AnzeiM Mr Öle amtlichen Bekanntmachungen im Kreise Schlächtern.
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Lchlüchterner Sreisßkatt
Aelteste Zeitung im Kreise; gegründet im Jahre 1849.
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JE 45
Samstag, den 17. April 1920.
72. Jahrgang
Aus Stadt und Kreis.
Schlüchtrru, den 16 März 1920.
—* Herrn Ehresmann von hier in eZ gelungen, die beiden humoristischen Original-Künstler Herrn Humorist Bollert und Herrn Bauchredner und Zauberkünstler Grimm für einen Bunten Abend zu gewmnen. Beide Herren sind im Besitze eines Kunflsche'mcs und es geht ihnen ein guter Ruf voraus. Ein Besuch dieses Abends ist sehr zu empfehlen. (Siehe Inserat.)
—* Am 14. April kehrte Kurt Schultheis von hier, Sohn drs Kre oOetärs Schu lhe .s, aus französischer Gefangenschaft zurück. W.r heißen ihn in der Heimat herzlich willkommen.
—* Bet der am 8. April ds. Js. vor der Handwerkskammer in Cassel stattgefundenen Meisterprüfung hat unter anderen Herr Karl Degenhard von hier seine Prüfung als Steinbildhauermeister mit „sehr gut" bestanden. Herr Degenhard war vier Jahre im Felde und ist am 10 April vergangenen Jahres in die Heimat zmückgeührt.
—* Der Ka toffelvorrat 'm Keller soll genau untersucht und die faulenden Knollen sollen sorgfältig ausgelesen werden. Für die Hausfrau kommt jt^t knappe Zeit, in der jede Kartofftl von Wcrt ist. Ein günstiges Frühjahr wird uns hoffentlich zeitig frisches Gemüse dringen.
—* Am Mittwoch fand im Hotel Stern dahier unter dem Vorsitz des Herrn Kaufmann Weiß-Sodcn eine Delegie ten-Versammlung der Zelurumspartei im Kreise Schlüchtern statt. Nach einem Vortrag des Herrn Parteisekretärs Müller-Marburg über die Neuorganisation der Partei wurde in der folgenden Aus spräche u. a. auch über die ungenügende Bahnverbindung nach Mm—Gründen geklagt uno an ore lenftnbayn- Direktion folgende Entschließung gerichtet: „Die Dele- giertenvcrsammlung dir ZentrumSpartei im Kreise Schlüchtern richtet an die Eisenbahn—-Direktion Frankfurt die dringende Bitte, wenigstens für die Zelt der Besetzung Frankfurts den Frühzug um halb 8 Uhr vormittags von Schlüchtern nach Elm—Gemünden wieder einznlegen, weil eine bessere Verbindung von Hessen—Nassau nach Süd deutsch land unbedingt notwen- : dig ist."
—* Es wurden beschlagnahmt: auf dem Postamt Schlüchtern 4 Pfd. Butter, auf dem Postamt Steinau 5 Pfd. Butter und 7'/, Pfd. Butter, auf tem Postamt Altengronau 6 Pfd. Butter, auf dem Postamt Jossa 5 Pfd. 200 g Butter, auf dem Bahnhof Mott- gers 51/, Pfd. Butter.
* Jossa. Herr Lehrer Schmidt von hier stiftete in dankbarer Freude anläßlich der glücklichen Heimkehr seines einzigen Sohnes aus französischer Gefangenschaft unserer Kirchengemeinde eine 2lltcrbi.de. Es sei an dieser Stelle herzlichst gedankt.
