llMternerMtung
Anzfifter für Öie amtlichen Bekanntmachungen im Kreise Schlüchtern.
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Lchlüchterner Kreisllatt
Aeltkfts Geltung im Kreise; gegründet im Jahre 1849.
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O 47.
Donnerstag, den 22. April 1920.
73. Jahrgang
Aus Stadt und Kreis.
Schlüchtern, den 21. März 1920.
—* Nach vielem Bemühen ist es dem hiesigen Heimatbund gelungen, zwei namhafte Künstler für zwei Konzerte zu verpflichten. Herr Dtr. Walter Hausmann (Violine) und Herr Oskar Sprmgfelo (Klavier), beide vom Thüringer Lansesconfervatorium in Ecfurt, wer- drn Samstagabend den 1. Mai und Sonntagnach- miltag, den 2. Mai in der Aula des Schlüchterner Seminars zwei Sonderkonzerte veranstalten. Beide Künstler leisten Hervorragendes auf ihrem Gebiet. Wir machen das hiesige, sowie auswärtige Publikum darauf aufmerksam, daß ihnen in j her Hinsicht genußreiche Stunden in Aussicht stehn. Umsomehr müssen wir das Unternehmen des Heimatbundes freudig begrüßen, da uns derartige Kunstgenüsse auf dem Gebiete der Musik schon lange versagt blieben. Im ersten Konzert kommen außer Klaviersolt, Sonate L-dur für Violine und Klavier von Mozart und Sonate v-moll für Violine und Klavier von Brahms, im zweiten Konzert kommen außer Violinsoli, Sonate L-moll für V-oline und Klavier von Beethoven und Sonate 0 molk für Violine und Klavier von Grieg zu Gehör. Das ausführliche Programm wird in einem der nächsten Nummern unseres Blattes erscheinen. Karten sind in den Buchhandlungen Lotz und Martin, sowie an der Abendkasse zu haben. Wir wünschen dem Heimatbund ein volles Haus.
—* Die 99. Frankfurter Pferdelotterie, deren Ziehung am 12. Mai staufindct, ist mit einem neuen äußerst günstigen Spielplan ausgestattet. Des Gewinn- Kapital ist von 64000 Mark auf 192000 Mark erhöht worden uno neben Pferden, Nuyviey und lanow. Maschinen, sind diesmal auch komplette Zimmer- und Küchen Einrichtungen, Schreibmaschinen, Fahrräder, ja selbst Kleiderstoffe und Wäsche-Ausstattungen als Gewinne in Aussicht genommen worden. Auch für den Fall, daß einzelne Gewinner ihren zugefallenen Gegenstand veräußern wollen, ist entsprechend Vorsorge getroffen. Die Lose können durch die Geschäftsstelle unserer Zeitung oder auch direkt vom Landwirtschaft- Verein in Frankfurt a. Main bezogen werden.
—* Die Zahlungsfrist für Höchstprämten ist verlängert. Da die politischen Unruhen und Verkehrsstörungen der letzten Zeit die Ablieferung von Getreide sehr erschwert haben, wurde die Frist, die ursprünglich b.s zum 15. April beschränkt war, bis zum 15. Mai 1920 verlängert. Dementsprechend ändern sich auch die übrigen dazu erlassenen Bestimmungen der Reichs- getreidrsteUe.
—* Der Hessische Städtetag soll am 5. und 6. Mai in Hersfeld abgehalten werden. Zur Besprechung
Feindliche Brüder.
Roman von Jost Freiherr» von Steinach. 20 (Fortsetzung.)
Ich höre schon im Geiste Deine liebe Stimme mir zu rufen: „Nur, wenn ich Dir ein trauliches, bchagliches Heim bieten kann, nur, wenn ich so fest stehe, daß ich Dich vor den rauhen Stürmen des Lebens beschützen kann, dann, ja dann, Melitta, will ich Dich für immer an mich ketten!" So lauteten einst Deine Worte, die mir noch immer in den Ohren nachklingen, und. so steht es in Deines Herzens Tiefen üngegraben. Und daß jener selige Moment recht bald erscheine mit seinem leuchtenden Morgenrot, dafür will ich beten, Tag und Nacht, und daß Dich Gott immer behüten möge! Deine treue Melitta."
Ergriffen legte der Maler das Schreiben auf den Tisch und blickte vor sich hin. Die süßen, tröstenden Worte des lieben Mädchens erweckten in ihm einen Sturm von Gedanken und zugleich eine grenzenlose Schaffenslust, wie er sie noch nie an sich gekannt. Ja, das war ein Seidenes, lockendes Ziel, nach dem wohl wert war, zu kivgen und zu streben. Er schwor sich, all sene Kräfte baran zu setzen, um es zu erreichen.
Doch dann fiel ihm der sonderbare Anfang des Miefes ein. Ein Frösteln durchzitierte seinen Körper. War es denn möglich, daß sie noch andere Entdeckungen machten?
