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Anzeiger für ihr amtlichen Bekanntmachungen im Breite 8chiüMern.

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Lchlüchterser Lreisölatt

Ueltsste Beitag iW Kreise; gegrüudet im Jahre 1849.

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K 67.

Dsnnerstag, den 10. Juni 1920.

73. Jahrgang

Die Maul- und Klauenseuche des Windviehes, der Schafe, Ziegen und Schweine.

Tiere, die den AnstcckunxSstoff der Maul- und Klauenseuche ausgenommen haben, zeigen nicht unmittel­bar hierauf, sondern erst nach einer bestimmten Zeit (Jrcubationszeit) Erscheinungen der Krankheit. Die Jrcubationszeit beträgt beim Rinde durchschnittlich 36 Tage, kann aber auch bis zu 14 Tagen betragen. Beim Schaf belauft sich die Jncabationszeit auf 16 Tage, beim Schwein auf 12 Tage. Die ersten KlaukheitserschetNUngen sind leichtes Fieber, gering- gradiges Speicheln sowie leichte Störungen der Futter aufnahme und des Wiederkauens. Nach Verlauf von 23 Tagen treten unter gleichzeitigem , Verschwinden des Flebers im Maule, an den Klauen und an anderen Steilen z. B. Euter, Blasen, Aphthen auf. Diese sind Hanskorn- bis haselnußgroß und größer, grau bis gelblich-weiß, ihre Wano besteh; aus einer dünnen Haut, ihr Inhalt aus einer klaren, farblosen oder leicht getrübten, gelblichen Flüssigkeit. Beim Auftreten der Blasen im Maule Maulseuche beobachtet man starkes Speicheln und zeitweilig schmatzende Geräusche, Mmagerung und Verringerung der Milchmenge. Die Blasen, die an den Lippen, am Nasenspiegel, an der Zunge, am Zahnfleisch und an den übrigen Teilen der Maulschleimhaut auftreten können, platzen bald und hinterlassen schmerzhafte, nässende, stark gerötete, oder- stächstche Wunden, die vom Rande her verheilen. Beim Auftreten der Blasen au den Klauen Klauenseuche ist schon vor der Entstehung der Blasen die Haut an der Klarrenksnr, im Klauens^alt und an den Bullen gleichmäßig gerötet und der Gang gespannt. Nach dem Auftreten und Platzen der Blasen liegen die Tiere

viel, sind schwer zum Aufstehen zu bewegen und gehen, »»getrieben, stark lahm.

Der geschilderte Verlauf der Maul- und Klauen­seuche entspricht demjenigen, der in der Regel beim Rinde beobachtet wird. Beim Schafe und bet der Ziege zeigt sich die Besonderheit, daß die Blaser im Maule sehr klein find und oft nur am zahnlosen Rande des Oberkiefers entstehen. Beim Schweine treten die Blasen, die erhebliche Größe erreichen können, mit Vor­liebe an der Rüsielscheibe auf. Im übrigen ist beim Echafe und bet der Ziege sowie beim Schweine die Klauenseuche weit häufiger als die Maulseuche, während drtm Rinde die Klauenseuche in der Mehrzahl der ; Fälle zusammen mit der Maulseuche austrut und sich ^möhntich dieser «»schließt. Bet Schweinen, insbe­sondere bei Mastschweinen, die transportiert werden, kommt es infolge der Klauenseuche nicht selten zum Lusschuhen.

Die Maul- und Klauenseuche nimmt in der Regel einen gutartigen Verlauf und heilt tu 12 Wochen ob. Sie kann aber auch bösartig verlaufen und während ihrer Entwicklung oder während der Abheilung ||U plötzlichem Tode führen. Ferner können junge Tiere (Kälber, Ferkel) nach Verfütterung roher Milch schnell zugrunde gehen, ohne deutliche Erscheinungen I der Seuche zu zeigen. Endlich können sich im Anschluß I <>» die Maul- und Klauenseuche schwere Folgekrankheiten entwickeln (Emeremzündung, Kläuenentzundung), die das I Leben der Tiere gefährden. Dies ist namentlich bet I Hangelnder Klauenpflege und ungenügender Einstreu | w Fall.