—* Ausgabe von BriesmarU» zu 10 «nb 20 Mk. Deutsche Bctef.narken zu 10 und 20 Mk. gelangen demnächst zur Ausgabe. Im Gegensatz zu anderen Postrerwalrungen hat die Reichspost große Zurückhaltung bet der Ausgabe hochwertiger Briefmarken früher gezeigt. Seinerzeit gingen die Werte für den öffent- lchen Verkehr sogar nur bis 50 Pfg. Nuv für den inneren D.enstbctrteb gab es Wertzeichen zu 1 und 2 Mk. Erst unter Staatssekretär von Podblelski wurden dann Marken b.S zum Betrags von 5 Mk. ausgegeben, bei denen es bisher v ab lieb. Die Verkehrsanstalten und Obcrpostdirektionen haben aber wiederholt höhere Werte auch für die Reichspost vorgeschlagen und beantragt. Die hohen Portogebühren, besonders für Pakete, lassen sie mehr und mehr vermisten. Das Reichspostministerium hat deshalb die R ichsdruckcret beauftragt, die Uedergabe von 10- und 20-Mark Marken vo zubereiten.
Aus Urovmz und Wachöargeöiet.
§ FUeden. Wieder einmal hat der Sportverein »Buchonia 1912" wie schon oft die Fliedener mit einigen wohlgelungenen Theaterstücken überrascht. An den beiden Osterfeiertagen und am darauffolgendem Sonntag gingen drei Stücke in Szene. Den Hauptteil des Abends füllte ein Ritterschauspiel in 5 Akten „die Rabensteiner" aus. Es spielt während der Kreuzzüge. Eckbert v. Rabenstein zieht mit dem Kreuzzuge. Unter« besten stecken seine beiden Brüder Kuno und Otto seine Gemahlin Adelheid in ein Burgverlies und um ihren Tod vorzutäuschen, lasten sie einen leeren Sarg bestatten. Auf eine wunderbare Weise wird Adelheid mit ihren Kindern von einem Schlofferlehrling ger-ttet. Auch Eckbert, der inzwischen zurückgekehrt aus Gram
ins Wasser gesprungen ist, wird l.bendig wieder arg Land gespült Kuno, der Hauptanstifter des Planes ist schon vorher einem Morde zum Opfer gefallen, während Otto in ein Kloster geht. Die Spieler gaben ihr Bestes. Dann erheiterten noch zwei Lustspiele „die Miliiäcvorlag?" und „der Logierbesuch" die Zuschauer und v-'votständigten den genußreichen Abend. Nochmals sei an dieser Stelle dem Leiter des Abends Herrn Schirgens für die große Mühe gedankt, die er sich mit dem E nüben der Stücke gemacht hat. Möge uns bald wieder so ein genußreicher Abend werden. Allen Spielern herzlichen Dank!
§ Rückers b. Flieden. Schon wieder ist ein junges Menschenleben ein Opfer seines Berufes geworden. Am verflossenen Donnerstag versaß der Bühnarbeiter Pappert aus Käutzelbug seinen Dienst in gewohnter Weise. Derselbe glitt aus, stürzte hin und wurde von einem dahingleitenden Wagen übersahren. Am Weißen Sonntag, wo er sich mit seiner Auserwählten öffentlich verloben wollte, wurde er der Mutter Erde übergeben.
§ Magdlos. Ein schwerer Einbruchdiebstahl wurde vor einigen Tagen in der hiesigen Kirche verübt. $5erwogene Diebe drangen bei Nacht in das Gotteshaus und stahlen die $1. Monstranz und sämtliche Silber- geräte, die sie erlangen konnten. Es ist sehr.bedauerlich, daß auch das Heiligste nicht mehr vor Diebeshänden sicher ist. — Vor einigest Wochen ist mit dem Bau des neuen Pfarrgebäudes be-onnen worden. Die Beaufsichtigung des Baues ist dem Bauunternehmer Rechner Möller in Flieden übertragen worden.
§ Frankfurt a. M. (Die Grenzen des neu besetzten Gebiets). Nach der von französischer Seite mitgeteilten Karte verläuft die Grenze des neu besetzten Gebiets wie folgt: Hahn ^Odenwald) — Psungstadt — Nieder- ramftadt — Oberramstadt — Roßdorft"— Gundetn- housen — Dieburg — Altheim — Horpertshausen — Harr shausen. die Ger^prenz bis zur Mündung in den Main, den Main abwärts bis Hainstadt, alsdann ver- läuft die Grenze östlich und nördlich um Großauheim und Hanau und folgt der Bahnlinie Hanau-Nord bis Heldenbergen — Roßdorf — Windecken — Marienhof — Okarben — Rodhcim — Köppern — Wehrheim — Anspach und erreicht bei Seelenberg die alte Brückenkopfgrenze.
