ZchluchlemerMung
Anzeiger für Öse amtlichen Bekanntmachungen im Kreise 8chtkchtern.
Bezugspreis frei HauS, vorauszahlbar viertclj. 3,50 Mk., (durch die Post ohne Bestellgeld). Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. Druck und Verlag C. Hohmeister, verantwort!. ,H.-K. Hohnieister, Schlüchtern. Fern- ntf 65. Erfüllungsort für den gesamten Geschäftsverkehr mit der Firma Schlüchtcrn.
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Schlücht-k««' M-isvlatt
Netteste Zeitung im Kreise; gegründet im Jahre 1849.
J2 50. Donnerstag, den 29. April 1920. 73. Jahrgang
Aus Stadt und Kreis.
Schlüchtern, den 28. März 1920.
—* Vom 1. Mai ab findet bei dem Postamt in Schlüchtern an Sonn- u. Feiertagen von 5—6 Uhr nachm. der Fernsprechvermittlungsdienst nicht mehr statt.
—* Wir machen nochmals auf die beiden Konzerte am 1. und 2. Mai im hiesigen Seminar aufmerksam. Der Heimatbund hat zwei namhafte Künstler, Heern Dir. Hausmann (Violine) und Herrn Oskar Spring- seld (Klavier), beide vom Thüringer Landeskonserva- torium in Erfurt, für diese Abende gewonnen. Einlaßkarten find in der Buchhandlung Lotz und Martin, sowie an der Abendkasse zum Preise von 3 Mark für jedes Konzert zu haben.
—* Die Aufhebung der Krankenkassenverordnung wurde am vergangenen Freitag schon in der Nationalversammlung ausgesprochen. Danach wurde von der Regierung dem Reichsrat eine neue Verordnung vorge- leg', worin die Gehaltsgrenze von 12000 Mk. wieder eingeführt und eine Begrenzung für den Grundlohn aus 24 bis 30 Mk. festgesetzt ist. Der Zeitpunkt des Jnkrafttritens der neuen Verordnung ist auf den 3. Mai festgesetzt, während die neue Begrenzung des Grundlohns vom 27. April ab Geltung haben soll. Der Reichsrat nahm die Regierungsvorlage an.
—* Auch die Nachtigall ist zu uns zurückgekchrt, und damit ist das Konzert der kleinen Sänger in Gärten und Anlagen, in Wald und Hain vollständig. In den Kriegsjahren find viele Zugvögel nicht zu uns zurückgekehrt, außerdem haben wildernde Katzen arg Mt^r Wen aufgeräumt. Im Vorjahre staben sich die Verhältnisse etwas gebessert. Sorgen wir dafür, daß kein Rückschlag eintrttt. Was wir für die Vogelwelt tun, vergilt sie uns reichlich durch tyren herzerfreuenden Gcsang und durch Insektenvertilgung.
—* Vorsicht gegenü er Angeboren zumAnkauf von Kriegsanleihe. Vielfach finden sich in den Zeitungen verlockende Inserate, in denen zum Verkauf von Kriegs - aulethe zu besonders günstigen Kursen, oft b s zum Parikurse, aufgefordert wird. Auch durch dirikte Kundenwerbung wird versucht, in den Besitz von Anleihe stücken zu kommen. Regelmäßig erhält der Veikäufer den Gegenwert — abgesehen vielleicht von vereinzelten Ausnahmen zu Rckcamezwecken — nicht sofort in bar ausgezahlt, sondern derselbe wird ihm, meistens auf längere Zeit, bei den in der Regel völlig mittellosen Evwerbern gutgeschrieben. Es muß dringend davor gewarnt werden, zu den geschilderten Bedingungen Kriegsanleihe an unbekannte Persönlichkeiten oder Firmen edzugeben. Jr letzter Zeit gingen derartige Ankaufs angebote z. B. von dem sogenannten „Ostdeutscher
Feindtietze Brüder
Roman von Jost Freiherrn von Steinach.
