chlüchtmmMung
Anzeiger für hie amtlichen Bekanntmachungen im Kreise Schlächtern.
»xmgöprcis frei HauS, vorauSzahlbar Mtelr- 3,60 Mk., (durch die Post ohne Vestell- uß), Erscheint DienStagS, Donnerstags und WStagS. Druck und Verlag C. Hohmeister, ^rantwortl. H.-C. Hohmeister, Schlüchtern. Fem» As 65. Erfüllungsort für den gesamten Ge» ^stSvcrkchr mit der Firma Schlüchtern.
Achlüchterner Lreisblatt
Aelteste ZeitUKg im Kreise; gegründet im Jahre 1849.
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K 68.
Samstag, den 12. Juni 1920
72. Iatzvsang
Wie groß ist Deutschland?
Die Wahlen vom 6. Juni sind mit den Fragen in die Volksnah! enger verknüpft als die früheren Ichstagswahlen, da das Gesetz die Wahl je eines geordneten von der Erreichung einer Zahl von 8000 Stimmen abhängig macht. Damit ist auch |( Zahl der Reichstagssitze beweglich geworden; die igebniffe der Volkszählung gehören fortan zu den mittelbar wichtigen Grundlagen auch der Wahl- impfe.
Leider jedoch liegt für Deutschland die lchic schließende Zählung fast 10 Jahre zurück; Länder inb Menschen find verloren gegangen, das Schicksal n nur bedingt uns zuerkannten Adttimmungsgedtete, je sich ja an den Wahlen nicht beteiligen dürfen, ist unter noch unentschieden. Gleichwohl ist eS möglich, Ichang und Voikszahl des heutigen Deutschland Migstens zu schätzen. Bei der letzten Zahlung, am 1. halber 1910, lebten in Deutschland auf einem geiltet von 541000 qkm 64,9 Millionen Menschen, Munter l1/3 Millionen Ausländer. Die Bevölkerungs- mahme, gegen früher etwas abgeschwächt, war immer- iln so gleichmäßig, daß sich jeweilig die ^augenblickliche Elkszahl ungefähr berechnen ließ: öte mußte bei legsausbrüch 67,8 Millionen betragen haben.
Der Krieg bewirkte, daß zum ersten Mal seit cm Jahrhundert die deutsche Voikszahl zurückging. e Zahl der Todesfälle überstieg (auf dem alten ichSgebiet) die gewöhnliche bis Ende 1916 um K Millionen, bis zum jetzigen Zeitpunkt vielleicht um i,4 Millionen; die Zahl der Geourten blieb hinter den M zu Zwarteudon^ um annährend 4 Millionen W HM?) Drück Das bedeutet einen veryallniS- »Lßigen Verlust von 7,4 Millionen, einen tatsächlichen M 3 Millionen Menschen. Da auch die Zahl der Ausländer abgenommen hat (um mindestens V2 Million) jit das fiüfjere Gebiet des Deutschen Reiches heule M wenig mehr als 64 Millionen Einwohner. Dieser W werden durch die Gebietsabtretungen rund 6 Millionen (einschl. der Saatbevölkerung) entzogen. Son den übrigen 58 Millionen leben über 2% Milli- tuen im Abstimmungsgebiete. Räumlich hat das Reich Wa 70 UOO qkm seines Gebietes verloren.
Aus Stadt und Kreis.
Schlüchtern, den 11. Juni 1920.
—* Die Heuernte beginnt, die Spargelernte geht I» Ende, die Senfe klingt auf den Wiesen, und bald himmeln sich die Mädchen, das frisch geschnittene Gras |u wenden, um seine schnelle Verwandlung in Vieh- Mer herbeizuführen, das für die Milch- und Butter-
Feindtietz« Brüder.
Roman von Jost Freiherr« von Steinach. 30 (Fortsetzung.)