I Der Verlauf der Maul- und Klauenseuche kann k durch Vermeidung harten, stengUgen Futters, durch I sächliche Einstreu, sodaß die Tiere trocken flehen, sowie krnrch Vehandlug der Klauen und Euter der kranken IW nach tierärztlicher Anleitung günstig beeinflußt kerben. Eine Behandlung der Veränderungen am I Maule ist nicht erforderlich. Gegen die bösartige »Maul- und Klauenseuche und das Sterben der jungen I-otere hat sich die Anwendung des Löfflersche» Maul- k^ud Klauenseucheserum bewährt. Vor der Anwendung ®theimmUteln zur Behandlung maul und klauen- k '^chelranker Tiere ist zu warnen.

I Durch die künstliche Ansteckung der noch gesunden tfne£ verseuchten Bestandes mit dem Speichel in gewöhnlicher Weise an Maulseuche erkrankten I kann hie Dauer der Seuche in einem Bestände | Schlich abgekürzt werden. Ein weiterer Vorteil der laichen Ansteckung ist, daß die durch sie herbetge- k^te Seuche häufig milder als die durch natürliche I Deckung verläuft, wenn man den Sprich» l von einem i ^äoggladtg erkrankten Tiere nimmt.

I . In den gelten der Seuchengefahr ist es angezeigt, I fremden Personen, insbesondere Metzgern, Vieh-'

taftrierern, Händlern sowie anderen Personen, die ge­werbsmäßig in Ställen verkehren, ferner solchen Per­sonen, die ein Gewerbe im Umherziehen auäüben, das Betreten der Ställe und sonstigen Standorte von Klauenvieh zu untersagen. Ohne vorherige Desinfektion der Kleider und Schuhe soll niemand ein Seuchenge- höft verlosten. Kleidungsstücke, die nicht oder nur wenig beschmutzt finb^ sönnen in der Weise desinficiert werden, daß sie mit verdünntem Cresol- oder Lysol- waster feucht ab gebürstet werden. Lederschuhe find nach Adbürsten mit Seifenwaffer, Holzschuhe nach gründlichem Scheuern mit heiser Soda oder Setfenlösung mit Lappen absurd Den. Auch ist die Seuche für die öffentliche Gesundheitspflege dadurch von Bedeutung, daß die Milch vom maul- und klauenseuchekranken Tiere im rohen Zustande genossen, eine ähnliche Krank­heit bei Menschen, besonders bei kleinen Kindern erzeugt, indem nach dem Genuß solcher Milch ein ähnlicher Bläschenausschlag im Munde, besonders-an der Zunge und an den Lippen, beobachtet worden ist Es darf bei halb die Milch niemals im rohen Zustande zum Genuß für Menschen verwendet werden. Ferner erzeugt oer Genuß der Milch besonders bei jungen Individuen, Kindern, jungen Tieren, häufig Entzündung der Magen- und Darmschsiimhaut und Durchfall an welchem si zu Grunde gehen.

Krexa, Kreistierarzt.

