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Anzeiger für Öie anillichen Bekanntmachungen im Kreise Schlüchtern.

Bezugspreis frei Haus, vorauSzahlbar viertelt. 3,50 Mk., (durch die Post ohne Bestell« SS). Erscheint Dienstags, Donnerstags und mStagS. Druck und Verlag C. Hohmetster, verantwort!. H.-C. Hohmeister, Schlüchtern. Fern« ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Ge< schäftSverkehr mit der Firma Schlüchtern.

Schlüchterner ^reisttatt

Aeltefte Zeitung im Kreise; gegründet im Jahre 1849.

Anzeigen: kl. Zeile oder deren Raum 60 Pfg., Reklamezeile 2, Mk. Bei Betriebs­störungen kein Schadenersatz oder Minder- gebühr einschließlich BezugS. Keine Gewähr für Platz, Aufnahme-Zeit und Beleglieferung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischenkosten. Zahlkarte Frankfurt a. Main Nummer 11402.

K 66. Dienstag, den 8. Juni 1920. 73. Jahrgang

Maut- und Klauenseuche.

In der letzten Woche ist in bayrischen Nachbarorten, löste neuerdings in Züntersbach, die Maul- und Klauenseuche teilweise in bösartiger Form ausgetreten. Die Seuche ist eine ansteckende, mit der Bildung von Blasen im Maule und an den Klauen einhergehende, schnell verlaufende Erkrankung des Klauenviehs (Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine.) Außer im Maule und an den Klauen wird die Blasenbildung auch an anderen Stellen, z B. am Euter, beobachtet., Die Ansteckung gesunder Tiere erfolgt entweder unmittelbar durch kranke Tiere.oder mittelbar durchZwischenträger verschiedenster Art (}. B. Dünger, Jauche, Personen, Pferde, Hunde, Katzen, Geflügel, , Bespannungsgeschirre, Fahrzeuge, Milchtransportgefäße). Die Seuche nimmt in der Regel einen gutartigen Verlauf und heilt in 1 bis 2 Wochen ab. chte kann aber auch bösartig verlaufen und während ihrer Entwicklung resp, ihrer Abheilung zu plötzlichem Tode führen. Ferner können junge Tiere (Kälber, Ferkel) nach Verfütterung roher Milch schnell zugrunde gehen, ohne deutliche Erscheinungen der Seuche zu zeigen. Endlich können fich im Anschluß an die Maul- und Klauenseuche schwere Folgekrankheiten ent­wickeln (heftige Euterentzündung, schwere Klauenent- zündung), die das Leben der Tiere gefährden. Dies ist namentlich bei mangelnder Klauenpflege und unge­nügender Einstreu der Fall. Durch den Umgang mit kranken Tieren und durch den Genuß der von solchen Tieren stammenden rohen Milch kann die Krankheit auch auf Menschen übertragen werden. Dieser durch den Umgang mit kranken Tieren drohenden Gefahr der Uebertragung der Krankheit kann durch regelmäßige 'DtölufitO^MdeL Hände, der mit dem ^«uße der Milch verbundenen Gefahr durch ausreichende Erhitzung der Milch begegnet werden. Es ist daher dringend nötig, daß bet einem Stellenwechsel des Melkpersonals Kleider, Wäsche und Geräte, feuert anzunehmen ist, daß diese Gegenstände mit kranken oder verdächtigen Tieren in Berührung gekommen sind, sorgfältig desinfiziert werden. Ein HaupterfordetuiS zur Bekämpfung der Seuche tst,daßdie angeordnetenveterinärpolizeilichen Maßnahmen von den Landwirten und Viehbefitzern genau befolgt werden. Das erscheint um so norwendiger, als feit längerem diese Maßnahmen zur Vermeidung wirtschaft­licher Schäden nach Möglichkeit eingeschränkt worden sind. Auch kann den Landwirten erneut nur die größte Borsicht bei der Viehbehandlung, sowie für die sorgsäntge Kontrolle des Personenverkehrs in Gehöften und Ställen aus Herz gelegt werden. Die Kalkung der Geschäsis eingänge durch Besprengung des Pflasters mit Kalk ßewährt nicht den nötigen Schutz gegen eine Ver­schleppung des Aasteckungöstoffcs. In vielen Fällen

Feindliche Brüder.