Er konnte sich nicht der Einsicht verschließen, wenn er die Ausführungen Melittas mit den Darlegungen ^oswins zusammen hielt, daß er tatsächlich derjenige •tt, der an dem Verlust des Testaments am meisten f^erefsiert sei, und zu diesem Resultat mußten bet einigem Nachdenken auch die Behörden gelangen.
kommen u. a.: Reichsfinanzreforrn, Neubildung der preußischen Provinzen, die Wohnungsfrage, Neugestaltung deS Verwalmngsdtenües.Err^chtung von Ortswehren, Bauberatungsuellen, Volkshochschulen, Fremdenverk Hrs- politik, Neuregelung der Gehäiter der Gemeindebeamten.
—* Freie Aerzrewahl bei den Eisenbahnern. Den Eisenbahnern, die seither auf bestimmte Aerzte bet Erkrankungen angewiesen waren, ist jetzt ebenfalls die freie Aerztewahl zugestanden worden.
—* Zar bevorstehenden Erhöhung der Psstaebühren. Wie aus Berlin berichtet wird, hat der Rüchsrat in seiner Sitzung vom Sonnabend die neuen Postgesetze und Verordnungen angenommen. Der braunschweigische Gesandte berichtete über die Verhandlungen der Ausschüsse. Er wies auf das ungeheure Defizit der Post- verwaliung hin, das für 1919 1'/, Milliarden betrage und für 1920 auf 2'/, Milliarden geschätzt werde. Angesichts dieser Sachlage sei die Erhöhung der Tarife eine ungbweisbare Notwendigkeit. Des Porto für Postkarten soll auf dreißig Pfennig erhöht werden, für einfache Briefe auf vierzig Pfennig und für Briefe b.s zu zweihundertsüafz°g Gramm auf sechzig Pfenn'g. Die Sätze für Drucksachen, Geschäftspapiere und W'aren- proben sind verdoppelt. Auch die Paketgebühren, die Postanwetsungsgebühren' und die Gebühren für Zeitungen sind erheblich erhöht worden. Für Telegramme ist der Unterschied zwischen Orts- und Ferntelegramme beseitigt. Die Wortgebühr ist auf zwanzig Pfennig festgesetzt und die Mindt.stgebühr für ein Telegramm auf zwei Mark. Die Fernsprechgebühren erfuhren rundweg eine Erhöhung um hundert Prozent, bet ganz großen Netzen noch darüber hinaus. Die Ausschüsse haben sich auch damit einverstanden erklärt, oaß von den Fernsprechteilnehmern ein besonderer Ka- pitalbeitrag in Höhe von 1000 Mark für jeden Hauptanschluß und von 200 Mark für jeden Nebenanschluß geleistet werden soll. Weiter wurde angenommen eine Aenderung des Postgesetzes dahin, daß der bisherige Ersatz von 3 Mk. für das Pfund verloren gegangener Sendungen auf 10 Mark erhöht wird. Sämtliche neuen Gesetze und Verordnungen sollen am 1. Mai in Kraft treten.
—* Außerkurssetzung der Silbermünzen. Eine Vero dnung des Reichsfinanzministers bestimmt die Außerkraftsetzung der deutschen Silbermünzen als ge- s'tzliches Zahlungsmittel b.s zum 1. Januar 1921, auch werden sie zu ihrem gesetzlichen Wert bet den Reichs- und Landeskassen in Zahlung genommen. Die Verordnung tritt sofort in Kraft.
—* Die Bedeutung der Automobilindustrie für die Landwirtschaft. Der Landwirt ist heute mit feinem Zugvieh nicht imstande, den Boden richtig und genügend zu bearbenten und ist gezwungen, durch Maschinen
Während er noch so dasaß und nachgrübelte, trat F'nke ein und räusperte sich. Otto drehte sich um, ärgerlich, aus seinem Nachdenken gestört zu werden und fragte ziemlich barsch: „Was gibt es denn schon wieder?"
Der Diener legte geheimnisvoll die Hand an den Mund und flüsterte: Ach, Herr Baron, da draußen ist einer!"
„Na, wer denn?"
„Ich glaube, ich kann mich allerdings irren, denn ich habe ihn bet Ihnen nur ein einziges Mal flüchtig gesehen, und das ist auch schon sehr lange her, ich glaube beinahe, es ist Ihr Herr Bruder!"
„Wer?" rief da der Künstler, als ob er seinen Dhren nicht zu trauen meinte, und sprang wie von einer Tarantel gestochen empor. „Sagen Sie es nochmals. Wer soll draußen stehen?"
„Wie ich schon sagte," stammelte Finke bestürzt, wenn ich mich nicht irre, Ihr Herr Bruder!"
„Welcher Bruder?"
«Na, doch auf jeden Fall der Zivilist, da er keine Uniform trägt."
„Hans!' murmelte Ranzenberg verdutzt, „was will der von mir!"
Dann aber sagte er entschlossen zu seinem Faktotum : „Nun, sie lassen Sie ihn eintreten."
Einen Augenblick darauf standen sich die beiden Brüder gegenüber und maßen sich vom Kopf bis zum Fuß.
„Was verschafft mir diesen seltenen Besuch!" begann Otto, ohne ihm einen Stuhl anzubieten.
