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Anzeiger für Die amtlichen Rekanntmachungen im Kreise kchlüchtern.

Bezugspreis frei HauS, vorauSzahlbar viertelj. 3,50 Mk., (durch die Post ohne Bestell­geld). Erscheint Dienstags, Donnerstags und SamStagS. Druck und Verlag C. Hohmetster, verantwort!. H.-C- Hohmeister, Schlüchtern. Fern- wf 65. Erfüllungsort für den gesamten Ge­schäftsverkehr mit der Firma Schlüchtern.

§chs»chter«er Lreisölatt

AelLrstt ZettMg im Kreise; gegrsudet im Jahre 1849.

Anzeigen: kl Zeile oder deren Raum 60 Pfg., Reklamezeile 2, Mk Bei Betriebs­störungen kein Schadenersatz oder Minder- gebühr einschließlich BezugS. Keine Gewähr für Platz, Aufnahme-Zeit und Beleglieferung Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischenkosten. Zählkarte Frankkun a Main Nummer 11402.

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Donnerstag, den 17. Juni 1920.

78. Jahrgang

Aus Stadt und Kreis.

Schlechter«, den 16. Juni 1920.

* Berichtigung. In unserer vorigen Nummer haben sich in dem ArtikelReichsnotopfer" im vierten Absatz einige Druckfehler eingeschlichen. Wr dringen des­halb nachstehend den betr. Abschnitt nochmals zum Abdruck. @3 habez. B. ein verheirateter Steuerpflichtiger mit fünf Kmdern ein Vermögen von 300 000 Mark, so hätte er ia rechnen; steuerfrei find für Mrun, Frau und vier Kinder 6X5000 Mk. = 30 000 Mk. Vom Rest mit 27OOOO Mk sind 5X50 OOO M.---25O OOO Mk. zu 10 v. H. also mit 25 0' 0 Mark zu versteuern, die über- schießenren 20 000 Mark dagegen zu dem Hundertsatz-, der-nach dem Tarif e-nem Vermögen von 270 OOO Mk. entspricht, d. h zu 14,81 v. H., also mit 2962 Mark. Die Vermögensabgabe diese- Mannes beliefe sich sonach , auf 25 OOO -H 2 962 ----- 27 962 Mark; sie muß vom 1. Januar 1920 an mit 5 v. H jätrstch v rznst wer­den. Durch Bezabl'n« an dem 1. Juli 1920 sann ber Steuerpflichtige 279X8 2 232 Mk. ersann."

'* Der lOproz Abzug vom Lohn. Halbamtlich wird mUgeteilt: Um irrigen Auffassungen zu begegnen, sei darauf hingewiesen, daß jeder Arbeitslohn, der vom 25 Juni 1920 an zur Auszahlung gelangt, dem lOprozemigen Abzug für Einkommensteuern unterliegt, und zwar auch dann, wenn er auf eine vor dem 25 Juni 1920 liegende Z it entfällt. Werden also bei* svielswetie für die Lohnwache vom 21. bis 26 Jmi 250 Mark A bcitslohn ausbemhlt, so sind 10 vom Hundert von dea ganten 250 Mark zu kürzen. Werden am 30. Juni 192t 1000 Mark Arbeitslohn auSbe- -^»ha,lo -«zpotzegen die ganzen i OL ? Mark dem Ab zug. (^tne AuSeinanderrechnung, also zwisch-n vor und nach dem 2b. Juni 1920 »eld enten Arbeitslohn, findet nicht statt.

Salmünster, 16. Juni. Durch die Ermittlungen der Frankfurter Kriminalpolizei, die bekanntlich von der Hanauer Staatsanwaltschaft mit der Aufklärung des geheimnisvollen Letchenfundes in der Salz bei Soden betraut worden war, ist j tzt ein so erhebliches Beweis- material gegen den bereits verhafteten ehemaligen Lehrer Philipp Wolf aus Soden bügebracht werben, daß seine Schuld jtzr außer aller Frage < strht. Zu einem Geständnis war Wolf bisher trotz eims geradzu erdrückenden BeweiSmaterialS nicht zu bewegen. Das ist aber eine bekannte Taktik, denn in früheren Verfahren hat W. stets bis zur Verurteilung geleugnet. Die Frankfurter Kriminalpolizei hat ungeachtet der langen Zeit, die nach dem Verschwinden des Ermordeten Schlossers L. Schwarz aus Rüsselsheim und nach Auffinden der zerstückelten Leiche verstrichen war, fest* stellen können, daß der Ermodete am Tage seines -- '' - ......l ' ......................... Feindtietz« Brüder.

