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Zchluchterner Mung

Anzpiger für Öie amtlichen Bekanntmachungen im Kreise Schlüchtern.

BezugSpreiS frei Ha«S, vorauSzahlbar viertelt. 3,50 Mk., (durch die Post ohne Bestell» -etd). Erscheint Dienstags, Donnerstags und Aamstags. Druck und Verlag C. Hohincister, Mn!wortl..H.-K. Hohmeiper, Schlüchtern. Fern- ms 65. Erfüllungsort für den gesamten Ge­schäftsverkehr mit der Firma Schlüchtern.

Schküchteruer Sreisblatt

Aelteste ZettMg im Kreise; gegrÜNdet im Jahre 1849.

Anzeigen: kl. Zeile oder deren Raum 40 Pfg., Reklamezeile 1, Mk. Bei Betriebs­störungen kein Schadenersatz oder Minder- gebühr einschließlich BezugS. Keine Gewähr für Platze Aufnahme-Zeit und Beleglieferung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischenkosten. Zahlkarte Frankfurt a. Main Nummer 11402.

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Dienstag, den 27. April 1920.

73. Jahrgang

Aus Stadt und Kreis.

Schlüchreru, Den 26- März 1920.

* Die Schulen und der 1. Mal. Falls die reichsgesetzliche Regelung des Maifeiertages nicht recht- jiitig erfolgt, ordnet Kultusminister Hänisch an, daß es dem Ermessen der Schulverbände überLffm bleibt, ,b am 1. Mai die Schulen geschloffen werden sollen ober nicht. In den Orten, wo an den gemeindlichen Schulen der Unterricht am 1. Mai au-ifäUt, ist er auch an den staatlichen Schulen auszusetzen. Auch an den Schulen, die den Unterricht nicht aussetzen, darf keinem Lehrer und keinem Schüler aus dem Fernbleiben an diesem Tage irgendein Nachteil erwachsen.

* Den günstigen Spielplan der 99. Frankfurter Pferde-Lotterie, deren Ziehung am 12. Mai stattsindet, brachten wir bereits in einer unserer früheren Nummern. Die letzten Lose können durch die Geschäftsstelle unseres Blattes bezogen werden.

* Die Vergütungsanerkenntnisse aus den Monaten Juni 1915 bis Dezember 1919 über Forderungen für Muralquarüer, Stallung, Naturalverpflegung, Furage, sowie die Hergade von Räumlichkeiten und Grundstücken sind, um sie einzulösen, von den Gemeinde^ des Kreises Schlüchtern der Freies äffe in Schlüch^':. vorzulegen.

* Zur Reise in das neu besetzte Gebiet. Nach einer Mittelung der SouS-Commission in Frankfurt sind Reisende, die das besetzte Gebiet durchfahren, ohne isich darin aufzuhalten, nicht gezwungen aas französische Bisum auf den Pässen zu haben.

* Woher flammt das WortSchleichhändler" ? Das in unseren Tagen viel geb,rauchte B"- ..Schleich­händler" ist nicht, wie man annehmen dürfte, eine Errungenschaft" unserer heutigen Zelt, sondern war schon vor über 100 Jahren bekannt. Und zwar findet : es sich, wie derV. Z." geschrieben wird, in Schillers ,Kabale und Liebe" im ersten Akt, wo der Musikus - öliller vom Sekretär Wurm sagt:Ein konfiszierter widriger Kerl, als hätte ihn irgendein Schleichhändler

in die Welt meines Herrgotts hineingeschachert."

* Neues zur Wohnungsgesetzgebung. Der Reichs rat hat einen Gesetzentwurf üoer Maßnahmen zur Bekämpfung der Wohnungsnot angenommen, durch den e die bisherigen Verordnungen zu dieser Frage in Ge- etzesform gebracht werden. Von besonderer Wichtig- «ti ist die Bestimmung, daß bet Vorliegen außerge­wöhnlicher Mißstände die Landeszentralbehörden mit Mimmung des Reichsarbeitsministers die Gemeinde- | färben auch zu anderen als in den bisher erlassenen Verordnungen enthaltenen Maßnahmen, insbesondere P Eingriffen in die Freizügigkeit und in die Unver- I'tzlichkeit dcs Eigentums der Wohnungen ermächtigen »der verpflichten kann. Eingriffe in die Freizügigkeit?

