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Anzeiger tür die amtlichen Bekanntmachungen im Greife Schlächtern.

Bezugspreis frei Haus, vorauszahlbar viertelj. <3,50 Mk., (durch die Post ohne Bestell­geld). Erscheint Dienstags, Donnerstags und SamStags. Druck und Verlag C. Hohmeister, verantworU..H.-K. Hohmeister, Schlüchtern. Fern­ruf 65. Erfüllungsort für den gesamten Ge­schäftsverkehr mit der Firma Schlüchtern.

Schlüchterner Lreisblatt

Aelteste Zeitung im Kreise; gegründet im Jahre 1849.

Anzeigen: kl. Zeile oder deren Raum 40 Pfg., Reklamezeile 1, Mk. Bei Betriebs- störungen kein Schadenersatz oder Minder- gebühr einschließlich BezugS. Keine Gewähr für Platz, Ausnahme-Zeit und Beleglieserung. Kein Nachlaß bei gerichtlichen Zwischenkosten. Zählkarte Frankfurt a. Main Nummer 11402.

K 46.

Dienstag, den 20. April 1920.

73. Jahrgang

Aus Stadt und Kreis.

Schlächter», den 19. März 1920.

* Am Donnerstag, den 18. April fand im Gast­haus zum Löwen eine Spengler- und Jnstallationsver- sammlung alter im Kreise Eingesissenen dieses Faches statt. Es ist die Gründung einer Zwangsinnung beschlossen worden, die voraussichtlich schon am 1. Mai in Kraft treten wird.

* Abgelaufene Versicherungen aller Art in Stadt und Land gegen Feuer, Hagelschlag, Unwetter, Dieb- stahl usw. sollen erneuert und erhöht werden, wenn der Versicherungsbetrag nicht mehr entsprechend ist. Ver­trauensseliges Abwarten hat schon manchem geschadet.

* Die Besserung unserer Valuta hat in die Warenmärkte Unsicherheit gib rächt. Allerdings find die Senkungen dis inländischen Preisniveaus bisher nur vereinzelt eingetreten, so z. B. auf dkm Getreidemarkt und auf den Metallmärkten, wo wiederum die starke Senkung des Kupferpreises von 4600 auf 2900 Mark besonders in die Augen springt. Lehnlich liegen die Dinge bei Häuten und Leder, wo die Preise ebenfalls schon bedenkeich ins Schwanken gekommen sind Noch keine Preisminderung dagegen ist bish.r bei Eisen ein- getreten.

* Eatschädigungspflicht bei Postpaketen. Der Entschädigungssatz für gewöhnliche Poppakete ist nach mouatelangen Beratungen endlich erhöht worden. Während er bis ji^t für das Pfund dre; Mark betrug, ist er, wie wir von amtlicher Seite erfahren, nunmehr auf zehn Mark für das Pfund erhöht worden. Die Postverwaltung hoff» dadurch zu erreichen, daß die Auflieferungmur MorlsÄ-pting-n, b5 >'o Post sehr belastet, zurückgeht.

* Zur Hühnerzucht. Wenn die Hennen keinen freien Auslauf haben und deshalb keine Gelegenheit, sich ihren Bedarf an Mineralstoffe., anzueignen, so ge­wöhnen sie sich häufig die Untugend des E auffeiffens und Federausreißens an. Dies ist auf Phosphor- und Kellmangel zurückzusühren. Diesen UrdelstänLcu soll durch Berfütterung von phcsphorsaurem Kalk sicher vorgedeugt werden. Auf zwölf bis vierzehn Tiere gibt man täglich einen mittleren Eßlöffel roll etwa 30 bis 35 Gramm. Auch für junge Hühner und Tauben wird eine Beifütterung des genannten Steffis sehr empfohlen. D. H.

* Das Kupfergeld schwindet auch in seinen letzten, abgegriffensten Vertretern fast völlig aus dem Verkehr. Die Schuld daran liegt natürlich genau wie beim Gold und Silber an dem höheren Meiallwert. Früher, in normalen Frieoenszeuen, wurste der ausgeprägte

1 bezw. 2 Pfg.-Wert der Kupfermünze von ihrem wirklichen Metallwert bei weitem nicht erreicht. Heute,

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Feindttetzs Brüder.

