Einzelbild herunterladen
 

Bezugspreis frei Haus, vorauSzahlbar viertelj. 3,50 Mk., (durch die Post ohne Bestell­geld). Erscheint Dienstags, Donnerstags und SamStagS. Druck und Verlag C. Hohmeister, verantwort!. H-C. Hohmeister, Schlächtern. Fern­ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Ge- schästSverkehr mit der Firma Schlüchtern.

Anzeiger für die amtlichen Bekanntmachungen im Zireise Schlüchtern. Lchlüchter«rr SreiMatt Aeltefte Ze^tusg im Kreise; gegründet im Jahre 1849.

Anzeigen: kl. Zeile oder deren Raum 60 Pfg., Reklamezeile 2, Mk. Bei Betriebs­störungen kein Schadenersatz oder Minder- gebühr einschließlich BezugS. Keine Gewähr für Platz, Aufnahme-Zeit und Beleglieferung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischenkosten. Zählkarte Frankfurt a. Main Nummer 11402.

J2 60.

Samstag» den 22. Mai 1920.

73. Jahrgang

Wegen der Psingstfeicrtage kommt Nr. 61 unseres Blattes erst Mittwoch abend zum Versand. Inserate für die nächste Nummer müssen bis spätestens Mittwoch früh 9 Uhr in unseren Händen sein.

Die Expedition.

Aus Stadt und Kreis.

Schlüchtern, den. 21. Mai 1920.

* Verkürzung der Zuckerration. Wie aus Berlin verlautet, wird die Zuckerration vom 1. Juli ab ver­kürzt. Die an diesem Termin fällige Menge, die sonst für drei Monate reichen würde, muß jetzt auf vier Monate gestreckt werden.

* Vorsicht bei Handelsbeziehungen mit dem Saar­gebiet. Daß Frankreich die 15 Jahre, die es das Saargebiet besetzt hält, weidlich für sich ausnutzen wird, um das Land zu französifieren, ist selbstverständlich. Aus dieser Absicht macht es auch gar kein Hehl. Als eines vieler Mittel benutzt es dabei auch den Weg harmlosen Handele Verkehrs. Der deutschen Geschäfts­welt kann nur größte Umsicht bet Anknüpfung neuer Geschäftsbeziehungen mit neuentstandenen Firmen u. dergl. im Saargebiet empfohlen werden. Meist stcckr hinter dergleichen Anbahnungen nur die Absicht, die Geschäftsgewohnheiten der deutschen Firmen auszu- spionieren,um sie mit desto besserem Erfolg verdrängen zu können. In diesem Zusammenhang verdient eine vor einiger Zeit in dem französisch geleitetenSaar- Courier" erschienene Anzeige erwähnt zu werden, nach welcher ein Herr M. Lehmann aus Saarbrücken, Kaiserstr. 38, nach Berlin reisen sollte, um hier die Wünsche der saarländischen Kaufleute an maßgebender Stelle zu vertreten. Dieser Herr kann sich als Bevoll­mächtigter der eingefeffenen faartandischen Kaufmann- schaft nicht betrachten, auch steht mit ihm weber die Handelskammer Saarbrücken noch deren Vertretung in Berlin in irgendwelchen Beziehungen.

* Die deutsche demokratische Partei hat im Wahl­kreis Frankfurt a. d. O. den bekannten Bodenreformer Adolf Damaschke an die 2. Stelle ihrer Wahlliste gesetzt. In fast allen Wahlkreisen stehen auf demokratischer Liste Landwirte an ersten Stellen. In Reffen führt die Wahlliste Pfarrer Korell.

* Sannerz. Als anfangs dieser Woche Arbeiter aus Fulda im Aufträge des neuen Besitzers mit dem Abbruch der Sannerzer Ziegelei begannen, wurden sie von Einwohnern unseres Dorfes und der Umgegend angegriffen und von ihrem Vorhaben abge­halten. Die Ziegelei hatte Herr Kalmann Schuster auf Abbruch verkauft. Die bisher in dem Betriebe beschäftigten Arbeiter versuchten, um der Arbeitslosigkeit entgegenznsteuern, Herrn Schuster zu bestimmen, die Ziegelei zurückzukaufen.ch.