Roman von Jost Freiherrn von Steinach. 29 (Fortsetzung.)

»Das kann unter Umständen noch in weitem Felde liegen, lieber Bruder. So leicht, wie Du Dir die Sache Erstellst, ist fie nicht. Du vergißt, daß augenblicklich kein Testament vorhanden ist."

Donnerwetter, was soll das heißen?" brauste der Offizier auf und sprang kerzengerade in die Höhe. Was schert mich das, ob ich mit oder ohne Testament nbe! Wenn ich nur überhaupt etwas in die Finger kAege! Denn ich brauche Geld, auf jeden Kasus, und damit bafia!"

Basta ist gut 1" sagte der ältere spöttisch,wenn es nur bekommst, mir soll es schon recht sein."

Der Offizier wurde immer aufgeregter.

.Was heißt das nun wieder:Wenn Du es nur ^kommst! Es muß doch etwas dabei sein!"

O, da ist schon genug, bloß wir erhalten es W. Oder glaubst Du, wir werden uns damit lustieden geben, daß dieser Otto den vierten Teil sterbt, während wir genau wissen, daß ihn der Vater leiben wollte?"

»Ja, wie willst Du ihm denn das hindern?"

Daß er dieses Dokument auf irgend eine Art und in seine Hände gebracht hat, darüber bin ich längst tat geworden. Wer hat denn noch ein Melisse daran?

Ja, wie w.llfi Du ihm denn aber das beweisen, ^nn Du keine Zeugen haft?"

. «Das ist meine Sache. Tu wirst schon noch Mer zu hören kriegen. Aber das muß Dix nun

stehen die Pferde unmittelbar in dem verseuchten Kuh­stall und verbreiten dann leicht beim Fehlen einer genügenden Desinfektion der Hufe den Ansieckungsstoff. Es ist daher von größter Wichtigkeit, daß die Einfahrten zu den verseuchten Gehöften in genügender Breite mit einer dick aufzuschüttenden Mischung von Sand öder Torf mit Kalk versehen und die Mischung täglich noch­mals mit frischem Kalk begossen werden. Haupterforder- nis ist und bleibt aber, daß unverzüglich der Ortspolizei- dehörde oder dem Kreistierarzt Anzeige, am besten telephonisch, gemacht wird, sofern ein Tier unter den Erscheinungen, die den Ausbruch der Seuche befürchten lassen, erkrankt. Einer Vernachlässigung der Anzeige p sticht werden die Behörden mit allen Mitteln entgegen- treten müssen. Außerdem fällt der Anspruch für Vieh- verluste weg, wenn der Besitzer der Tiere oder dessen Vertreter vorsätzlich oder fahrlässig die ihm obliegende Anzeige unterläßt oder länger als 24 Stunden ver zögert, nachdem er von der anzuzeigenden Tatsache Kenntnis erhalten hat. Der Anspruch auf Entschädigung fällt ferner sott, wenn der Viehocsitzer oder dessen Ver­treter die Nichtbefolgug oder Uebertretung der angeord­neten Schutzmaßregeln zur Abwehr der Seuchengefahr zur Last fallt.

Aus Stadt und Kreis.

Schlüchtern, oeu 7. Juni 1920.

* Glückwunsch- und Begrüßungstelegramme, sowie Telegramme in nicht dringenden Familienangelegen­heiten sind von jetzt an wieder zugelaffm.