Der andere schien auch gar nicht auf diese Höflichkeit zu reflektieren, sondern'qnlwortete stehend:
dem Mangel abzuhelfen. Nach Berichten der landwirt' schriftlichen Organisationen ist nun, wie „Auto-Liga" ausfübrt, eine stets wachsende Nachfrage nach Motor- pstügen festgestellt. Ein Motorpflug erreicht die Tages leistung von sechs Gespannen und hat außerdem den großen Vorteil, sehr tief pflügen zu können und Arbeitskräfte zu ersparen. Gleichzeitig können an den Motorpflug, Eggen, Schollenbrecher, Walzen usw. angehängt werden, ohne die Leistung wesentlich herab- zumindern, Neben dem Motorpflug bürgern sich die Lastautomobile mehr und mehr ein. In großen GutZ- betrieben und Forstwirtschaften bringt man den Motor- feltbahnen großes Interesse entgegen.
—* Der Landesausschuß für Kurheffen tritt am Montag, den 26. April am Tage vor dem Zusammentritt des Kommunallandtages zu einer Sitzung zusammen. Es wird sich dabei in der Hauptsache um Beschlußfassung über die Anträge und Vorlage handeln, w.lche im Verfolg von Maßnahmen der Bezirksverwaltung des Kommunalverbandes der diesjährigen Tagung des Hessischen Kommunallandtages zur endgültigen Beschlußfassung und Verabschiedung vorgetragen werden müssen.
—* Die Vegetation ist, nachdem die letzten Tage wieder das Wachstum gefördert haben, dem Vorjahre um bald biet Wochen voraus. In normal gelegenen Gegenden schicken sich mit Ausnahme der Aepfel alle Obpbäume an, in die volle Blütezeit einzutreten, und die Ernte kann sehr gut werden, wenn sich alle Hoffnungen erfüllen, b^e man nach dem heutigen Stande hegen kann. Mit Nachtfrösten haben wir nach dem Wüterungecharakrer von 1920 wohl kaum in gefahrvoller Weise zu rechnen, oder mit Gewittern und jähem Wechsel zwischen Naß urb Trocken. Die Kastanien, Birken, der Flieder schlagen im Geschwindtempo aus. Aber es wäre )U wünschen, daß sie auch dem Mai etwas übrig lassen, in i essen letztes Drittel schon das Pfingstfest fällt.
Hk Auf ausgibigere Benutzung der Telegraphenschlüssel werden die Handel- und Gewerbetreibenden mit besonderem Nachdruck hingewiesen, weil bet der gegenwärtigen U.berlastung der Telcgraphenbetriebs- mtttel die Postverwaltung großen Wert darauf legen muß, daß von den Mitteln Gebrauch gemacht wird, welche geeignet sind, die Länge der Telegramme her- abzusitzen und dadurch den Telegraphenbetrieb zu entlasten, und weil ein solches Mittel zugleich auch eine Beschleunigung in der Beförderung der einzelnen Telegramme zweifellos helbciführcn würde.
—* Saure Milch als Kindernahrung. Prof. Dr. Rietschel veröffentlicht in der „Umschau" (Frankfurt a. Main) seine EPahrungen bei der Verwendung von saurer Milch als Kit dernahrung. Bet der großen
Das wirst Du sofort in kurzen Worten erfahren. Ich stehe hier als Vertreter der Familie Ranzenberg und zugleich als Bevollmächtigter meiner Mutter. Wie Du wohl schon von anderer Seite erfahren haben wirst, ist das Testament unseres Vaters auf eine — vorläufig — noch unerklärte Weise verloren gegangen. Ein elender Dieb und Räuber hat sich wider Recht und Gesetz in den Besitz desselben gesetzt. Du wirst ferner auch w ssen, daß Dir unser gemeinschaftlicher Vater in der letzten Zeit seit Lebens nicht hold gesinnt war, daß er im Gegenteil Aeußerungen derart getan hat, Dich vollständig zu enterben, wonach er auf Grund der Gesetze auch durchaus berechtigt war; den Grund wirst Du selber am besten kennen."
„Ich weiß nicht, was das hier alles soll!" unterbrach ihn finsteren Blicks der ältere Bruder.
„Das wird Dir gleich klar werden," fuhr der andere fort. „Die Staatsanwaltschaft hat die Sache in die Hand gencmmen und soll dem vermutlichen Täter bereits auf der Spur sein. Meine Mutter ist nicht dafür, daß die Sache weiter verfolgt wird; sie ist der Ansicht, daß es sich mit dem Ansehen der alten Familie nicht verträgt, wenn interne Verhältnisse an die Otffentlichkeit gezogen werden, mit einem Wort, sie möchte, wenn es möglich ist, jedes Aussehen vermeiden. Aus diesem Gcund stehst Du mich hier, und Tu wirst Dir selber sagen können, daß mir dieser Weg nicht gerade leicht geworden ist."
„Komm zur Sache!" war die kurze Entgegnung.
Man konnte es dem Künstler ansehen, wie seine Erlegung von Minute zu Minute unter den kalten und berechnenden Worten des Bruders wuchs, wie er fich gewaltsam zusammennehmen mußte, um nicht aufzubrausen. (Fortsetzung folgt.)