* *

Der eigene Arzt im Viehstalle muß sehr oft der Landwirt sein, wenn bei plötzlichen Vicherkrankungen der vielfach weit entfernt ^Shuerrde Tierarzt nicht sofort zu erreichen, oder wenn es gilt, eine Krankheit schon bei den ersten Anzeichen zu unterdrücken. Er kann sich vor größeren oft Hunderte von Mark zählenden Schäden bewahren, wenn erDes Landwirts Ratgeber in guten und dösen Tagen", in dritter Auflage neu bearbeitet von den Oder- und Stabsveterinären Dr. Magerl, Dr. Gelber und dem Pflanzensachverständigen Dr. Gehrmann, besitzt. Es stellt endlich ein praktisches, klar und leichtverständlich geschriebenes Landwirtschasisduch dar, das jedem, auch dem erfahrensten Landwirt nützen wird, weil es alle KrankheitSzeichen bei Vieh und Pflanzen und die notwendigen Mittel dagegen angibt, ferner RechtSbelehrung über Kauf, Haftung und Währschaf». beim Vieghandel u. bergt. 360 Seiten stark mit 130 Abbildungen und drei farbigen zerlegbaren Viehmodellen auSgeflattet, kostet das gut gebundene Buch nur 21,60 Mark. Das Buch erschien im Verlage von Wilhelm Möller, Oranienburg, uub ist in der Geschäftsstelle der Schlüchterner Zeitung vorrätig.

Aus Stadt und Kreis.

Sttzruchrer», ^en 9. Juni 1920,

* Am Donnerstag den 10. Juni 1920, abends Si/ü Uhr, findet eine Sitzung der Stadtverordnetenver- sammtung mit nachstehender Tagesordnung statt: 1. Vereidigung des an Stelle des Herrn T.gges, der fein Amt niedergelegt hat, tretenden Mag»stralSmilgl»eoes Herrn Martin Größer. 2. Bewilligung einer Beihülfe zur Wohlfahrisfpende des Deutschen Bürgermeister- vundes für vertriebene Stadt- und Landgemeinde Vorstände aus den Grenzgebieten. 3. Uebernahme des Kostenunlerfchikdes zwischen isolierter und einfacher Leitung für den Anschlup der Neubauten an der Nieder- zellerstraße an das Leitungsnetz.

- * Vom Donnerstag, den 10. Juni an wird der jetzt zwischen Gemünden (Main) (ab 2.22 nachm.) und Schlüchtern (an 4.05 nachm.) verkehrende Pz. 1809 an Werktagen bis SaimunfterSoden durchze» führt und erhält zwischen Schlüchtern und Salmünfter folgenden Fahrplan:

Schlüchtern an 4.05 nachm. ab 4.07 nachm. Steinen Kr. an 4.16 ab 4.17

Salmünfter Soden an 4.26 nachm.

Der Pz. 818 (W.) fällt dafür zwischen Schlüchtern (ab 4.13 nachm. und Salmünster-Sooen (an 4.32 nachm.) aus.

* Die Blattläuse, die uns im vorigen Jahr zu besuchen fast ganz vergessen hatten, scheinen in diesem Jahr das Versäumte nachholen zu wouen. Sie zeigen sich überall. Man schreite sofort zu einer durchgreifen. den Bekämpfung mittels Quafstabrühe. Ein Erfolg ist nur zu erwarten, wenn das Uebel im Keim schon er­stickt wird. Im Juni »eigen sich überhaupt die meisten Schädlinge; da sei auch der Obstbauer unermüdlich in deren Bekämpfung.

* Briefmarken zu 10 und 20 Mark gelangen demnächst zur Ausgabe. Im Gegensatz zu anderen Postverwaltungen hat die deutsche Reichspost früher große Zurückhaltung bei der Ausgabe hochwertiger Briefmarken gezeigt. Seinerzeit gingen die Werte für den öffentlichen Verkehr sogar nur bis 50 Pfg. Nur für den inneren Dienstbetrieb gab es Wertzeichen zu 1 und 2 Mark. Erst unter Staatssekretär v. Pod- bielski wurden dann Marken bis zum Betrage von 5 Mark ausgegeben, bei denen es bisher verblieb. Die Verkehrsanstalten und Oberpostdirektionen haben aber wiederholt höhere Werte auch für die Reichspost vorgeschlagen und beantragt. Die hohen Portogebühren, besonders für Pakete, lassen sie aber mehr und mehr vermissen. Das Reichspostministerium hat deshalb die Reichsdruckerei beauftragt, die Uebergabe von 10. und 20-Mark-Marken vorzubereiten.