(Fortsetzung.)
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Merke Dir das! Schon binnen vierzehn Tagen wollen wir uns wieder sprechen! Aber dann gibt es kein Zurück mehr für Dich! Lebe wohl!
„Lebe wohl, und ich hoffe, Dir nicht so bald wieder zu begegnen, sonst könnte ich nicht mehr Herr meiner selbst bleiben, und dann wehe Dir und wehe den andern!"
Schon war Baron Hans hinaus und warf die Tür mit Krachen hinter sich zu; der andere aber sank wie gebrochen in seinen Sessel und fing an, bitterlich iu weinen.
6. Kapitel.
Malerisch hingegossen, eine prachtvolle Pelzboa um den Nacken, so saß die liebreizende Tochter des Obersten von der Tcaun und hielt, in derselben Pose aus, die sie schon seit einer Stunde inne haste.
Nahe dem Fenster hatte Otto seine Staffelet postiert und hob alle Augenblicke den Kopf, um einen musternden Blick auf sein Modell zu werfen. In einem hohen ^ehnstuhl vergraben, ruhte die Frau des Hauses, einen ^ioman in der Hand, ab und zu schläfrig die Seiten umblötternd. Eine magere Dame mit hartem, knochigem Gesicht, dem eine etwas spitzige Nase und ein zusammen- gekniffener Mund ein hochmütigts Aussehen gaben, ^an sah es ihr eigentlich gar nicht an, daß unter der scheinbar kalten, unnahbaren Seite ein warmes Herz verborgen sein könnte. Und doch mußte dies der Fall sein; wurde sie doch in ihren Bekanntenkreisen nicht anders tituliert, als mit dem spöttischen Spitznamen: /»vriedensengel", weil es ihr als die vornehmste Ausgabe
Bankverein Königsberg i. Pr." aus. Dem Gründer bhft§ Unternehmens, G. Scheckließ, der vor seiner jetzigen Tätigkeit in verschiedenen Städten Ostpreußens eine Prox s als Naturheilkundiger ausübte, wurde gemäß Beschlüss-n des Amtsgerichts und des Landgerichts Königsberg bereits am 27. Oktober 1919 resp. 18. November 1919 die obige Firmenbezeichnung als irreführend und deshalb unzulässig untersagt. Mit ähnlichen Angeboten wie das erstgenannte Unternehmen tritt die Firma Otto Pfasi in Chemnitz, Wiesenstraße 2, an das Publikum heran.
—* Beförderung der aus Kriegsgefangenschaft (Jäter- nierung) zurückkehrenden Unteroffiziere und Mannschaften. Das Abwicklungsamt des 18. Armee-Korps in Bad Nauheim teilt mit, daß die aus Kriegsgefangenschaft (Jnternterung) zurückkehrenden Unteroffiziere und Mannschaften, soweit sie im Bereiche des früheren 18. A. K. ihren Wohnsitz haben, Anträge auf nachträgliche Beförderung unmittelbar dem Abwicklungsamt einretchen können. Dabei ist anzugeben, welcher Formation, insbesondere wUcher Komp. usw., der Antragsteller bei der Gefangennahme angehörte, wann und wo er in Gefangenschaft geraten ist, wann die Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft (Jnternterung) erfolgte, wann und in welchem Durchgangslager die Entlassung stattgefunden hat, welche Nummer der Entlassungsschein trägt. Etwa vorhandene Bescheinigungen der Feldvorgesetzten (auch Zeugnsse oder Briefe derselben), sind in beglaubigter Abschrift beizusügen, namentlich wenn Beförderung zum nächsten planmäßigen Dienstgrad beantragt wird. Diese kann nur dann ausgesprochen werden, wenn Auszeichnung vor dem Feinde, also eine vor dem Feinde unter Lebensgefahr angeführte hervorragende Tat nachge. wiesen wird. Eine Beförderung zum nächsthöheren Dienstgrade kommt außer wegen Auszeichnung vor dem Feinde nur noch auf Grund der Diennzeit in Frage, also nur für Unteroffiziere nach 5'/, jähriger Dienstzeit zum Sergeanten oder nach 9 jähriger Dienstzeit zum Vzefeldwedel (Vizewachtmeister.) Kriegsjahre werden -bet Berechnung der Dienstzeit nicht doppelt gerechnet. In allen anderen Fällen kommt nur überzählige Beförderung zum nächfttzöhcrin Dienstgrad (also z. B. für Unteroffiziere nur zum überzähligen Sergeanten) in Frage. Vorbedingung dafür ist neben der Geeignetheit und Tüchtigkeit, daß die Beförderung während des Krieges bei der Truppe lediglich aus Mangel an planmäßigen Stellen nicht erfolgen konnte.