Hoffentlich bedeutet das: Maßnahme gegen unerwün­schten Zuzug von Osteuropäern! (Fuld. Ztg.)

* Metsterprüfungskommtsfion für das Graweur- Handwerk. Den beteiligten Handwerkern bringen wir zur Kenntnis, daß durch Verfügung des Herrn Regier­ungspräsidenten in Caffel eine Metsterprüfungskom- Mission für das Gramm Handwerk in Hanau errichtet worden ist. Der Kommission gehören an die Herren: als Vorsitzender Herr Fortbildungsschuldirektor Geißler Hanau. Als Beisitzer: W. Wilhelm, Hanau, Altstraße 19, Phil. Fest, Hanau, Fallbachstraße 7\ Aug. Mayer, Hanau, Gärtnerstraße 19, Ferd. Killmer, Hanau, Kirch- straße 26.

* S'einau, 25. April. Die Wahl Kisseberths aus Salmünster zum Bürgermeister der Stadt Steinau ist durch den Regierungspräsidenten bestätigt und die Ein­führung in sein Amt durch den vom Regierungspräsi­denten damit beauftragten Landrat von Trott zu Solz gestern erfolgt.

Kredite für Deutschlaud.

Berlin, 24. April. Wie dieP. P. N." aus zu­verlässiger Quelle erfahren, besteht begründete Aussicht, daß ein amerikanisches Konsortium dem Deutschen Reiche einen in anderthalb bis zwei Jahren rückzahl­baren Kredit von etwa 50 Millionen Dollars für Le- benSmittellieferungen zur Verfügung stellt.

Parts, 24. April. WieExcelsior" aus London meloet, soll Deutschland an dem vom Unterhaus be­willigten Kredit von 26 Millionen Pfd. Sterling tetl- nehmen können. Es sollen Garantien geleistet werden für deutsche Ankäufe in England Mt Rohmaterialien und Fertigerzeugnissen.______

Aus Provinz und Wachöargebiet.

§ Gelr-Hausen, 23. April. (Lebensmüde.) Auf der Veranda des Schlößchen To otheenhöhe an der Dürtch fand gestern abend ein Spaziergänger die Leiche eines hiesigen jungen Mannes, der sich erschaffen hatte.

§ Hanau. Die Stadtverordneten haben die Ein­führung einer Karten- und.Lustbarkeitssteuer genehmigt. Die kommunistische Fraktion stimmte dagegen.

§ Frankfurt a. M. (Häute preise und Stiefelpreise.) Auf der letzten Frankfurter Felle- und Häuteauktion zeigte sich ein weiteres Nachlassen der Kauflust derart, daß für Großviehheute nur 17,2518,75 Mark pro Kilogramm erzielt wurden. Das ist für die Allgemein­heit insofern interessant, als in diesem Preis, der natürlich immer noch ein abnorm hoher ist, eine sinkende Tendenz zum Ausdruck kommt, die auf die Stiefelpreise auf die Dauer nicht ohne Einfluß bleiben kann. Es ist auch charakteristisch, daß Kalbfelle, die auf einer großen Häuteaukrion in Küff.l für 3543 Mark zugeschlagen

wurden und die sich im Februar noch auf 79 Mk. in Frankfurt stellten, jcht auch nur mit 3637 Mark angeboten und deshalb von der Auktion zurückgezogen wurden. Wenn auch keine übertriebenen Hoffnungen an diese Tatsachen geknüpft werden dürfen, die wir als Kennzeichen der Preisbewegung registrieren, so muß doch mit Möglichkeit eines Einflusses dieser Vorgänge auf die Schuhpreise gerechnet werden. Mehr zu sagen, ist heute vielleicht verfrüht.