Roman von Jost Freiherr« von Steinach. 32 (Fortsetzung.)

Das war nun allerdings ein schwerer Schlag für den Freund, der den Charakter des Malers nach jahre­langem Verkehr zu gut zu kennen glaubte, um ihn einer schmutzigen und unehrenhaften Tat für fähig zu halten. Allerdings konnte auch er sich nicht verheimlichen, daß alles, was man für Ottos Schuld anführte, einer gewissen Wahrscheinlichkeit nicht entbehre. Otto war allein der Interessierte, er durfte nicht in das Haus seines Vaters, hatte es aber trotz des Verbotes betreten, und zwar des Nachts, indem er wie ein Einbrecher durch ein Fenster des Arbeitszimmers gestiegen sei, wo, wie er wußte, das Testament sich befunden habe; er habe das Zimmer wieder mit einem fßalet unter dem Arm verlassen, und am Tage darauf schon habe man den Diebstahl des Aktenstückes bemerkt und den Schreibt.Ich. erbrochen gefunden.

Führwahr, bei ruhigem Nachdenken mußte er zugeben, daß Otto von Ranzenberg der einzige sei, der überhaupt bet dieser Tat, deren er beschuldigt wurde, in Betracht käme; und doch konnte er nicht der Täter sein, unmöglich! Wenn er es aber nicht war, wer dann? Plötzlich kam ihm ein Einfall, der ihm dar Blut erstarren möchte! Wenn es nun Melitta getan hätte ? Um dem Geliebten zu seinem angeblichen Recht zu verhelfen, wenn auch auf Kosten eigener Rechtsverletzung! Sicherlich war der Verdacht ihrer Täterschaft nicht von der Hand zu weisen. Warum sollten die Gründe, die sein Freund für sein nächtliches Eindringen iy die Villa angegeben, nicht auf Wahrheit beruhn.

Verschwindens mit Wolf am 24 Febr. 1920 von Frankfurt ab um 3,16 Uhr nachm. gemeinsam nach Salmünster gefahren ist und daß Schwarz am 25. Febr. morgens Wolf aus der Wirtschaft abgholt hat. Beide sind dann in den Wald gegangen. Wolf kehrte allein zurück. Dann hat Wolf einige Tage später an einen Landwirt in Katholisch Willenroch, mit dem er viele Handelsgeschäfte machte, die Stiefel des Schwarz verkauft. Nach Auffassung der Polizei ist die Tat im Walde bei Soden am Vormittag des 25. Fbruar geschehen. Die Leiche ist später zerstückelt, tu Säcke gepackt und in den Bach geworfen worden, der die Teile später an Land spülte. Der Ermordete trug viel Geld bet sich, bissen Verbleib noch nicht ermittelt ttt. Es schien auch die Kleider und andere Gegenttände des Toten. Das Publikum wird um sachdienliche Unterstützung g-beten. Nachrichten sind der Krimmal- poltjit in Frankfurt. Zimmer 401, zu übermittln. Wolf hat irgendwo auch ein größer« S verpacktes B'.ld in Franksurt Untergestell:, vielleicht in einer Wirtschaft am Bahnhof Für die restlose Aufk ä ung der Tat ist eine Belohnung von 5000 Mk. auSaesttzt.

* Die Gaff der Frübjahrsaussielmng 1920 am «Sändeplotz ist noch bis zum 4 Juli geöff ret. Die bisherigen Zahlen der Besucher und Verkäufer zeigen deutlich, wie sehr diese erste hessische Kunstschau den Wünschen weitester Kreise entspricht. Die Ausstellung wurde bisher von etwa 7000, z. T. auswärtigen, Per onen besucht. Folgend' Werke hes-.scher Künstler im Gesamtwert von über 6o 000 Mark gingen u a. aus der Ausstellung in Privaidentz über: Gemälde von Prof Eugen Bracht, Darmpadt, Heinrich Dersch, Karl ö-sM, Ferd. Koch, Cakft Hans v. Bolkmann, Karirruoe, Ruso s S egmuno, Gisset, Plastik von P-of Bernewch, Hilda Fitzau und Wolfgang Schwa tz trpff. Die Aufstellung ist werk «glich Pöffret ron 91 uns 36, Sonntags von 11IV* und 36 Uhr.