* Im Ministerialblatt der Verwaltung für Land­wirtschaft, Domänen und Forsten von 1920 (Seite 136) ist ein Aufruf der Biologischen Reichsanstalt für Land- unb Forstwirtschaft gegen Maikäfer- und Enger­lingsfraß veröffentlicht, auf den wir aufmerksam machen.

* Verbesserungen im Fernwesen. Die Leistungs­fähigkeit des gesamten deutschen Telephon- und Tele­graphennetzes soll in verhältnismäßig kurzer Zeit verdreifacht sein, da eine neue Einrichtung es gestattet, auf ein und derselben Drahtlettung gteichzettig drei und mehr Gespräche zu führen, ohne daß diese stch gegenseitig irgendwie beeinflussen. Der neue Apparat wurde dieser Tage in Berlin von der Geseilschafl für drahtloseTelegraphle einem geladenen Publikum vorgeführt.

.Aus Provinz und Wachöargeöiet.

§ Franksurt a. M. Hier hat sich ein Volksbund für Kriegergi ädersüijorge gebildet, dessen Hauptaufgabe darin besieht, die Ruhestätten nnserer Gefallenen im Feindesland durch tätige Beihilfe zu schmücken und in Ordnung zu halten.

§ In Neustadt bei Coburg hat eine Handlung die Preise für Leiterwagen um 20 pCt. ermaßet weil die Holzpreise gefallen sind. Die dortige Schuhmacher- Innung hat die Preise für Reparatur Arbeit»n um 25 pCt herabgesetzt.

§ Rubo.stabi. Der hu fige Startrai, dem durch die Wohnungsnot täglich v.rmeyrre Sorgen erwachsen, wendet sich in einem Appell an die Brautpaare. In der betreffenden B.kannrmachung heißt es:Braut­paare, die die Absicht haben, sich einen Hausstand zu grünben, weisen wir darauf hin, daß sie nicht darauf rechnen können, in absehbarer.Zeit eine Wohnung erhalten zu sönnen. In die Liste der Wohaungsuchenden w.rden sie nicht mehr ausgenommen.

Liga zum Schutze der deutschen Kultur.

In der lltzien Zeit wurden neue Ortsgruppen ^« gründet in: Alten-Buseck, Burkhardsfelden, Großen-Ltu- den (Kreis G.eßen), EhringShausen (Kreis Alsfeld), Stumpertenrod (Krets Schotten), Reichklsheim und Siammheim (Kreis Friedberg).

Ein Zusammenstoß zwischen deutschen Truppen.

Berlin, 7. Juni. Am Sonnabend, den 5. Juni, sollte in Soest das 2. Bataillon des Jnfanterieregimen t» 62 mit dem 1. BatatUon des Reichswehr-Infanterie­regiments 13 verschmolzen werden. Die Maschinen- gewehrkompagnie des Bataillons (die ftühere Maschinen­gewehrkompagnie Ltbau) widersetzte sich gewaltsam der Auflösung und kehrte die Maschinengewehre gegen ihre Auflösung fordernden Vorgesetzten. Da Verhandlungen nicht zum Siele führten, wurde die Auflösung gewaltsam erzwungen. Die mit der Durchführung der Auflösung beauftragten Metchswehrtruppen hatten bedauerlicherweise 3Tote u. 3 Verwundet zu beklagen. Das 2. Bataillon 62 gehörte bisher zur Besotzusig der neutralen Zone. Da nach den Forderungen der Entente die dort stehenden Truppen bis zum 10. Juni auf die Hälfte vermindert werden müssen, mußte in Ausführung des Friedens- Vertrags die Auflösung erzwungen werden.

Vorläufige Beibehaltung von 800 000 Mann HeereSstärke

Paris, 8. Juni. Ja der Sitzung der Botschafter- konferenz am vergangenen Samstag, welcher Marschall Foch beiwohnte, wurde die Frage der Verminderung der deutschen Heeresbestände auf 100000 Mann, die bis zum