gelb). Erscheint Dienstags, Donnerstags und H-aniStagS. Druck und Verlag L. Hohmeister, verantworll. H.-L. Hohmeister, Schlüchtern. Fern» ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Ge- schtftSverkehr mit der Firma Schlüchteru.

Schlüchtemer Hreisblatt

Aelteste Sdtoiß i« Kreise; gegründet im Jahre 1849.

Anzeigeu: N. Zeile oder deren Raum 60 Pfg., NeNamezeile 2, Mk Bei Betrieb», störungen kein Schadenersatz oder Minder» gebühr einschließlich BezugS. Keine Bewttzr für Platz, Aufnahme-Zeit und Beleglieserung. Kein Nachlaß bei gerichtUchen Zwischenkosten. Zählkarte Frankhirt a. Main Nummer 11462.

je rs.

Dienstag, den 29. Juni 1920.

73. Jahrgang

Schaden durch Schwarzwitd.

Lon amtlicher Seite wird der Fuldaer Zeitung geschrieben:

Seit jeher hat es in unserer waldreichen Provinz Schwarzwild gegeben und ebenso lauge richtet das Schwarzwild mehr oder weniger oft Schaden an, indem es aus den Waldungen, seinen eigentlichen Heimstätten und AesungSplätzen, in das Feld herauSdrängt und bes-nderS Kartoffeln, Rüben, aber auch andere Feldfrüchle, herauswühlt und auffüßt. In diesem Jahre sind die Klagen über Wildschäden besonders zahlreich, weil sich die Schwarzkittel infolge des milden Winters stark vermehrt haben und außerdem der Abschuß während des Krieges wegen der Einberufung vieler Jäger stark zurückgegangen war. Früher durfte der Forstbeamte jede selbst erlegte Sau für ein ganz geringes Entgelt als eigen behalten, jetzt werden statt dessen Prämien gezahlt; aber es wäre dringend zu wünschen, wenn der frühere Zustand wieder hetgestellt würde, daß die selbstgeschossenen Sauen in das Eigeutum der Schützen übergehen. Dann kommt zu der Jagdpassion noch der mächtige Anreiz des Gewinns hinzu, der jetzt ganz erheblich ist. Wie die Staatsforstbeamten ihr möglichstes für die Vertilgung des Schwarzwildes tun, so verfahren auch die Besitzer größerer Privat- Waldungen, die eigenes Forstpersonal halten und selbst «ftkllche Jäger find.

Wie steht es aber mit den Gemeindewaldungen und Mit den Gemeindejagden im allgemeinen? Da müssen wir, so schreibt der forfttechutsche Leiter der Abteilung für Forsten pp. der Regierung tu Kaffel, nun leider feststellen, daß in den meisten Fällen sehr wenig *tergcrm&ts geschieht. Warum ? Weil die Gemeinde- jagden fast ausnahmslos an den Meistbietenden verpachtet werden ohne Rücksicht darauf, ob der Pächter wirklich Jäger ist oder sich nur so nennt und ob er im Ort oder wenigstens in der Rachbarstadt wohnt oder in Berlin od^r im westlichen Industriegebiet. Die meisten Jagd- pächter kommen nur dann und jagen, wenn es sich lohnt. So darf es aber nicht weitergehen. Es muß unbedingt verlangt werden, daß bei jeder Neuverpachtung überall da, wo Schwarzwildschaden vorgekommen oder zu be­sorgen ist, der wett abwohnende Jagdpächter verpflichtet wird, wenn er Wald mit gepachtet hat, tm Winter bei Neuschnee auf Sauen zu jagen, besonders aber seinen Jagdaufseher zu ermächtigen, jederzeit Sauen zu schieße» und für sich zu behalten. Und wo Jagdver- träge bestehen und Schwarzwildschaden vorkommt, muß der Jagdpächter veranlaßt werden, nachträglich solche Bestimmungen anzuerkennen und zu erlaffen. Zeigt er sich abgeneigt, dann muß den Gemeinde- und StaatS- sorstbeamten das Recht gegeben werden, Sauen auch

Leinbtietze Brüder.