§ Winsen. (Die Dummen sterben nie aus.) (Be­strafter Aberglaube.) Ein Handwerksmeister, dessen Frau schwer krank war, nahm seine Zuflucht anstatt zu einem Arzt zu umherziehenden Zigeunern. Ein solcher nahm dann mit seiner B.gleiterin die kranke Frau in Behandlung. Neben einigen heilsamen Tropfen sollte alles Gold, das sich im Hause befand und von den Zigeunern der Kranken unter das Kopfkissen gelegt wurde, die Krankheit vertreiben. Vor 12 Uhr Mitter­nacht dürfe aber das Bett nicht berührt werden. Trotz­dem diese Mahnung pünktlich befolgt wurde, waren die dort hingelegten Goldsachen, drei Ringe, eine Uhr und 40 Mark Bargeld, um l 2 Uhr spurlos verschwunden. Der Polizei in Lüneburg gelang es, die beiden Zigeuner festzunehmen. Die verzauberten Goldsachen befanden sich aber nicht mehr in ihrem Besitz.

§ Fulda, 24. April. Ein teures Stöffchen. In der gestrigen Wirteversammlung wurde der Mindestver- kausspreis für ein Glas Bier auf 1 Mark, bezw. 1,20 Mark festgesetzt.

§ Fulda, 24. April. Die auf dem Hofe der hiesi­gen Artillerie-Kaserne lange Zeit allen Unbilden der Witterung ausgesetzten 2470 Militärwagen (Munitions­und Lebensmittelkaflenwaget.) wurden kurzerhand 66 die Firma Hobecke in Bad Nauheim zum Schleuderpreise von sage und schreibe achtzig Mark pro Stück verkauft.

§ Endorf b. Alsfeld. Hier hat ein Schuhmacher für die Luferung von einem Paar Schuhen, von denen einer ein Spezialschuh für Fußkranke war, den Betrag von 1000 Marx gefordert. (Haut ihn 1 Red )

§ Vom Eichsfelde, 23. April. Die Nachfrage nach jungen Gänsen ist so gering, daß der Preis auf 83 Mk zurückgegangen ist. Die hohen Preise vom Vor­jahre haben viele spekulationslustige Züchter zur Ver­mehrung ihrer Zuchtgänse verleitet.

§ (Der Wert des Pfennigs.) DieAugsb. Postztg." schreibt: Im badischen Frankenlande kann man sich um einen Kupferpfennig rasieren lassen, im benachbarten Bayerischen erhält man schon für 5 Kupferpfennige ein Viertelliter Wrin.

§ Bad-Pyrmont. Wie verlautet, ist beantragt wor­den, daß das bisherige Fürstentum Pyemont bei den bevorstehenden Reichstagswahlen zum 12. Wahlkreis

Feindliche Brüder.

Roman von Jost Freiherrn von SteinaG 21 (Fortsetzung.)

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»Also ich will nach dieser notwendigen Einleitung w Hauptsache übergehen," setzte HanS seine Rede 'Haffen fort.Meine Mutter ist auf jeden Fall dafür, Y Gras über die dunkle Geschichte wächst, und daß selbst unter Schädigung unserer Interessen von W weiteren Verfolgung Lbftand nehmen sollen. Es M sich bei dem jetzigen Stand der Dinge wohl noch eichen, wenn wir eine Erklärung abgeben, daß wir W dadurch nicht geschädigt fühlen, und daß sich die Wewahrung des Testaments, wie überhaupt seine

Ex stmz als ein Irrtum herauSgestellt hat. Unser ^chlsbeistand, Herr Justizrat Meinecke, erklärte uns greulich, daß durch gewisse geheime Enthüllungen, ? er dem Untersuchungsrichter machen würde, das glicht abgehalten werden könnte, sich weiter mit dem abzugeben." >

Maler lachte grell auf.

. »Ah, ich verstehe," schrie erAdazu ist weiter nichts als daß ich mich selbst als den Dieb des Testa­ts ausgebe. Nicht wahr, das meinst Du doch? .Mt Ihr dann gnädig den Antrag zurücknehmen JJtt! Sprich nur frei heraus, daß das Eure edle Gesicht ist!"

» Der andere ^an Gestalt kleiner als der hochgewachsene sah an'ihm vorbei, als er erwiderte:Davon ich kein einziges Wort bis jetzt gesagt. DaS Jc Ed niemand leugnen können, daß hier nur einer Diebstahl profitiert."