* Steinau. Schon wieder wurden einem aus­wärtigen Schieber auf dem hiesigen Bahnhof größere Mengen Fleisch abgenommen. Das beste Mittel, diesen Gesellen den Besuch unseres Städtchens entgülrig zu versalzen, wäre eine anständige Tracht Prügel an Ort und Stelle. r.

* Salmünsier. In der praktischen Lösung der heiklen Frage betreffs Wohnungsnot dürfte unser Stäbchen wohl an der Spitze Kutschieren. Dasselbe gewährt aus seinem Walde allen Baulustigen einen entsprechenden Posten Eichenholz, fodaß der Betreffende nach Fertigstellung seines Baues noch ist der Lage ist, aus dem übriggebliebenen Holze seine Baukosten zu decken. Dank dieser weisen Einrichtung, wird hier eine .lebhafte Bautätigkeit einfetzen, fodaß sich unsere Stadt­verwaltung bald genötigt sehen wird, weiteres Bauterrain za erschließen Sch.

Aus Provinz und Wachöargeöiet.

§ Hersfeld, 20. Mai. Auf den Bahnhöfen in Mücke und Grünberg (Oberheffen) sind in der letzten Zeit fortgesetzt Beraubungen von Eisenbahnsendungen vorgekommen und einige Eisenbahnbeamte und Arbeiter unter Anklage gestellt worden. Bei den vorgenommenen Haussuchungen fand man in Kellern und Gärten Wein versteckt und Sekt im Ziegenstall. Vornehmlich scheint Man es auf Wein, Leder und Kleiderstoffe abgesehen )u haben.

8 Rotenburg a. d. F., 19. Mai. Im hiesigen Forstbezirk wurde der Forstaufseher Held bet einem Zusammenstoß mit zwei Wilderer nvon diesen erschaffen. Die Verfolgung der Wilderer ist im Gange.

Deutsches Reich.

Berlin, 20. Mai. (Wer trägt die Kosten?) Die deutsche Regierung hat in einer Note an den Verband die Tragung der Kosten für die militärische Besetzung Frankfurts a. M. abgelehnt.

Birlin, 20. Mai. (Neue Regierungspräsidenten) Zum Regierungspräsidenten von Minden ist der Erste Bürgermeister von Suhl Dr. Hagemeister ernannt worden. Zum NegierungSpräsidenteu von Düssel­dorf ist Stadtrat" Grützner bestellt worden. Zum Präsidenten des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk ist der Oberbürgermeister Mühlenz aus Hamborn er­nannt worden. Auf Vorschlag des Oder Präsidenten Hörsing ist der unabhängige Reichstagsabgeordnete Raute zum Landrat von Bitierseld und der unabhängige Redakteur Kasparek-Halle zum Landrat von Sänger- hausen ernannt worden. Die Ernennungen erfolgten gemäß den Anträgen der Kreistage.

Ein Zusammenschluß im deutschen Röhrenhandel. Es find seitens der Röhren-Großhändler Bestrebungen im Gange, um einen ganz Deutschland umfassenden Verband zu gründen, mit dem besonderen Zweck, gegen etwaige behördliche Eingriffe in die Preispolitik Front zu machen. Es wird schon in der nächsten Zeit an jeden Röhrengroßhändler dir Aufforderung zum Bei­tritt ergehen.

Abstimmung in Ostpreußen am 11. Juli. Die Abstimmung in Ostpreußen findet, wie verlautet, am 11. Juli statt. Wer nicht in den Abstimmungs-Son- derzügen Hinreist, braucht einen Paß. Die F eifahrt- scheine für die Fahrt ins Abstimmungsgebiet Ost- und

Westpreußen, bie vom Deutschen Schutzbund für die gegen .grßnixd^JB^^J^ty^

Grenz- und Auslu»LLdeu^cn a»sgege-^^Mr-W^ wollen, nach einer. Meldung derChikago Tribune",

haben vorn 21. Tag vor der Abstimmung ab für die Hinfahrt bis zum 21. Tags nach der Abstimmung für die Rückfahrt Gültigkeit.