Aus Provinz und Wachöargeöiet.

§ Frankfurt a. M Der Mann mit dem Gummi manrel. Zahlreiche Schneider und Schuhmacher hat der 24jährige Max Anderl aus München in monate- langer Tätigkeit durch folgenden originellen Trick ge­schädigt. Er erschien bei den Schneidern und ließ sich einen Anzug anmessen. Währenddessen hing er seinen Gummimantel über irgend einen anderen im Zimmer befindltchen Anzug und nahm diesen beim Fortgehen in gesch eher Weise unter dem M intel mit. Bet den Schuhmachern legte er den Mantel über beliebig dastehende Schuhe und verschwand ebenfalls mit diesen. Anzüge und Schuhe verkaufte Anderl, der auch unter dem Namen Josef Keller auftrat und sich als Student ausgab, an Privatpersonen. In seinem Besitz fand

Melitta haue ihm bas Fenster geöffnet, sie war also doch mindestens ebenso verdächtig wie Otto! Im Gegegenteil, während Otto nur geringe Zeit für seinen Besuch übrig hatte, konnte sie sich stundenlang in dem Zimmer aushalten, nachdem sie einmal den Schlüssel dazu in die Hände bekommen hatte.

Wenn aber nun Melitta wirklich die Täterin war und ein Verbrechen aus Liebe begangen hätte, was dann? War es nicht schrecklich zu denken, daß das junge Geschöpf, das vielleicht gar nicht die Folgen ihres Tuns berechnen konnte, das gewiß nicht die geringste Vertrautheit mit den oft verzwickten Rechtsanschauungen des modernen Staats sein eigen nannte, hinter Kerkermauern für eine Tat der uneigennützigen Liebe büßen sollt ?

Von welchem Standpunkte er auch die unglückselige Angelegenheit betrachtete, immer boten sich nur trübe Perspektiven seinem Auge dar, und seine Gedanken ließen lhm Tag und Nacht keine Ruhe, wo tr ging und stand, war sein Geist mit dem Schicksal seines Freundes und seiner Braut beschäftigt.

Eines Morgens war er auch schon frühzeitig aufge- standen; der Schlaf floh fein überreiztes Hirn und nachdem er sein Mo genkaffee eingenommen, machte er sich auf den Weg, ganz planlos, nur hinaus aus den engen Wänden, die feine Seele wie mit Zentnerlast bedrückten. Er ging zuerst die Kautftroße hinunter bis zur Kaiser Wilhelm Gedächtntskirche und bog dann nach links tu den Kurfürstendamm ein, neben sich die Mauer des Zoologischen Garten; hierauf schritt er weiter bis zur Hofjägerallee und bald war er mitten im Tiergarten, dessen hohe Baumstämme schon In trauriger Kahchett emporragten. Ein feuchter Nebel lag noch wie ein grauer Schleier über dem Erdboden und il

die Kriminalpolizei, als sie ihn verhaftete, noch einen in der Rheinstraße gestohlenen Teppich und einen mit ^Raff" gezeichneten Hut.

§ Frankfurt a. M. (Die Schiebergeschäfte eines 14jährigen.) Die Kriminalpolizei nahm den 14jähr. Schüler Gigat Glücksmann, Wallgraben 6, wegen Schteberschwtndcleien großzügigster Art fest. Das Bürschchen machte bei zahlreichen namhaften Weinhand­lungen Besuche und bot diesen Zacker in großen Mengen und ungewöhnlich billig an, nämlich 5,80 Ma k das Pfund. Sämtliche Geschäfte, ohne Ausnahme, fülen auf den Schwindel herein und bestellten nicht nur Zucker, sondern gaben dem Dreikäshoch auch Voraus- b> Zahlungen bis zu 20 *0 Mark, ohne auch nur irgend eine Sicherheit von dem Jungen mit den UnschuldS- cugen zu verlangen. Der Zucker aber blieb aus Mit dem G lde aber lebte der Junge einen guten Tag, mrtäumte es andererseits aber auch nicht, der Haus­hälterin seines Vaters, der übrigens von dem Treiben mtbts wußte, wertvolle Geschenke zu machen. Am Donnerstag wurde Oer hoffrungSvolle Ichw.ndlsr fest­genommen.

