Einzelbild herunterladen
 

ÄnzfiM für die amtlichen Bekanntmachungen im Kreise Schlächtern.

SWWr«M LmMM

Aeltrfte Zettung i« Kreise; gegründet im Jahre 1849.

Bezugspreis frei Haus, vorauSzahlbar viertelj. 3,50 Mk>, (durch die Post ohne Bestell­geld). Erscheint DienStagS, Donnerstags und Samstags. Druck und Verlag C. Hohmeister, verantwort!. H. C. Hohmeister, Schlüchtern. Fern­ruf 65. Erfüllung sort für den gesamten Ge­schäftsverkehr mit der Firma Schlüchtern.

Anzeigen: fL Zeile oder deren Raum 60 Pfg., Reklamezeile 2, Mk. Bei Betriebs­störungen kein Schadenersatz oder Minder» gebühr einschließlich BezugS. Keine Gewähr für Platz, Aufnahme-Zeit und Beleglieferung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischenkosten. Zahlkarte Frankfurt a. Main Nummer 11402.

M 58.

Dienstag, den 18. Mai 1920.

73. Jahrgang

Aus Stadt und Kreis.

Schlüchter«, den 17. Mai 1920.

* Der Elternbeirat der siädt. Lateinschule, be­stehend aus den Herren Momsen, Merse, Jakob Rosen- baum, Willi Rollmann und D. Goldschnudt, trat am Sonntag abend zu einer ordentlichen und außerordent­lichen Sitzung zusammen.

* Die offizielle Gewinnliste der Frankfurter Pferde-Verlosung des Frankfurter Landwirtschaftlichen Vereins, e. V, zu Frankfurt a. M. gezogen zu Frankfurt a. M. im Saaldan am 12. Mai 192o öffentlich vor Notar und Zeugen, liegt von heute ab in der Geschäftsstelle unseres Blattes zu jedermanns Einsicht auf. Nachstehende bei uns in Empfang genommene Lose sind mit einem Gewinn gekrönt: Uos-Nr. 61614 Gew.-Nr. 149, Los Nr. 1770 Gew.- Nr. 946, Los-Nr. 61622 G.w.-Nr. 1164. Die Ge­winne werden nur gegen Aushändigung der betreffenden Lose werktägig von 912 und 3-5 Uhr, Samstags von 92 Uhr, von der Geschäftsstelle des Frankfurter Landwirtschaftlichen Vereins in Frankfurt a. M-, Onendstr. 30, verabfolgt bezw. auf Rechnung und Ge­fahr der Gewinner in Aufbewahrung genommen. Lebende Tiere muffen bis zum 20. Mai 1920 über­nommen sein, andernfalls werden sie für Rechnung der Gewinner versteigert und der Erlös für den Gewinner aufbewahrt. Die Gewinner wollen sich wegen Uebersendung der Gewinne an Herrn Sekretär Kappel in Frankfurt a. M., Ostendstr. 30, wenden, durch welchen die Gewinne für Rechnung und Gefahr der Empfänger gegen Nachnahme der Kosten für Verpackung Porto usw. übersandt werden. Alle Gewinne, estlscht. der e^üS ]üt versteigerte ^iere, welche bis zum 13. Juli 1920 nicht erhoben sind, fallen Vereins- zwecken anheim.

* Polizeibeamtenorganisation lnderProvinzHessm- Nassau. Am 8. Maid. Js. fand in Fechenheim a. M. der Provinzialtag der kommunalen Polizibeamten der Provinz tzcffen-Naffau stat", der von zahlreichen Vertretern besucht war. Auch waren Vertreter der Organisationen der staatlichen Polizetwachtmcister von Caffel, Wiesbaden, Frarksurt a. M. und Hanau anwesend. Der Provin­ztaltag sollte die Entscheidung über die Auflösung des Verbandes und die Gründung von Bezirksvereinen entsprechend der dienstlichen Gliederung des Staates, sowie den Zusammenschluß der staatlichen und kommu­nalen Poiizcldeamten der Provinz Heffen Nassau bringen, soweit sie dem Preußenverbande angehören. Das Ergebnis der Tagung war die einmütige Billigung der am 8. Mai gepflogenen Vorverbandsverhandlungen; die allerseits für dringend notwendig erkannte Gruppie­rung konnte daher nach kurzer Aussprache erfolgen.