Das Scheiöenschießen.
Von deutschnationaler Seite ging uns nachstehender Bericht über die von der Demokratischen Partei am vergangenen Sonntag im Saale der Turnhalle abge
erschien, überall Frieden zu stiften und auch die entzweiten Parteien wieder zu einigen. Auch ihre Ehe war in den langen dreißig Jahren, die seit ihrem Hochzeitstag verflossen waren, immer musterhaft gewesen, was in früheren Jahren sicher keine Kleinigkeit gewesen sein mochte; denn Oberst von Traun galt in seinem Regiment der größte Windhund und Hattees binnen kurzem fertig gebracht, das ziemlich große Vermögen, das ihm seine Eitern zurückgelassen, klein zu kriegen. Später mußte auch das seiner Gattin daran glauben, und nur ein glücklicher Zufall in Gestalt eines entfernten Onkels hatte ihn vom völligen Ruin gerettet. Der war aber, als er für immer die Erde verlassen mußte, klüger gewesen, denn er hatte dem Neffen nur die Nutznießung überlassen, während das Vermögen erst nach seinem Tode an dessen Nachkommen fiel. Trotz alledem liebte Frau von der Traun den liebenswürdigen Schwerenöter von Ehegemahl, der sich mit der Zeit in einen brummigen Jsegrimm verwandelt hatte, und sie hatte es stets für ihre heilige Pflicht gehalten, die Wünsche ihres Gatten in jeder Hinsicht zu respektieren. Und da er vor einiger Zeit ganz beiläufig geäußert hatte, daß er zu gern ein Bild seiner Einzigen besitzen möchte, war sie flugs m° dem au suchenden Stern am Himmel der Kunst, dem Porträtmaler Otto Nanzenberg, in Verbindung getreten, wobei sein alter freiherrlicher Name nicht die kleinste Triebfeder zu ihrem Entschluß gebildet hatte.
Seit zwei Stunden saß Otto Ranzenberg vor seiner Staffelet und bemühte sich) trotzdem er nicht besonders heute aufgelegt war und an ganz anderes dachte als an seine Kunst, das liebliche Konterfei Hildes auf seine Leinwand zu zaubern. Er war vom Kopf bis Fuß schwarz gekleidet und trug ein Trauerflur um den
haltene öffentliche Versammlung zu, den wir, da er für manchen unserer Leser vielleicht von Interesse sein dürfte, zum Abdruck bringen. Die Schriftleitung.
