ÄrMM tör die amtlichen Bekanntmachungen im Kreise 8chlüchtern.
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Lchlüchterner FreiMatt
toteste StitKMg im Kreise; gegründet im Jahre 1849.
M 59. Dsnnerrtag, den 20. Mai 1920. 73. Jahrgang
Aus Stadt und Kreis.
SchlÄchtern, Lm 19. Mai 1920.
— * Versammlungsberichte v. Eingesandts, die mehr als dreißig Zeilen Raum einnehmen, können in Zukunft keine Aufnahme mehr finden. Die Schriftlritung.
—* Von deutschnationaler Seile wird uns geschrieben: Der Versammlungsbericht der demokratischen Partei in Nr. 58 der „Schl. Zig." nötigt unü za einer Antwort. Wir verzichten dabei hier auf eine eingehende sachliche Auseinandersetzung, die auf die „unentwegten" Demokraten keinen Eindruck machen, für Leute ohne polnische Scheuklappen aber überflüssig sein dürste. Wir werden in eigenen Versammlungen Gelegenheit haben, unseren sachlichen Standpunkt zu wahren. Nur die Behandlung des deutschnationalen Sprechers in der Versammlung und die Berichterstattung darüber sei kurz beleuchtet. Herr Amtsgerichts:«! Hengsberger soll gesagt haben, wir hätten die demo- krattschste Monarchie der Welt gehabt, und das alte Preußen gelte ihm als Ideal. BeideS ist so hingesteüt, nicht wahr. Eme ehrliche, auch dem politisch, n Gegner gerecht werdende Berichterstattung muß sich davor Huten, von bim Gesagten das Wesentliche wcgzuiassen und damit zu falscher Deutung — absichtlich oder unabsichtlich, bleibe dahin gestellt — den Weg zu bahnen. Herr Hengsberger sprach im Gegensatze zu der bekannten Darstellung der Linksparteien cavon, daß die Revolution mit ihren furchtbaren Folgen nicht notwendig gewesen, und begründete dies u. a. auch bama, daß wir die demokratischste Monarchie der Weit bereits gehabt hätten.—SlS die RvolUvon kam. Und dies ist eine Talsache, die eine schuldbewußt? Demagogie.....gerne verschweigt oder da wo sie in unbequemer Weise vorgebracht wird, lurch das Gerächter einer gut geölten Claque tot zu machen versucht. Jedem Einsichtigen mußte klar sein, daß Herr Hengsberger nicht von der aUen Monarchie sprach, wie er es durch den drastischen Vergleich mit der Monarchie Friedrichs des Großen auch harmlosen Gemütern nahe zu bringen versuchte, sondern daß er nur von der durch die Revolution abgelösten Monarchie sprach, in welcher Prinz Mcx und seine Rachsolger Reichskanzler, die Monarchie aber kaum noch ein Schatten war. Der Berichterstatter mußte zur Steuer der Wahrheit auch «kennen lassen, daß die Bemerkung über das alt« Preußen lediglich in einer Anrwort auf ein Zwischenruf erfolgte und den Inhalt hatte, daß die Verhältnisse in dem alten Preußen mit den Jungen verglichen viele fach den Vorzug verdienten. Das ist auch zweifellos richtig und das gemeinsame Empfinden weitester Kreise, die nicht seit Jahr und Tag mit zielbewußter Absicht
FeindLietz« Brüder.
Roman von Josl Freiherrn von Steinach. 27 (Fortsetzung.)
7. Kapitel.
Schon vom frühen Morgen an herrschte in den weiten Fabrikräumen der Union ein reges Treiben. Das Riesengeschäst war in vollster TärizUit. Das gab ein ohrmbetaudeudes Surren und Sausen der Schwungräder, ein hastendes Hämmern und Feilen, ein ewiges Kommen uno Gehen. Ingenieure und Arbeiter, Aufseher und Laufburschen, Fabrikmädchen mit dunklen, die Gestalt einhüllenden Arbeitsschürzen, kurz ein vollendetes Bild der unermüdlichen Kulturwerte wie materielle Werte schaffenden Arbeit. Die Büroräumlich- leiten boten dagegen einen bedeutend ruhigeren Anblick. Hier waren es fast nur die emsig über das Papier huschenden Federn, die ein Geräusch, und zwar ein schr eintöniges hervorbrachten. Besonders nach der Gegend zu, wo das Zimmer des Chefs lag, wurde es Aller und stiller. Denn dem provisorischen Leiter, dem zweitältesten Sohne des Verstorbenen, der vom Nachlaßgericht mit der Führung der Geschäfte bis zur endgültigen Auseinandersetzung der Erben benaut war, dcm sagte man nichts Gutes nach. Er hatte als eine seiner ersten Amtshandlungen einem seit zwanzig Jahren in der Fabrik tätigen Arbeiter, der unentschuldigt gesthlt hatte, kurzerhand seine Kündigung gegeben. Selbstverständlich hatte diese rigorose Handlungsweise unter der gesamten Arbeiterschaft böses Blut gemacht, was aber den neuen Chef wenig zu inkommodieren schien. Er wollte vor allen Dingen, daß man vor ^m den größtmöglichsten Respekt bekunden sollte, und das altrömische Cäsarwort: „Mögen sie mich Hessen,