* In der am vorigen Freitag im Hessischen Hof in Schlüchtern von der Sozialdemokratt,chen Partei «bgchalteuen öfftutlichen Lersuur».^ug beschimpfte Herr Parteisekretär Kunde in einer nicht gerechtfertigten Weise unser Blatt, sodaß wir uns veranlaßt sehen, nachstehende Erklärung adzugeben: Die Versammlungsberichte in Nr. 64 vom 29. Mai und in Nr. 65 vom 5. Juni stammen von unserem eigenen Berichterstatter und sind vollständig unparteiisch gehalten; wir sind hierbei von keiner Partei beeinflußt worden. Wenn wir in der vorigen Nummer das Sprengen der Donnerstag Versammlung radeln, so soll damit nicht, w.e Herr Kunde annimmt, eine Partei angegriffen werden. Nein, wir berufen uns nu. auf einen Aufruf des hessischem Ministeriums, in dem es heißt:In den letzten Tagen sind wiederholt ernue Störungen öffentlicher Wahlversammlungen durch politische Gegner vorgekommen. In einem Falle ist eine Versammlung gesprengt worden Da die Verfassung unseres demokratischen Staates jeder Partei Versammlungs­und Redefreiheit zufichert, müssen solche Störungen als verfassungswidrig und ungesetzlich scharf verurteilt werden/' Der Aufruf ist unterzeichnet: Ulrich, Hm ich,

doch plausibel sein, daß Du vo.derhand auf keine besonderen Geldmittel rechnen kannst, denn das Nachlafi gericht kann nicht eher die Erdleitung vornehmen, bis der Verlust des Testaments aufgeklärt ist oder die Erben sich geeinigt haben." .

8. Kapitel. ,

Zwei Tage nach dieser Unterredung lief in der Umgegend von Ottos Atelier das ungeheuliche Gerücht von Mund zu Mund, daß am frühen Morgen der Maler aus seinem Bett geholt und verhaftet worden sei. Man habe das Atelier abgeschlossen, nachdem man strenge Haussuchung abgehalten, und den alten Diener Finke, eine im ganzen Viertel bekannte Persönlichkeit, seines Weges ziehen lassen. \

Derselbe habe sofort eine andere Stellung erhalten, während der Künstler durch die Polizei in das Unter­suchungsgefängnis abgeführt worden sei. Einige wollten sogar die geschlossene Droschke gesehen haben, und worin der hochgeborene Freiherr bleichen Antlitzes und zusammengedrochen gesessen habe.

Ueberall wurde in den Küchen wie in den Portier­logen diese sensationelle Perhaftung aufs eifrigste be sprachen, woret vier Mitleid, aber noch mehr Schaden­freude zum Vorschein kam.Worum handelt es sich eigentlich?"Was kann er verbrochen haben?"Es muß jedenfalls etwas Furchtbares sein?" so schwirrten die neugierigen Fragen und die gewagtesten Mutma­ßungen in der Lust der hinteren und unteren Räum Heilten, um bald in den Salons der Herrschaften mit erneuter Heftigkeit aufs Tapet gebracht zu werden.

Und das Schlimmste an dem Geschwätz war, daß sich die überall verbreitete Tatsache leider als Wahrheit erwies: Otto Ranzenberg war in Untersuchungshaft gebracht worden, ohne noch vorher seine wichtigsten An-

Dr. Fulda, v. Brentano. Jedermann wird nun wohl zugeben müssen, daß die Schlüchterner Zeitung doch kein solches Hetzblatt ist, als das es dahingestellt wurde. Wir geben hiermit sämtlichen politischen Parteien bekannt, daß auch die von ihnen verfaßten Versammlungs­berichte eigener Versammlungen in unserem Blatte unter einer besonderen Rubrik, die als Titel den Namen der betr. Partei trägt, stets Aufnahme finden. Bet Berichte jedoch, die mehr als dreißig Zeilen Raum einnehmen, müssen wir die Zeile mit 50 Pfg. in Rechnung stellen. Korrektur behalten wir uns vor.