: Roman von Jost Freiherr» von Steinach. 18 (Fortsetzung.)

Ich danke Ihnen, Goswin," erwiderte Ranzenberg und reichte ihm die Hand.Und passen Sie auf: Wenn ich wirklich und wahrhaftig sollte in mein Erde eingesetzt w.-rden, den alten Freund meines Vaters werde ich nie vergessen."

Man konnte es d.m Alten ansehen. wie angehm l^m diese Botschaft war, obgleich er versetzte:So tont es natürlich nicht gemeint, Otto. Ich freue mich «ur, daß Sie jetzt endlich zu Ihrem Recht kommen werben, und das ist mir genug."

Es pochte, das dicke Faktotum des Malers trat Setcin und gab seinem Herrn einen Brief, der soeben ^gegeben worden war.

Otto tat nur einen flüchtigen Blick auf bie_ Adresse und sagte halblaut, während ein leises Rot sich über seine Züge breitete:Von Melitta!"

Ah," Goswin stand auf, um zu gehen,dann ich Sie lieber allein lösten, solche Briefe liest man M liebsten ohne Zeugen."

Ich halte Sie nicht," entgegnete der Hausherr Neinb,denn Sie haben in der Tat recht."

, Er begleitete ihn noch bis zur Tür, dann schloß er hastig und riß mit kaum zu bezähmender Ungeduld das Kuvert auseinander.

Melitta schrieb folgendes: Gut Neudeck bei Eisenach. Lieber Vetter! So bin ich denn räch dem Willen Deiner Mutter in diese Stellung eingetreten, die mir ,°n Anfang an wenig sympathisch war. Aber was Mit ich in meiner augenblicklichen Sage anders tun?

wo das Kupfer erheblich im Preise gestiegen ist, liegen die Dinge natürlich anders. Auf den armseligen Kupferpfennig wird deshalb ebenso wie auf seinen etwas glänzenderen Vruirer, den Aluminiumpfennig, eine förmliche Jagd veranstaltet. Schon zeigen stch die Folgen dieser Kupferhamsterei. Spitzberechnete Löhne und dcrgl. werden von den staatlichen Kassen und großen Werken bereits nur noch in vollen Mark ausgezahlt und die überschießende Pfennige auf die nächste Lohnperiode verrechnet. Die Großstadtfirmen, namentlich Warenhäuser, stellen aus Pappstückchen bereits eigenes Pfenniggeld her. Wir werden bald soweit sein wie die Maorincger Ostafrika, bei denen Muscheln und Schneckengehäuse als Wechselmünze dienen.

* Polen folgt dem französischen Beispiel. Die polnische Regierung hat dem Rat der Alliierte» mit­geteilt, daß sie demnächst gegen Deutschland mit Besatz - ungsmaßnahmen vorgehen würde, wenn Deutschland seine Verpflichtungen, die es gegenüber Polen übernom­men hat, nicht erfüllt. Nach einer Verordnung der polnischen Regierung wird der Verkehr durch den polnischen Korridor auf einer E.senbahnlinte ohne Zoll und Paßkontrolle fiatifinhen.

* Die Belieferung mit Fischen muß für den Frühling und Sommer gesichert werden, denn wir haben in der ausreichenden Lebensmittelversorgung den Berg noch immer n cht überschritten. Der Wert selbst des einfachen Herings als Nahrungsmittel ist groß. Deutschlands Verbrauch an Seefischen, beson­ders im Binnenland?, entspricht bei weitem noch nicht dem Konsum in anderen Ländern.

