Einzelbild herunterladen
 

AsM'M für Öse amtlichen Bekanntmachungen im Kreise Schlüchtern.

Bezugspreis frei Haus, voranSzahlbar viertelj. 3,50 Mk., (durch die Post ohne Bestell­geld). Erscheint Dienstags, Donnerstags und SamStags. Druck und Verlag C. Hohmeister, verantwort!. L. Hohmeister, Schlüchtern. Fern­ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Ge­schäftsverkehr mit der Firma Schlüchtern.

LchKchtEr Meislilatt

Aslteste Zeitusg im Kreise; gegrssdet im Jahre 1849.

Anzeigen: kl. Zeile oder deren Raum 00 Pfg., Reklamezeile 2, Mk. Bei Betriebs­störungen kein Schadenersatz oder Minder- gebühr einschließlich BezugS. Keine Gewähr für Platz, Aufnahme-Zeit und Belcglieferung. Kein Nachlaß bet gerichtlichen Zwischenkosten. Zahlkarte Frankfurt a. Main Nummer 11402.

K 55.

Di-ntag, den 11. Mai 1920.

12. Jahrgang

Aus Stadt und Kreis.

Schlechtem, den 10. Mai 1920.

* Am Dienstag, den 11. Mai d. Js. abends 8 Uhr findet im Rathaus eine Stadtverordnetenver- sammlung statt mit der nachstehenden Tagesordnung: 1. Erhebung einer weiteren Umlagen Quote für 1919, 2. Lohnerhöhung für die Maschinisten des städtischen Eicklrizitätswei kes. 3. Abbruch und Verwendung der flädtischen Halle im Turnhof. 4. Neupflasterung der Gehwegeanlage ror der Post.

* Die Schul-Pfingftferien sind vom 21. Mai bis 1. Juni.

* Am Sonntag abend fand in der Turnhalle das Frühjahrskonzert des Männergesangvereins statt. Die schnelle Aufeinanderfolge der Konzerte des Heimat- bundes und des Gesangvereins zw.ngen zu einem Ver­gleich: In der Aula gleichsam Kammermusik: reife musikalische Kultu, technische Meisterschaft- eine ruhige Vornehmheit der Mittel und der Aufmachung, die zu bedingungsloser Hingabe unb bewunderndem Mltgehcn Dangen. Wenn die Atr-Gavotte und der zweite Satz des Bachkonzertcs am Sonntag Abend so zum Erlebnis wurde, daß er erschüttert vor d eser Kultur unseres Bürgertums stand, die einmal trotz tiefer politisier Not und Ohnmacht möglich war, der weiß auch welche Bedeutung und Berechtigung ein solchen Volkstanz.« im besten und umfassendsten Sinne des Wortes hat. Er fühlt auf einmal aus welchen T efen jede große Kunst erwächst und die Höhenlage einer gewiffm musikalischen Z^v 1t- satim verwirrt ihn nicht mehr, denn er kennt ihre Wurzeln und den Boden, auf dem sie erst möglich wmde. Hier entscheidet nicht das hochentwickelte Mittel, hier wird. Wahrheit und Tiefe der Crr?n-,d>ng allein werthaft. Die üblichen Verlegenheiten rein ästhetischer Beurteilung werden bedeutungslos, w il sie vor dem einfachen, zielsicheren Formwillen der Volkseele v.rsagen. Das Wie empfängt seinen Wert nicht von einem höchst­möglichen techniHen Können, sondern von dem tiefsten Kunst suchenden Wollen, das hier noch lebt und sich offenbart. Diesen grundsätzlichen Untetfihb muß man einmal erfaßt haben, will man nicht Gifahr laufen, ich mit unmöglichen Maßstäben und der blasierten Phrase wa deraristokratischen Kunst" lächerlich zu machen und lanausenhaft die Noten zu zählen, die unter den Tisch allen, während singende Seele zu breit n Herzen spricht, ne CMe, die unter Herrn Gremmels bewährter Leitung standen, waren sorgfältig einstudiert und er« reuten du.ch Reinheit des Tones und Wärme des Vertrags. Besonders hervorgehoben sei der eindrucks­volle, hochdramaUsche Schlußchor und das der Stimmung am meisten entaegenkommende, durchschlagendeDas Wandern, das Wendern". Reicher Befall forderte bet

Feindliche Vvndev.