FeindUche Brüder.

Roman von Jost Freiherr» von Steinach. 26

(Fortsetzung.)

Ich will mein Versprechen auch sofort einlösen. Ich muß Sie allerdings darauf vorbereiten," fuhr sie lächelnd fort,daß Sie drüben außer meiner Tochter noch jemand begegnen werden, den Sie hier nicht vermuten. Ob Ihnen dieses unverhoffte Zusammen­treffen angenehm sein wird, das ist allerdings eine andere Frage, die ich nicht zu entscheiden wage."

Der junge Offizier bückte sie fragend an.

Sie machen mich in der Tat neugierig, gnädige Frau. Aber in der Nähe Ihrer Fräulein Tochter ? Mein Gott, wem es gestattet ist, in einem solchen Kreise wie der Ihrige zu verweilen, gegen den wird man schwerlich etwas Triftiges etnwenden können. Alfo los zur Attacke, ich bin bereit, gnädige Frau!"

Gut, also en avant!

Doch kaum hatte Edgar das andere Zimmer betreten und den glächteten Bruder darin bemerkt, als er wie an gewurzelt stehen blieb und mit eisigem ^tone zu der Dame des Hauses sagte:Gnädige Frau, das ist das Einzige, worauf ich nicht vorbereitet war, und ich muß es mir zu meinem Leidwesen versagen, länger in diesem Raume zu verweilen."

Hochaufgerichtet stand ihm der B.uder gegenüber, während seine Wangen sich mit fahler Blaffe bedeckten.

Enttäuscht suchte die alte Dame eine Brücke zur Verständigung, und so erwiderte sie: ,,Herr Leutnant, wenn Ihr Widerstand gegen eine Aussöhnung zwischen Brüdern wirklich unüberwindlich ist, so werden Sie hoch wenigsten Ihre Ungeduld so weit bezähmen

Damit ist auch in der Provinz Heffen-Nassau der enge Zusamenschluß der im Preußenverbande organi­sierten staatlichen und kommunalen Polizeibeamten zur Tat geworden. Zum Vorsitzenden des Bezirksvereins Gaffel wurde der Vorsitzende der Ortsgruppe Caffel, des Verbandes der PoUzetbeamten Preußens, Polizei- wachtmeister Seebode gewählt. Der Bezirksverein sieht seine Hauptaufgabe zunächst in der restlosen Erfassung und Einführung aller im Regierungsbezirk vorhandenen PoUzetbeamten in die Organisation, da nur durch diese eine erfolgversprechende Vertretung ihrer Standes- und Wirtschaftsintereffen möglich ist, die noch bei manchen Verwaltungen, besonders auf dem Lande, sehr im Argen liegt. Die roch nicht organisierten Poltzeibe­amten der Stadt- und Landgemeinden des Regierungs- bczirks Caffel werden hierdurch ausgerufen, zum Anschluß an ihre Berufsorganisation. Zuschriften sind an den Vorsitzenden zu richten.

* Kündigung des Fernsprechanschluffes bis zum 15. Juni. Fernsprechteilnehmer, welche die bekannte neue Gebührenlast nicht tragen wollen oder können, müssen ihren Anschluß bis zum 1. ^lU 1920 so kün­digen, daß die Kündigung spätestens am 15. Juni im Besitz des zuständigen Fernsprechamtes ist. Der Ueber- gang zu einembilligeren" Gebührentarif (Zähl­apparat usw) ist erst vom 1. Oktober ab zulässig. Die Zahlung des Tausendmark Zwangsbeitrages wird am 1. Oktober fällig.

* Steinau. Zwei ausmittigen Hamsterern wurden auf dem hiesigen Bahnhof 63 Pfo. Kalbfleisch abge- nommen.