Der Wahlkampf hat begonnen. Die Demokratische Partei hat den Reigen eröffnet mit einer öffentlichen Versammlung, in der ein stöberet Oberstleutnant sprach. Der Herr bewegte sich auf den Gemeinplätzen, die zur Genüge aus den linksstehenden Blättern bekannt find. So ganz schien sich in ihm die Umwand- lung zum guten Demokraten noch nicht vollzogen zu haben, denn er bedauerte einmal, daß uns kein Cäsar oder Bismark oder Napoleon von der Revolution beschert wurde; den 9. November 1918 bezeichnete er sogar als ein Unglückstag; Hindenburg nannte er den pflichttreuesten Mann und tüchtigsten Heerführer; sogar Ludendorf wurde als Feldherr anerkannt. Aber eins hatte er von seiner Partei schon angenommen: Das war die Agitationsmethode. Seine Hauptrede war pflaumenweich! Er machte die üblichen Verbeugungen nach links. Er konnte sich sogar in die seelischen Zustände der ganz links Stehenden hineinversetzen und deren „Ideale" verstehen. Eins ging ihm aber ganz ab: Die Rechtsparteien konnte und wollte er nicht begreifen. Die Methoden dieser „Reaktion" waren fein Hauptthema. Er brächte nichts Neues. Er drückte sich nur recht vorsichtig aus. Er bespritzte nur mit ganz kleinen Mengen Schmutz, sodaß kein Anlaß geboten wurde, gegen ihn zu sprechen. Widersprüche enthielten seine Ausführungen ebenfalls. Er warf den Rechtsparteien ein „bewußtes Uebertreiben des Bolschewismus" vor. Er malte aber dann die Zustände in Rußland und im Ruhrgebiet so aus, wie sie von rechtsstehenden Blättern aufgezetchnct w idsn. Als das verwerflichste Mittel der Rechtsparteien bezeichnete der Redner den Antisemitismus. Ein solches Loblied auf die Juden ist bis jetzt noch nicht in einer politischen Versammlung gesungen worden. Es schien sogar manchen Juden nicht zu gefallen! In Steinau, wo bekanntlich keine Juden wohnen, wurden einst andere Worte von der demokratischen Rednerin gesprochen! , Wle's gerade paßt! Die Hetze geht nach Ansicht des Redners von der deutschnationalen Partei aus. Das ist eine bewußte Unwahrheit. Die Partei als solche ist nicht antisemitisch. Sie steht auf dem Standpunkt, daß gleiches Recht für alle gilt, daß aber die Juden aus der Vorherrschaft, die sie auf manchen Gebieten haben, in die Grenzen zurückzubringen find, die ihrer Zahl und Bedeutung entspricht. Diesen Standpunkt nehmen auch die Mitglieder anderer Parteien ein. Auch So- zialdemokraten und Demokraten gibt es bei uns in Schlüchtern, die ihn teilen. Ja, es gibt solche, die trotz ihrer Angehörtgkeit zu einer Linkspartei, erbitterte
Arm. Wie die greiften seiner Kollegen suchte er seinem rettenden Modell die Aufgabe zu Erleichtern, indem er alles mögliche erzählte, was Hilde interessieren konnte; von dem Leben und Treiben der Künstler, von den ungemetnen Anstrengungen der Künstlerinnen, es ihren Kollegen gleichzutun, von der Modellbörse mit ihren merkwürdigen Originalen und verkrachten Existenzen, unter denen es manche gab, die schon bessere Zeiten gesehen hatten, und sür die nun daß Modellstehen noch der einzige Rettungsanker war, um sich vor völligem Untergang im Strudel des Lebens zu retten. Ueber diese Geschichten hatte er bald seine eigenen Gedanken vergessen, so daß sein anfänglicher Trübsinn einer stillen Heiterkeit wich.
Mit gespannter Neugier hörte das junge Mädchen die Schilderung dieser sonderbaren Verhältnisse an, die einer ihr ganz fremden Welt angehörten. Sie, das verwöhnte und verhätschelte Kind des Reichtums, in Hülle und Fülle aufgewachsen, konnte sich nur schwer einen Begriff t m diesem Elend machen, von dem sie ein weiter Abg rnd schied.
Mitten in einer solchen Schilderung hob Frau von der Traun das Antlitz und sagte ziemlich mißbilligend: „Herr Baron, Sie erzählen da dem Kinde Geschichten, die eigentlich nicht für solch junge Ohren bestimmt
„Aber Mama," schmollt die Kleine, „Du tust ja gerade, als wenn ich noch ein kleines Mädchen wäre. Die Kinderschuhe habe ich doch glücklich aus-
getreten.
(Fortsetzung folgt.)