Berlin, 20. Mai. (Rückführung deutscher Schiffe aus Mittelamerika.) Am vorigen Sonnabend ist von der deutschen Kommission in London das Ab­kommen über die deutschen Segelschiffe in den mitteb amertkanHäfen unterzeichnet worden. Die Zurückführung der Schiffe aus Mittelamerika nach Europa geschieht unter deutscher Flagge und mit deutschen Matrosen. Hierauf erfolgt die Ablieferung an den Verband nach Maßgabe der Bestimmungen des Friedensvertrages, wonach bekanntlich alle Schiffe über 1600 Tonnen restlos, von den andern Schiffen die Hälfte abgegeben werden müssen.

'Swinemhnde, 20. Mai. (Die ersten Gefangenen aus Rußland heimgekehrt.) Die Reichszentralstelle für Kriegs- und Z vilgefangene teilt mit, der erste Heim kehrertransport mit 400 reichsdeutschen unk 250 österreichisch ungarischen Kriegs und Z vilgefangenen aus Sowjetrußland ist am Sonntag mittag über Narwa wohlbehalten in Swinemünde eingetroffen.

Wiesbaden, 19. Mai. Schieberprotest. (Das Loch im Westen soll offen bleiben 1) Die Vereinigung der im Rheinland anfälligen französischen und belgischen Kaufleute und Industriellen protestiert in öffentlichen Anschlägen im besetzten Gebiet gegen die Gesetze und Verordnungen der Reichsregterurg, durch die das Loch im Westen verstopft wurde. Sle verlangt die Auf­hebung dieser Gesetze und Verordnungen, andernfalls würde sie die Regierung bitten, dafür zu sorgen, daß Art. 270 des Fiiedensvertrages angewandt wird, der erlaubt, in den Rheinlanden einen besonderen Zolltarif einzuführen. Der Protest beweg: sich in scharfen Aus­drücken gegen die deutsche Regierung.

Parts, 20. Mai. (Eine Hauptforderung der deutschen Regierung.)Chicago Tribune" schreibt: Die deutsche Regierung wird in Spaa die Räumung der Brückenköpfe am Rhein durch die Besatzungstruppen des Verbandes fo.dern. Deutschland beruft sich darauf, daß die Unterhaltung dieser Truppen jährlich 3 Milli­arden Mark koste, welche man besser zur Bezahlung der Entschädigung verwenden könute. Da diese Be­setzung 15 Jahre fortdauern sollte, werde sie 45 Mil­liarden Mark verschlingen.

Rotterdam, 20. Mai. DieTimes" melden aus Paris: Der deutsche Geschäftsträger überreichte dem Rat der Verbündeten eine Nore seiner Regierung, die gegen die fortgesetzte Erhöhung der Stärke der Besatzungsarmee des Verbandes im linksrheinischen Deutschland Einspruch erhebt, da Deutschland diese Belastung finanziell nicht ertragen könne.

- Ausland.

Zweitausend Tonnen Kriegsgeschichte. Dem Weekly Dispatsch" zufolge hat die englische Regierung ein großes Haus in Jslebourg gemietet, um dort die amtlichen Berichte aufzubewahren, die im Kriege von den verschiedensten Kriegsschauplätzen eingelaufen find, auf denen englische Truppen gekämpft haben. Die Gesamtmenge dieses Papiers hat ein Gewicht von 2000 Tonnen, und man kann daraus schließen, welch unerhörte Aufgaben die GefchichtSschreiber vor sich haben, die mit diesem unendlichen Material abeiten müssen.