Roman von Jost Frriherrn von Steinach. 24 (Fortsetzung.)

Wie man es' nimmt," meinte der Maler seltsam lächelnd.

Sie stand plötzlich auf, während eine dunkle Röte sch über das ganze Gesicht ausbreitete.

Aber mein Fräulein," polterte Otto mit komischem Zürnen,Sie verderben mir jr die ganze Stellung!" Sie meinen doch nicht"

Ja, allerdings, den meine ich!' kickste e?.

Also, er ist wieder zurück?" "

Nachdem er die halbe West durchstre'ft, um zu ^rgksstn." Er war bei dem letzten Worte ernst gcworderf M schaute ji^t zu ihr empor, um den Eindruck zu Mstatieren, den seine Mitteilung auf Hilde gemacht We. Doch da ward er gründlich enttäuscht; denn N ließ sie ein spöttisches Lachen vernehmen, das ihn Wig machte. Glaubte er doch bei den früheren Sitzungen die Entdeckung gemacht zu haben, daß sie Bild seines Freundes im Herzen trage. Und nun einmal dieses sonderbare Benehmen? Und noch W in dem Augenblick, da er ihr Mitteilung von der Abkehr Waldaus gemacht hatte!

, Woher solch plötzlicher Wechsel? Sollte er sich ihrem Charakter so arg getäuscht haben? Sollte f nichts anderes vorstellen, als so viele Zierpuppen, ? tt in der Gesellschaft kennen gelernt, mit hohlen ^psen und ohne jedes tiefere Gefühl?

, Hilde mochte thm wohl ansehen, welche Gedanken ?° Ausführung in seinem Innern hervorgerufen habe, ^ stx wauRe ihm unerhofft den Rücken und sagte m verschleierter Stimme:S, scheint Ihnen merk­

beiden Chören unerbittlich Da eapo. Von den Quar­tetten, die Herr Zetß vielleicht noch allzu taktsicher dirigierte, sei das feinabgelönte Abendlied erwähnt. Programmatisch sollte wohl das Bachkonzert d moll das mufitaltfie Ereignis des Abends werden. Leider kam die t.oftlose Akustik b:S Raumes den ohnehin nicht leichtverständlichen, technisch außerordentlich schwierigen, leidenichaftlich bewegten Ecksätzen keineswegs zu starten. Sie verhalten, um den besten Teil ihrer Wirkung ge­bracht in der Bühne, zumal der unvermeidliche C garren- quatm und die Uebertemperatur tatsächlich in dem über- füllten Raum ein Umflimmen nötig machte. Eine Ahnung des Möglichen verwirklichte dann der aus allen tiefen der Volksseele geschöpfte und zu allen Tiefen sprechende Mittelsatz. Herr Gremmels am Klavier ging prächtig mit und auch der 2. Geiger, Herr Ruck ver­dient lobende Anerkennung. Herr Först hatte nach dem Vorgänge Direktor Hausmanns (keinen leichten Stand. Wem das Beethoven Menuett von der Aula her noch im Ohre lag, mußte erstaunt sein, wie nahe dieser junge Spieler, der sein Können eigener Kraft verdankt, schon reifsten Leistungen steht. Er überzeugte auch diesmal wieder durch die Höhe seiner Auffassung und die Ausdruckskraft feiner Bogenführung. Das Beethoven Menuett, Air und die Gavotte waren Glanzstücke einer hochentwickelten Vortrahskunst. Die einfügsame Be­gleitung Herrn Gremmels bedarf wohl kaum eines Hin­weises. Herr Zeiß, der als Dirigent der Quartette überrascht hatte, brächte Beethoven gut und sicher zu Gehör und verdient volle Anerkennung. Alles in allem ein Abend, der zuversichtlich und froh machte, weil er die stillen, namenloM Kräfte am Werk zeigt, denen nicht genug gedankt werden kann. Sie sind es, die den Boden für.den neuen Aufschw^s des grM

unsercs Voike«, der komm.« wird, bereiten, von dem sicheren Gefühl geleitet, dem die Zukunft gehört.