Nun, da er sich mit einer Deutlichkeit, die nichts I» wünschen übrig ließ, vor die brutale Frage gestellt N, verließ ihn doch auf einige Augenblicke die Fassung. Triumphierend heftete der Unteriuchungsrichter seine mit fem goldenen Klemmer bewaffneten Augen auf ihn. ist erste Eindruck war, wie er schort öfters am ^MMtische behauptet hatte, für ihn immer entscheidend.
„Glauben Sie mir", pflegte er dann zu sagen, „ich toe mich darin noch nie getauscht."
Auch diesmal genügte ihm die niedergeschlagene toung des Angeschuldigten, um ihn für den Täter I1 halten.
„Das Testament ist in der Nacht vor der Beerdigung fohlen worden. Einer muß es genommen haben, das *8 doch klar. Aber wer? Natürlich der, dem sein ^schwinden den größten Vorteil dringen mußte. Keiner wie nun aber das geringste Interesse daran außer Den!"
„Ich bitte denn doch," unterbrach ihn der Sproß 'tot von Ranzenberg erregt.
. Äffen Sie mich erst ausreden. Also: Keiner hatte 'W geringste Interesse daran, im Gegenteil, alle Diener, J die Freunde des alten Frecheren sind durch das Kommen des Dokuments um ihre tieinen Legate Pracht. Also bleiben Sie als der einzige übrig, der '"i alleinigen Vorteil davon hat. Nun muffen Sie Ht denken, daß wir unvorbereitet au Sie herantrelen, Mdj will Ihnen im Vertrauen verraten, daß wir solche Renbe Beweise für Ihre Täterschaft in Händen haben,
lieferung besonders wichtig ist. Der Laie erkennt keinen großen Unterschied zwischen dem Wiesenbestand, der Landwirt erkennt aber aus einzelnen Kräutern schon die Güte des Wachstums. Und erst recht wissen die Tiere damit Bescheid, die sehr genau das Heu von nassen, sauren und guten Wiesen zu unterscheiden wissen.
—* Für jeden Hauptanschluß an das Fernsprechnetz in Sch.üchtern, der von der VermiuelungSstelle nicht weiter als 5 km entfernt ist, beträgt vom 1. Juli 1920 ab
a) die Pauschgebühr 480 Mark jährlich
b) die Grundgebühr 240 Mark jährlich.
Im Falle zu b sind für jede Verbindung 20 Pfg. Gesprächsgebühren, mindestens jedoch 400 Gespräche jährlich, zu zahlen. Die Fernsprechteilnehmer haben zum Ausbau des Fernsprechnetzes einen einmaligen Beitrag von 1000 Mark für jeden Hauptanschluß und von 200 Mark für jeden Nebenanschluß zu leisten; die Zahlung des Beitrags ist Vorbedingung für die Be- lassung der bestehenden und die Herstellung neuer An- schlüffe. Der Beitrag wird mit 4 von Hundert verzinst und dem Teilnehmer bet Aufhebung des Anschlusses zurückgezahlt. Jeder Fernsprechteilnehmer ist berechtigt, feinen Anschluß bis 15. Juni 1920 zum 30. Juni 1920 zu kündigen. Der Uebergang von der Paufch gebühr zur Grund- und Gesprächsgebühr ist erst zum 1. Oktober 1920 zulässig. Die Anschlüsse erhalten alsdann andere Nummern.
—* Nach der großen Zahl unzureichend freigemachter Briefe nach E.saß Lothringen zu urteilen, die bet dem Uebergangspostamr tn Karlsruhe nachbehandelt werden müssen, beachten viele Briefschreiber nicht, daß mit dem JutvastrUen-bes A^^^L^r^rgL. sür Lrttf-- sendungen nach Elsaß-Lothi.ingen die vom 6. Mai an gültigen Gebühren deS Auslandsverkehrs zu entrichten find. Sie betragen: für Briefe bis 20 gr 80 Pfg., für jede weiteren 20 gr 60 Pfg., für Postkarten (einfach) 40 Pfg., mit Antwort 80 Pfg. Die Einschreib- gebühr beträgt 80 Pfg.