Roman von Jost Freiherrp von Steinach. 35 (Fortsetzung.)

Und deshalb hatte sie schon vor einiger Zeit ihrem Sohne annehmbare Bedingungen stellen lassen, die er unbegreifltchrrwetse von der Hand wies. Inzwischen find aber, wie Sie wissen, Umstände eingetreten, die ihm eine Einigung unter anständigen Bedingungen schon etwas wünschenswerter dürften erscheinen lassen. Die Frau Baronin bittet Sie daher, Ihrem Freunde vertraulich die Mitteilung zukommen zu lassen, daß sie auch jetzt noch bereit sei, die ganze Anklage zmückzu- ziehen. Sie hat ihm damals durch ihren Sohn Haus die einmalige Abfindungssumme von 100 000 Markanbteten lassen ; sie will ihm jetzt sogar soweit ent- gegeukommen, ihm das Doppelte zu bieten, falls er die damals formulierten Bedingungen binnen zsyei Tagen akzeptiert. Wollen Sie ihm das sagen

Waldau hatte mit wachsender Bewunderung zuge­hört. Er konnte sich der Einsicht nicht verschließen, daß eS in der Tat unter den jetzigen Umständen füt Otto das Hefte wäre, wenn sich die Angelegenheit noch güllich betlegen ließe.

Frau von Neudeck suchte ihn noch in seiner Ver­mittlerrolle zu bestärken, indem sie htnzufügte:Be­deuten Sie nur den schrecklichen Fall, daß Ihr Freund verurteilt würde! Wäre das nicht entsetzttch? Ent- Ä sowohl für ihn, als für das junge Mädchen, diese Affäre mit verwikelt ist, und das, selbst Km kein Makel auf ihm hasten bleiben sollte, in der sellschast für immer gerichtet ist! Dagegen nehmen Wir an, daß er auf eine gütliche Auseinandersetzung

auf der verpachteten Feldjagd zu schießen und zu behalten.

Ein weiteres Mittel, d-m zu Schaden gehenden Schwarzwid wirklich energisch zu Leide zu rücken, ist das Fangen. Besonders gerne frißt das Schwarzwild Kartoffeln und auch Fleisch, zumal wenn es schon recht anrüchig geworden ist. Darauf gründet sich Anlage, Einrichtung und Unterhaltung der Sausänge. ES sind aus Nadelholzstangen fest und bauet &aft hergestellte Buchten" mit selbsttätig schließenden Türen, zu denen man das Schwarzwild mit Kartoffeln herankirrt und in denen Kartoffeln zum Eintrrtt etuladen. Noch siche­rer wirkt aber irgend ein verludertes Wild oder Tier, dessen Geruch die Sauen auf wette Entfernungen wittern. In manchen Staats- und wenigen Privat Waldungen sind solche Saufänge bereits vorhanden, haben früher ausgezeichnet gewirkt und müßten unbedingt erheblich vermehrt werden, wenn Kartoffeln und Luder zu haben wären.

Trotz wiederholter Anträge der Forstverwaltung haben die Verteilungsstellen Abgabe von Kartoffeln für Saufänge abgelehnt. Hier ist Abhilfe dringend geboten. Der Kreis muß für weitere Anlage von Scmfängen in den Gemeinde-, Interessenten- und Privat- waldungen sorgen und die Kartoffeln zum Ankirren freigeben, er muß auch einmal ein verendetes Stück Vieh oder Teile eines solchen für den Scufang zur Verfügung stellen.

Aus Stadt und Areis

Schlüchtern, den 28. Juni 1920.

* Auf dem am Sonntag in Gelnhausen statt- gefundenen diesjährigen Gauturnfest des Kinziggaues errang Heinrich Voller vom Turnverein Schlüchtern den 1 Preis.