Hk. Veraedung von Geräten durch die Eisenbahn- direktion Mainz, und zwar Los i Besen uno ©ariun, Los 2 Eimer, Kannen und Waschbecken, Los 3 Hacken, Meißel u. a. Werkzeuge, Vorhängeschlösser, Los 4 Kohlen-, Ko's- und Papierkörbe, Los 5 Lokomoliv- laternen. Nähere Auskunft, welche umgehend einzuholen ist, erteilt die Geschäftsstelle Hanau der Veremigicn Handelskammern FrankfurtHanau.

Aus Provinz und Wachöargeöiet.

§ Aus der Rhön, 18. April. Die Motorpostlinie durch das Rhöngebirge von Schmalkaiden über Werns- Hauscn-Kaitennordbeim nach Hünfeld soll am 1. Juni b. J. von der Reicht posiverwaltung wieder in Betrieb genommen werden.

§ Fulda. Ein Angebot in Lebensrnitteln hat sich in den letzten Tagen hier gezeigt, so wurden u. a. Landeter zum Preise von 1 Mark, und auch andere L.benSmittel in größeren Mengen hier angeboten, während bisher von einem Angebot so gut w'.e über­haupt nicht die Rede war und fast nur Nachfrage

Doch nicht von mir will ich heute schreiben, sonoern von einem merkwürdigen Vorkommnis, das mir einen großen Schrecken eingejagt hat. Ich wurde nämlich auf die Polizei befohlen, wo man mir mitreilte, daß das in dem Schreibtisch LeimS Vaters verwahrte Testament gestohlen worden ist, ich zugleich aber auch aufgefordert wurde, zu gestehen, ob ich nach des Frei- Herrn Tod das Arbcirszimmer betreten habe. Und denke Dir, Otto, als ich zu leugnen versuchte, Du wirst wohl begreifen, weshalb, da sagte der Beamte zu mir:Es hat seinen Zweck, etwas in dieser Auge- iegenheit zu verhehlen, Sie bringen stch dadurch nur selbst in schlimmen Verdacht, wir misten, daß Sie drmnen gewesen find, denn der Diener Sentus hat bereits alles kingestanden." SeniuS, auf dessen Treue und Verschwie­genheit ich wie auf einen Felsen baute, Senius, der, als ich ihn in seiner schweren Krankheit pflegte, mir erk arte, er würde für mich ins Feuer gehen! Und nun hat er seine erste Dankbarkeit bei der ersten Ver­suchung Fiasko gemacht. Was sollte ich darauf erwidern? Glücklicherweise hatte ich damals meine Schreibmaschine im Zimmer stehrn lasten, und deshalb gab ich nun auch als Grund für mein unbefugtes Eindringen an, daß ich dieselbe hätte herausholen wollen. Selbstverständlich erklärte ich aufs höchste empört, daß ich mit dem Ver­schwinden des Testaments in keinem Zusammenhang stehe, und daß ich jederzeit bereit sei, meine Unichuld zu beschwören, lieb eigens konnte ich dem mißtrauischen Beamten noch eine Tatsache angeben, die gegen jede derartige Beschuldigung zeuge, nämlich durch den Ver- lust des Testaments am meisten geschädigt würde ; denn bet Freiherr habe mir für meine langjährige Dienste und aus VerwandschastSgründrn stcher darin etwas vermacht gehabt. Das schien auch dem «tarnten so

hervortrat. Der Grund dürfte in der Besetzung des Maingebtets mit Frankfurt zu finden fein, da infolge der Erschwerung der Zureise nach dort die ländlichen Erzeuger und die bet Wiesen im Schleichhandel auf­laufenden Händler ohne Vchieber die Lebensmittel nicht mehr so leicht nach der Großstadt hineinbringcn können.

8 Gersfeld, 17. April. Die Lehrer Baier in Schachen und Klose in Lieblos wurden endgültig, der Schulamtsbewerber Fischer in Tann einstweilig ange­stellt. Die mit Kirchendienit verbundene katholische Schulstelle zu Eckweißbach ist neu zu besetzen.