—* Das Aeußere der Reisebrotmarke ist geändert worden. Der bisherige Ausdruck „Reisebrotmarke" ist fortgelaffen worden. Sie lautet über zweimal 50 Gr. Gebäck. Die Rückseite trägt nebeneinander zweimal den Aufdruck „Deutsches Reich, Reisebrotmarke 50 Gr. Gebäck". Inmitten dieser Aufdrucke befindet sich der in grüner Farbe hergestellte Reichsadler. Sollen nur 50 Gramm Gebäck entnommen werden, so muß die Reise- brotmarke in der Mitte geteilt werden. Der Druck ist wie bisher auf gelbem Papier mit durchlaufenden Wasserzeichen, sowie mit rot und blauen Fasern erfolgt. Durch die Einführung der neuen Reisedrotmarken wird die Gültigkeit der jetzigen nicht berührt. Es gelten
daß es Ihnen schwerlich gelingen w.rd, sich von der schweren Beschuldigung rein zu waschen. Ich lege Ihnen daher vor Eintritt ins Verhör aas Herz, eine reuige ^Beichte abzulegen und auf diese Weise unsere Arbeit zu vereinfachen. Natürlich würde ein freiwilliges Geständnis, bet Abmessung der Strafe bedeutend mildernd ins Gewicht fallen, während ein Ableugnen erstens strafver- schärfend wirken, zweitens aber bei dem erdrückenden Beweismaterial vollständig unnütz sein würde."
Nach dieser wohlpräparierten Rede, die ganz darauf berechnet war, den vermeintlichen Verbrecher ins Bockshorn zu jagen, war der UntersuchungSrichrer nicht wenig verblüfft und noch mehr entrüstet, den Angeklagten durchaus Nicht zerknirscht zu finden.
„Dcs ist ein Hartgesottener!" dachte er, indem sein Gesicht den Ausdruck ungewöhnlicher Strenge annahm.
Otto hatte sich während der Rede des andern vollständig gefaßt und erwiderte nun ruhig: Ich kann nichts weiter als meine völlige Unschuld beteuern."
„Und die Zeugenaussagen?"
„Erkläre ich für falsch oder doch wenigstens für Mißverständniffe."
Der Jnqutrent konnte sich eines leichten spöttischen Lächelns Nicht enthalten.
„Dann ist es also ein Mißverständnis, daß Sie enterbt werden sollten, und deß kein anderer bei diesem Diebstahl intereffiert war?"
„Wenn Ihre Beweise sich auf weiter nichts gründen, Herr Richter —" der Künstler zuckte die Achseln.
„Es ist auch ein Irrtum, daß Sie ganz genau wußten, daß das Testament in dem Schreibtisch verwahrt wurde?"
Otto stutzte; doch gleich darauf besaun er sich, daß
also bis auf weiteres die alten und neuen Reisebrotmarken nebeneinander. Es ist aber beabsichtigt, die jetzt gütige Reisebrotmarke in einiger Zeit für ungültig zu erklären Ein Umtausch der alten in neue Marken ist nicht zulässig. Vom 7, Juli d. Js. ab findet eine Kürzung der Ration bet Umtausch der kommunalen Brotkarten in Retsebrotmarken nicht mehr statt. Von diesem Tage ab werden den Verbrauchern Retsebrot- maiken nach Maßgabe der in den Wohnfitzgemetaden gewährten Wochenkopfmenge an Brot ausgehändigt.
Aus Provinz und WachSargeöiet.
§ Gelnhausen, 9. Juni. Protest gegen die hohen Telefonabgaben. Gestern Abend fand in der Hoffnung eine Versammlung hiesiger Inhaber von Telefonay- schlüffen statt, in welcher die bevorstehenden Erhöhungen der Abgaben für das Telefon besprochen wurde. Es wurde der Beschluß gefaßt, gegen die Erhöhung möglichst einmütigen Protest zu erheben.