* Liga zum Schutze der deutschen Kuttur. Neue Ortsgruppen wurden in der letzten Zeit gegründet in Grünberg (Kreis Gießen) und Deckenbach (Kreis Alsfeld),

* Fahrpreisermäßigung bet der Eisenbahn. Für Fahrten zu wissenschaftlichen und belehrenden Zwecken und zugunsten der Jugendpflege wird Fahrpreisermäßi­gung wieder gewährt.

* Kein Metallband für Postpakete. Durch Um schnüren der Postpakete mit Metallband, das von der Geschäftswelt vielfach verwendet wird, find Verletzungen des Postperfonals in großer Zahl vorgekommen. Vom t- Oktober ab darf daher Metallband nicht mehr verwendet werden.

* Neue Fälschungen von Fünfzigmarkscheinen. (Ausgabe weiß grüne Vorderseite, grün-braune Rückseite mit grüner Figur auf der Vorderseite) sind in Worms,

eingth', was hat er dann zu bestirnten ? W.e ich aus dem Munde Melit'.as selbst weiß, lieben sich die beiden; es wäre dann also für sie das einfachste, wenn sie vereint auswanderten, und sich fern von hier eine neue Heirat, eine Zufluchtsstätte gründeten. Auf diese Weise kämen alle Beteiligten zu ihrem Recht, und es würde nicht lange dauern, sy wäre hi«r angesichts unserer schnellebigen Zeit GraS über die ganze Geschichte gemachst». Ich bin der Meinung, es kann doch gar nicht zweifelhaft sein, was hier zu tun ist."

Sie haben recht, gnädige Frau," entgegnete der Doktor,das scheint mir in Wirklichkeit das beste zu sein, und ich will nichts unversucht sein lassen, um alles zu einem glücklichen Ende zu führen,"

Ueber die etwas mokanten Züge Frau v. Neudecks zuckte es wie ein Leuchten der Befriedigung; sie streckte ihm die schmale behandschuhte Rechte entgegen und sagte, indem sie sich erhob:Ich danke Ihnen im Namen der ganzen schwergeprüften Familie und wünsche Ihnen von Herzen Glück zu Ihrem Vorhaben! Leben Sie wohl i"

Er begleitete sie bis zur Vorplatztüre, dann zog er sich schleunigst wieder an und fuhr ohne Aufenthalt zu dem RechtSanwatt Hagemanu. Er hatte keine Ahnung, daß er soeben mit derjenigen zusammen- gewesen, die ihm den größten Schmerz seines Lebens zugefügt.

10. Kapitel.

Rechtsanwalt Hagemann hatte sich die redlichste Mühe gegeben, den Untersuchungsgefangenen zu einem friedlichen Vergleich mit feinen Verwandten zu be­stimmen und ihm alle daraus entstehenden Vorteile in den rosigsten Farben geschildert, doch ohne den ge­wünschten Erfolg- Selbst der eindringliche Vorhalt,

Mainz, Darmstadt und Bensheim im Umlauf. Vorsicht ist geboten. Die falschen Scheine sind ausnahmslos wegen ihres verwischten Druckes, dem jede Klarheit mangelt, leicht zu erkennen.

Aus Provinz und Wachöargeöiet.

§ giteben. Am verflossenen Sonntag veranaattete der GesangvereinEoncordta" aus Keffelstadt - Hanau inder Klug'schen Gastwirtschaft ein Gattspiel. Es wohnten viele auswärtige Gatte der künstlerischen Ül-fführaug bei. Ganz besonders zeichneten sich Fräulein Schleier, Herr R. Hosch und Herr Ch. Lander aus. Die Künstler ernteten den wohlverdienten Beifall. Die Heuernte geht ihrem Ende entgegen. Die Ernte war verhält­nismäßig gut. Die Samchenernte ließ viel zu wünschen übrig. F.