»Und das ist Dein Bruder Otto Ranzenberg!" der Künstler.Und daher kann auch kein

anderer der Gesuchte sein. Haha, es liegt eine gewisse Logik in dieser Beweisführung, aber ganz stichhaltig ist sie denn doch nicht. Und ich will den Richter sehen, der auf dieses BewetSmaterial hin einen unbescholtenen Menschen vor die Barre zitieren wird."

Unbescholten?" wiederholte HanS, doch in Anbe­tracht des furchtbaren Bl cks, den ihm der Stiefbruder zuwarf, wagte er keinen Ton mehr hervorzubringen.'

Nun also, heraus mit der Sprache," apostrophierte ihn der Bruder,was für Vorschläge hast Du mir im Namen Deiner Familie zu machen?"

Nach dem verloren gegangenen Testament wärst du jetzt ein Bettler, gibst Du das zu?"

Möglich, möglich auch nicht. Ich habe darüber kein Urteil."

Em Zweifel ist in diesem Falle ausgeschlossen!" sagte Hans mit Bestimmtheit.Du wärst also ein Betiler. Jetzt, nachdem das Testament nicht mehr existert, würden natürlich auch die darin enthaltenen Bestimmungen null und nichtig sein. Wenigstens vorläufig, denn wir würden selbstverständlich gegen die Erbfolge, wie sie nun staitzufinden hätte, sofort Ein­spruch erheben und zwar, wie unser Rechtanwalt behauptet, mit sicherem Erfolg. Für Dich wäre also auch bet der jetzigen Sachlage nicht viel gewonnen, während Du bet einem Fortgang der strafrechtlichen Angelegenheit sehr viel zu verlieren hättest."

Mache keine langen Abschweifungen, sage endlich Deine Bedingungen!"

Also kurz denn: Wenn Du auf das Dir unter den jetzigen Verhältnissen zustehend- Erbteil Verzicht leistest, so bin ich bevollmächtigt, Dir eine Abfindungs­summe von 100 OCO Mark anzuhleten. Ferner ver­langen wir aber, daß Du Deinen Wohnsitz aus dieser

Stadt verlegst, da Du doch begreifen wirst, wie unan­genehm im höchsten Grade unser verwandtschaftliches Verhältnis in der Gesellschaft empfunden wird, und zu welchen uns insgesamt kompromittierenden Erörterungen dies bet den Leuten führt. Also, wenn Du mit unseren Bedingungen einverstanden bist, so wollen wir einen Termin bestimmen, wann wir bei dem Justizrat zusammentreffen wollen, der einen förmlichen Kontrakt aufsetzen wird. Wir werden in Frieden scheiden, und das wird zu unser aller Bestem dienen."

Bist Du nun fertig? fragte ihn mit eisiger Ruhe der Bruder, als er innehtelt.

1Ja, das war alles."

Nun, so laß Dir sagen und sage es Deiner ganzen Sippschaft", schrie.jetzt der Maler los, sein Kopf war ganz rot geworden,daß ich über Eure netten Bedin­gungen nur lachen kann! Ihr wollt mir drohen? Mit welchem Recht? Weil Ihr auf den Verdacht pocht, den Ihr selbst gegen mich angeregt habt! Nua denn ich er warte Eure Beweise, und ich behaupte schon jetzt: Ihr könnt mir nicht das Gertnste Nach­weisen ! Mich aus der Stadt verbannen, in der ich geboren und aufgewachsen bin, in der ich meine ersten Erfolge errungen habe, das ist eine Unverschämtheit, die nur in dem Hirn eines Ranzenberg junior entstehen kann."

Lebe wohl!" sagte der andere und drehte sich um, dem Ausgange zu,ich habe es mit Dir gut gemeint, ich kam her in höherem Auftrage und habe nicht nötig, mich noch obendrein für meine Gutmütig­keit beiletdigen zu lassen. Aber das will ich dir nur zum Abschied noch sagen: Du wirst es bittet bereuen, nicht auf meine wohlgemeinten Vorschläge eingegangen zu sein.

(Fortsetzung folgt.)