Anzeiger für Die amtlichen Bekanntmachungen im Kreise ^chlüchtern.
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Schküchteruer Meisblatt
Aeltestr ZeltMF im Kreise; gegründet im Zahre 1849.
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K 72.
Dienstag, den 22. Juni 1920.
78. Jahrgang
Zar KaSahnaag empföhle»!
15 Jahre Gefängnis für Soldaten» Mißhandlung
Wegen empörender Soldatenmißhandlung verhandelte iai Kriegsgericht der früheren 18. Division in Alrona egen den in Nntersuchunoshaft befindlichen früheren Zizefeldwebel Hermann TietjenS. T. führte tnKrtegS- efangenfchaft eine Kompagnie deutscher Kriegsgefangener. Statt daS Los seiner Landsleute zu erleichtern, ver- aufte er sie geradezu, wie ein Zeuge es nennt, an die Engländer und behandelte sie in der verabscheuungs- »ürdigsten Weise. Mißhandlungen und Beschimpfungen »erden von einem Zeugen als alltäglich bezeichne!. T. ging ständig mit einem Rohrstock und schlug damit, »»hin es traf, auch nackte Mannschaften. Schwäche und Kranke, die sich nicht mehr wehren konnten, de handelte er am schlimmsten, schlug sie und ließ sie tagelang frieren. Einer von ihnen starb kurz darauf. Den ohnehin abgemagerten Mannschaften verkürzte er wiederholt die Nahrung. „Euch verfluchte Hunde kriege ich durch Kälte und Hunger!" war seine stehende Redensart. Die Mannschaften hatten kein wkksames Beschwerderecht und waren ihm ausge liefert. —
Das Kriegsgericht unter dem Vorsitz des Kriegsge- richtsrats Dr. Dehnow verurteilte, dem „Hamburger Frewdenblatt" zufolge, den Angeklagten zu der höchsten nach dem Gesitz zulässigen Strafe von fünfzehn Jahren Gefängnis und Degradation. Der Vorsitzende hob in der Urteilsbegründung hervor, daß auf Taten wie die des Angeklagten das ganze Volk mit grenzenlosem &b= scheu bückt. Das Gesetz sieht aber, wie er ausführte, Fälle von derartiger Bestialiät anscheinend nicht vor, s»daß auch auf Zuchthausstrafe (leider Red.) nicht erkannt »erden konnte.
Aus Stadt und Kreis.
GchlüchreM, den 21. Juni 1920.
— * Sommers Anfang ist erreicht, der längste Tag im Jahr. Aus dem großen Blühen des Lenzes geht es dem Reifen und der Ernte entgegen. Beeren und Kirschen finden große Nachfrage, wir wollen wünschen, daß die immer noch hohen Preise des Vorjahres sich vermindern mögen. Freilich, die leidige Ueberbieteret bei den Verpachtungen schadet viel. In dieser Woche sollen die Kohleutransporte zur Höhe gelangen, es muß geschafft werden, damit zum Herbst keine Worte gemacht zu werden brauchen.
—* Einkommensteuermarken. Am 21. Juni beginnen die Postaustalten mit dem Verkauf der neuen Einkommensteuermarken. Die Marken werden in den Werten von 10 und 50 Pfg., sowie von 1, 2, 5, 10 und 25 Mark ausgegeben. Da der Vorrat an Ein- kommeusteurrmarken bet den Postanstalten vorläufig noch gering ist, kann jeder Arbeitgeber zunächst nur etwa ein Viertel des Vierteljahrsbedarfs beziehen. Vor aussichtlich am 20. Juli werden die Postanstalten die «eiteren Marken abgeben können.
Hk. Postpakete nach Italien. Fortan können Postpakete nach Italien auch auf dem Wege über Oester« reich befördert werden. Die Gewichts gebühr stellt sich auf diesem Wege gegenwärtig um 3 Mk. billiger als vet der Beförderung über die Schweiz.
—* 19. Gauturnsest des KinztggaueZ in Gelnhausen. »ic alle Barbaroffastadt Gelnhausen rüstet sich in diesen ^agen zur Abhaltung des 19. Gauturnfestes des Kin- Maues. Es gilt auch dieses Jahr wieder, Zeugnis adzulegeu, daß die Turner eifrig ihrem Streben wieder »bliegen. Mehrere Hundert Turner werden bereits SamStag in der Feststadt eimrefst-n, die Kampfrichter- sitzung beginnt um 6 Uhr. Der Hauptfesttag wird schon Mehrere tausend Turner hier vereinigen, um allem Zeuen iurm zum Trotz dem Turnwesen seine alte Stellung im L«utsch«n Volksleben zu behaupten. Aber auch viele andere Turnerfreunde und Am flügler werden ^kseu Tag benutzen, um dem alten Gelnhausen einen abzustatten, zu dem der Festausschuß in der heutigen Nummer alle einladet. Auf Wiedersehen in Geluhausen!