* Die Leitung des Telegraphen- und Fernsprech- baudicnftes ist am 1. April 1920 von den Oberpost- dircktionen auf Telegraphenbanämter übergegangen. Für den Ober-Postdircktionsbezirk Kassel ist je ein Telegrcphenbauamt in Gaffel und Fulda eingerichtet worden. Die Bereiche der te den Telegraphenbauämter werden durch die Linie Forsthaus Nonnenholz Truben- HausenWaldkappelMalSftldErsrodeOberaula GershausenBersa von einander geschieden. Die östlich und südlich dieser Linie gelegenen Gebietsteile deS Oberpostdirektionsbezirks Gaffel gehören zum Telegraphenbauamt in Fulda, während der übrige Teil des Bezirks mit Einschluß des früheren Fürstentums Waldck dem Telegraphenbauamt Erste! zuzcteilt ist. Anträge betreffs Ausführung ron Telegraphenbau­arbeiten sind künftig an das zuständige Telegraphen- Lauamt zu-richten.

würdig vorzukommen, daß mich die Erinnerung an eine kurze Episode meims Lebens völlig kalt läßt, aber das abwechselungsvolle, täglich neue Eindrücke bietende Treiben der großen Stadt mag das wohl, begreiflich erscheinen lasten. Ich bin noch ziemlich jung, und weder gebrochene Herzen noch anderes Herzleid gilt in unserer materiellen Zeit als eine tödliche Krankheit, Das wissen Sie, der Sie in Ihrer eigenen Familie so HerbtS erfahren mußten, ebensogut wie ich. Sie wurden von den Ihrigen ohne erheblichen Gcund v:r- sthmt, und ich, nun, ich wurde ohne erheblichen Grund auf da? schimpflichste beleidigt."

Was sagen Sie da ?"^meinte der Künstler befremdet. Wenn Sie vielleicht der Ansicht sind, daß mein Freund Waldau die Schuld an diesem traurigen Resultat trägt, so muß ich Ihnen aufs heftigste widersprechen!"

Sie hatte sich wieder umgewandt; jrgliche Rührung war aus ihren Zügen entschwunden, und sie trug eine solche mit Hochmut vermischte Kühle zur Schau, daß ihm in diesem Moment zum erntn Mal eine kleine AehnliLkeit mit ihrer Mutter auff.el.

Und doch trägt er allein die Schuld an dem Ficsko, das er erlitten. Ich bin leider nicht in der Lage, Ihnen nähere Aufschlüsse darüber zu geben, aber so viel kann ich Ihnen verraten, daß der Name Waldau in meinem Herzen für immer ausgelöscht ist, und daß ich eher dem ersten besten meine Hand zum Bunde fürs Leben reichen würde, als diesem Herrn, der meine Sympathien so schnöde mißbraucht hat."

Der Maler schlug verzweifelt die Hände zusammen und starrte sie kopfschüttelnd an.

Ja, aber ich begreift durchaus nicht, das ist ja entfentzlich, amer Kerl, und ich hatt, ihm schon Hoffnung

* Der Maikäfer, der lustige braune Geselle, ist nun auch wieder da. Nach einer alten Regel soll er in den Schabjahren besonders zahlreich auftreten, und für verschiedene Schaltjahre der letzten Zeit (1908, 1912, 1916) traf diese Regel auch zu. Ob sie auch in diesem Jahre ihr Recht behaupten wird, läßt sich zur Zeit noch nicht übersehen, jed. gewinnt es fast diesen Anschein Als eifriger Bertilger des jungen Laubes ist der Mai­käfer ein Schädling ersten Ranges, der in manchen Jahren ganz unberechenbares Unheil anrichtet und darin nur noch die Heuschrecke und die Kohlweißlings- raube bczw. die Raube des Spinners übertroffen wird. Sein geringer Nutzen als Hühnerfutter tritt dem gegen­über völlig in den Hintergrund. Für die Jugend ist er dagegen seit Jahrhunderten ein lieber Spielgeselle, zu dem sie eine zutrauliche Fceur.dschast empfindet, wozu wohl nicht im geringsten sein schmuckes Kleid und sein plumpes Benehmen beitragen. Ein richtiger Schuljunge kennt vier bis fünf Sorten: Müller, Könige, Schornsteinfeger usw. für die uns Erwachsenen das Verständnis leider wieder verloren gegangen ist. Maikäfer sind für die Jugend deshalb auch zurzeit der begehrteste Handelsartikel; sie werden gegen B eiftifte, Murmeln, Stahlfedern usw. eingerauscht. Und ist der richtige Junge erst im Besitz eituö halben Dutzend, dann sorgt er für soviel Futter, daß 6 Kaninchen daran an unrettbarer Ueberfütterung sterben müßten.