dazu gewillt sind, unter allen Umständen und ohne Wahl Alles - schlecht zu finden, was von dem alten Preußen herstammt ober daran erinnert. Die Demokratie und ihre Vertreter sollen sich nicht darüber täuschen, daß das Bürgertum und in zunehmendem Maße auch die Arbeiterschaft einsieht, daß sie von der Demokratie auf falsche Wege geführt worden find. Wenn der radikale Herr Ruck auffordern konnte, daß die gesamte Demokratie doch emfach in der soztaldemo- kratischen Partei auf- oder umergehen möchte, so spricht dies allein für sich. Das besonnene Bürgertum lehnt solche Experimente ab und zieht sich von den demokra- Uschen Zw.llmgtzparteien mehr und mehr zurück Der lächelnden Zuversicht des Herrn Dr Cohnstä t gegenüber sei lediglich auf die Wahlergebnisse aller Orten verwiesen, nicht zuletzt auf die neuesten in Sttelitz, Braunschweig und Danzig Ueberall das gleiche Bild der Flucht aus den Mehrheitsvarleien, insbesondere der bürgerlichen und sozialistischen Demokratie, die sich je nach Tempe- rement und Erziehung in der Abwanderung zu den linksra- dikalen oder den RrchtSparreien rockzieht. Erfreulich sind dabei insbesondere die Danziger Wahlen, die der deutschuationalen Partei 34 Sitze erbrachten und sie damit zur stärksten Partei anwachsen ließen- während die demokratische Partei zwei drittel ihrer Sitze verlor und auf 10 Sitze beschränkt wurde. Der 6. Juni 1920 wird den Demokratteen aller Färbungen die ver- blerte Quittung geben.
—* Die von der U. S. P. D. am vergangenen Montag ein berufene öffentl. Versammlung war stark besucht. Die ungesagte Referenten Toni Sender-Frankfurt «. M. war wegen Krankheit nicht erschienen. An ihrer Stelle sprach Uhrig Be^si>übor die „DieStellu:^ nähme zu den bevorstehenden Rs-tchstagswahlen^ Seine Ausführungen, die sich in der Hauptsache gegen den Kapitalismus und den „Eroberungskrieg" 191418 richteten, wurden von der Versammlung mit großem Beifall ausgenommen. — In der Diskussion sprach Parteisekretär Kunde von der S. P. D. Er verwarf die Diktatur des P:olerariats, die Vorredner verherrlicht hatte. — In seinem Schlußwort verlangte der Hauptredner gleiche Gerichtbar kett für die revolutionären wie für die konterrevolutionären Elemente. Mit der Aufforderung am 6. Jum die Liste der U. S. P. D. zu wählen ward die Masse entlassen.
—* Ein Leser unseres Blattes schreibt: Am Eingang unfires Friedhofes ist auf einer Tafel zu lesen: Jede Beschädigung ober Verunreinigung der Gräber, Denkmäler und Anlagen, das Abpflücken von Blumen, Zweigen usw., sowie das Betreten der Grabstellen ist verboten, Kinder dürfen -ohne Begleitung Erwachsener den Friedhof nicht besuchen. Hunde müssen an der Leine geführt werden. Uedertretungen werden bestraft."
wenn sie mich nur fürchten," schien er sich zur Devise gewählt zu haben.
Uud tatsächlich hatte er es auch binnen kurzem erreicht, daß sie sämtlich in beständiger Furcht lebten, plötzlich ihr Brot zu verlieren und samt ihren Frauen und Kindern auf die Straße gefegt zu werden; die Folge bestand darin, deß sie kaum den Bl ck von der Arbeit aufhoben, und zwar mürrisch, aber beständig und anhaltend ihrer Pflicht nachkamen.
\ Doch dafür gärte es in ihrem Innern recht bedenklich, und sie warteten nur auf den Moment, wo ffie für die Behandlung ihres Kameraden und die beständige Änzst, in der sie schwebten, Vergeltung üben könnten. Vorläufig aber duckten sie sich unter das widerwillig getragene Joch.
Was sollten sie auch anfangen? Hanz Freiherr von Rcnzenberg war jetzt ihr Brotgeber, denn daß der provisorische Zustand sich über kurz ober lang in einem dauernden verwandeln müsse, daran war nicht zu zweifeln. Und hätte der junge Chef sein Amt noch so wie früher verwaltet, als der Vater noch lebte, und er sich fast niemals tm Kontor sehen ließ! Aber jetzt war ja mit ihm eine Verwandlung vor sich gegangen, er war ja nicht wieder zu erkennen. Er kam beständig ohne Unterbrechung, seinen Verpflichtungen nach, saß oft viele Stunden über seine Arbeit gebückt, mit einem Wort, er bewies einen eisernen Fleiß und verlangte dementsprcchend auch von seinen Angestellten das gleiche.
Plötzlich wurde er durch ein Klopfen an der Tür gestört, und gleich darauf streckte Bruder Edgar seinen pomadisierten Scheitel durch den Türspalt und fragte lachend: „Ist vielleicht der Herr Direktor für ein paar Minuten zu sprechen?"