§ Hetligenstadt, 13. April. Beim Ausroden eines Baumes im Dorfe Dieterode wurde ein interessanter Fund gemacht. In einer Ton Urne lagen 11 silberne Eheringe, 32 silberner Münzen aus den Jahren 1538—1600, ein Rosenkranz und verschiedene silberne Spangen und Agraffm. Die Münzen entstammendem " Erzherzogtum' Oesterreich, dem Kurfüstentum Sachsen, der Stadt (vivitas) Elbing und anderen Staatsgebilden. Gemäß der Eigenart der damaligen Herstellung sind es Hammerschlagmünzen, die zum großen Teil gut erhalten sind.
§ Cassel, 14. April. Ein schreckliches Ehedrama spielte sich gestern vormittag im Hause Schützenstraße 31 ab. Hier hatte sich ein junges Ehepaar, der A bester Falke und seine Frau, beide nahe der 30.r, eingemietet. Schon vorgestern war das junge Paar in Stre t ge raten, da der Mann der Frau nicht den nötigen Ver- dienst überließ. Nach abermaligem Zank erschoß dieser gestern vormittag mit einem Revolver seine Frau und dann sich selbst. Die Kugeln gingen beiden ins Heiz, sodaß der Ted sofort eintrat. Eine Untersuchung ist eingeleitet.______________________________________
— Wahlbeteiligung der Kommunisten. Die Mitgliederversammlung der K. P. D. (Spartakusbund) von Groß Berlin hat gegen neun Stimmen beschlossen, daß sich die Partei an den kommenden Wahlen beteiligen soll. Der Wahlkampf soll geführt werden gegen die Demokratie und für die Rätediktatur. Nicht mir dieser Parole einverstanden firb die radikalsten Elemente, die sich kürzlich von der K. P. D. abgetrennt und eine Kommunistische Arbeiterpartei Deutschland? gegründet haben.
— Die Landesversammlung in Braunschweig hat einstimmig eine Vorlage angenommen, wonach der Landtag mit dem 15. 5. aufgelöst wird und die Neuwahlen auf den 10. 5. anberaumt werden.
— Breslau. Wie die „Schlestsche Volkszeitung" meldet, soll die polnische Regierung dem Rat der Alliierten mitgeteilt haben, sie beabsichtige, demnächst gegen Deutschland mit Besetzungsmaßnahmen vorzugehen falls es feine Verpflichtungen Polen gegenüber nicht erfülle.
— Duisburg. Gemeinsames Ultimatum an Deutschland ? Aus Krefeld wird gemeldet: Von den von der belgischen Regierung zur Verfügung gestellten 14 000 Mann Truppen ist die Hälfte am linken Rheinufer gegenüber Duisburg und Düsseldorf eingetroffen. Der Rest ist h'er eingetroffen und bleibt vorläufig liegen, bis weitere Entscheidung getroffen wird. Die belgischen Militärbehörden rechnen damit, daß die Entente ein gemeinsames Ultimatum an Deutschland stellen wird, um die Reichswehr aus der neutralen Zone zurückzuziehen.
— Eine vorübergehende Trennung Bayerns vom Reich hat der bayrische Ministerpräsident v. Kahr in einer Ansprache an die Bezirksführer der Münchener Einwohnerwehr angedroht. Er bezeichnete die durch die Forderung der Franzosen nach Auflösung der Einwohnerwehren geschaffene Lage als äußerst ernst. Er sagte unter anderem etwa: „Was die nächsten Tage, ja Stunden, bringen können, wissen wir nicht. Wir wissen aber, daß wenn die Reichsregierung auf unsere Vorstellung-n hin nicht entsprechend handelt, unsere Wege sich von denen des Reiches trennen werden und mit einem vorübergehenden Ausscheiden Bayerns aus dem Reichsvslband gerechnet werden muß." Inzwischen hat die Konferenz der süddeutschen Staaten eine hoffentlich zuverlässige und dauernde Klärung des bewölkten politischen Himmels gebracht. S. Fernsprechnachrichten).