Hk. Den Verkauf des englischen Beutematerials leitet Herr Prent ce, Berlin, Hotel Bellevue Potsdamer- Platz, im Auftrage des Generals Bingham.

* Hintersteinau. Als Zeichen der hier herrschenden Wohnungsnot mag folgende Tatsache erwähnt werden. Der hiesige zweite Lehrer H. Gromer verheiratete sich -voreinigenWochen. EurstrvsUrn folgt-thau- sein junges Weibchen in feine Junggesellenwohnung und hoffte das junge Ehepaar, das ihm die Gemeinte eins Wohnung zur Verfügung stellen würde. Man wäre auch mit einer bescheidenen Wohnung zufrieden gewesen. Denn Raum ist in der kleinsten Hütte für ein traulich liebend Paar. Doch die derzeitigen Inhaber der Lehrerwohnung machten dem jungen Paare nicht Platz und so mußte denn dieser Tage die junge Frau den geliebten Gatten wieder verlassen. Hoffentlich führt Gott Amor die Liebenden wieder zusammen.

Aus dem Kowmunallandtag.

Von Bürgermeister Stückrath. (Fortsetzung.)

In der zweiten öff ntlichen Sitzung am 28. April wurden die Berichte der RechnungsprüfungSkommtsfion entgegengenommen.

Die Abgeordneten Bürgermeister Müller-Allendorf,

gemacht, ich Esel, aber das müssen Sie doch zugeben, daß es dann Ihre Pflicht ist, mein verehrtes Fräulein nicht länger mit Ihrer Erklärung hinter dem Berg zu halten. Ich bin fest überzeugt, daß hier ein bedauer­licher Irrtum ihrerseits vorliegt. Ich kenne Waldau nun schon bald alS acht Jahre, und ich kann es mit ruhigem Gewissen beschwören, daß ich noch nie einen tu ffliieren, ehrlicheren Menschen kennen gelernt habe, und daß jeder, der ihm etwas Schlechtes nachsagt, entweder falsch berichtet ober ein" Er schwieg betrff n, denn er merkte noch zur rechten Zeit, daß er im Begriff gestanden hatt-, eine große Unart und Dummheit auszusprechen.

Sprechen Sie es nur ruhig aus,Herr Baron," erwiderte sie gelassen,ich hoffe dann wenigstens, daß Sie mich zu der ersten Kategorie rechnen. Es ist ja sehr hübsch von Ihnen, und ich mache Ihnen durchaus keinen Vorwurf daraus, aber Sie müssen schon zulaffen, daß ich an meiner Meinung, die leider nur zu sehr ihre Berechtigung hat, festhalte. Und nun bitte ich Sie, von dem unerqu'cklichen Thema abzubrechen und zu unserer oder vielmehr Ihrer Kunst zurückzukehren."

Er wollte etwas erwidern, doch sie nuite eine so abweisende Miene, daß er beschloß, die Fortsetzung dieser Erörterungen bis zu einer gelegeneren Stunde aufzuschieben. Eben war er damit beschäftigt, ihr ihre Haltung zu geben, als die Tür sich öffnete und Frau von der Traun auf der Schwelle erschien. Ihr sonst so gelbes Gesicht war durch eine kurz vorher erlebte freu­dige Überraschung ein wenig gerötet. Mit raschen Schritten trat sie herein, die Tür sorgfältig schließend, und sagte:Denken Sie sich, Herr Baron, wer uns mit seinem Besuch beehrt hat.

(Fortsetzung folgt.)