§ Castel, 17. April. Das Grab der Mutter als Versteck für Diebesgut. Vor einigen Tagen war in einem Geschäft in der Hohenzollernstraßr, ein Einbruchs- diebstahl verübt und der Geldschrank erbrochen worden. Dem Diebe fielen im Ganzen 2000 Mk. Bargeld, eine goldene Herrenuhr und mehrere andere Gegenstände in die Hände. Die Kriminalpolizei ermittelte als Täter den Hausburschen Wilhelm E. aus Castel. Seine Mutter hatte ihm das gestohlene Gut abgenommen, um es vor den Augen der Polizei zu verbergen. Sie brächte die Sachen auf den Friedhof in der Holländischen Straße und versteckte sie dort auf dem Grabe ihrer Mutter, wo sie von b*er Kriminalpolizei entdeckt wurden. Ein Teil des Geldes war bereits auegcgeben.

§ München, 16. Avril. Die Münchener Aerzte- f^ajc soll beschlossen haben, in einen Aerztestreik gegen das neue Krankenkastengesetz zu treten.

Alte beschichten von Philipp Lotz.

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Es war im F-ühjahr 1872," die Franzosen traten ihren Vormarsch gegen Rußland an. G^nz Schlüchtern samt den umliegenden Dörfern lag voll französischer ©irqnauierung. Der Bast (Sebastian) hatte Sömche zum Schlage auf die Stääier Mühle gebracht. Vor dem Untertor kamen ihm drei Franzosen entgegen. Bon jour monsieurBong jour. In den sechs Jahren der Franzosenherrfchaft hatten die Deutschen, auch der Bast, etliche französische Brocken aufgeschnappt, die noch 50 Jahre gang und gebe waren. #0a est la ronte ä Elm ? Bast schüttelte den Kopf:Nix kombrand! Einer der Franzosen sagte:Waoll Sie uns sacken, on sein die Weck ä la villageElm? Bast blieb stehen, heb den Arm, deutete nach der Mauerwiese und sagte:Jssi par issi, die Mauerwiesi lesche mur ke, die Siäjnöacy nauf, direkte nach Elm". Ah, prüllten die Franzosen:ce couchon allemand! saerre mil tonnerre ?"Wut buker" entgegnete Bast. Ah ce polison! riefen die Franzosen, packten Bast

beweiskräftig, daß er mich sofort gehen ließ allerdings, mit dem Bl merken, daß ich mich jederzeit bereit halten müßte, auf die Aufforderung der Behörden vor den Richtern zu ers^einen. Was sagst Du nun dazu? Ich muß allerdings bekennen, daß infolge der eigenartigen Veik ttung von Umständen ein gewisser Verdacht auf mir ruht, und ich bin nur unendlich froh, Liebster, daß man weiter nichts entdecken kann. Denn wenn ein gewisser anderer nc$ in die häßliche Angelegenheit sollte mit hingezogen werden, das würbe mich mit tiefem Schmerz erfüllen. Nun, wir wollen das weitere abwarten, hoffentlich lassen sie mich endgültig aus dem Spiele. Ich weiß nichts mehr und w.ll nichts wissen. Doch nun möchte ich von Dir erfahren, was Du treibst und wie es Dir geht. Hast Tu mich auch noch nicht vergessen ? Ach, Liebster, wenn sich doch die Verhältnisse so günstig gestalten, wie Du es für eine Verbindung mit mir unvcrzeihlicherweffe für nötig erachtest. Ich sage: unverzethllcherweise, denn Du kannst es Dir cus Deinem männlichen Egoismus heraus nicht vor­stellen, daß es für ein liebendrsWeib nichts Schöneres geben kann, als neben dem Geliebten durch das Leben zu wundern, durch dick und bürn, durch trübe und heitere Tage. Tu siehst, wie erfahren und klug Deine Melitta zu reden weiß, wenn es ihrer Liebe gilt. Aber meine Klugheit wurzelt in meinem Idealismus, während die Deinige bem klügelnden Verstand entspringt. Ach, was schreibe ich hier für Dummhetten zusammen! Als ob ich nicht wüßte, daß auch bei Dir nur die reinste Siebe die Triebfeder ist, die Dich so handeln läßt! r x

(Fortsetzung folgt.)