— Deutsche Osfiz'.ere aus Elsaß als Gemeine im fran-ösischen Heere. Nach einem kriegsministeriellen Erlasse vom 14. 2. 20 können ehemalige deutsche Offiziere des Beurlaubtenstandes auf ihren Wunsch zu französischen Unterleutnants ernannt werden. 'Ehemalige aktive deutsche Offiziere haben als Gemeine mit ihrem Jahrgang Dwnst zu leisten. Dagegen können gebildete Törtr ^reu^rfre Emloatc7r-.mrr germfftn-B^ingung-n zu Unterleutnants befördert werden. Französische Zeitschriften begründen diese Benachteiligung der aktiven Oifiziere mit derem- Nationalbewußtsein, da sie aus eigenem Entschluß die Offizierlaufbahn im deutschen Heere erwählt hätten. Reserveoffiziere seien dagegen ohne Befragung der Anwärter ernannt worden.
— Berlin, 14. April. Die „Autorität" der Reichsregierung in den Ländern. Bayern, Würtemberg, Baden und Sachsen haben sich die Aufstellung von Reichskommissaren für die Handhabung des^Ausnahme- zustandcS so nachdrücklich verbeten, daß sie in diesen Staaten unterbleibt.
Aranzöstsche Mäne.
Das Wolf^che Tetegraphcndureau läßt amtlich ein Dokument verbreiten, dessen Inhalt ebenso bezeichnet für unsere traurige Lage wie für die Frechheit der französischen Politik erscheint. Der Wortlaut des Dokuments ist folgender:
Bet einer Besprechung höherer französischer Offiziere des Okkupationsgebietes, die am 9. April in Mainz stattfand, und die der Deutschland gegenüber zu befolgenden Polstik galt, wurden folgende Richtlinien ausgestellt, die in Uebersctzung wietergegeben werden:
„Die Rheinlinie ist nötig, um uns dauernde Sicherheit und die Gewißheit zu geben, daß wir vor Rervancheideen der deutschen Miltärkceise geschützt sind. Wohl ist die' Besetzung des linken Rheinufers von großer Bedeutung, aber mit Ausnahme von Köln, dem er glissen S.kkorabschnttt und einigen sonstigen Kapttaizentren, befindet sich auf dem linken Rheinufer Lin großer fundierter Reichtum Preußens. Deshalb müßte dem Pufferstaat auch derjenige Teil des rechten Rheinufers angegl'.edert werden, der Frankfurt am Atain und Umgegend, das Ruhrgebiet und die Düsseldorfer Industrie umfaßt. Köln wird in vier Jahren * geräumt, Koblenz wohl auch. Wenn vorher die rechte und linke Seite des Rheins nicht ungegliedert sind, können wir es erleben, daß wir Mainz und Pfalz auch aufgeben müssen. Bis dahin sind die Schulden nicht bezahlt, ist Deutschland wieder hochgekommen und bildet eine Gefahr, besonders durch seine Kohlen,seine Jndustrietechnik und den Rhein, der der Kanal für die Rohstoffe nach Rheinland, Westfalen und Süddeutschland ist. I de Verlegenheit Deutschlands ist daher zu benutzen, um damit Vorteile für uns zu erringen. Da sich England nicht allzuweit von der Küste engagieren will und wir die Landnachbarn sind, Amerika aber genug mit Japan und England zu tun hat, müssen wir, solange wir freie Hand haben, alles tun, um uns festzusetzen, und unsere Alliierten vor eine vollendete Tatsache zu stellen. Vom nächsten Weltkrieg werden wir weniger berührt als England, Amerika und Japan. Innere