Leider finden diese Sätze gar keine Beachtung mehr- Die Klagen über Diebstähle von Blumen und Pflanzen mehren sich von Tag zu Tag. Kinder treiben sich auf dem Friedhof herum und entwenden, wie in letzter Zeit beobachtet werden konnte, blühenden Flieder und Blumen ton den Gräbern, Hunde werden mitgebracht ohne an der Leine geführt zu werden. Auf den frisch hergestellten Wegen verrichten Kinder sowohl als Erwachsene ihre Notdurft. Hat man denn gar kein Empfinden mehr für die Bedeutung eines christlichen Fried- Hofes und die letzte Ruhestätte der Entschlafenen! So kann und darf es nicht weiter gehen! Die Grabpflege läßt viel zu wünschen übrig. Betrübend ist der Anblick mancher Grabstellen, auf denen Dornen und Disteln wachsen.
—* Schlüchtern-Turnhalle. Am Sonntag und Montag stehen uns interessante Vorstellung der Liliputaner Gesellschaft Scheuer bevor. Eintrittskarten sind ob heute in der Buchhandlung Lotz zu haben. Wir lesen über die Gesellschaft, welche vom Schumann The- eter Frankfurt nach Hanau ging, im Hanauer Anzeiger: Vom Gastspiel der Zwerge. Am Mittwoch wohnten wir einem Lustspiel- und Operettenabend von Scheuers L lipotanergesellschaft bei, einer heiteren und intelligenten Spielergruppe von Miniaturmenschen, wie man sie in dieser treff-mben Zusammengehörigkeit wohl selten findet. Mit viel Geschick, zierlicher Anmut, natü lichem Humor und maßvoller Derbheit wurden Reflationen, Gesangs-, Xylophon- und humoristische Vorträge, sowie moderne Tänze usw. vorgeführt, und es war eine eigenartige Freude, diese gewandten, oft wie lebende Marionetten anmutenden Persischen sich auf der Bühne bewegen -zu. sehen. -Was die Linzelleistungen angeht, so zeigte sich Frl. Marrha als temperamentvolle Rezttatoru«, Herr Rolle, in seiner stattliche „Größe" von — 83 Zentimetern stellte sich als Lyophonvirtuose vor, als elegantes Tänzerpaar die Geschwister Berndt, Herr Zapf als Komiker mit urwüchsigem Humor, Frl. Mop- bach als Gedächtniskünstlerin, „Herr" Baden als Lumpenmaler, die Damen Willmanns und Gertrud als Sängerinnen mit hellen, einschmeichelnden Stimmen und das gesamte Personal zum Schluß in dem erheiternd wirkenden Schwank „Eine tolle Sache". — Alles in allem: Wir haben den Lliputanern einige angenehme Stunden zu verdanken.
Hk. Auf die Anmeldung der Auslandsforderungen bis 1. Juni wird nochmals nachdrücklich htugewtesen, zumal Unterlassung hohe Strafen und andere Nachteile zur Folge hat. Anmeldescheine und nähere Auskunft durch die Geschäftsstelle Hanau der Vereinigten Handelskammern Frankfurt—Hanau.
Hk. Anmeldung von Verträgen und Urkunden oc. über Rechte und I-tecessen tm Gebiete der bisher
„Unterlaß doch die unpassenden Scherze, Edgar," entgegnete Hans ärgerlich, „und tritt näher! Das sage ich Dir aber gleich, viel Zeit habe ich für Dich nicht übrig."
„Ist auch nicht nötig, Brüderchen," rief lachend der Leutnant, der die Tür geschlossen hatte und sich nun höchst bequem in ein Lederkanapee fallen ließ. „Ach, wenn nür dieses verdammte Hundeleben ein Ende hätte!“
„Was meinst Du damit?"
„Jr, denkst Du etwa," seufzte der andere, ohne sich zu rühren, „daß es mir Spcß macht, immer wie ein ausgesprochener Bettelb ruder herumzulaufen? Oder verlangst Du, ich soll in meinem Nest bleiben und dort versauern? Nein, mein Freund, an der Quelle sitzt der Knabe, und das ist eben hier in der Hauptstadt! Das Regiment laß ich mir ja gefallen, denn, zum Teufel, die Uniform ist wirklich famos und macht auf alle Mädchenherzen E.ndruck, aber das ist auch alles. Na, und da muß man eben^ wenn man kein Kaffer ist, sich alle zwei Tage auf die Eisenbahn setzen und nach dem Dorado aller Freuden und Lebensgenüsse hin- übergondeln. Na, und daß das klotzigen Draht kostet -"
„Ach so," unterbrach ihn Hans, „Du willst mich wieder anpumpen!"
„Du hast wirklich einen guten Riecher, aber fahre um Himmelswillen nicht auf, das fällt mir auf die Nerven, ich denke doch, daß wir bald unser Erbteil ausgezahlt'erhalten, und da muß ich Dir doch vorläufig für jede Summe sicher sein."
(Fortsetzung Wj