* Der Brachmonat. So hieß der Monat Juni im altdeutschen Kalender. Und es ist eigentlich schade, daß wir diesen guten deutschen Namen mit einer römischen Bezeichnung vertauscht haben. Was sagt uns die Bezeichnung Juni? Nach den einen soll dieser Name von der Göttin Juno, nach den anderen Sprach­kundigen von dem ersten Konsul Roms, Lucius Junius Brutus, herrühren. Warum nannten aber die alten Deutschen unseren heutigen Juni den Brachmonat? Es war der Monat, in dem bet der früheren Dreifelder­wirtschaft das Brachfeld bearbeitet wurde. Die Monats­bezeichnung hatte also für die Bevölkerung, die sich fast ausschließlich mit der Landwirtschaft beschäftigte, einen tiefen Sinn. Er bildete gewissermaßen das Arbeits­programm des Monats. Heute trifft dieser Sinn ja nicht mehr zu, obgleich dort, wo noch Ueberreste der Dreifeldewirtschaft sich erhalten haben, noch immer im Juni das Feld gestürzt und bis zum Winteranbau durch zwei bis drei Pflugfahrten bearbeitet wird. Aber die moderne Landwirtschaft, die den Boden stärker aus­nutzen muß, kann das Ackerland nicht mehr wie in früheren Zeiten ausruhen lassen. Wir haben die Brache durch Hackfrucht, Fvrk.bau, SkfMtur und Düngung ersetzt. Heutzutage ist die widrigste landwirtschaftliche Verrichtung im Juni die Heuernte, freilich nicht in allen Gegenden unseres Vaterlandes; dazu find die Temperaturverhälinffe zu verschiedenartig. Im allge­meinen ist Witterung .des Juni während der ersten zwei Drittel des Monats infolge von R gentagen und Nordwinden oft noch ziemlich kühl und wird meist erst im letzten Drittel, unnn der Sommer offiziell seine Antritt V fite gtM cht hat, denanviger ynb wärmer; gegen iii.se ü s ikona^ lie gt abei dann die Temperatur gewöhnlich schnell. Od's d eses Jayr anders kommt, oa» werden wir abwarr n müssen.

* Walobiäude stnv in den letzten Jahren häufiger durch Nachlässigkeit beim Rauchen entstanden. Es ist in den heutigen Zeiten dringendes Gebot, auf das Verbot des Rauchens im Walde zu achten und auch auf Landwegen und C aussen dafür zu sorgen, daß nicht durch Acht- lostgkett Feuerschaden enistehen kann.

* Au' G und einer Anweisung des ReichsamteS für

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geiegenheuen ordnen zu dürfen, ja, sogar ohne seinem einzigen Freunde, dem Doktor Waldau noch eine Nach­richt geben.zu können. Nun, das hatte sein Faktotum Finke insofern wieder gut gemacht, als er, nachdem er sich von dem ersten Schreck erholt, spornstreichs zu dem Freunde hinrannte.

Er traf den Doktor, der in der Kantstraße ein ele­gantes Juvggesellevquartier bewohnte, in seinem Labo­ratorium, in Hcmdsärmeln herumhantierend. Waldau war von Hause aus Elektrotechniker, auf den man in Fachkreisen früher große Hoffnungen gesetzt hatte, bei er infolge seiner Liebrsaffäre seinen Beruf an den Na­gel gehängt hatte und ins Ausland reiste. Nun hatte er plötzlich in neu erwachender Lust ein Laboratorium eingerichtet und arbeitete täglich darin.

Als Finke händeringend von dem Geschehenen Mit­teilung machte, war er außer sich.

Ja, weshalb denn nur?" fragte er auf höchste alteriert.

Wenn ich es nur selbst wüßte, Herr Doktor!" jammerte der Diener. Aber ich habe es immer gedacht: Ob nicht noch das dicke Ende nachkommt!"

Waldau faßte ihn derb am Arm und schüttette ihn.

Was meinen Sie damit ?" fragte er hastig,-in der Hoffnung, dadurch einen Anhattspunkt in der mysteriö­sen Geschichte zu erlangen.Wissen Sie etwas Nähe­res, dann um Gotteswillen heraus mit der Sprache !"

Ganz genau weiß ich es ja nicht, aber daß sie ihn da drüben hmausgeworfen, das muß doch seine Gründe gehabt haben." t ,

Wenn Sie weiter nichts wissen, dann find Sie auf dem Holzwege!" schrie der Doktor.

(Fortsetzung folgt.)