Zchlüchtemer Zeitung
___fliOTeUiiMie amtlichen Bekanntmachungen im Kreise Schlüchtern.
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Schlüchterser Fereisötatt
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J2 48.
Samstag, den 24. April 1920.
72. Jahrgang
Aus Stadt und Kreis.
Schlüchteru, den 23. März 1920.
—* Die Erneuerung der Lose zur V. Klaffe der 15 Pr. Südd. 241 Pr. Klasscnlotterie muß, bet Verlust des Anrechts, bis spätestens Sonnabend, den 1. Sliai abends 6 Uhr erfolgt sein.
—* Der erste Mai als gesetzlicher Feiertag. Der erste Mai war bekanntlich in wilhelminischen Zeiten der Hauptfeiertag der sozialistischen Partei, und die an diesem Tage verunstaltete Malfeier war bekanntlich wegen der damit verbundenen Arbeitsruhe allen Unternehmern ein Dorn im Auge. Aussperrungen von Arbeitern wegen Arbeitseinstellung am ersten Mai waren an der Tagesordnung, so daß langwierige Auseinandersetzungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Folge oft nicht ausdlieben. — Seil der Revolution ist bekanntlich der erste Mai ' gegen die Stimmen der bürgerlichen Abgeorgneten als gesetzlicher Feiertag eingesetzt worden. Man wird gut tun, sich mit dieser Tatsache abzufinden, zumal nur etwas Entgegenkommen und guter Wille dazu gehört, in diesem Falle auch einmal den Wünschen der Gegenseite gerecht zu werden. Denn durch immer wieder erfolgendes Aufpeitschen von Klassengegensätzen ist unserem Voke nicht geholfen. Und wenn wir, getreu unserem Grundsätze, volksetnigend zu wirken, uns heute veranlaßt sehen, zu diesem Thema Stellung zu nehmen, so geschieht es deshalb, weil in einigen extrem reaktionären führenden Tageszeitungen bereits wieder hämisch glossierende Artikel zum Thema „Maifeier" erschienen find. Und das ist unseres Trachtens eine ganz unnützige Anremplung Andersdenkender, die nur dazu führen kann daß es aus dem widerschallt und daß infolgedessen die Kluft- innerhalb unseres Volkes wieder einmal erneut aufgerissen werden.
_* Bet Eignung der betreffenden Persönlichkeiten können Sekretäre ohne besondere Prüfung innerhalb von drei Jahren zu Obersekretären befördert werden.
- * Eröffnung der Jagd auf Rehböcke. Auf Grund der 88 39 und 40 der Jagdordnung vom 15. Juli 1507 wird für den Regierungsbezirk Cassel für das Jahr 1920 die Eröffnung der Jagd auf Rehdöck« auf Dienstag, den 18. Mai festgesetzt.
—* Infolge der überaus ungünstigen Frach.ver- Häliniffe für den Bezug des benötigten Rohmaterials ars Dänemark hat die Firma „Sterbfritzer Chamolte und Tonwerke" beschlossen, ihren Betrieb an den Nordostsee Kanal zu verlegen. Demzufolge ging das Sterbfritzer Fabrikanwesen an ein anderes Consortium unter Führung in 3 Civilingenicurs Mop in Fulda über. Die neuen Besitzer beabsichtigen, die jetzigen Anlagen teilweise niederzulegen und zu einem Basalt- werk, verbunden mit Kunststeinfabrik im größeren Ltil, umzubauen. Das Rohmaterial soll mittelst einet 2 km langen Drahtseilbahn aus den nordöstlich von Sterb- fritz befindlichen mächtigen Bafaltlagern herangeschafft werden. Die Vorarbeiten hierfür find bereits ringe- k^* Es bleibt beim Alten! Mit Rücksicht arf die kommende Reichstagswahl hieß es bald: Hessen Nassau bleibt ein Wahlkreis, bald Reffen Nassau werde getrennt. Jetzt hat der Verfassungsausschuß der Nationalver- sammlung dem Vorschlag einer Teilung des bisherigen Wahlkreifis Frankfurt Kassel in die beiden Teile Kassel- Walbeck und Frankfurt-Nassau nicht ^gestimmt; es wurde vielmehr einstimmig beschlossen, den Wahlkreis Frankfurt-Kassel unversehrt zu erhalten.
—* Grüner Salat erscheint jetzt auf dem Wöchm- markte, und wer ein Stückchen Gemüsegarten sein eigen nennt, hat wohl auch in diesem jetzt die ersten Köpfe gezogen. Trotz des verhä>t..t-mäß.g hohen Preists — was wäre heutzutage nicht teuer? — sei zu ausgiebigem Genuß des jungen, grünen Salms geraten. Namentlich sollten alle, die elw is an Loll- blütigkeit leiden, es sich angelegen sein lassen, durch reichlichen Salatgenuß ihr Blut etwas zu verdünnen. — Die Zubereitung des Salats ist in den verschiedenen Gegenden unseres Vaterlandes eine ziemlich von ein’ ander abweichende. Allgemein kann aber gesagt werden, daß die zuträglichste und zugleich auch schmackhafteste Zubereitungsart diejenige ist, bei der der Saiat ohne irgend welchen Zusatz von Sahne, Oel, Fett, Speck oder dergl. (wodurch stets die Blätter lappig weich Werden) gewaschen, gezupft und mit Wasser, Essig und Zucker angesetzt wird, so daß er seine ursprüngliche Frische und Farbe behält.