Der irische Aufruhr. Ueber Zwtschenfälle, die sich in der Nacht zum vorigen Sonntag in London- derry (Irland) ereignet haben, meldet das englische Blatt Globe: Vier Stunden lang wurde in den Straßen gekämpft, wobei ein Wachtmeister getötet und ein anderer verwundet wurde. Die Untontsten und die Sinnfeiner haben zwei Gaffen der Stadt besetzt und sich gegenseitig beschossen, da sich die Polizei zurückgezogen hatte. Kurz nach Mitternacht erschien die Polizei wieder auf dem Schauplatz und verhaftete alle waffentragenden Personen. Am Abend begannen von neuem Unruhen. Ein ehemaliger Soldat wurde getötet, mehrere Personen verletzt. Die Polizei mußte sich aus dem gefährlichen Gebiet zurückziehen. Montag wiederholten sich die Zusammenstöße in Loodonderrp. Polizei und Soldaten verhinderten ernste Ereigniffe.

Oesterreich. Die Wiener Sektion der Wteder- gutmachungSkommission beabsichtigt, die österreichischen Bahnen unter Ententekontrolle zu stellen, um die

Anarchie in den Bahnbetrieben zu beseitigen.

Paris, 20. Mai. (Belgien, Serbien und Rumänien

Einspruch erheben, daß Frankreich bet der Bezahlung der Entschädigungssumme durch Deutschland den Vor- rang erhalte. Diesen drei Staaten wurde tatsächlich während des Krieges von den Alliierten versprochen, daß die Wiedergutmachung der von ihnen erlittenen Schäden zuerst erfolgen solle. Gegen jede Bevorzugung Frankreichs wollen Serbien nnd Belgien formell Protest an die Friedenskonferenz richten.

Newvork, 19. Mai. (Amerikanischer Protest gegen die schwarze Schmach.) Die Zeitungen schildern ausführlich die Skandale, die durch die farbigen Truppen im besetzten Gebiet hervorgerufen find. Die Deutsch­amerikaner sind empört. Es ist zu mächtigen Protesten gekommen.

Die Markwährung soll in Tirol eingeführt werden. Der Landeshauptmann Schraffl ist, wie aus Innsbruck gemeldet wird, der Ansicht, Voraussetzung für Tcrol zur Beschaffung von Rohstoffen, landwirt- schastluhm Maschinen usw, bezw. zur Einfuhr der genannten Artikel zu günstigen Bedingungen direkt aus Deutschland, sei der Uebergang Tirols zur Mark­währung via facti, der bet entsprechendem Entgegen­kommen Deutscheands ohne weiteres möglich sei. Schließlich erklärte der Landeshauptmann, daß die Bauern die Rettung des Landes vor einer Katastrophe nur vom wirtschaftlichen Anschluß an Deutschland erwarten.

Musstsche Offensive gegen Uolen. Polnische Niederlage au der Düna

Stockholm, 19. Mai.

Ein Moskauer Funk p.uch meldet aus Witebsk: Die rote Armee hat bei Polozk die Düna überschritten. Die polnischen Banden ziehen sich zurück. Die Be­völkerung begrüßte die Rote Armee, die sie vom Joche der polnischen Magnaten befreit, freudig.

Die Polen melden von der Düna, daß die Roten fünf Millionen (!) zusammengezogen hätten uud an- gretftn. Bet Kiew seien die Ruffen zurückgeschlagen worden.

Wie zu erwarten war, kommen aus der Ukcatne bereits Meldungen über Greueltaten polnischen Militärs gegen ukrainische Volksteile.

Eine amerikanische Handelsdelegation nach Sowjet­rußland wird in einem Moskauer Funkspruch angekündigt.

Die Delegierten aus Sowjetrußland in London besuchten am Montag das britische Ministerium des Aeützern und nahmen an einer Konferenz in dem Bureau des Obersten Rates teil. Sie versprachen, sich auf keinerlei Interviews einzulaffen und keine politische Propaganda in irgendeiner Form zu treiben.Daily Mall" erfährt, die britische Regierung habe denjenigen englischen Geschäftsleuten Jnteressenschutz zugesagt, die Verhandlungen mit den Ruffen einleiten wollen.