§ Nmhof, 14. Juni. Nach mehrwöchentlichem schwerem Leisen starü der im 58 Lebensjahre stehende Herr Sanitärsrat Dr. Hettzmann. Der Verstorbene praktizierte ca 26 Jahre am hiesigen Orte und er­freute sich einer großen Beliebtheit. In ärztlichen Kressen und katholischen Bereinigung spielte er eine führende Rolle. Die P axis des Verstorbenen versieht seit kurzem Herr Dr. Bogner.

8 Rommerz. Am 13. d. MtS. fand hier ein schönes Sängerfest statt, an dem auch viele Fremde teil nahmen. Es waren eine größte Anzahl aus- wärtlger Gesangvereine erschienen. Besonders zeichneten sich die Frankfurter Sänger durch künstlerische Leistungen aus. Es wurde jedoch allgemein bedauert, daß die Gastwirte so schlecht mit Speisen vorgesehen waren. So mußten die meisten Sänger wieder mit leerem, knurrendem Magen nach Hause ziehen.

§ Lauterbach. Die hiesige Blechwarenfabrik hat seit vorige Woche ihren Betrieb wegen Mangel an Aufträgen eingestellt.

§ Aisfeld. Aus der Küche des Kreiskrankenhauses in Alsfeld stahlen Spitzbuben nachts sämtliche am Samstag eingelieferten Lebensmittel samt der Küchen- wage.

§ Eschwege. Die Anhänger der hiesigen unab­hängigen sozialdemokratischen Partei verunstalteten eine öffentliche Protestkundgebung gegen die Erhöhung der Fleischpreise. Aus demselben Grunde sind die Haus­frauen in dem benachbarten Wanfried in einen Äonfu* mentenüteil eingetreten und haben die Abnahme der ihnen zustehenden Fleischm.'nge abzelehnt. Die Metzger "l-111 ..'______

war ziemlich kau. Fröstelnd fadug Doktor Wald au den Rockkragen hoch, während er, die Stirn in düstere Falten gezogen, weder nach rechts noch nach links schaute. Ab und zu raschelte unter seinem Fuß ein verdorrtes Blatt, Spatzen tripelten furchtlos vor ihm her, und plötzlich schreckte er aus seinem Sinnen eipor, es war nur ein flrnkes Eichhörnchen, das über den Weg hüpfte und in großen Sprüngen eine alte Eiche erglomm Allmählich hob sich der Nebel in die Höhe und ließ nur seine Spuren auf den Aesten zurück, von denen Tropfen auf Tropfen zur Erde niedersanken. Und da, auch die Sonne wagte sich scheu hinter grauen Wolken hervor, die ganze H-rbftlandschaft mit matten Strahlen übergoldend.

Als er über den Reitweg schreiten wollte, sah er drei Reiter heransprengen, zwei Herren, die eine schlanke Dame in ihre Mitte genommen hatten. Bei Gott, täuschte ihn sein Auge? Das war Hilde, seine H iw, die er einst hoff e erringen zu können ! We graziös saß sie auf de > hochb . g n Brausen,^t auf ferne liebreizend. R tter n otbuiU v i- i$ j f irt schien. Ihr zur Rechten tut chc Va er, o.r alte Brummbär mit dem mattal'schen Schnurrdarl! Doch wer war der andere, jüngere ? UnwlukaUtch schlich sich so etwas wie Eifersucht in feint Seele!

Jetzt kamen sie näher. Er blieb stehen, um die kleine Kavalkade an sich vorüberzulassen. Nun stoben sie an ihm vorbei. Er grüßte. Die beiden Herren lüfteten ebenfalls den Hut, ohne recht hinzusehen. Hilde jedoch schien ihn erkannt zu haben, aber statt ihm den Gruß zu danken, wandte sie sich stolz nach der anderen Seite.

(Fortsetzung folgt.)