—* Eine Wende der Preisentwickelung? Berliner und andere führende Tageszeitungen kündigten vor einigen Tagen eine bevorstehende Wende der Preisentwickelung an, die darin zum Ausdruck kommen sollte, daß die gegenwärtigen Preise wenn nicht einen Abbau, so doch zumindest eine Stabilsierung erfahren dürften. Voikswirtschastler, die auf dem Boden der freien Wirtschaftsform, b. h. einer Verurteilung der gegewärtigen Zwangswirtschaft, sfihm, wollen diese Erscheinung damit begründ.n, daß die gegenwärtigen Preise für die Produkte der Zwangswirtschaft sich den Welthandels- pretsen zu nähern beginnen. Man mag nun zu dieser Frage stehen wie man will, so muß man doch einsehen, drß diese Prophezeihung leider verfrüht war. Denn schon zwei Tage nach Verkündigung . dieser Tatsache begann unsere Valuta bereits wieder zu sinken und sie ist seitdem noch nicht wesentlich wieder gestiegen. Es hat somit wenig Zweck, in dieser Hinsicht die Anschauungen führender Tageszeitungen auch bei uns auf dem flachen Lande und in den Kleinstädten weiter zu verbreiten. Es heißt abwarten, wie die Dinge kommen werden. ist sicher: sollte wirklich ein Preisrück- gang eintreten, so kann er sich nur so langsam entwickeln, daß wir erst nach Jahren fühlbare Vorteile davon haben werden.
Aus Provinz und Wachöargeöiet.
§ Aus der Rhön, 21. April. Eine beneidenswerte Gemeinde ist das unterfränktsche Dörfchen Kesselostheim. Dort ist nicht nur jeder Einwohner von der Gemeindesteuer frei, sondern jeder Bürger erhält auch noch außer zwe^ D^ter Holz u--d 100 Wellen ? lila 400 Mk, bar enorme Summen aus dem Holzverkauf ab, daß damit alle kommunalen Ausgaben gedeckt werden können. Noch weit besser steht es indes hierin in der Gemeinde Geismarkt. Dort erhält in diesem Jahr jeder Bürger neben völlig freiem Bezug des gesamten Brennholzes noch bar 3000 Mark aus der Gemeindekasse ausde- zahlt. Von weither kommen die Holzhändler und bieten die fabelhaftesten Preise für das in Massen zur Verfügung gestellte Holz. Mit diesen Bürgernutzungen ist jetzt selbst das ob seiner glücklichen finanziellen Lage berühmte Klingenberg a. M. weit in den Schatten gestellt: denn dort erhält jeder Bürger aus dem Erlös deS weltberühmten Tonwerks seit Menschengedenken neben Steuerfreiheit alljährlich „nur" 400 Mk. aus der Stadtkasse bar ausbezahlt.
§ Frankfurt a. M. Schießerei auf der Straße. Bei der Durchsuchung einer Wohnung in der Gneise- naustraße stöberten Beamte der Wucherstelle den vielfach gesuchten 29jährigen Kraftwagenführer Max Menge auf und nahmen ihn fest. Auf dem Wege nach dem Poli- ze gesängnis riß ihn die Menge los und floh. Als er auf mehrfachen Anruf nicht stehen blieb, schoß einer der Beamten auf ihn. Die Kugel durchschlug den rechten Oberschenkel und riß die Schlagader auf. Menge kam in das städtische Krankenhaus, wo ihm das Bein abgenommen wurde. Bei dem Vorfall ergriffen Zuschauer, namentlich Straßenbahmer und Eisenbahner, gegen die Beamten Partei, so daß diese flüchteten und in der von Franzosen besetzten Gutleutkaserne Schutz suchen mußt.n.
Die Lage im Ruhrgebiet.
Der Minister des Innern Severing erklärte einem Mitarbeiter der P. P. N., die Rückberufung der Truppen avS dem Ruhrrevier habe begonnen. Ersatz werde wohl erforderlich erscheinen, der von der grünen Polizei gestellt werde. Er halte (3 für das Zweck mäßigste, wenn bald eine Vermehrung der Sicherheit. Polizei erfolge. Gleichzeitig mit der Vermehrung müsse eine wirkliche demokratische Reorganisation der Sicherheitspolizei durchgestihrt werden. Die ersten Schritte dazu seien getan. Die kompromittierten Führer der Abteilungen und Hundertschaften würden unnachtsichtlich entlassen. Tüchtige Beamte im Unterosfizierrang würden besördcrt. Den Abteilungsstellen würden Zivil- kommissare beigegeben.
Qu den verschiedenen Putschgerüchten «klärte der Minister, er halte diese Gerüchte für übertrieben. Schließlich teilte der Minister mit, daß das Ergebnis der Ablieferung im Ruhrgebiet bisher sehr unbefriedigend gewesen sei.