* Salmünster Soden. Das städtische Sol- und Sprudelbbad Salmünster-Soden hat den Kur- und Badevecriev erv»ner. Wir meliert hierin» empsegumo auf das speziell für Herzkranke bestens bekannte, reizvoll und ruhig gelegene Bad hin. Das Kurhaus selbst ist einem neuen Pächter übertragen worden, der für gute Speisen und Getränke bestens Sorge tragen wird.

W e r i ch t

über die öffentliche Bersarumluug der Demokratischen Partei

am Dienstag, den 11. Mai, abends 8'/, Uhr in der Turnhalle.

Ein Demokrat schreibt uns:

Vor überfülltem Saale eröffnete der Vorsitzende der Demokratischen Partei, Herr Seminar Oberlehrer Walther, die Versammlung und teilte zu seinem Be- dauern mit, daß der angekündigte Redner Herr Reichs- minister a. D. Preuß durch Krankheit verhindert sei, und daß an dessen Stelle Herr Dr. Cohnstädt, Mit­glied des Haupt-Vorstandes der Demokratischen Partei

können, daß ich Gelegenheit finde, mein Versprechen einzulösen. Hier liebe Hilde, stelle ich Dir Herrn Leutnant Edgar Freiherr von Ranzenberg vor."

Der sich glücklich schätzt, die Bekanntschaft des gnädigen Fräuleins zu machen!" fitz e dieser ihre Rede fort.Es tut mir herzlich leid, dem gnädigen Fräulein gerade in einer so sonderbaren Situation bei unserem ersten Zusammentreffen entgegentreten zu müssen. Aber ich habe diese Situation nicht gesucht, noch herbei geführt. Schelten Sie mich nicht halsstarrig, noch nachtragend, da ich beides nicht bin."

Das junge Mädchen ließ sich nicht so leicht ab- schreck, n. Auch ihr schien es in diesem Augenblick unfaßbar, wie zwei so stattliche Männer, die eines Blutes waren, in solcher Fehde leben konnten.

Ihr Herr Bruder bietet Ihnen die Hand zur Versöhnung! ' sagte sie. , . o ,

So leid es mir tut," entgegnete der Leutnant, aber ich kann sie nicht annehmen."

Ja, was ist denn so schreckliches zwischen Ihnen vorgefallen?" platzte die Frau Oberst heraus, um im nächsten Moment natürlich hinzuzufügen:Selbstver­ständlich beabsichtige ich nicht, in Ihre Geheimnisse zu

,Roch würde ich in der Lage sein, sie Ihnen ent­hüllen zu können," entgegnete der Offizier kühl.

Hier mischte sich endlich auch der Umstrittene ins Wort. Hocherregt rief er:Ich bitte sie dringend, gnädiges Fräulein, mit Ihren an sich ia sehr löblichen Versöhnungsversuchen ein Ende zu machen. Auch ich wäre nickt mehr in der Lage, auf eine Aussöhnung mit jener Familie einzugehen. Zwischen uns besteht ein Abgrund, der sich in diesem Leben nicht mehr ausfüllen läßt ; zwischen unsern Gedanken und

Frankfurt a. M. gekommen sei. Darauf ergriff der Hauptredner des Abends das Wort.