§ Frankfurt a. M., 10. Juni. Der Preissturz hat jetzt auch auf den Tabaksmalkt übergegrif^n. Alle Zigarrenhandlungen der Stadt haben die Verkaufspreise diS. zu 40% ermäßigt. Rohtabak ist in größeren Quantitäten überall käuflich. Aus Mannheim wird zuverlaisig mitgeteilt, daß die badischen Zigarrenfabriken an das Ende der Aufnahmefähigkeit in Rohtadakeu gekommen seien. Alle Lager find überfüllt und es könnten Zigarren in großen Mengen hergettellt werden, wenn nicht die Aufträge fehlten. Die Konsumenten hatten auch auf dem Tadaksmarkt sehr zurück.
§ Hersseld. Das Dörfchen Herfa, das 300 Einwohner zählt, ist durch Wälder von der Welt da draußen adgeschwffen und Mis d-m meisten Landkarten nicht zu finden. Es gehört zu dem Teil des Kreises Hersfeld, der „Vergessene Ecke" genannt wird. Daß Herfa nun der versessenste Teil der vergessenen Ecke ist, beweist wohl die einzig dastehende Tatsache, daß in dem Ort nicht eine der politischen Parteien eine Wahlversammlung abgchalten hat. Glückliches Herfa?
§ Sladchagen, 10. Juni. Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich gestern abend auf der Bahnhofstraße. Die hier zu Besuch weilende etwa 18 Jahre alte Tochter des Fabrikanten Blum hatte beim Hinauslehnen aus dem Fenster ihrer am Dachgeschoß belegenen Schlafstube das Unglück, das Übergewicht zu bekommen und in die Tiefe zu stürzen. Als die Hausbewohner durch ein dumpfes Geräusch aufmerksam geworden, der Ursache nachforschten und aus dem Hause gingen, fanden sie das unglückliche Mädchen in seinem Blute schwimmend tot auf der steinernen Eingangstreppe des Hauses liegen. Der Tod war auf der Stelle einge- treten.
Herr von GoLwm vernommen worden sei und nur ausgesagt habe, daß er von dem Wunsche des Vaters, ihn zu enterben, unterrichtet gewesen sei. Er erkannte wohl, daß er, wenn er auf die Frage des Richters mit Ja antwortete, noch mehr Verdacht auf sich häufe, uns so erwiderte er dreist: „Das ist allerdings ein Irrtum."
„Dterkwüldig, wie sich selbst Ihre besten Freunde irren können! So erfahren Sie denn, daß Herr Goswin noch einmal vernommen worden ist, und auf meine direkte Frage, ob er Ihnen von dem Aufbewahrungsort Mitteilung gemacht, nach längerem Zögern der Wahrheit die Ehre gegeben hit."
Der Künstler war blaß geworden; man hatte ihn auf einer Lüge ertappt.
„Nun, und wenn ich es gewußt hätte, entgegnete er endlich, „was beweist das?"
„Es beweist," daß die Irrtümer mehr auf Ihrer Seite zu sein scheinen," ironisierte ihn der Beamte. „Doch, Sie dürfen Nicht glauben, daß dies die einzige Zeugenaussage ist, die wider Sie spricht. Es ist uns -ängn tiar, daß Sie Ihre Tat nicht allein auszuführen rmitanoe waren, mit einem Wort, daß Sie einen Komplizen gehabt haben müssen.
Ranzenderg wurde ersichtlich unruhig.
Der Richter, der dies wohl merkte, fuhr mit gesteigerte Stimme fort: „Wir haben ihn auch bereits entdeckt und dingfest gemacht. Er ist ebenfalls gestern verhaftet worden."
(Fortsetzung folgt.)