§ Aus dem Vogelsberg. Zu Beginn der Heuernte, die in diesem Jahre überall im Gebirge reichlich auS- fällt, zählte man 25 Mark für den Zentner. Zwischen­händler, Makler und andere Zeitgenossen haben nun­mehr den Preis durch gegenseitiges Ueberbteten auf 50 Mark gesteigert.

§ Frankfurt a. M. Die Oberpostdirektion erklärt, daß in Fällen eines besonders wirtschaftlichen Bedürfnisses den Telephonteilnehmern auf Antrag die Begleichung des 10M-Mark>BettrageS in Vierteljahres­raten von mindestens 100 Mark gestattet werden könne.

§ Frankfurt a. M. Wenn man die Konjunktur zu eifrig ausnutzt. Willig zahlte der Bäcker Julius Riedinger die hohen Zimmerpreise, die ihm Privatleute fürs Nebernachten abforderten. Dafür nahm er mit, was er kriegen konnte. Die Strafkammer verurteilte ihn zu zwei Jahren Gefängnis, obgleich er vorbestraft ist. Er hätte mehr bekommen; allein das Gericht sagte: Leute, bte die Wohnungsnot so eigennützig ausnutzen, müssen damit rechnen, daß sie auch mitunter unehrliche Gäste beherbergen.

§ In Rüdssheim bezahlt ein Karuffellbefitzer für die beiden Kirmeßtage 6150 Mark.

§ Braunschweig, 26. Juni. Eine Geheimdruckerei für falsche 50 Mark Scheine wurde in Braunschweig aufgedeckt. Der Musterzeichner Wilhelm Mayer, der diese Druckerei lettete, wurde verhaftet. Er behauptet, für drei Millionen Mark Scheine in den Verkehr gebracht zu haben.

Gesa«senr»leide» ti Sibirier.

Königsberg, 24. Juni.

Ein aus einem ostsibirischen Gefangenenlager zurück­gekehrter Ostpreuße schildert in derKöutgSb. Allg. Ztg." die Lage der zahlreichen dort befindlichen KuegS-

daß aue Beweise uno aue Zeugenaussagen gegen chu sprächen, hatten den Augefchuldrgen zu keiner anderen Meinung bekehren können.

Er beteuerte nach wie vor seine Unschuld und suchte alle seine Handlungen, die zu seiner Verhaftung geführt hatten, auf harmlose Weise zu erklären, was dem erfahrenen Verteidiger inbeS nur ein skeptisches Lächeln aduötigen konnte. Er war von der Schuld seines Mandanten vöuig überzeugt und sann nur noch darüber nach, wie er ihm mildernde Umstände erwirken könnte. Auch Melitta Neubert, deren Verteidigung er gleichfalls übernommen hatte, galt es doch ein und denselben Fall, auch sie hatte sowohl ihre wie Ottos Unschuld aufs heftigste beteuert, auch dieselben Ausreden gebraucht wie er. Wäre der Anwalt nur auf ihre eigenen Aeußerungen angewiesen gewesen, so hätten ja vielleicht ihre mit Ueberzeugung ausgesprochenen Proteste ihren Eindruck auf ihn nicht verfehit; aber leider hatte man auch ihren aus Neudeck an Otto geschriebenen Brief aufgefunben und einige Stellen darin deuteten fast mit augenscheinlicher Gewißhett auf Ottos Schuld und ihre Mitschuld hin. Der Brief enthielt so gravierende Momente, daß er nach Hagemanns innerster, wohlweislich unausgesprochener Ueberzeugung allein genügte, um eine Verurteilung zu rechtfertigen.

So kam denn der in der gesamten Gesellschaft mit großer Spannung erwartete Tag heran, an dem Otto Freiherr von Ranzenberg samt seiner Braut vor dem Gerichtshof erscheinen sollte, um sich gegen die Anklage des Diebstahls und der Vernichtung einer Urkunde zu verteidigen.

(Fortsetzung folgt.)