Er teilte mit, daß er nicht über die Parteien sprechen wolle. Das eine müsse er jedoch sagen, daß es überhebend und beleidigend für die andere« Parteien sei, daß sich eine einzelne ParteiDeutschnational" be­zeichne, als ob die anderen Parteien nicht deutsch und nicht national seien, und als ob nicht auch bet anderen Parteien deutsche und nationale Gedanken und Be­strebungen zu fördern ein Hauptziel sei. Ein konser­vativer Mann, Paul äs Lagarde, habe einst gesagt: Ich werde nicht müde werden zu predigen, daß wir entweder vor einer ganz neuen Zeit oder vor dem Untergang unseres Volkes stehen". Man muß die Zeit begreifen. Nicht die Revolution, sondern der Krieg brächte den Zusammenbruch. Wir sind noch immer mit dem Schuttaufräumen und Neuaufbau beschäftigt, beim Bauen eines neuen Hauses sieht es an der Bau­stelle aber nicht schön aus, da fliegt immer Schmutz und Staub herum, den man schlucken muß. So ist es zu erklären, daß wir keineswegs nur Erfreuliches beim Aufräumen und Aufbauen erlebt haben. An der Ver- faffung hat die Deutsche Demokratische Partei, und insbesondere der für den Abend ungesagt gewesene Minister Preuß, hervorragenden Anteil. Ein sozial- demokratisches Blatt greife gerade heute die Demokratie an, daß sie die sozialistische Verfassung verhindert habe. Darauf sind wir stolz! Zwei wesentliche Punkte hat die Demokratische Partei erreicht, die in die Verfassung ausgenommen worden sind:Das Eigentum ist unver­letzlich", und daneben steht,Eigentum verpflichtet". Die Versaffung habe die Bahn frei gemacht für die deutsche Eindett und bn nnr nil-m Twiirtilortb 11 nr der Zersplitterung bewahrt. Die Arbeit MM^Weiter gediehen, wenn die Koalttionsregierung nicht dauernd von rechts und von links angegriffen worden wäre und da dadurch die Hände nicht frei bekam. Die Zwangs­wirtschaft läßt sich nicht mit einem Schlage beseitigen. Die Demokratische Partei will an die Stelle derZwangs- wirtschaft die Sclbstorganisatton, d. h. freie Verein­barungen zwischen der Erzeuger Organisation und der Verbraucher-Organisation setzen. Der Mittelstand darf nicht erdrückt werden. Wir können den Mittelstand, Handwerker, Kaufmann und Landwirt nicht entbehren. Steuern müssen bewilligt werden. Daß wir ungewöhn­lich hohe Beträge an Steuern zahlen müssen, das ver­danken wir nicht der jetz gen Regierung, sondern denen, die uns in den Krieg geführt und während des Kriege» nichts getan haben, um die Kriegsgewinne zu erfaffen. Um den Tüchtigen, freie Bahn zu geben, müssen wir zum Gebrauch der Freiheit erziehen, dann können wir aus dem Staate des Zwanges und der Obrigkeit einen Volksstaat mache». Von den drei Parteien der Koalt-

Empfindungen, zwischen unserer ganzen Lebensauffassung ist ein prinzipieller Unterschied, den keine Macht der Erde ausgleichen kann."

Der gleichen Meinung bin ich auch!" sagte der Leutnant mit hochmütigem, beinahe wegwerfenden Tone, besonders was die Begriffe Recht und Unrecht anbe- trifft, sind wir Ranzenbergs und jener Namensvetter immer verschiedener Ansicht gewesen."

Otto machte eine Gebärde, als wollte er sich auf den Bruder stürzen, während Frau von der Traun in höchster Angst fragte:Was wollen Sie damit sagen ?"

Es tut mir herzlich leid, Ihnen darauf nichts erwidern zu können. Aber fragen Sie jenen Herrn darüber; vielleicht ist er gewillt, Ihnen etwas Näheres mnzuteiien betreffs des grünen Diamanten!"

Und sich tief vor den Damen verbeugend und im übrigen den Bruder keines Blickes würdigend, verließ er sporenklirrend das Zimmer.

Bube!" zischte der Künstler zwischen den Zähnen. Doch als er die Blicke der beiden Damen befremdet auf sich ruhen sah, stieß er mit bitterem Lächeln her­vor:Ich sehe, auch bei Ihnen hat dies geschickt in die Debatte geschleuderte Wort seine Wirkung verfehlt. Ich mache Ihnen keinen Vorwurf aus dieser echt menschlichen Schwäche, noch will ich einen Versuch machen, mich vor Ihnen zu rechtfertigen. Ich sehe der Zukunft getrost ins Auge; wenn es hier eine Gerechtig­keit auf Erden gibt, so werde ich glänzend gerechtfertigt vor Ihnen stehen. Bis dahin leben sie wohl meine Damen!"

(Fortsetzung folgt.)