Deutsches. Reich.
— Ueber die ReichsratSwahlen ging der preußischen Landesversammlung ein Gesetz über die Bestellung von Mitgliedern des Reichsamts durch Provinztalverwaltungen zu. Die Wahlen der ReichsratSmitglieder erfolgen danach in den einzelnen Provinzen durch die Provinzialausschüsse, in Posen und Westpreußen durch die noch bestehenden RetchsauSschüsse, tu Berlin durch den Magistrat. Jeder Provinztalausschuß hat ein Mitglied und ein stellvertretendes Mitglied zu wählen. Gewählt werden können alle Staatsbürger, die feit drei Jahren in der Provinz wohnen und das 35. Lebensjahr erreicht haben.
— Unsere Handelsbeziehungen dehnen sich aus. In Berlin weilt seit einigen Tagen der bevollmächtigte Vertreter der ukrainischen genossenschaftlichen Zentral- organisation. Er beabsichtigt Handelsbeziehungen zwischen dem ukrainischen und dem deutschen Markt anzuknüpfen.
— Aufhebung ^der Portofreiheit. Der HauptauS- schuß der Nationalversammlung beriet den Gesetzentwurf über Aufhebung der Gebührenfreiheiten im Post- und Telegraphenverkehr. Die Portokosten der regierenden Fürsten, die bekanntlich Portofreiheit genossen, waren nach Auskunft der Regierung verhältnismäßig gering. Der wesentlichste Anteil an der Portofreiheit fällt den Behörden zu. Demnach werden künftig in Fortfall kommen etwa 40 Millionen Mark Postforderungen für den Reichsdienst, 2 bis 3 Millionen Mark Telegraphenkosten und etwa 12 Millionen bei den LandeSbehörden.
— Berlin, 22. April. Die „Post" meldet aus Stettin, daß bei Besprechungen des Stettiner Ober- -—&±M^y:..-..i:r>h h-a lyinsii.inrÄnhnrMr. mit har P-^ksv. durch organisierte Arbeiter bedeutend zu verstärken. Sieben Landräte, die sich nicht als zuverlässig genug erwiesen, sollten in den nächsten Tagen abberufen werden. Für die Regierungsbezirke Stralfund, Stettin und Köslin sollen Kommissare mit entsprechenden Vollmachten des Oderpräsidenten amtieren.
— Abstimmung in Ost- und Westpreußen. Die Abstimmung in Ost- und Westpreußen soll, wie die „Dena" erfährt, am 27. Juni stattfinden. Das Stimm- recht hat jede Person, die das 20. Lebensjahr vollendet hat, im Abstimmungsgebiet geboren ist, ihren ständigen Wohnsitz dort hat oder sich seit dem Jahre 1805 dort aufhält.
— Spanien kauft deutsche Interessen. Der frühere spanische Minister Cambo ist von einer Reise nach Deutschland zurückgekehrt, wo er die Deutsche Uebersee- Elektrizitätsgesellschaft für spanische Kapitalisten ausge- kauft hat. Cambo hat dem König von Spanien einen Bericht über den Kauf gemacht und erklärt, daß dieser für Spanten von allergrößter Bedeutung sei, da die genannte Gesellschaft die gesamte Elektrizitäts Industrie tn Südamerika in der Hand halte. Die Gesellschaft wird künftig ihren S'.tz in Madrid haben.
— Die Prügelmethode der französischen Polizei. Die Elsaß-Lothringer haben mit Erstaunen bemerkt, was für eine schlagfertige Polizei sie von Frankreich bezogen haben. Mit Stock und Gummiknüppel ist die Schutztruppe des „freiheitlichsten Regiments" jederzeit zur Hand, um etwaige langsam denkende elsässische Gehirne zum Bewußtsein der überlegenen „cültüre- zu bringen. Sehr häufig bringt die elsässische Presse entrüstete Artikel über die Koiakengewohnhetten der Nachfolger des preußischen Schutzmannes. So war letzthin in Straßburg eine nächtliche Straßenszene, wobei sofort wieder die üblichen Prügel in Erscheinung traten zur lebhaften Entrüstung des angesammelten Publikums. Die „Röpublique" äußerte sich zu diesem Thema, daß ihr das System des Prügelns sehr wohl bekannt sei, und daß man Leute im Polizeidienst habe, welche eher in einen Roßstall paßten. „Wogegen aber mit aller Energie protestiert werden muß, das ist gegen die Prcxis des Durchprügelns von Arrestanten durch manche Schutzleute, das besonders in einzelnen Revieren üblich zu sein scheint. Wir haben schon seinerzeit von ähnlichen Vorfällen in Metz berichtet; es scheint also fast am System zu liegen. Es wäre dringend zu wünschen, daß die Polizeidirektion schärfste Anweisungen erteilte, daß diese Kosakengewohnheiten in Zukunft unterbleiben. Der Schutzmann ist nicht dazu da, um se.ber Justiz au^uüben, am wenigsten Lynchjustiz. Er hat etwa notwendige Gewaltmatznahmen zur Feststellung von Personalien oder zu Verhaftungen