—* Liga zum Schutze der deutschen Kultur. In , 1 letzten Zeit wurden neue Ortsgruppen gegründet in: Gambach, Münzenberg (Kreis Friedberg) Lollar (Kreis Gießen) und Schotten.
^* Der Steueradjug vom Lohn. Da- Finanz
ministerium läßt eine Nachricht verbreiten, worin es heißt: Tue Bestimmungen über die Erhebung der vor läufigen Einkommensteuer durch Abzug vom Arbeitslohn treten am 25. Juni 1920 in Kraft. Wer als Arbeitgeber G Halter oder Löhne, die nach dem 25. Juni 1920 fällig werden, vor bleuem Tage ausrahlt, handelt nach § 5 der R -tchsabgabeuordnung ur^lätfta und ist nach § 50 des Einkommensteuer efetzes perlünttch haftbar. Zudem macht er sich nach § 359 der R-ichsabgaden ordnung wegen Steuerhinterziehung strafbar.
Aus Provinz und Aachöargeviet.
§ Frankfurt a. M. 20. Juni. Als ein g memge- fäh.ucher Schw-ndler ersten Ranges treibt ein etwa 45jährrger Mann der sich M x Glaser nennt, in der Stadt gegenwärtig sein Unwesen. Unter der Angabe, er sei Portraitmaler und fertige Vergrößerungen von Bildern an, lockt Glaser zahlreichen Familien Vorschüsse in Höhe von 5j bis 100 Mark aus der Tasche. Er verschwindet mit dem erhaltenen Geld u. den erlangten Photographien und läßt sich nicht wieder sehen. Die Zahl der auf,diese Weise geschädigten ist in Frankfurt bereits außerordentlich hoch.
§ Die Gefahren der Schwarzschlachtung. Ja Heidelberg erkrankten nach dem Genuß von Wurst, die ein Kantinenwirt in Friedrichsfeld an eine hiesige Familie geliefert hatte, 17 Personen unter Vergiftungs erscheinungen. Durch ärztliche Untersuchung wurde festgestellt, daß die Wurst von einem typhuskranken Tier herrührt, das wahrscheinlich heimlich und ohne Untersuchung geschlachtet worden ist, und sämtliche Erkrankte dadurch Typhus bekommen haben. Todes- fälle find bisher nicht vorgekommen.
Welrhändrl,
— Berlin, 19. Juni. Der Reichsminifter für Ernährung und Laudw.rtschaft stellt fest, daß die Zwangswirtschaft für Getreide-, Milch und Fletsch am 1. Oktober nicht aufgehoben werden kann, sondern erst dann, wenn Aussicht für die Versorgung eines jeden zu erträglichen Preisen möglich ist. Für Fische, Eier, frisches Gemüse und Obst soll freie Einfuhr zugelaffen werden.
— Essen, 19. Juni. Gestern abend entstand in den Kruppschen Holzbaracken, die als städtische Krankenanstalten benutzt werden, Feuer, das alle Baracken vernichtete. Es steht nicht fest, ob alle Kranken ge rettet find.
— Festungsgefangene als Abgeordnete. Unter den neuen Abgeordneten zum bayerischen Landtag befinden sich zwei, die wegen Beteiligung an dem hochverräterischen Unternehmen der Münchener Räterepublick eine Festungshaft verbüßen: der ehemalige Vorsitzende des Landessoldotcmars, Sauber und der Schlosser Hagemeister, dessen Rolle bet dem bekannten Mord im bay erischen Landtag am 21. Februar 1919 bisher keines wegs geklärt worden ist. Der Landtag wird darüber zu entscheiden haben, ob die beiden Gewähtten für die Dauer der Landlagstagung aus der Haft zu entlassen sind.
— DaS Rätesystem im Nonnenkloster. Als recht zeitgemäße Staatsbürgerinnen haben sich, wie dem Frankfurter „General Anzeiger" aus Prag gemeldet wird, die Nonnen des Präger Ordens der Barmherzigen Schwestern erwiesen, die einen Schivesternrat gebildet habe». Seine erste Aufgabe soll sein, den Erzbischof zur Aufhebung der Ordensregeln zu veranlassen und die gefürchtet- Oberin des Klosters abzusetzen.
— Dresden. (Massenhafte Kündigung von Fern- sprechanschlüssen.) In vielen sächsischen Orten sind massenhaft die Fernsprechanschlüsse gekündigt, so u. a. in Meißen ein Viertel und im Jndustrieort OelSnitz im Vogtlande die Hälfte der Anschlüsse.
— Der fehlende Kunde. Wie aus dem Haag gemeldet wird, haben die englischen Hertngsfiicher die Arbeit eingestellt, weil ihr Hauptkunde Deutschland weder Geld noch Kredit habe, um ihnen ihre Fänge abzukaufen und sie unter diesen Umständen mit Verlust arbeiten müßten. Die Fischer verlangen von der englischen Regierung die sofortige Bewilligung von 5 bis 6 Millionen Pfund zur Förderung der Herings« au; fuhr nach Deutschland.
— Landau. Verbot der Technischen Nothilfe im
besetzten Gebiet. Die interallierte Rheinlandskommissio« hat die Organisation oder Technischen Nothilfe im besetzten Gebiet verboten, w-il diese Organisation, die übrigens mit den Bestimmungen der Fctedensv ertrage- in Widerspruch stehe, eine Einrichtung sei, welche die Sicherheit der Besatzungstruppen bedrohe.
— Ein Riesenschwindel. Mit 450 Millionen Kronen flüchtig. Nach einer Meloung des „Berl. Lokal- AnzeigerS" aus Budapest hat ein gewisser Martin Jelltnot 450 Millionen Kronen erschwindelt u. ist dann mit einem englischen Paß geflüchtet. Jelltnot ließ die Nachricht verbreiten, daß er mit Hülfe von Misfions- offizieren Valuten ins Ausland schmuggeln könne, woraufhin ihm die Millionen anvertraut wnrden.
— Kopenhagen, 20. Juni. Ein britisches Ge. schwader unter dem Kommando Robert K^yeS ging gestern nacht auf der Kopenhagener Reede vor Anker. Das Geschwader besteht aus zwei Schlachikreuzern und Torpedobooten. Nach Meldung hiesiger Blätter wurde die Kohlenzufuhr aus England bis auf weiteres eingestellt.
ABC. Ein bolschewistisches Propagandabüro in Australien. Die Sowjetregierung hat in Sidmy ein Büro eröffnet, dessen Letter der offizielle Generalkonsul der Sowetregierung in Australien Peter Simonow ist. Auch Simonow will angeblich weiter als die notwendigsten Schritte unternehmen, um möglichst bald die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen (!) zwischen Rußland und Australien zu ermöglichen. Auch eine Monatsschrift unter dem Titel „Sowetrußlaud" soll vom Büro in englischer Sprache herausgegeben werden, um Austtalien über die Ereignisse und Veränderungen in Gowjetrußland auf dem ÄMfenden zu halten.
— Griechenland wird nervös. Nach einer Havas- meldung aus Athen hat die griechische Regierung die vorzeitige Einberufung der Jahresklasse 1921 angeordnet.
— In Paris ist eine Vereinigung der französischen Kaufleute und Industriellen im besetzten Rheinland gebildet worden, um die französischen Interessen in Deutschland zu verteidigen. — Besser hieße es: um die deutschen Interessen zu beseitigen.
— Der Goldonkel Amerika teilt immer noch aus. Die „American Eopper Export Association" hat Frankreich einen Kredtt zur Lieferung von 75000 Tonnen Kupfer innerhalb zweier Jahre bewilligt. Für den jeweiligen Verkauf wird ein Kredit von einem Jahr zugestanden. Im ganzen handelt es sich also um einen der französischen Industrie bewilligten Borschuß vom 35 Millionen Dollar.
— Französische Nervosität. Eine Versammlung der Elternbeeräte sämtlicher Wiesbadener Schulen, die dazu Stellung nehmen wollte, daß von den 17 Schulen der Stadt nicht weniger als 7 mit französischem Militär belegt find, wurde durch einen französischen Offizier aufgelöst.
- Japan veröffentlicht den Inhalt einer an Ghina gerichteten Note. Darin wird wiederholt gesagt, daß Japan wünsche, Verhandlungen über die Rückgabe von Kiaulschou an China einzuleiten. Japan sei zur Rückgabe dieses Gebietes und zur Zurückziehung der Truppen bereit. Die Note erinnert daran, daß China vor dem Versailler Frieden in die Uebertragung von Schantung an Japan eingewUligt hat. Die Rückgabe von Kiaut- schou an China würde an den Besrimmuagea des Versailler Vertrags nichts ändern.
Kermifchttt.
— Eine polnische Gemeinheit. Einem deutschen Handwerker in Neupolen war ein Kind gestorben. Als das Kind auf deutschem Gebiet beerdigt werden sollte, mußt« der Sarg im polnischen Gasthof dem polnischen Gendarm zur Riviston übergeben werden. Die Leiche wurde aus dem Sarg gehoben und der Sarg durchstochen, um etwaige zollpflichtige Waren vorzufinden. (!) Der Vater konnte nun sein.Kind wieder einsargen und der Leichenzug durfte weiterfahren.
— Rückgang der Weinpreise in der Pfalz. Aus Bad Dürkheim wird gemeldet: Man möchte gerade nicht sagen, daß die Weine in den letzren Wochen „billig" geworden find, denn für den Konsumenten dürften sie auch zu diesen Preisen immer noch teuer genug sein. Aber er will doch scheinen, daß ein sog. „Abflauen" eingetreten ist. Dies ließen die letzten Weinausgebote und auch das AuSgebot der hiesigen Wtuzergenoffenschaft am 11. Juni erkennen. Denn